Frédéric Beigbeder Oona und Salinger

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Inhaltsangabe zu „Oona und Salinger“ von Frédéric Beigbeder

Sie ist die schönste Frau, die er je gesehen hat. Oona O’Neill ist zarte fünfzehn und gerade »Glamour Girl« des angesagtesten Clubs im New York City der 40er-Jahre geworden. Jerry Salinger wird einen romantischen Sommer mit ihr verbringen, dann macht ihm ein anderer einen Strich durch die Rechnung: Charlie Chaplin heiratet Salingers große Liebe. Man könnte meinen, damit wäre alles gesagt, doch es ist erst der Beginn einer langen Geschichte.

Wenn der Autor schlauer und das Ego größer ist als der Inhalt und das für mich ein Knock-Out- Kriterium.

— schokoloko29

Leider geschwätzig und enttäuschend. Beigbeder ist ein unerträglich eitler Autor...

— Himmelfarb

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4,5 Sterne. Bewundernswert, wie nüchtern, distanziert und ganz ohne Wut und Selbstmitleid die Autorin über Ihre Kindheit und Jugend schreibt

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  • Oona & Salinger

    Oona und Salinger

    ErinaSchnabu

    22. July 2017 um 22:17

    InhaltOona & Salinger ist ein Tatsachenroman, der auf der Romanze zwischen J. D. Salinger (Autor des Romans Der Fänger im Roggen) und Oona O'Neill (Tochter des Dramatiker Eugene O'Neill) basiert. Oona und Jerry lernen sich in den 40er Jahren in New York im angesagten Storck Club kennen und beginnen eine Romanze. Doch dann beginnt der zweite Weltkrieg und Jerry geht als Soldat nach Europa und Oona geht nach Hollywood. Jerry schreibt ihr unzählige Briefe, die unbeantwortet bleiben, denn Oona hat sich bereits neu verliebt in den berühmten Schauspieler Charlie Chaplin, welchen sie schließlich heiratet. Jerry jedoch kann Oona nicht vergessen...Meine Meinung Obwohl ich seinen Roman Der Fänger im Roggen gelesen hatte, wusste ich kaum etwas über J. D. Salinger. Auch sein Bestseller hat mir nicht so gefallen, wie allen anderen Menschen, die ihn lasen, jedoch umso mehr der Film 39.90, der auf einer Romanvorlage von Frédéric Beigbeder basiert. Amerikanische Kultur- und Prominenzgeschichte der 40er und 50er Jahre von Beigbeder? Das kann doch nichts schlechtes sein! Und tatsächlich wurde ich nicht enttäuscht. Beigbeders Tatsachenroman ist gut recherchiert. Es werden nicht nur Infos über die amerikanische Prominenz eingebaut, sondern auch Hintergrundwissen zum 2. Weltkrieg, dem Holocaust und den amerikanischen Soldaten, die nach Europa gingen, um den Kontinent von den Nazis zu befreien. Das sieht man auch daran, dass am Ende ein Literaturverzeichnis angegeben ist.Unterhaltsam und berührend ist der Roman auch. Beigbeder wechselt die Perspektiven, kommt selbstironisch zu Wort und zieht sich wieder zurück, wenn er die Protagonisten in ihrer Liebes- und Kriegsgeschichte sprechen und handeln lässt. Ich konnte mich sehr gut einfühlen und wollte unbedingt weiter lesen. Langeweile kam beim Lesen nie auf.Zwischen den Zeilen kann man lesen, dass der Roman eine Ode an die Jugend ist: Jerry ist ein paar Jahre älter als die 15-jährige Oona, als sie sich kennen lernen. Oona betont immer wieder, dass sie noch jung und dumm sind. Charlie Chaplin heiratet Oona, seine jugendliche Frau, als er bereits im besten Alter ist und profitiert von ihrer Jugend. Im Krieg sterben junge Soldaten auf allen Seiten. Sie lassen ihr Leben, ihre Jugend für nichts und sterben sinnlos in einem Krieg für den sie nichts können.Beigbeder erzählt mit Oona & Salinger eine reale Liebesgeschichte sowie eine Antikriegsgeschichte und gibt Einblick in die Glamour-Welt der 40er Jahre. Es ist ihm bestens gelungen, mehrere Themen miteinander sinnvoll zu verweben und ich habe den Roman sehr gerne gelesen.

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  • Geniale Mischung aus Fakten und Fiktion...

