Hier können Sie im Kreis gehen

von Frédéric Zwicker 
4,2 Sterne bei44 Bewertungen
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (33):
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Nicht ganz so humorvoll wie angekündigt, dennoch ein interessantes Zeitzeugnis.

Kritisch (3):
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Ein Buch was nicht weiß, was es eigentlich sein will. Nichts halbes und nichts ganzes, mit einen negativen Grundton.

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Inhaltsangabe zu "Hier können Sie im Kreis gehen"

Im Alter von 91 Jahren kommt der demente Witwer Johannes Kehr ins Pflegeheim. Nur: Seine Demenz ist vorgetäuscht. Im Heim hofft Kehr, seine Ruhe zu finden. Aber so einfach ist es nicht. Er beobachtet die schrulligen, nicht selten aggressiven Mitbewohner und die Nachlässigkeit der Pfleger. Seine vorgetäuschte Demenz nutzt er, um Desserts zu stehlen und Gehhilfen unliebsamer Nachbarn zu verstecken. Bald aber wird seine Schauspielerei anspruchsvoller; je vertrauter ihm das Heim wird, desto größer ist die Gefahr einer Enttarnung. Als zufällig seine Jugendliebe Annemarie auftaucht, flackert die alte Zuneigung erneut auf. Ein literarisch feinfühliges Debüt, beobachtungsstark und intensiv.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783312009992
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:160 Seiten
Verlag:Nagel & Kimche
Erscheinungsdatum:22.08.2016

Rezensionen und Bewertungen

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    Achtsamkeits avatar
    Achtsamkeitvor 9 Monaten
    Einsichten in eine Pflegestation

    Der  Protagonist kommt mit 91 Jahren in ein Altersheim. Diagnose: fortschreitende Demenz. Nur ist die Demenz von ihm nur vorgetäuscht. So beobachtet er genau seine Mitinsassen, das gesamte Geschehen auf der Pflegestation. Dabei erinnert er sich an vergangene Jahre. Das Buch regt zum Schmunzeln an, aber berührt auch sehr. 

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    ELSHAvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Nicht ganz so humorvoll wie angekündigt, dennoch ein interessantes Zeitzeugnis.
    Rundherum geradewegs ins Grab

    Ein 91-jähriger täuscht eine Demenz vor, um ins Pflegeheim zu dürfen. Dort lässt er uns an seinen Beobachtungen der Mitbewohner und Pfleger teilhaben. Er erzählt auch sein Leben, er resümiert was er wie gemacht und im Nachhinein gerne geändert hätte. Alles schildert er mit einer heiteren Wehmut, die ins Wanken gerät als seine große Liebe von einst seine Zimmernachbarin wird. Als er endlich den Entschluß fasst Sie in seine Lüge einzuweihen, stirbt sie.
    Durch seine kurzweilige Schreibweise und Schilderung der Ereignisse, überlässt es der Autor einem selbst ob man das ganze trübsinnig betrachtet. Ein gelungenes Zeitzeugnis das auch auf die Probleme in der heutigen Pflege anspielt.

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    CocuriRubyvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein Buch was nicht weiß, was es eigentlich sein will. Nichts halbes und nichts ganzes, mit einen negativen Grundton.
    Ein Buch was nicht weiß was es sein will

    Ich hatte mir von diesem Buch etwas ganz anderes erhofft. Die Prämisse klang leicht skurril und der Autor ist u.a. Slammer, weshalb ich mir einen verschrobenen Humor und zu herzen gehende Geschichte erwartet – war es nicht.

    Das Buch bleibt im Grundton ziemlich ernst – weshalb dann für mich das Setting schon nicht mehr nachvollziehbar ist (also einfach so freiwillig so tun, als wäre man Dement). Es ist an sich gut geschrieben: nicht zu kalt, nicht zu emotionsgeschwängert und allgemein gut beobachtet.

