Florian Tietgen Haus der Jugend

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Inhaltsangabe zu „Haus der Jugend“ von Florian Tietgen

'Ich habe gut davon gelebt, dich nicht zu vergessen.' Der Kunstmaler Siegfried Wrobel hat die Sehnsucht nach seiner großen Liebe Darius immer wieder auf die Leinwand gebannt und die Bilder gut verkauft. Nach 50 Jahren treffen sie sich an der Elbe wieder. Schaffen die beiden es, sich wieder anzunähern? Und erhält Siegfried die Antworten, die er so gern hätte? Was ist im München der Nachkriegsära passiert, während Siegfried für seine Liebe die Ausbildungsstelle und seine Wohnung verloren hat? Warum hat Darius ihn über Nacht heimlich verlassen? Und warum ist er ein halbes Jahrhundert später immer noch 20 Jahre alt? "Haus der Jugend“ erzählt von einer wunderschönen Liebe, die an den Gesetzen und Moralvorstellungen der 50er Jahre scheitert. Oder am Ende etwa nicht? (Quelle:'Flexibler Einband/18.03.2015')

Passend zur Thematik unangenehm zu lesen; schafft nicht immer den Sprung zwischen Abstrakt & Konkret. TW: Vergewaltigung & Nötigung!

— SchmokSchmok

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    Haus der Jugend

    Koriko

    02. June 2015 um 12:33

    Story: München in den 50er Jahren: Das Leben des junge Siegfried läuft trotz seiner Homosexualität zufriedenstellend. Ihm fehlt nur noch die Praktikumsbescheinigung des Theaters, bei dem er arbeitet, dann kann er auf der Universität Kunst und Design studieren. Sein Leben nimmt eine Wendung, als er Darius auf dem Theatervorplatz begegnet und sich zwischen den beiden mehr entwickelt. Als Siegfried kurz darauf dank der Verleumdung eines Arbeitskollegen seine Stellung verliert, ist es Darius, der ihn auffängt und davon überzeugt ihn für eine Woche in eine einsame Berghütte zu begleiten. Siegfried kommt tatsächlich zur Ruhe, doch eines Nachts verschwindet Darius plötzlich spurlos. Siegfrieds Suche nach Darius bleibt erfolglos, auch in den kommenden Wochen findet er keine Spur. Erst 50 Jahre später treffen sich die beiden in Hamburg wieder: Siegfried ist über 70 Jahre alt und ein bedeutender Künstler geworden, und Darius hat sich überhaupt nicht verändert. Er ist weder gealtert, noch hat er Siegfried je vergessen … Eigene Meinung: Der deutsche Autor Florian Tietgen hat bereits mehrere Romane und Novellen herausgebracht, teils als Selfpublisher, teils über Knaur-Tochter neobooks, wo er eine eigene Edition hat. Neben Krimis veröffentlicht er regelmäßig Erzählungen und Geschichten mit homosexuellen Hauptcharakteren, zu dem auch der Roman „Haus der Jugend“ gehört. Die Geschichte ist ungewöhnlich und definitiv eine gelungene Abwechslung zu den gängigen Gay Romanen, die sich zur Zeit auf dem deutschen Markt tummeln. Dies wird dem Leser schon auf den ersten Seiten bewusst, da Siegfried als alter Mann eingeführt wird, der ein Leben als Künstler hinter sich hat und der seine große Liebe Darius vor über 50 Jahren verloren hat. Erst als er diesen zufällig wieder trifft und die Erinnerungen an ihre gemeinsame Zeit in München zurückkehren, lernt man ihn als schwuler Mann kennen, dessen Leben in der Nachkriegszeit nicht einfach war, da Homosexualität damals noch gesetzwidrig war. Im beständigen Wechsel zwischen den 50er Jahren und der heutigen Zeit erfährt man, was in der Vergangenheit zwischen Siegfried und Darius vorgefallen ist und welche Auswirkungen die Ereignisse auf beide Männer hatten. Dabei wird die Geschichte vollkommen aus Siegfrieds Sicht erzählt, man sieht durch seine Augen und erfährt am Ende, was es Darius‘ Geheimnis auf sich hat. Nichtsdestotrotz ist die Liebe zwischen Siegfried und Darius das Hauptthema