    Oona und Salinger

    Creed

    01. June 2016 um 17:25

    Da ich den französischen Kultautor Beigbeder bislang nur dem Namen nach kannte, war meine hauptsächliche Entscheidung, das Buch zu lesen, meine Begeisterung für den Schriftsteller Jerome D. Salinger. Jetzt, nach der Lektüre dieses absolut großartigen Werkes, bin ich zusätzlich gespannt darauf, weitere Bücher von Frédéric Beigbeder zu lesen... Der Franzose legt hier einen genial geschriebenen Roman vor, den er selbst als "Faction" bezeichnet, also eine Mischung aus Tatsachen und Fiktion. Die Eckdaten der Kurzbeziehung von Oona O'Neill und J.D. Salinger stimmen und sind sauber recherchiert; Orte, Daten, historische Persönlichkeiten, verbürgte Anekdoten. Da Beigbeder aber keinerlei Unterstützung der Erben Oonas und Salingers erhielt, sind sämtliche Dialoge und Situationsbeschreibungen von ihm erdacht worden. Und das ist ihm wahrhaft hervorragend gelungen...die fiktiven Briefe, die Salinger über die Jahre hinweg an Oona, die mittlerweile Charlie Chaplin geheiratet hatte, schrieb, klingen unglaublich realistisch; Beigbeder gelingt das Kunststück, die Sprache Salingers so klingen zu lassen, wie man sie aus Salingers eigenen Geschichten kennt; stets leicht skurril wirkend, oftmals zynisch und bissig, aber stets sprachmächtig. Desweiteren werden auch die historisch verbürgten Begegnungen und Unterhaltungen von Truman Capote, Charlie Chaplin, Ernest Hemingway und Eugene O'Neill realistisch und glaubhaft geschildert, man vergißt nach einer Weile völlig, dass sie der Feder Frédéric Beigbeders entsprungen sind. Der eigentliche Clou des Buches jedoch ist der flapsige Ton, in dem Beigbeder als "allwissender Erzähler" die Lebensgeschichte der beiden Protagonisten berichtet. Oftmals urkomisch, makaber, ironisch, zum Ende hin unverhohlen kitschig, doch stets klug und erhellend. Immer wieder springt Beigbeder von den 40er Jahren zu aktuellen Beispielen des Zeitgeschehens, was viele Leser irritierend und nervtötend finden werden, ich dagegen fand es wunderbar. Beigbeder zieht Vergleiche mit aktuellen Stars heran und läßt auch sehr viel seiner eigenen Lebensgeschichte mit einfließen. Mir sind schon lange nicht mehr so viele zitierungswürdige Sätze in einem Buch begegnet. Mitten im Buch bricht die Liebesgeschichte ab und wir begleiten Salinger durch das Grauen des zweiten Weltkriegs...hier läuft Beigbeder zu absoluter Hochform auf. Er schreibt erschütternd, haut dem Leser unvorstellbare Tatsachen um die Ohren, schildert eindringlich die Hölle des D-Days und der Hürtgenwald-Offensive und glänzt mit authetischem Detailwissen. Außerdem verübt er unverhohlene Kritik an Frankreichs Position im Krieg, was ihm und seinem Buch in seinem Heimatland viel spektakuläre Aufmerksamkeit bescherte. Fazit: Rundum gelungen, ich bin vollkommen begeistert...ein wunderbares Buch voller Witz, Tragik, hervorragenden Dialogen und spannenden Tatsachen. Frédéric Beigbeder erweist sich als glänzender Erzähler; weitere seiner Bücher stehen fest auf meiner Leseliste. Selbst interessant für Leser, die mit J.D. Salinger nichts anfangen können.

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  • Liebe? Please, keine obszönen Wörter!

    Oona und Salinger

    SitataTirulala

    Liebe? Please, keine obszönen Wörter, wir sind unter Gentlemen. Am Anfang war auf beiden Seiten allenfalls Neugier. Kann dieser Mensch mir wehtun? Die Liebe ist die Utopie zweier einsamer Egoisten, die sich gegenseitig helfen wollen, um ihre Strafe erträglicher zu machen. Die Liebe ist ein Kampf gegen das Absurde durch das Absurde. Die Liebe ist eine atheistische Religion. Wenn das vorübergehend ist, wo ist das Problem? Das Leben ist es schließlich auch. Als Jerome David Salinger, später weltbekannt als Autor von "Der Fänger im Roggen", Oona O'Neill trifft, ist sie ein schillernder Stern am Himmel der High-Society. Eines der ersten It-Girls der Geschichte. Ihr Vater ist ein berühmter Dramatiker, zu dem sie aber keinen Kontakt mehr hat. Während Oona es mit ihren Freunden richtig krachen lässt, um die Leere in ihrem Herzen zu überspielen, verspürt der eigenwillige Jerry das Bedürfnis, diese Leere zu füllen und dieses zerbrechliche Mädchen zu beschützen. Einen Sommer lang dauert ihre Romanze, dann meldet sich Jerry wie sein großes Vorbild Hemingway für den Krieg. Während er an der Front ist, geht Oonas Leben weiter. Sie lernt Charlie Chaplin kennen und heiratet ihn - doch für Jerry ist es nicht so leicht, einfach weiterzumachen. Wie der Autor absolut richtig unterstellt hat, war mir wie vermutlich vielen anderen überhaupt nicht bewusst, dass der uns allen (zumindest namentlich) bekannte J. D. Salinger einmal mit der späteren Frau von Charlie Chaplin liiert war. Beigbeder erzählt die Geschichte einer jungen, intensiven, aber auch zerstörerischen Liebe. Ein Partner lässt los, nachdem die Gefühle abkühlen, der andere kann es nicht. Während Oona mit ihrem leichten Leben weiter macht, versucht als Schauspielerin Fuß zu fassen und sich schließlich in Charlie Chaplin verliebt und ihn heiratet, hockt Jerry in Europa in Schützengräben, robbt durch Matsch, marschiert im eiskalten Regen, sieht, wie Kameraden durch Mienen in Stücke gerissen werden, gehört zu den ersten, die eines der KZs befreien, wird Zeuge all des nackten Grauens dort. Während er sich in dieser ganzen Zeit in Briefen immer wieder an Oona klammert, ihr gleichzeitig seine Liebe gesteht wie er sie niedermacht, weil sie mit ihrem Leben ohne ihn weiter macht, während er all diese Qualen ertragen muss, erzeugt Beigbeder einen Kontrast, der mir richtig unter die Haut gegangen ist. Ein ganzes Kapitel besteht lediglich aus einander gegenüber gestellten Sätzen. Oona spielt Tennis, geht mit Charlie aus, bringt ihr erstes Kind zur Welt, lernt eine neue Sprache - Jerry ist umgeben von Tod und Gewalt, Verlust, Trauer, Angst. Diese einfachen, hintereinander gestellten Sätze waren so eindrucksvoll, dass ich ungelogen eine ordentliche Gänsehaut hatte. Das Buch habe ich zur Hand genommen, weil ich die Kombination interessant fand. Der berühmte Salinger und die Frau, die den umtriebigen Charlie Chaplin gezähmt hat. Doch die Liebesgeschichte der beiden zerbricht bereits nach der Hälfte des Buches - und ich war ehrlich gesagt auch ganz froh drum. Die Romanze der beiden war merkwürdig und bisweilen nicht wirklich nachvollziehbar. Kurz gesagt, Oonas und Jerrys Liebe hat mich nicht erreicht und ich war sehr skeptisch, ob ich mit diesem Buch überhaupt zurecht komme. Nicht nur dass die Dialoge und Szenen zwischen den beiden absurd waren, immer wieder ist Beigbeder auch selbst in Erscheinung getreten, hat mich als Leser direkt angesprochen und beispielsweise aufgefordert mir ein Video von Oona auf youtube anzusehen. Dieses Auftreten des Autors in einem Roman ist doch eher ungewöhnlich. Aber je weiter ich gelesen habe, je weiter sich die Handlung auf den Krieg, die Trennung der beiden und Jerrys Obsession verlagert hat, desto mehr hat es mich gepackt. Ich bin nicht sicher, ob man sagen kann, dass es ein zufriedenstellendes Ende gab. Aber die zweite Hälfte des Buches hat mir dann so gut gefallen, dass sie die erste tatsächlich aufgewogen hat. Vier Blümchen für einen ungewöhnlich erzählten Roman, der klare Aspekte eines Sachbuchs aufweist, und für den man einfach ein bisschen Durchhaltevermögen mitbringen muss, um belohnt zu werden. Durchbeißen heißt die Devise, dann erwarten einen ein paar wirklich eindrucksvolle Zeilen.