    Man merkt, dass sich der Autor in diesem Milieu nicht fremd ist – er hat im Altersheim seinen Zivildienst abgeleistet. So liest sich das Buch aber auch – es wirft einen Blick darauf, wie es im Altersheim (Demenzstation) ist, vielleicht auch wie es ist alt zu sein. Aber es ist nicht so tiefgründig geschrieben, dass man wirklich ein Gefühl dafür bekommt.

    Generell fehlte mir der Tiefgang – oder die sprachliche Präzision das gut Beobachtete auch entsprechend wiederzugeben.

    Ich hatte mich gefragt, warum das Buch nicht aus Sicht des Zivildienstleistenden geschrieben wurde, statt aus der Sicht eines 91jährigen – das hätte dem Autor vielleicht mehr gelegen.

    Im Prinzip gibt es zwei Handlungsstränge, zum einen den aktuellen im Pflegeheim und Erinnerungen aus dem Leben des Protagonisten.

    Die Handlung ist dementsprechend relativ Sprunghaft, weil die Abschnitte sind sehr kurz – es sind immer nur kurze Momentaufnahmen die beschrieben wurden. Trotzdem lassen sich erstaunlich viele Wiederholungen finden.

    Hauptsächlich erzählt der Protagonist selbst seine Geschichte, zwischendurch gibt es aber auch vereinzelnde Abschnitte, die plötzlich im allwissenden Erzähler geschrieben sind, ohne für mich erkennbaren Grund.

    Was mich nicht sonderlich angesprochen hat war, dass fast alles in der Retroperspektive erzählt wurde. Es liest sich oft so, als wäre es eigentlich ein Brief – häufig an seine Enkelin, mit der er sich sehr verbunden fühlt – nicht genug um ihr die Wahrheit zu erzählen und ihr den Schmerz zu ersparen – oder er erzählt im Gedanken mit der Katze, etc. Selbst das aktuelle Geschehen ist meist nacherzählt. Das wirkte auf mich sehr unpersönlich.

    Das Buch konnte mich überhaupt nicht packen – ich fand es größtenteils langweilig und es hinterlässt auch nicht gerade ein sonderlich gutes Gefühl.

    Das Buch sorgt nicht dafür, dass man sich darauf freut alt zu werden. Es trägt eher den Tonus, wer ins Altersheim geht, geht dorthin um zu sterben. Punkt.

    Es war aber auch nicht so, dass das Buch sonderlich kontrovers gewesen wäre oder man schockierende Dinge erfahren hätte, mit denen man nie gerechnet hätte oder noch nie vorher gehört hätte.

    Gelegentlich gab es Momente, die gut beobachtet und was bedrückendes an sich hatten (also eine Emotion in mir ausgelöst haben). Die waren aber auch eher kurz.

    Manchmal Schwang auch mit, dass man sein Leben jetzt leben soll und nicht erst dann, wenn sein Leben zu Tagträumen verwelkt. Aber hauptsächlich muss man sich auf eine negative Grundstimmung einstellen.

    Nach dem Motto: Du wirst alt werden, jeder verdrängt es, aber gegen die Tatsache selbst kannst du nichts tun und es wird scheiße und traurig und entwürdigend werden – finde dich damit ab. Glückwunsch.


    Fazit

    Letztlich ist es kein wirklich schlechtes Buch, aber es weiß meines Erachtens nicht so genau, was es eigentlich sein will.

    Eine witzige, skurrile Geschichte ist es nicht. Für eine Parabel war es nicht scharfsinnig genug, für eine Anekdote nicht charismatisch genug, für eine Reportage gab es kein Erkenntnisgewinn; ich fand es auch nicht literarisch wertvoll, weil es sprachlich nicht präzise genug war oder mich in meinen Grundfesten erschüttert hat.

    Das Buch hat mir nichts gegeben.

