Frédéric Beigbeder

 3,7 Sterne bei 443 Bewertungen
Autor von Neununddreißigneunzig, Windows on the world und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Frédéric Beigbeder

Satire trifft auf Romanzen, die nicht ganz romantisch sind: Frédéric Beigbeder wurde 1965 im französischen Neuilly-sur-Seine geboren. Er studierte später Politik in Paris und arbeitete danach jahrelang in einer Webreagentur als Texter. Mit seinem Roman "39,90" wurde er international bekannt. Im Jahre 1994 rief er den Prix de Flore für junge Autoren ins Leben. Für sein Werk "Un roman français" erhielt er 2009 den Prix Renaudot. Heute lebt Beigbeder als anerkannter Kritiker und Schriftsteller in Paris.

Alle Bücher von Frédéric Beigbeder

Cover des Buches Neununddreißigneunzig (ISBN: 9783492970952)

Neununddreißigneunzig

 (225)
Erschienen am 13.04.2015
Cover des Buches Windows on the world (ISBN: 9783548262413)

Windows on the world

 (48)
Erschienen am 01.09.2005
Cover des Buches Der romantische Egoist (ISBN: 9783548267104)

Der romantische Egoist

 (27)
Erschienen am 12.07.2007
Cover des Buches Memoiren eines Sohnes aus schlechtem Hause (ISBN: 9783499230950)

Memoiren eines Sohnes aus schlechtem Hause

 (26)
Erschienen am 01.11.2001
Cover des Buches Die Liebe währt drei Jahre (ISBN: 9783499231926)

Die Liebe währt drei Jahre

 (21)
Erschienen am 02.01.2003
Cover des Buches Oona und Salinger (ISBN: 9783492309042)

Oona und Salinger

 (18)
Erschienen am 01.08.2016
Cover des Buches Ein französischer Roman (ISBN: 9783492970969)

Ein französischer Roman

 (11)
Erschienen am 13.04.2015

Videos zum Autor

Neue Rezensionen zu Frédéric Beigbeder

Cover des Buches Der Mann, der vor Lachen weinte: Roman (ISBN: B092LZM96W)miss_mesmerizeds avatar

Rezension zu "Der Mann, der vor Lachen weinte: Roman" von Frédéric Beigbeder

Frédéric Beigbeder - Der Mann, der vor Lachen weinte
miss_mesmerizedvor 3 Monaten

Octave Parango gehört zu den ganz Großen seines Faches, als Kolumnist fasst er jeden Donnerstagmorgen im Radio scharfzüngig bis zynisch die Lage der Nation zusammen. Pünktlich um 8 Uhr 55 wird der größte nationale Radiosender seit zwei Jahrzehnten von ihm zum zentralen Ort der Abrechnung. Doch nach Jahren des ausgelassenen Feierns und engen Austauschs zwischen Kultur und Politik ist ihm nun das Lachen vergangen. Was in den 90ern mal komisch war, bleibt ihm jetzt im Hals stecken. Er hat noch eine Nacht, um sein Programm für den folgenden Morgen vorzubereiten. Sinnierend flaniert er durch Paris auf der Suche nach Inspiration, aber er hat sich schon so entfremdet, dass er kaum mehr Bezug zu seiner Umwelt finden kann.

 

„Dieses Buch ist der Bericht einer Selbstversenkung, aber nicht nur meiner eigenen, es handelt sich eher um ein Kollektivopfer.“

 

Beigbeder greift in seinem aktuellen Roman den Protagonisten Octave Parango auf, der bereits zentrale Figur in „99F“/“Neununddreißigneunzig“ und „Au secours pardon“ war. Stand in ersterem die Abrechnung mit der Werbebranche und dem maßlosen Konsum im Vordergrund, war es in zweitem die Welt der Mode mit ihren ausschweifenden, drogengetränkten Partys. An beides erinnert sich Parango bei seinem Streifzug, doch die Stadt ist nicht mehr die, die er einmal kannte. Es ist eine Satire, die sich zwischen urkomisch und tiefverzweifelt bewegt und so die Gegenwart ungeschönt einfängt.

 

„In einer Vergnügungsdemokratie hat der Staatspräsident nicht so viel Gewicht wie der Narr, denn er muss die tägliche Karikatur ertragen, während der Narr nicht anfechtbar ist – und damit ein Tyrann.“

 

Wie auch die vorhergehenden Romane der Trilogie ist „Der Mann, der vor Lachen weinte“ autobiografisch geprägt, Beigbeder verlor seine morgendliche Kolumne bei France Inter, nachdem er den Bogen überspannt und sich der „Vergnügungsdemokratie“ entsagt hatte. Nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo genießen die Karikaturisten Narrenfreiheit; waren sie vorher diejenigen, die Staat und Gesellschaft den hässlichen Spiegel vorgehalten haben, sind sie nun unantastbar.