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    • 4
  • Oona, Salinger und Chaplin

    Oona und Salinger

    Bri

    07. December 2015 um 21:45

    Es gibt Bücher, die lassen sich bei der ersten Lektüre nicht knacken, sie distanzieren mich, geben sich spröde, lassen mich als Leserin nicht ein in ihren Kosmos, in den inneren Kreis der angelegten Atmosphäre. Nach wenigen Seiten schlagen sie die Tür zu, an der plötzlich ein Schild hängt: JETZT NICHT. Manchmal gebe ich mich dann geschlagen, klappe die Buchdeckel zu und es bleibt dabei. Häufig aber reizt mich genau diese verschlossene Tür, und ich weigere mich, aufzugeben. Dann klopfe ich noch einmal an ... und nicht selten öffnet sich nicht nur die Tür, sondern ich habe das Glück, in eine Welt eingelassen zu werden, die mich ohne Vorwarnung vollkommen vereinnahmt. Geschehen ist mir das zuletzt mit einem Roman, bei dem ich tatsächlich nie so recht wußte: Ist es Dichtung oder Wahrheit. Erzählt wird allerdings von zwei sehr realen Menschen - einem jungen Mann, der in seinen späteren Jahren mit einem einzigen Roman zum Kultautor vieler aufeinanderfolgender Generationen von Jugendlichen wurde und dessen erster und vielleicht einziger wahrer Liebe: Oona O'Neill und J.D. Salinger. J. D. Salinger - hochverehrt und doch irgendwie meinerseits nie gänzlich durchdrungen - war das Zugpferd im Titel, das Bild seiner großen Liebe auf dem Cover ein weiteres Argument, wissen zu wollen, was in einem Roman über diese beiden Personen stecken mag. Dass Oona allerdings die Tochter des mehrfach preisgekrönten amerikanischen Dramatikers Eugen O'Neill und später die sehr junge Ehefrau Charlie Chaplins ist, war mir nicht klar. Der französische Autor - Fréderic Beigbeder - hingegen ist mir durchaus bekannt, gelesen hatte ich allerdings noch nichts von ihm. Sein Stil war mir nicht vertraut und vielleicht wurde mir auch deshalb ganz plötzlich die Tür vor der Nase zugeschlagen. Denn Herr Beigbeder macht etwas, was ich prinzipiell auch gerne in meinen Buchvorstellungen tue: Er wird persönlich. Noch dazu tritt er zwischen den von ihm geschriebenen Zeilen heraus. Offen gesagt hat mich das zutiefst befremdet. Beim zweiten Anlauf allerdings hatte ich mich wohl schon an Beigbeder und seine starke Präsenz gewöhnt. Es gibt Passagen, in denen dieses persönliche Verstricktsein ins Thema verwirrenderweise auf den ersten Blick nicht wirklich etwas mit den Roman zu tun hat. Doch auch hier ist ein zweiter Blick angeraten: Gerade diese Passagen sind es, die dem Roman Halt geben. Mit dem Fortschreiten der Geschichte um Jerry - wie J.D. Salinger sich damals nannte - und dem It-Girl Oona (im übrigen ist sie nicht, wie Beigbeder wohl behauptete das erste It-Girl überhaupt, die gab es zu Oonas Zeit schon längst), die meist nur im Dreierpack mit ihren besten Freundinnen Gloria Vanderbilt (ja, genau von DEN Vanderbilts) und Carol Marcus (die spätere Frau von Walter Matthau) im Stork Club anzutreffen war, zeigt sich, wie sehr sich Beigbeder in deren Lebenswelt einlas und vor allem einfühlte. Es entstand ein Roman, dem man an einigen Stellen nicht abnehmen möchte, dass die so authentisch geschilderten Situationen zwar auf Fakten beruhen, in ihrer Darstellung aber dem Geist des Autors entsprungen sind. Vor allem die Schilderungen aus dem Zweiten Weltkrieg - Salinger diente ab 1942 und ab dem D-Day nahm er an fünf Feldzügen in Frankreich teil. Die Briefe, die Salinger aus dieser Zeit fiktiv an Oona richtet, sind so glaubhaft, dass man meinen könnte, sie wären echt. So eindringlich und offenherzig sind sie verfasst, dass das, was Salinger sein Leben lang selbst nicht recht ausdrücken konnte - die traumatischen Kriegserlebnisse - außer verschlüsselt in seinen Texten, nicht empathischer erfühlt werden kann. In direktem Kontrast dazu steht Oonas Leben an der Seite Charlie Chaplins und bald auch der gemeinsamen Kinder. Oona selbst tritt dabei ein wenig in den Hintergrund. Charlie Chaplins gesinnungspolitische Probleme (er weigert sich dreimal vor dem Ausschuss zur Untersuchung unamerikanischer Umtriebe auszusagen), seine damit verbundene endgültige Ausreise nach Europa sind ein Mehrwert. Allderings auf Kosten von Oonas Geschichte. Sie tritt in den Hintergrund und Oonas Entwicklung, ihre Empfindungen bleiben im Dunkel. Möglicherweise ist diese Fokussierung auf Chaplin aber auch in der Beziehung mit Oona wahr. Möglicherweise aber auch nicht. Denn auch ihre Briefe wenigen Briefe an Jerry - gab es überhaupt Briefe von ihr? - wirken sehr wahrhaftig. Und deshalb ist dieser Roman tatsächlich ein Roman. Beigbeder selbst bezieht sich im Vorwort auf den von Truman Capote geprägten Begriff der non-fiction novel und nennt Oona und Salinger reine Faction. Die Eckpunkte sind authentisch, die Personen real, Daten sind nachprüfbar - die Innensicht der Personen, ihre Handlungen und Beziehungen zueinander sind in der dargestellten Art und Weise dem schöpferischen Geist des Autors entsprungen. Und doch gehe ich mit Beigbeder absolut d'accord wen er sagt: "Aber mir ist wichtig, feierlich das Folgende zu erklären: Wäre diese Geschichte nicht wahr, so wäre ich zutiefst enttäuscht."