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    twentytwos avatar
    twentytwovor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Eine Geschichte die zum Nachdenken anregt.
    Hier können sie im Kreis gehen

    Nachdem Johannes Kehr sich bis ins hohe Alter noch selbst versorgt hat, beschließt er dass es endlich an der Zeit ist sich um seine altersgerechte Versorgung zu kümmern. Um seine Familie nicht mit seiner Pflege zu belasten, fällt seine Wahl auf das örtliche Pflegeheim, auch wenn er dazu den ein oder anderen Kompromiss eingehen muss. Um sich einen, wenn auch beschränkten, Freiraum zu verschaffen, legt er sich eine zweckorientierte Demenz zu, die ihm im Rahmen der strengen Heimregularien kleine Freiheiten ermöglichen soll. Im Grunde genommen klappt dies ganz gut und es gelingt ihm erstaunlich gut sich mit den neuen Umständen zu arrangieren. Als aber seine einstige große Liebe ebenfalls in das Heim kommt befallen ihn erhebliche Zweifel und zwingen ihn dazu sein Konzept neu zu Überdenken.

    Fazit
    Eine sehr einfühlsame Geschichte, die sich intensiv mit dem Alter und seiner Problematik auseinandersetzt und durch die ungewöhnlichen Perspektive dazu anregt sich diesem Thema einmal von einer anderen Seite zu nähern.

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    PaulaAbigails avatar
    PaulaAbigailvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Danksagung: "An die Bewohner der Pflegeheime [...], die kaum je erfahren werden, dass ihnen hier ein bescheidenes Denkmal gesetzt wurde." <3
    "... ein bescheidenes Denkmal"

    Der demente 91-jährige Herr Kehr wird ins Pflegeheim eingewiesen; und alle gehen sie ihm auf den Leim. Herr Kehr nämlich ist wohlauf und die Demenz nur vorgetäuscht.
    Hier können Sie im Kreis gehen ist definitiv ein Roman über Familie, aber auch über das Leben im Pflegeheim und mit der Krankheit Demenz, generell über das Alter und Älter werden.
    Schön finde ich vor allem auch, dass Frédéric Zwicker seinen Zivildienst im Pflegeheim absolviert hat und somit hautnah erzählen kann.

    Zuletzt danke ich all den Bewohnerinnen und Bewohnern der Pflegeheime, die mich nicht nur zu diesem Buch inspiriert haben und die kaum je erfahren werden, dass ihnen hier ein bescheidenes Denkmal gesetzt wurde. (aus der Danksagung)

    Viel mehr möchte ich dazu eigentlich gar nicht sagen, ausser:
    Lesen und weitererzählen erwünscht

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    19angelika63s avatar
    19angelika63vor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Anders als erwartet. Der Stil ist zuweilen sarkastisch gepaart mit schwarzem Humor und vielen philosophischen Einschüben ...
    "Früher oder später passiert es sowieso"

    Klappentext
    „Früher oder später passiert es sowieso.“ Mit dieser Einsicht in die Notwendigkeit plant Kehr im Pflegeheim das Leben, das ihm nach dem Tod seiner Frau noch bleibt. Zu seiner Tochter hat er keinen guten Draht, seine Enkelin Sophie liebt er, aber sie erwartet ein Kind, und er will sie nicht zu sehr beanspruchen. Im Pflegeheim hofft Kehr seine Ruhe zu finden. Aber so einfach ist es nicht. Er beobachtet die schrulligen, nicht selten aggressiven Mitbewohner und die Bemühungen der Pfleger. Seine vorgetäuschte Demenz nutz er um Desserts zu stehlen, Gehhilfen unliebsamer Nachbar zu verstecken und sich seine Freiheiten herauszunehmen. Bald aber wird seien Schauspielerei anspruchsvoller; je vertrauter ihm das Heim wird, desto größer ist die Gefahr der Enttarnung. Als zufällig seien Jugendliebe Annemarie auftaucht, flackert die alte Zuneigung erneut auf.