 

„Jedes Jahr gedenkt man am 14. Juli, Frankreichs Nationalfeiertag, einer von der Polizei verbotenen Demonstration. Deshalb gelten Aufstände in Frankreich als heilig. Das Recht auf Wut ist hierzulande unantastbar. Die Revolution ist unsere DNA, unsere Republik ist aus einem gewalttätigen Chaos hervorgegangen, (...)“

 

Doch sie, ebenso wie die politische Elite, die schon immer aus den Grandes Écoles hervorgegangen ist, deren Zugang mehr mit Beziehungen denn mit Qualifikation zu tun hat, haben den Bezug zum Volk verloren. Täglich erlebt er Demonstrationen der Gelbwesten (in der Übersetzung etwas irritieren „Neonwesten“ genannt), die in zerstörerischen Ausschreitungen enden und doch mit ihrer Message nicht ankommen.

 

Der Komiker hat nichts erreicht, die Satire hat nicht zum Nachdenken angeregt, hat keine Veränderung provoziert. Mehr als oberflächliche Lustigkeit ist nicht geblieben. Und so greift die abgehängt Klasse notgedrungen zu jenem Mittel, das auch schon Jahrhunderte zuvor gewirkt hat und erobert sich mit den Champs-Élysées jene Straße zurück, die sich die reiche Oberschicht als ihr Quartier eingerichtet hatte.

 

Beigbeders Roman ist inhaltlich eher ein Essay zur Lage der Nation, eine Abrechnung mit der politischen wie kulturellen Elite, zu der er selbst jedoch auch gehört. Eindrücklich und zugleich sehr unterhaltsam warnt er vor den Folgen der Entfremdung, man hat schon einmal gesehen, wo diese hinführt. Das kollektive Augenverschließen – nicht nur vor der Not weiter Teile der Bevölkerung, sondern in Frankreich zudem noch vor den inzwischen publik gewordenen Pädophilie-Skandalen – kann und darf nicht mehr toleriert werden.

 

Sicher nur begrenzt auf Deutschland übertragbar da sehr spezifisch auf die französische Situation bezogen, dennoch sehr lesenswert, denn Beigbeder gelingt die Mischung zwischen Unterhaltung und Sozialkritik überzeugend.

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Cover des Buches Endlos leben (ISBN: 9783492059237)killmonotonys avatar

Rezension zu "Endlos leben" von Frédéric Beigbeder

Rezension: Endlos leben
killmonotonyvor 3 Jahren

Ich hatte das Glück, Frédéric Beigbeder auf der Frankfurter Buchmesse bei einem Interview am F.A.Z.-Stand zu sehen, in dem er von seinem neuen Buch „Endlos leben“ erzählte. Zu diesem Zeitpunkt wartete ebendieses bereits daheim auf mich und nach diesem Interview musste ich sofort beginnen, es zu lesen. Beigbeder erzählte, dass es in seinem neusten Buch (eigentlich als „Roman“ betitelt) um die Frage seiner Tochter geht: „Papa, stimmt es, jeder mal stirbt?“ Da er feige sei, habe er dies mit folgendem Satz beantwortet: „Bisher war das so, aber jetzt wird sich etwas daran ändern!“ – und so beginnt Frédéric Beigbeders Reise (oder vielmehr die seines Protagonisten/Alter Egos) um die Welt, zu den fortschrittlichsten Forschungseinrichtungen und zu berühmten Kurhäusern, um alles aufzusaugen und auszuprobieren, was man im heutigen Zeitalter gegen den Erzfeind, den Tod, unternehmen kann. Und Methoden und Forschungsansätze gibt es verdammt viele: vom Transhumanismus (Erweiterung der Lebensdauer durch Technologie) über Genveränderungen bis hin zu der Umkehrung des Altersprozesses. Frédéric Beigbeder schaut sich zusammen mit seiner Familie die verschiedenen Methoden an und fühlt der Wissenschaft gehörig auf den Zahn. Dass er sich dabei immer weiter von seiner Frau entfremdet, merkt er dabei nicht…

"Das Leben ist ein Massaker. Ein Mass murder mit 59 Millionen Toten pro Jahr. […] Es ist mir ein Rätsel, warum Terroristen sich solche Mühe geben, die Statistik aufzubessern: So viele Leute wie Mutter Natur können sie nie umbringen. Die Menschheit wird unter allgemeiner Gleichgültigkeit dezimiert. Wir akzeptieren diesen täglichen Genozid, als handele es sich um einen normalen Prozess."