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  • Dies ist keine Fiktion

    Oona und Salinger

    JoBerlin

    Im Salinger-Jahr 2015 erschien kürzlich – von mir sehnsüchtig erwartet - der Roman „Oona und Salinger“. Was erhoffe ich mir? Neue Einsichten durch einen brillant und geistreich geschriebenen biografischen Roman natürlich. Doch hören wir zum Werk den Autor selbst: Dies ist keine Fiktion, sagt er augenzwinkernd im Vorwort und wie sehr er sich wünscht, dass diese Geschichte genauso passiert sei. Da kann ich mitgehen, das will ich auch. 1940 trifft J.D. Salinger die 16jährige Oona o’Neill, Tochter des Literaturnobelpreisträgers Eugene O’Neill, zum ersten Mal. „Er war snobistisch wie ein Bidet im Waldorf Astoria…“ lesen wir und erste Bedenken keimen auf. Oona lebt zu dieser Zeit mit ihrer Mutter in Point Pleasant Beach, NJ. Nun muss ich erklären, dass ich diesen Ort sehr gut kenne, ich habe dort ein paar Jahre gelebt. „An den Stränden New Jerseys sind die Nächte im Sommer kurz; die Sonne geht unter, ein paar Gläser später geht sie wieder auf“, berichtet Beigbeder. Ich habe solche Art weiße Nächte dort nie erlebt, gegen 21:00 war es im Hochsommer komplett dunkel, Sonnenaufgang dann gegen 6:00. Ich bin kleinlich? Na gut – überspringen wir das und lesen weiter …. Nun trifft man sich häufig in New York, da kommt es zu ersten Unstimmigkeiten. „Du bist launenhaft“ lässt Beigbeder die schöne Oona sprechen und „in 60 Jahren wird man sagen, du hast eine bipolare Störung“. Bei so viel literarischem Geschick schwindet nun doch mein Glaube an das Buch, an den Autor. Der traut seinen Lesern gar nichts zu und übersetzt allgemein bekannte Sentenzen wie „Good girls go to heaven, bad girls go everywhere“ und etliche mehr. Das ist nicht nur nervig, ja störend, ist er doch überhaupt allgegenwärtig, erklärt viel zu viel, mischt sich überall ein, selbstgefällig und geblendet von der eigenen Idee: ein Buch über das Paar O‘Neill/Salinger – wie toll ist das denn?! Doch was sagt Oona nun „ Stell dir mal vor, jeder hätte ein tragbares Telefon in der Tasche!“ Und Salinger: “Man wird immer ein Kabel brauchen, um Leute miteinander zu verbinden.“ Dazu bemerkt Beigbeder: „ Der nachgeborene Romanautor ist in der Lage, seinem illustren Helden in diesem Punkt zu widersprechen“. Und er tritt nicht nur mit seinen Protagonisten in einen Austausch, auch die Leserschaft wird zur Interaktion aufgerufen, wir sollen uns ein You Tube Video anschauen – Oonas erster Vorsprechtermin beim Film. Das ist toll, das gefällt, da mach ich mit! Süß ist sie wirklich --- und irgendwie deplatziert, eine Schauspielerin sehe ich jedenfalls nicht, doch Beigbeder jubelt durch mehrere Absätze über das große Talent. Bei You Tube finde ich jedoch auch einige schöne home videos, Oona und Charlie, denn so geht es weiter: Sie trifft Chaplin, verliebt sich in ihn, heiratet und bekommt mit ihm acht Kinder. Nichts im gesamten Buch ist so wunderschön, so wahr, wie DIESE Liebesgeschichte - das Leben hat sie geschrieben. Salinger geht als Soldat nach Europa und die Romanze ist damit zu Ende. Er schickt noch Briefe an Oona, nicht schlecht geschrieben von Beigbeder und auch die Unterhaltung mit Hemingway in Paris kann als gelungen bezeichnet werden. Die Kriegseindrücke, die er Salinger schildern lässt sind eindrucksvoll, nur mit dem Buch, mit der eigentlichen Story hat das alles nichts mehr zu tun. Zum Schluss sinniert der Autor noch ein bißchen über die „schrecklichen Kindern der Neuzeit“ (Sloterdijk), mit ihren Cyberspielen und Marvel-Filmen, denen er – einfach und kurz gegriffen - Kriegssehnsucht unterstellt: „Sie suchen eine neue Utopie, neue Gräben, sie wünschen sich einen neuen Feind zum Massakrieren …. es verwundert nicht, dass einige zu Terroristen werden“. Und dann gibt es noch die letzte Begegnung mit Oona - Kitsch as Kitsch can, aber da habe ich bereits auch das allerletzte Fünkchen Interesse verloren. Es stimmt, dies ist keine Fiktion – es ist einfach nur ein schlechtes Buch.

