Florian Wacker

 4.1 Sterne bei 12 Bewertungen
Autor von Albuquerque, Stromland und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Florian Wacker

Florian WackerAlbuquerque
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Albuquerque
Albuquerque
 (5)
Erschienen am 01.09.2014
Florian WackerStromland
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Stromland
Stromland
 (4)
Erschienen am 01.03.2018
Florian WackerDahlenberger
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Dahlenberger
Dahlenberger
 (3)
Erschienen am 02.07.2015
Florian WackerWolfserwartungsland
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Wolfserwartungsland
Wolfserwartungsland
 (0)
Erschienen am 16.04.2018

Neue Rezensionen zu Florian Wacker

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Dajobamas avatar

Rezension zu "Stromland" von Florian Wacker

Reise ins Herz der Finsternis - Highlight!
Dajobamavor 2 Monaten

Diesen Roman finde ich schlichtweg genial und er ist schon jetzt eines meiner Highlights 2018!

 

Um das Stromland im Amazonasgebiet ranken sich viele Geschichten und Mythen. Viele Abenteurer und Goldjäger haben hier über die Jahrhunderte schon ihr Glück versucht, die meisten davon sind gescheitert.

 

Brasilien im 18. Jahrhundert.  Flirrende Hitze mitten im Dschungel,  Affen kreischen, Kolibris flattern. Die Jesuiten, auch Schwarzröcke genannt, beginnen die indigenen Bewohner zu missionieren. Friedlich und mit einigem Erfolg. Bis wenig später bewaffnete Spanier und Portugiesen in den Dschungel eindringen und Besitzansprüche stellen. Schwitzend und halb irr von der Gier nach Gold, von Mücken zerstochen. Nun beginnt ein blutiger Kampf am Amazonas, der bis heute andauert.

 

"Der Urwald war lichtgetränkt, Schlingpflanzen und Farne wucherten, riesige gemaserte Blätter,  Blütenkelche, die Aasdüfte verbreiteten, winzige Fliegen setzten sich an ihre Lippen, in die Nasenlöcher. " Seite 131

 

Peru, 1984. Irina ist gemeinsam mit ihrem Freund auf der Suche nach ihrem Zwillingsbruder Thomas, der bei einem Filmdreh im Dschungel verschollen ist. Unerfahren und unter widrigsten Bedingungen geraten sie tief ins Herz der Finsternis, bewegen sich zunehmend an der Grenze zwischen Wahn und Realität, Erinnerung und Hoffnung. Zufällig treffen sie schließlich auf die Familie Wilhelmi deren Wurzeln im Dschungel bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen. Johann Wilhelmi war einer der ersten, die ihr Lager im peruanischen Urwald aufschlugen - und blieben.

Florian Wacker schlägt einen großen Bogen über drei Jahrhunderte und erzählt von der Verzweiflung und von der Einsamkeit, von Krankheiten und von den Abgründen menschlicher Hoffnungen und Sehnsüchte.

 

Die Handlung ist spannend und tiefgründig. Besonders beeindruckt hat mich an diesem Roman aber die Sprache. Denn die ist grandios. Detailreich, oft poetisch. Der Leser bekommt Bilder wie im Kino, bisweilen grausam, aber immer hautnah und eindringlich. Auf mehreren Zeitebenen, über drei Jahrhunderte, doch der Regenwald bleibt immer gleich unwirtlich,  hier gelten eigene Gesetze, die der Zivilisation sind außer Kraft gesetzt. Was passiert mit der Menschlichkeit fernab der Zivilisation? Wie weit gehen die Siedler, um ihr Leben in der Wildnis lebenswert zu gestalten und dem Regenwald Stück für Stück Land abzuringen?

 

"Aber der Fluss kennt unsere Namen,  der Wald kennt unsere Gesichter. Sie werden weinen, wie kleine Kinder vor Sehnsucht, und dann werden sie zu toben beginnen und alles tun, um uns zurückzuholen." Seite 283

 

Für mich ist dieser Roman die Entdeckung des Jahres. Ein anspruchsvoller und spannender Abenteurerroman, der viele existenzielle Fragen aufwirft. Fesselnd und grandios geschrieben. Sollte man gelesen haben!

 

Kommentare: 4
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BettinaR87s avatar

Rezension zu "Stromland" von Florian Wacker

Wahnsinn aus Drogen und Tropen
BettinaR87vor 2 Monaten

Irina und Thomas wachsen, für Zwillinge nicht unüblich, in einer engen Beziehung zueinander auf. Doch er trifft eine Entscheidung, die die Geschwister sowohl schleichend als auch gewaltsam voneinander trennt. Thomas als cineastischer Fan kommt auch beruflich zum Film und dreht mit Klaus Kinski in den Tiefen des Dschungels - und reist nach Abschluss der Dreharbeiten erst einmal nicht ab. Seine Eindrücke schildert er für seine kleine Schwester in Briefen, die zunehmend kryptischer werden, je weiter Thomas sich im Leben mit dem Dschungel verliert. Schließlich hören die Briefe auf und Irina beschließt zusammen mit ihrem Freund Hilmar, nach Iquitas und zu all den anderen Stationen ihres Bruders zu reisen, um ihren Zwillingsbruder wiederzufinden.