    „Ich habe lange zugeschaut. Als ich jung war, sah ich die Leute alt werden und verblassen. Sie entfernten sich scheinbar von mir, es war die Vergänglichkeit, die ich den Menschen ansah. Ich hatte alles vor mir. Mein Leben hatte noch gar nicht angefangen. Später sah ich die Menschen dann zu mir heranwachsen. Ich hatte sie überholt, und sie waren mir auf den Fersen. Und bald fühlte ich mich in die Enge getrieben. Den Weg nach vorne versperrte mir der Tod, der immer unverhohlener auf mich schielte, während er erst sporadisch, bald regelmäßig an die Türen meiner bekannten klopfte. Er war mir ein altbekannter und doch nicht minder unsympathischer Begleiter.
    (…)
    Letzter Akt: die letzte Sünde. Anstatt ihre verbleibende Zeit in die Hand zu nehmen, anstatt nach vorne zu schauen, wie sie es früher immer wollten, drehen sie sich um.“ (Seite 5/ 6)

    Kehr ist 91 Jahre alt und beschließt seine letzten Tage in einem Pflegeheim zu verbringen. Und damit er dorthin gelangt, macht er einen auf „Dement“. Er macht dies, um der lieben Familie nicht zur Last zu fallen. Obwohl, eigentlich ist da nur noch seine geliebte Enkeltochter Sophie, denn zur Tochter hat er seit Jahren keinen Kontakt. Doch Sophie ist schwanger und Kehr möchte ihr auf keinen Fall eine Last sein, sollte er plötzlich erkranken. Darum sein Entschluss i

    Ich war dem Winter stets dankbar, wenn viel Schnee fiel, der den Lärm dämpfte und viel Hässliches zudeckte.“ (Seite 38)

    Die Geschichte kommt in kurzen und knappen Kapiteln mit eben solchen Sätzen daher. Für mich ein stilistische Mittel um zu zeigen, dass nicht mehr viel Zeit bliebt und es jetzt an der Zeit ist sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. In allen Kapiteln geht es immer um Kehr. Mal wird etwas über ihn erzählt, mal erzählt er selber. Obwohl Kehr ein gesunder Mann ist, wird schnell klar warum und wie es sich auf seine Zeit als Demenzkranker vorbereitet hat.

    An vielen Stellen muss ich inne halten, da sie mich sehr bewegen … Vor allem wenn seine Enkeltochter Sophie zu Besuch kommt und Kehr konsequent seine „Rolle“ durchzieht, obwohl er sieht wie sehr Sophie darunter leidet. Oder wenn er sich an sein Leben erinnert und  über den Verlust seines Sohnes spricht …

    Dann gibt es Stellen, die mich laut auflachen lassen … dieses Buch ist ein Wechselbad der Gefühle.

    „Früher konnte man noch rechtzeitig sterben. Irgendwann hat man das verlernt. Man hat keine Zeit mehr für den Tod, weil man noch Direktor, Millionärin oder vierfacher Ehemann werden wollte. Man hat angefangen, sich selbst so wichtig zu nehmen, dass man vergessen hat, nur das zu bedeuten, was man jenen bedeutet, die einem etwas bedeuten. Man hat den Tod in unserer Gesellschaft aus dem Leben vertrieben.“ (Seite 90)

    Frédéric Zwickers Debüt hat mir inhaltlich als auch sprachlich sehr gut gefallen. Er zeichnet einen Mann auf, der mit 91 Jahren an einem Punkt angekommen ist, an dem er eine Rückschau auf sein Leben hält und einen Ausblick auf das was noch kommen kann. Dabei setzt er sich auch mit dem nahenden Tod auseinander. Zwickers Protagonist ist dabei manchmal zynisch und hart, manchmal liebevoll und weich.

    Ein wirklich gelungenes Debüt, das noch lange nachwirkt!




    Kommentare: 5
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    Wihteblacks avatar
    Wihteblackvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein Buch das zum Nachdenken anregt
    Hier können sie im Kreis gehen

    In diesem Buch geht es um Herr Kehr der mit 91Jahren ins Pflegeheim geht und vorgibt unter Demenz zu sein. Das gelingt ihm auch gut niemand schöpft Verdacht bis seine Jugendliebe auftaucht. Herr Kehr beobachtet seine Mitbewohner und liesst Krankenakten heimlich und geht heimlich raus aus dem Heim.Es ist ein sehr feinfühliges Buch das zum Nachdenken einem bringt.