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    • 7
  • Oona und Salinger, Salinger und Oona

    Oona und Salinger

    Bibliomania

    13. October 2015 um 21:50

    Frédéric Beigbeder hat mit diesem Roman eine tolle biographische Geschichte um den zurückgezogen lebenden Autor Jerome David Salinger geschrieben. Eine wundervolle Sprache, die mich in der Gegenwart abholt und mir gleichzeitig absolut bildhaft vor Augen führt, wie es damals wohl war. Oona, noch ein Kind, ein junges Mädchen, trifft in einer angesagten New Yorker Bar auf Salinger. Sie werden ein Paar, doch hält diese Liaison nicht lange. Salinger zieht in den Krieg, Oona zieht nach Kalifornien und lernt dort Charlie Chaplin kennen, den sie auch heiratet. Doch Salinger vergisst sie nie und schreibt ihr über die Jahre Briefe aus seiner ganz persönlichen Hölle. Besonders eindrucksvoll sind die Passagen, in denen parallel, satzweise eine Situation von ihr und ihm gegenübergestellt werden. Ein tolles Buch, mindestens das Highlight in diesem Monat! Wer Salinger ein wenig mehr kennenlernen möchte, ohne sich auf eine Biographie einlassen zu wollen, wird dieses Buch mögen und diverse Querverweise zu anderen Künstlern, Büchern, Musik- oder Filmstücken entdecken. Großartig!

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  • Faszinierendes Biopic mit einem leider sehr eigenwilligen Schreibstil