Dieses Buch ist unglaublich schwer einzuschätzen. Ist es ein Roman, sind alle diese Dinge tatsächlich passiert oder gibt es lediglich kleinere Überschneidungen? Frédéric Beigbeder sagt auf der Buchmesse und auch im Vorwort zu „Endlos leben“, dass es all die erwähnten wissenschaftlichen und auch weniger wissenschaftlichen Methoden zur Lebensverlängerung tatsächlich gibt. Auch scheinen der Protagonist und er einiges gemein zu haben… Doch lassen wir diesen Aspekt einmal offen. Beigbeders „Endlos leben“ liest sich wie ein skurriler Trip durch die abgedrehtesten Neuheiten, die der Verjüngungsmarkt zu bieten hat: Bluttransfusionen mit dem Blut junger Menschen, die Übertragung des eigenen Bewusstseins auf eine Festplatte, eine ganz spezielle Ernährung, die niemandem schmeckt, aber trotzdem den Tod in Schach halten soll… Beigbeder wendet sich jedoch nicht nur der Wissenschaft zu, als Atheist besucht er auch die heiligen Stätten in Jerusalem und nimmt neben einigen Eindrücken der Kultur auch den Wunsch, zu glauben, mit auf seine weiteren Reisen.

Weiterlesen: https://killmonotony.de/rezension/endlos-leben-fakt-oder-fiktion

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Cover des Buches Endlos leben (ISBN: 9783492059237)wandablues avatar

Rezension zu "Endlos leben" von Frédéric Beigbeder

Thema brandaktuell. Umsetzung fad.
wandabluevor 3 Jahren

Thema brandaktuell. Umsetzung etwas fad.
„Ein französischer Roman“ war meine erste Begegnung mit Frédéric Beigbeder, der im Nachbarland durch das französische Fernsehen und als Autor wohl bekannter ist als hierzulande. „Ein französischer Roman“ war ein nachdenklicher Roman über das Leben und vor allem die Kindheit des Autors, der mir sehr gut gefiel.

„Endlos leben“ beschäftigt sich mit dem Wunsch nach einem verlängerten Leben. Der Autor nimmt die Wissenschaft aufs Korn, die sich in vielen Ländern und Bereichen damit beschäftigt, den Tod zu eliminieren oder zumindest das Leben so lange wie möglich zu erhalten. Kann man die Spirale aufhalten oder gar den Prozeß des Alterns umkehren und wohin führt dies? Schon jetzt ist der Jugendwahn wirklich ein Wahn, wie das Wort es aussagt.

Der Wunsch des Menschen nach einem endlosen Leben ist alt. Er hat die Menschen in die Spiritualiät geführt. Und zu einer gesunden Lebensführung animiert, in der optimierte Ernährung und viel Bewegung Prioritäten darstellen.

Doch seit die Life-Sciences mit der Entschlüsselung der DNA und weiteren spektakulären Entdeckungen und Erfindungen operieren und gleichzeitig die Informatik die Künstliche Intelligenz ins Felde führt und "Algorithmen" sämtlichste Lebensregungen berechnen, treibt der Wunsch nach einem endlosen Leben manchenorts seltsame Blüten.

Damit beschäftigt sich der Roman, in dem der langsam alternde Held mit der jungen Ehefrau und seinen Kindern samt einem Roboter eine Reise quer durch die Kontinente antritt, um Wissenschaftler in aller Welt aufzusuchen und zu schauen, welche Mittel ihm heute schon „Unsterblichkeit“ verleihen könnten. Während er sich mehr und mehr den Methoden der Lebensverlängerung und Lebensverjüngung ausliefert, verliert er allmählich seine Menschlichkeit und muss seine Beziehungen opfern.

Der Leser wird durch den Roman, der mit Absurditäten arbeitet, durchaus informiert, aber durch die spannungsarme Handlung leider auch gelangweilt. Es geht ihm wie Romy, der 10jährigen Tochter, die während der Unterredungen von Daddy mit dem berühmten Professor lieber im Vorzimmer mit ihrem Roboter spielt.

Fazit: Beigbeders Ansatz, diese ganze neue Industrie zu persiflieren und nebenbei aufzuzeigen, was, auf die Spitze getrieben, daraus wird, wenn man alle ethischen Vorstellungen zugunsten der Sucht nach Ewigkeit über Bord wirft, hat was, ist aber nicht unterhaltsam genug aufgebaut. Schade. Beigbeders Witz, der an manchen Stellen durchaus aufscheint, zündet nicht.

Kategorie: anspruchsvolle Literatur
Verlag: Piper, 2018

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Frédéric Beigbeder wurde am 21. September 1965 in Neuilly-sur-Seine (Frankreich) geboren.

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