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    Jashrins avatar
    Jashrinvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein Gelungenes Debüt über die Themen Alter und Demenz, das sprachlich eher ungewöhnlich daherkommt.
    Ein gelungenes Debüt, das zum Nachdenken anregt

    Johannes Kehr hat inzwischen ein hohes Alter erreicht und geht mit 91 Jahren freiwillig in ein Altersheim. Zum einen möchte er niemandem, besonders nicht seiner Enkelin, zu Last fallen, zum anderen hofft er, dass er dort seine Ruhe haben wird. Aus diesem Grund täuscht er auch eine Demenz vor. Auf dieser Weise braucht er sich um nichts zu kümmern, und wenn ihm irgendetwas nicht gefällt, dann hat er das leider vergessen.

    Er nutzt seine vorgetäuschte Demenz zum Beispiel dafür, sich auch mal einen zusätzlichen Nachtisch zu stibitzen oder er nimmt ganz aus Versehen die Gehhilfe einer anderen Bewohnerin mit – wenn diese dann den anderen eine Weile nicht auf die Nerven gehen kann, ist das doch nicht so schlimm, oder?

    Doch mit den Wochen wird es immer schwieriger den Schein zu wahren und als dann auch noch seine Jugendliebe Annemarie ins Heim kommt, fällt es ihm besonders schwer nicht mit ihr in alten Erinnerungen zu schwelgen.

    Wie lange kann er seine Mitmenschen täuschen? Oder täuscht er am Ende sich selber?

    Frédéric Zwicker greift in seinem Debütroman ein sensibles und auch aktuelles Thema auf. Wie geht es den Menschen in den Pflege- und Altersheimen? Was bestimmt ihr Leben und inwieweit können die Pflegekräfte auf den einzelnen eingehen?                                                                                                  In einer Zeit, in der viele Menschen pflegebedürftig sind und oft händeringend nach genügend Personal gesucht wird, trifft der Autor dieses feinfühlig erzählten Buches den richtigen Ton und schafft es, dem Leser ganz unauffällig vielerlei Denkanstöße zu geben.

    Der Alltag im Pflegeheim wird authentisch beschrieben, mit einem ebenso genauen Blick wie ihn auch die Figur von Herrn Kehr hat: es geht um die Pflegekräfte, die nicht auf alles eingehen können und zum Teil auch nicht wollen, die Bewohner, die sich oft in hohem Alter noch einmal ganz umstellen müssen und in Ansätzen auch um die Familien, die einen Angehörigen im Heim besuchen. Die Erzählweise und vor allem die Worte, die der Autor Herrn Kehr in den Mund legt, sind teils zynisch und erscheinen in manchen Passagen fast menschenverachtend, doch für mich sind sie das keinesfalls. Frédéric Zwicker fängt meines Erachtens nach zwar teils schonungslos, doch niemals abwertend, die Realität in einem Pflegeheim ein. Viele Aspekte lassen sich einfach nicht Schönreden und man sollte es auch nicht krampfhaft versuchen.

    Das Buch dreht sich ausschließlich um Herrn Kehr. Die Perspektive wechselt immer wieder zwischen seinen Gedanken und Erinnerungen, aktuellen Situationen aus der Ich -Perspektive und Erzählungen aus Sicht eines neutralen Erzählers, der sich aber auch immer auf Situationen mit Herrn Kehr beschränkt. Die vielen kurzen Kapitel, manche nicht mal eine halbe Seite lang, erzählen eine eindringliche Geschichte und werfen - jedes für sich - neue Aspekte auf.

    So entsteht ein Mosaik von Herrn Kehrs bewegtem Leben. Sowohl die Vergangenheit als auch die Gegenwart werden geschildert, jedoch nicht in chronologischer Reihenfolge. Gerade seine Gedanken springen hin und her auch seine Beweggründe ins Heim zu gehen werden erst nach und nach deutlicher. Seine Enkelin Sophie ist für ihn der wichtigste Mensch und wie er sagt, erzählt er seine Geschichte für sie.