    Oona und Salinger

    raven1711

    Inhalt aus dem Klappentext: Als der junge J.D. Salinger in einem verrauchten Nachtclub, New York City der 40er-Jahre, Oona O‘Neill begegnet, ist sie fünfzehn Jahre alt – und die schönste Frau, die er jemals gesehen hat. Frédéric Beigbeder schreibt einen Roman über die erste Liebe des Autors, der mit „Der Fänger im Roggen“ weltberühmt wurde, und über die magische Anziehungskraft der Jugend. Eines Nachts im verrauchten Stork Club im New York City der 40er-Jahre. Der aufstrebende Schriftsteller J.D. Salinger begegnet einer Frau, deren mystische Schönheit ihn in seinen Bann zieht: der fünfzehnjährigen Oona O’Neill. Einen Sommer dauert ihre Liebesgeschichte, bis der Zweite Weltkrieg ihr ein Ende setzt. Jerry meldet sich zur Armee, und Oona geht nach Hollywood. Die glühenden Liebesbriefe des jungen Autors bleiben unbeantwortet, denn Oona lernt den späteren Vater ihrer acht Kinder kennen: Charlie Chaplin. Jerry wird Oona nie vergessen – war sie gar die Inspiration für seinen Welterfolg »Der Fänger im Roggen«? Unverstellt, geistreich und selbstironisch erzählt Frédéric Beigbeder aus einem wenig beachteten Kapitel im Leben des Kultautors und vom größten Quell der männlichen Inspiration: dem Streben nach Jugend. Meinung: Charlie Chaplin kennt jeder und auch der Autor J.D. Salinger wird den meisten ein Begriff sein. Sein Roman "Der Fänger im Roggen" zählt zur Weltliteratur und obwohl ich dieses Buch zwar selber noch nicht gelesen habe, weiß ich, worum es darin geht. Dieses Buch beleuchtet die Personen J.D. Salinger, sowie Oona O’Neill, die später Charlie Chaplin heiraten wird und mit ihm 8 Kinder hat, darunter die berühmteste Tochter Geraldine Chaplin. Der Autor nimmt hier die bekannten historischen Fakten, nämlich dass Oona und Jerry Anfang der 1940er Jahre kurze Zeit zusammen waren und füllt diese dann in einer freien Interpretation ihrer Liebesgeschichte auf. Dabei schafft er es sehr gut, auf die Hintergründe der beiden einzugehen und ihre Entwicklung zu skizzieren. In Briefen und Anekdoten wird Salingers Werdegang und seine Kriegserlebnisse geschildert, parallel dazu wird Oonas Geschichte erzählt. Faszinierend an dem Buch sind nicht nur die Umstände der Zwei und die Zeitepoche, sondern auch das treffen vieler berühmter Persönlichkeiten und andere Anspielungen. Viele Fakten rund um Charlie Chaplin waren mir bereits bekannt, trotzdem konnte ich noch viele Dinge über ihn und Oona in diesem Buch erfahren. Auch J. D. Salinger kam mir durch dieses Buch näher und seine möglichen Beweggründe, warum er sich so abgekapselte, wurden nachvollziehbar aufgearbeitet. So interessant und unterhaltsam die Grundgeschichte ist, so anstrengend ist aber der Schreibstil des Autors. Frédéric Beigbeder erzählt hier als „allwissender Ich-Erzähler“ über Oonas und Jerrys Liebesgeschichte, über deren Begegnungen und Lebensgeschichte. Dabei greift er oft zu ihm angeeigneten Wissens zurück, lässt Anekdoten einfließen oder meint, er müsse die Zitate wortwörtlich übersetzen. Was ursprünglich einen heiteren Ton einfließen lassen soll, wird auf Dauer sehr anstrengend und nervend. Mal fügt er Fußnoten ein, mal übersetzt er die Dialoge synchron. Mein Englisch ist eigentlich ziemlich gut, somit hätte ich keine Übersetzung benötigt und es besser gefunden, wenn diese nur in einer Fußnote Erwähnung gefunden hätten. Vielleicht ist das ein französisches Stilmittel, in diesem Buch war es leider ein Störfaktor. Auch seine Art und Weise sich auszudrücken hat den Lesefluss enorm eingebremst. Dennoch ist dieses Buch sehr lesenswert, besonders wenn man sich für Literatur, Geschichte und Kino interessiert. Die Reise in die 1940er hat Spaß gemacht und das Buch hat sehr gut unterhalten. Fazit: Sieht man mal von dem etwas merkwürdigen Schreibstil des Autors ab, findet man hier eine sehr gut recherchierte und absolut lesenswerte Faction (eine Mischung aus Fact/Tatsache und Fiktion), die das Leben dreier sehr berühmter Personen beleuchtet und die 40er Jahre sowohl in den USA als auch in Europa aufleben lässt. Von mir gibt es ganz knapp 4 von 5 Punkten. (Mein Blog: vanessasbuecherecke.wordpress.com)

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    • 2
  • Oona&Salinger&Charlie&Krieg&Beigbeder