des Buches. Dabei verzichtet Florian Tietgen vollkommen auf kitschige Szenen und romantisierte Dialoge. Stattdessen gehen die Gefühle der beiden tiefer. In diesem Zusammenhang ist Florian Tietgen ein kleines Kunststück gelungen, denn egal wie mystisch die Erklärungen am Ende sind, wie fantasievoll die Wahrheit um Darius‘ ewige Jugend, der Roman wird nie unrealistisch. „Haus der Jugend“ ist ein durch und durch belletristischer Text, egal wie wundersam die Ereignisse in der Vergangenheit und in der Gegenwart sind. Das liegt vor allem daran, dass Florian Tietgen auf allzu klischeehafte Handlungsstränge und Protagonisten verzichtet. Sowohl Siegfried als auch Darius sind ganz normale Menschen, wirken nicht wie „Superhelden“, die man oftmals in (Fantasy-)Romanen trifft. Sie sind in sich logisch aufgebaut, handeln nachvollziehbar und man kann sich sowohl mit dem jungen Siegfried identifizieren, als auch mit dem alten. Gerade der 70-jährige Mann wird von Florian Tietgen sehr überzeugend in Szene gesetzt. Auch Darius verhält sich, trotz seiner Andersartigkeit logisch und man versteht mit der Zeit seine Gründe, Siegfried mitten in der Nacht zu verlassen. Dennoch bleibt er die meiste Zeit ungreifbar, da ihm immer der Hauch der Andersartigkeit anhaftet. Stilistisch legt Florian Tietgen einen beeindruckenden Roman vor. Er hat ein Gefühl für Sprache, Situationen und Dialogen. Selbst die Beschreibungen des alltäglichen Lebens gelingen ihm durchweg, so dass nie Langeweile aufkommt. Ohne Hast führt er die Hauptcharaktere ein, lässt sie interagieren und erzeugt auf vollkommen unspektakuläre Weise Spannung. Dabei wird die Geschichte durchweg aus Siegfrieds Sicht erzählt – sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Gegenwart. Hier zeigt sich eine weitere Stärke des Romans: man nimmt dem Autoren sowohl den jungen, als auch den alten Siegfried ab. Zudem baut er eine ganz bestimmt Atmosphäre auf, die ein wenig an Hermann Hesses Werke erinnert, wenngleich diese sprachlich und inhaltlich natürlich nicht vergleichbar sind. Dennoch fühlt man sich beim Lesen von „Haus der Jugend“ ein wenig an „Demian“ erinnert. Fazit: „Haus der Jugend“ ist ein außergewöhnliches, tiefgründige Buch, das durchaus zum Nachdenken anregt. Florian Tietgen erschafft sympathische, authentische Charaktere und verliert trotz der mystischen Elemente nie den Bezug zur Realität. Dank seines ausdrucksstarken Schreibstils und der vollkommen kitschfreien Liebesgeschichte ist „Haus der Jugend“ ein Muss für alle, die mit den gängigen Gay Romance Büchern nichts anfangen können. Florian Tietgens Werk hallt nach und ret zum Nachdenken an.

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  • Rezension zu "Haus der Jugend" von Florian Tietgen

    Haus der Jugend

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    25. August 2012 um 15:04

    "Das Haus der Jugend" ist vor allen Dingen eines: Eine wunderschön erzählte Liebesgeschichte zwischen zwei Männern. Der Autor verfügt über die Gabe, unglaublich berührend zu schreiben. Jedes Wort, jeder Statz ist stimmig; kein Wort ist zuviel. Als Leser bekommt man einen Einblick, wie schwer es zur Zeit Adenauers gewesen sein muss, homosexuell zu sein. Denunzianten und ewig Gestrige warteten nur auf Hinweise, um solchen Männern das Leben schwer zu machen und nicht selten landeten diese dann für einige Zeit im Gefängnis. Dieses Buch ist ein Plädoyer für die Liebe und die Menschlichkeit; zeigt aber auch die Zerrissenheit der Protagonisten sehr eindrucksvoll auf. Klare Leseempfehlung. Ich würde mir sehr wünschen, noch mehr von Florian Tietgen zu lesen.

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