    Neben seiner Familie und einigen anderen für ihn wichtigen Personen, gibt es auch viele Heimbewohner, die der Leser nach und nach kennenlernt. Sei es die eher unbeliebte und zickige Frau Tüsser, der schizophrene Herr Konrad oder auch Frau Hülster, die stets die eine, gleiche Geschichte erzählt. Alle haben ihre Eigenheiten, sind beliebt, schrullig, einsam oder überfordert. Vor allem der demente Herr Müller hat mich sehr berührt. Immer wieder steht er auf dem Flur, doch niemand nennt ihm die Zahlenkombination für die Stationstür und so steht er regelmäßig dort und versucht vergeblich hinauszukommen - bis ihn eine Pflegekraft wieder zurückbringt. Auch das Schicksal von Frau Fassbinder hat mich betroffen gemacht und wirft die Frage auf, ob es eigentlich eine Alternative zu den üblichen Pflegeheimen gibt, die nicht nur bezahlbar, sondern auch praktikabel ist.

    Mein Fazit: Durch die ständig wechselnde Perspektive war das Buch anfangs eine Herausforderung für mich, doch es hat sich gelohnt, sich darauf einzulassen. Ein sprachlich interessantes Buch, das sich auf eine ungewöhnliche Weise dem Thema Alter und Demenz nähert und dass mich letztlich voll und ganz überzeugen konnte. Ein gelungenes Debüt, das gut unterhält und seine Leser zum Nachdenken animiert.

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    vanessablns avatar
    vanessablnvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Keine leichte Kost, da es um das Thema Alter, den Alltag im Pflegeheim und Lebenserinnerungen geht, aber für mich große Literatur!
    Intelligentes, tiefsinniges Debüt zum Thema Alter

    Von diesem Debüt bin ich sehr positiv überrascht worden. Eigentlich hatte ich wohl eher etwas Humorvolles für zwischendurch erwartet. Der Anfang war dann etwas schwierig aufgrund der kurzen, unzusammenhängenden Absätze. Je mehr ich las, desto beeindruckender fand ich das Buch jedoch. Der 91-jährige Protagonist ist anfangs schwer durchschaubar, aber dann kann man ihn immer besser verstehen. Johannes Kehr hat sich freiwillig entschlossen, ins Pflegeheim zu ziehen, um dort Demenz vorzutäuschen. Tatsächlich beobachtet er alles ganz genau und ist geistig noch erstaunlich rege. Er kommentiert die unterschiedlichsten "Mitinsassen" und treibt mitunter seine Späße mit ihnen. Um sich etwas Freiheit zu bewahren, büxt er hin und wieder aus zu einem Spaziergang. Bunt gemischt mit dieser Gegenwart im Pflegeheim sind immer wieder Absätze mit seinen Erinnerungen eingefügt. Die Kindheit, die eigenen Kinder und die Enkelin spielen eine Rolle, ebenso die verstorbene Ehefrau und die Jugendliebe (die sogar noch in der Gegenwart ihre Rolle bekommt). Aber auch Herr Kehrs kritischer Blick auf die Welt und die Menschen, die ihn umgeben, kommt immer mehr zum Vorschein. Zum Schluss habe ich Johannes Kehr mit seiner ganz eigenen, zurückhaltenden Art sehr gemocht.

    Das Buch konnte ich nur langsam lesen, es ist doch ziemlich tiefsinnig, wenn auch mit feinem Humor gespickt. Leichte Kost ist es bestimmt nicht, nicht nur wegen der traurigen Abschnitte aus dem Leben des Protagonisten. Natürlich spielt das Thema Alter mit all seinen Auswirkungen die Hauptrolle. Man erfährt viel über das Leben im Pflegeheim, das der Autor mit feinfühligem Blick, aber auch deutlich und sprachlich beeindruckend beschreibt. Für ein Debüt ist das Buch eine große Überraschung, die beim Blick auf das junge Alter des Autors nur noch größer wird. In dem relativ kurzen Roman verbergen sich viele intelligente Sätze, die für mich große Literatur sind.