Womit sie nicht gerechnet hat, ist, dass es mehr als nur ihre Suche gibt, die nicht nur Irina, sondern auch Hilmar auf andere Pfade des Lebens führen.

Die Kritik

Es ist nicht das erste Buch von Florian Wacker, aber wohl das erste seiner Art für ein erwachsenes Publikum. In dieser Geschichte ist sein Schreibstil sehr eigenartig, oft verschachtelt und inhaltlich komplex. Das soll ihm nun überhaupt nicht zum Nachteil ausgelegt werden! Vielmehr hebt er sich dadurch ab von den allzu simpel verfassten Erzählungen. Es macht aus einer an sich relativ einfachen Handlung ein Buch, das man ganz bewusst lesen sollte, also nicht als lockere Sommerunterhaltung durch die Seiten fliegen.

Die enthaltene Geschichte ist sehr vielschichtig - Irina und Hilmar auf der einen Seite, die in der "Gegenwart" nach Thomas suchen. Die Briefe von Thomas, von denen man erst später erfährt, ob Irina sie wirklich erhalten hat, auf der anderen Seite. Die Geschichte hinter der Besiedlung des wilden Urwalds unter Einbeziehung realer Personen, zu denen am Ende sogar noch Pablo Escobar gehört, umgarnt beide Seiten. Die komplexen, manchmal durchaus an Wahnsinn erinnernden Gedankenkaruselle stricken daraus eine stark verkopfte Geschichte, in der die Handlung übersichtlich bleibt, aber die Emotionen und teils wirren Ideen der Protagonisten starken Tobak für Außenseiter darstellen.

Emotional fühlt man sich, trotz des vielen Kontextes rund um die eigentliche Erzählung, schnell angekommen im Stromland. Das Konzept der Suche nach einer Person, der Suche nach dem Ort, an dem man sich Zuhause und angekommen fühlt oder auch der Suche nach sich selbst ist eines, das jeder semi-bewusst denkende Mensch intuitiv erkennt und mitlebt.

Dass der Autor sich ordentlich in die Tiefe des Urwalds und auch die Geschichte einrecherchiert hat, merkt man der Erzählung ganz deutlich an. Die missionarischen Jesuiten, Goldschürfer, Gegelegenheitsgauner, möchtegern Kolonialherren, die Seite der Ureinwohner - sie alle finden ihren Platz, doch finden sie am Ende auch Thomas?

Eine perfekte Sommerlektüre, denn wenn draußen die Sonne auf die Welt hinabbrennt, hat man das Kreischen der Äffchen direkt im Ohr und sieht halb eine Schlange vor sich herabbaumeln - wortreiche und kopfstarke Geschichte!

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miro76s avatar

Rezension zu "Stromland" von Florian Wacker

Eine abenteuerliche Suche
miro76vor 4 Monaten

Stromland ist der erste Roman für Erwachsene von Florian Wacker und das Ergebnis einer 3jährigen Recherche. Dass sich der Autor intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt hat, spürt man beim Lesen. Man wird hineingesogen in die Mysterien des Urwalds.


Man wird über die Geschichte der Einwanderer in den Roman geführt. Soldaten, Priester und die ersten deutschen Siedler kommen zu Wort. Und dann startet die Geschichte um Irina und Thomas, Zwillinge, deren Bindung äußerst stark ist. Doch Thomas ist ein Abenteuer und er nutzt die Gelegenheit, um mit einem Filmteam um Klaus Kinski und Werner Herzog an den Amazonas zu reisen. Er kehrt nicht mit den anderen zurück. Er möchte das Land entdecken und macht sich auf die Suche nach den Geistern, die den Wald beseelen. Irina ist ständig in Briefkontakt mit Thomas. Als die Briefe enden, macht sie sich mit ihrem Freund Hilmar auf den Weg, Thomas zu finden.

Ihre Suche führt sie in die tiefsten Abgründe des Urwalds bzw. der Menschheit. Wie das ausgeht, wird nicht verraten.

Florian Wacker hat diesen Roman mit vielen geschichtlichen Details gespickt. Wir lesen von den Jesuiten, die missionarisch unterwegs waren, von den Goldsuchern, von den deutschen Auswanderern, die sich ein kleines Stück Heimat in der Ferne geschaffen haben und natürlich geht es auch um Drogen. 

Die Sprache ist vielleicht etwas spröde, aber das nimmt dem Buch nichts an Spannung. Ich habe es mit großem Interesse gelesen und auch wenn es mich etwas ratlos zurücklässt, weil Vieles unaufgeklärt bliebt, konnte es mich begeistern.

"Es ist die Vergangenheit, die zerbröselt. Wichtig ist die Zukunft. Die habe ich gefunden."      (S. 339)

Diesen Schritt müssen wir Leser einfach mitmachen. Wir müssen akzeptieren, dass die Vergangenheit nicht zwingend rekonstruierbar ist. Dann können wir auch das Ende gut annehmen. 
Allen, die mit offenen Enden nichts anfangen können, empfehle ich das Buch nicht. Aber alle, die es mögen, wenn etwas im Dunklen bleibt, die sich gerne ihre eigene Vorstellung bilden, die dem Mysteriösen nicht abgeneigt sind, die werden dieses Buch genauso schätzen wie ich! 

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