    Oona und Salinger

    franzzi

    Oona&Salinger heißt Frédéric Beigbeders neuster Roman. Es ist überraschend, dass Beigbeder sich eine echte Geschichte ausgesucht hat, die mehr als 70 Jahre zurückliegt. Denn für gewöhnlich schreibt er ja lieber über sich selbst und seine Jetztzeit. Und genau genommen-...nunja, er hat seine Leser ja gewarnt. "Ich habe Lust, eine Geschichte zu erzählen. Werde ich eines Tages etwas anderes erzählen können als meine Geschichte?" zitiert er Pierre Drieu La Rochelle zu Beginn seines Buches. Und er löst es ein. Beigbeder schreibt wieder ein Buch über sich. Über sich und seine echte Salinger-Begeisterung und seinen warmherzigen Blick auf die junge Oona O'Neill. Über seinen Blick auf die Vergangenheit, über von ihm recherchierte und zusammengewebte Fakten über Krieg, Tratsch und Co. Über sein eigenes Altern und seinen Blick auf die Welt. Aber das kann er eben auch. Die beiden Roman-Namensgeber treffen sich im New York der 1940er Jahre im Stork-Club, in ihrer Gesellschaft niemand geringerer als Truman Capote und Gloria Vanderbilt. Sie treffen und verlieben sich und sind kurz zusammen, so, wie es der Titel "Oona und Salinger" ja auch vorgibt. Doch die Liaison ist kurz, der junge Jerry Salinger zieht in den Krieg, Oona nach Los Angeles. Jerry bereitet sich darauf vor, im Zweiten Weltkrieg zu sterben, Oona darauf, mit Charlie Chaplin zu leben. Genau genommen müsste das Buch eigentlich Oona&Salinger&Charlie&Krieg heißen. Mindestens. Denn Beigbeder, der einst mit seinem schnodderigen Roman Neunundreißigneunzig bekannt wurde, kann nicht aus seiner Haut. Er muss sich einmischen. Wie ein Erzähler aus dem Off, scheinbar omnipotent, weil mit Zukunftswissen ausgestattet, kommentiert und lamentiert er, lobt die guten alten Zeiten und schimpft kulturpessimistisch über das Heute. Das ist ebenso oft witzig wie nervig. Beigbeder wird alt im Kopf, man merkt es, und er kommt schlechtestens damit zurecht. Das lebt er auch in seinem Roman aus und exerziert es am alternden Charlie Chaplin durch, der mit der gerade volljährigen Oona O'Neill einen Jungbrunnen an seiner Seite hat. Wen diese ständige Kommentierung nervt, wer eine Geschichte über J.D. Salinger und Oona O'Neill lesen will, der könnte enttäuscht sein. Wer Frédéric Beigbeder, wie ich, vor allem für seinen Ton mag, der wird auch dieses Buch mögen. Denn stark ist Beigbeder vor allem, wenn er von den Folgen von Jerrys Liebeskummer erzählt - wenn er vom Krieg erzählt. Für ihn ist die Triebfeder für den jungen Jerry und den später großen Salinger vor allem der Liebeskummer, den Oona auslöste. Deshalb meldet er sich für den Krieg, deshalb wird er bei der Landung in der Normandie gen Ende des Weltkriegs traumatisiert, deshalb schreibt er die Geschichten, die er schreibt. Beigbeder belegt das nachvollziehbar an teilweise nie als Buch veröffentlichten Kurzgeschichten Salingers, die sich in alten Zeitschriften finden. Überhaupt macht Beigbeder die Zeit der 1940er Jahre erlebbar, die Clubs, die Filmszene, die Kriegsgräuel macht er mitunter schon unerträglich plastisch, obwohl er unaufgeregt und sachlich erzählt. Auch Salinger ist mir jetzt näher als noch im zuvor von mir gelesenen "Lieber Mr. Salinger".* Rakoff erzählt von dem in der Einsamkeit eingegrabenen schwerhörigen Literatur-Star, dessen Name alle mit Ehrfurcht aussprechen. Beigbeder erzählt, wie er zu diesem Mann geworden ist, und von den Menschen, die ihn dabei begleitet haben. "Mir ist wichtig, feierlich das Folgende zu erklären: Wäre diese Geschichte nicht wahr, so wäre ich zutiefst enttäuscht." (f.b. oona&salinger, s.9) _____________________________________________________________________ *Interessant auch das Nachwort von Beigbeder, in dem er 18(!) Geschichten von J.D. Salinger auflistet, die nach ihrer Erstveröffentlichung im New Yorker, Esquire, Cosmopolitan und Co. nie wieder in Buchform - oder im Ausland - erschienen. Verantwortlich dafür: der Salinger-Estate mit der Agentin Phyllis Westberg - der Agentin, von der Joanna Rakoff in "Lieber Mr. Salinger" vor allem erzählt; und die offenkundig bis heute einfach alles abbügelt, was mit Wiederveröffentlichungen zu tun hat. Beigbeder übersetzt Auszüge aus diesen Geschichten, man kann also auch ein Stück unbekannten Salinger entdecken.

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    • 2
  • Oona & Salinger

    Oona und Salinger

    ANATAL

    20. April 2015 um 08:54

    An einem Buch das Mitte des letzten Jahrhunderts in einer verrauchten New Yorker Bar beginnt und etwas von unerfüllter Liebe verspricht, komme ich einfach nicht vorbei. Ich hatte mich bisher noch nie mit J.D. Salinger, Oona O`Neill oder Charlie Chaplin befasst. Bei mir stellte sich während des Lesens oft die Frage, was ist nun Fiktion und was ist biographisch zutreffend. Der Autor Frederic Beigbeder beschreibt es so: „Die Orte existieren (…), die Figuren sind real, die Ereignisse authentisch und die Daten in Biografien oder Geschichtsbüchern nachprüfbar. Der Rest entspringt meiner Vorstellungskraft, …“. Die fünfzehnjährige Oona O’Neill ist vermutlich eines der ersten It-Girls und eines Abends lernt sie in einer New Yorker Bar den zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannten Schriftsteller Jerome David Salinger kennen. Es folgt eine wenige Monate andauernde Jugendromanze. Wobei sich hier bereits abzeichnet, dass der Anfang zwanzigjährige Salinger durchaus tiefere Gefühle entwickelt, als die fast noch kindlich wirkende Oona. Salinger wird eingezogen von der US Army und erlebt den Krieg vom D-Day an bis zur Befreiung des Dachauer KZ`s als Soldat hautnah mit. In dieser Zeit lernt Oona Charlie Chaplin kennen und heiratet ihn. Salinger schreibt Oona leidenschaftliche Briefe, in denen er ihr u.a. auch über Ihren Ehemann herablassend urteilt, aber auch die Qualen des Kriegs beschreibt, wie er tatsächlich ist. Beigbeder schreibt nicht nur über Oona & Salinger, sondern eben auch über den zweiten Weltkrieg. Und gerade hier verschont er die Amerikaner nicht mit Kritik an Ihrer Vorgehensweise, obwohl sie doch als Befreier Frankreichs galten. Letztendlich beschreibt Beigbeder die Geschichte zweier Menschen die sich jung trafen und anziehend in einer ersten Liebe fanden. Deren Leben sich aber völlig gegensätzlich entwickeln. Oona sucht die Sicherheit und heiratet Chaplin, bekommt acht Kinder, ist immer die Frau hinter Ihrem Mann … . Salinger kommt schwer traumatisiert aus dem Krieg zurück, schreibt einen Weltbestseller, und wird zum Einsiedler. Doch eines lässt beide nie ganz los, die erste Liebe, denn sie ist doch etwas Besonderes. Der Roman hat mir gut gefallen. Die Abschweifungen des Autors waren manchmal etwas weit entfernt von der Geschichte, aber dennoch durchaus interessant. So habe ich u.a. auch erfahren, dass Charlie Chaplins Enkelin namens Oona in der derzeit recht aktuellen HBO-Serie „Game of Thrones“ mitspielt. Dieses Jahr wird bei mir auf jeden Fall noch „Der Fänger im Roggen“ in mein Bücherregal einziehen. Denn der Autor hat es mit diesem Buch geschafft, dass ich mich für Salinger interessiere.

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  • Hochraffiniert, witzig, anspielungsreich und selbstreferentiell

    Oona und Salinger

    JulesBarrois

    Oona und Salinger - Frédéric Beigbeder, Tobias Scheffel (Übersetzer) 304 Seiten, Piper Verlag, 9.03.2015, 19,99 €, ISBN 978-3-492-05415-7 Gloria Vanderbilt, Carol Marcus und Oona O’Neill. Die ungeliebte Tochter des egomanisch-düsteren Literaturnobelpreisträgers und Dramatikers Eugene O’Neill ist 1940 gerade 15 und verdreht im New Yorker Stork Club allen Männern den Kopf. Auch dem 21-jährigen Jerome David Salinger, der sehr viel später einen der berühmtesten amerikanischen Romane schreiben wird: „Der Fänger im Roggen“. Frédéric Beigbeder lässt in "Oona & Salinger" die schicksalhaften Vierzigerjahre aufleben und fängt die kurze Romanze zwischen J.D. Salinger und der späteren Chaplin-Gattin Oona O'Neill ein, diese mythische Schönheit und ergreifend ruhige Persönlichkeit. Es ist eine seltsame, lustvoll-verklemmte Liaison, man schmust, aber schläft nicht miteinander. Dabei fördert er sehr viel Wahrheit über das Schreiben und die Liebe zutage. Dann die Weggabelung: Er lässt sich trotz Herzschwäche zum Militär einberufen, sie zieht nach Los Angeles, wo sie mit 17 den 54-jährigen Chaplin kennenlernt. Beigbeder gesteht, dass ihn die diskreten realen Figuren zwingen, die beglaubigten Affären und Trennungen auszuschmücken, etwa durch schön komponierte Briefe. Oona an Jerry. In all seinen Mutmaßungen erweist sich der Autor als sensibler Psychologe, doch mit Salingers Versetzung an die Front gewinnt der Roman eine weitere Dimension: Am 6. Juni 1944 watet der Soldat durch das blutrote Meer vor der Normandie, und Beigbeder beschwört das Grauen des Kriegs mit furioser Unerbittlichkeit. Oona räkelt sich derweil im Einteiler am Pool, und diese disparaten Lebenslinien werden sich nie wieder vereinen. Eine bewundernswerte Mischung aus Fakten und Fiktion. Beigbeder versucht zwar beiläufig, das Geheimnis der Kindfrauen zu lüften, rückt nun jedoch Oona dezent in den Hintergrund. Es geht um Salinger, sein einverständiges Männergespräch mit Hemingway in der Pariser Ritz-Bar, den Horror der Befreiung eines KZs, das große Schlachten im Hürtgenwald, eine der schlimmsten Kämpfe im Zweiten Weltkrieg. Doch immerhin: Beigbeder schenkt Salinger und Oona, den beiden, die kurz füreinander entflammt, aber nie füreinander bestimmt waren, noch einen wunderschön-wehmütigen Abschied in der New Yorker Oyster Bar. Obwohl Oona den späteren Erfolgsautor Salinger mit einer lebenslangen Vorliebe für sehr viel jüngere Frauen infiziert hat, ist sie wohl kaum sein tiefstes Trauma. Beigbeder mutmaßt über Holden Caulfield, den Helden von „Fänger im Roggen“: „Salinger hat die Verwundung eines Veteranen des Zweiten Weltkriegs in das Herz eines New Yorker Jugendlichen verpflanzt.“ Den Nachgeborenen ist niemals möglich, Geschichte zu erzählen, "wie es eigentlich gewesen ist". Geschichtliche Stoffe und also auch Biografien sind immer ein Produkt von Projektionen, Obsessionen dessen, der sie schreibt. Die Qualität dieser „biographie romancée“ bemisst sich auch keineswegs nach ihrem Wahrheitsgehalt, sondern nach der sprachlichen und argumentativen Kraft, mit der der Autor anhand der Geschichte vom Anderen das Eigene darstellt. Beigbeder schreibt sehr sensibel, fast feminin. Oona und Salinger ist eine sehr schöne fast poetische Geschichte, hochraffiniert, witzig, anspielungsreiche und selbstreferentiell. Er ist dem konventionellen Realismus amerikanischer Prosa turmhoch überlegen Eine wahre Freude für die Liebhaber der amerikanischen Literatur und Interessenten in der Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts. Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Piper Verlages: http://www.piper.de/buecher/oona-und-salinger-isbn-978-3-492-05415-7 Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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    kalligraphin

    19. March 2015 um 09:45
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