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    Salutcoris avatar
    Salutcorivor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Kurzweiliger Roman, der einen ganz besonderen Einblick in den Alltag von Pflegeheimen bietet.
    Hier können Sie im Kreis gehen

    Der Debütroman "Hier können Sie im Kreis gehen" des Schweizer Autoren Frédéric Zwicker im Nagel & Kimche Verlag 2016 erschienen erzählt die Geschichte des 91-jährigen Johannes Kehr. Kehr lebt mit der Diagnose "Fortgeschrittene Demenz" im Pflegeheim. Diese ist aber nur vorgetäuscht. Zwicker schafft mit diesem besonderen Erzähler einen unverwechselbaren Einblick in den Alltag eines Pflegeheims. Durch diese besondere Perspektive werden Themen wie Betreuungsangebote und der Umgang des mangelnden Pflegepersonals mit den zu Pflegenden amüsant und schonungslos offen erzählt. Das ist manchmal todtraurig und manchmal komisch - diese Ambivalenz kommt jedem, der Kontakt mit der Pflege von Menschen zu tun hat, bekannt vor. Die Figuren - insbesondere Herr Kehr - sind lebendig beschrieben und haben von Seite eins an die volle Sympathie. Insbesondere der liebevolle Umgang zwischen ihm und seiner Enkelin sind herzerwärmend. Das 158 Seiten lange Hardcover ist handlich und sehr schön gestaltet. Bereits das Cover zeigt einen älteren Mann und den obligatorischen Kreis, der sich schon im Titel findet. Die Einschränkung des Bewegungsradius älterer oder zu pflegender Menschen wird hier deutlich. Das ist auch das Fazit, das für mich am Ende der Lektüre steht: es ist erschreckend wie sehr die Gesellschaft ältere oder zu pflegende Menschen einschränkt und ihnen so die Eigenständigkeit mehr und mehr entzieht - wie bei Vögeln, deren Flügel verkümmern. Fazit: Frédéric Zwicker hat durch umfangreiche Recherchen einen Roman geschrieben, der einen einzigartigen und gleichsam unterhaltsamen Einblick in Pflegeheime schafft. Dabei zeigt er die Menschen, die trotz schwerer körperlicher Einschränkungen ihre Menschlichkeit nicht verlieren. Das Altwerden gehört zum Leben dazu - warum verleugnen wir es dann und sperren die Alten aus?

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    TanjaMaFis avatar

    Ein Rentner mischt das Pflegeheim auf

    Was machen wir eigentlich, wenn wir alt werden und uns nach Ruhe sehnen? In seinem Debütroman "Hier können Sie im Kreis gehen" erzählt Frédéric Zwicker einfühlsam die Geschichte von Johannes Kehr. Der 91-Jährige ist ins Pflegeheim gezogen und täuscht dort Demenz vor, um so ein beschauliches Leben zu führen. Doch je länger er im Pflegeheim ist, desto schwieriger wird es, das Schauspiel aufrecht zu erhalten. Und dann begegnet er auch noch seiner Jugendliebe Annemarie...
    Lernt in unserer Leserunde den eigensinnigen Rentner Johannes kennen und erlebt mit ihm das Leben aus einer ganz anderen Perspektive. Außerdem nimmt Autor Frédéric Zwicker an der Leserunde teil und ihr könnt ihm eure Fragen rund um das Buch stellen!

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    Im Alter von 91 Jahren kommt der demente Witwer Johannes Kehr ins Pflegeheim. Nur: Seine Demenz ist vorgetäuscht. Im Heim hofft Kehr, seine Ruhe zu finden. Aber so einfach ist es nicht.  Er beobachtet die schrulligen, nicht selten aggressiven Mitbewohner und die Nachlässigkeit der Pfleger. Seine vorgetäuschte Demenz nutzt er, um Desserts zu stehlen und Gehhilfen unliebsamer Nachbarn zu verstecken. Bald aber wird seine Schauspielerei anspruchsvoller; je vertrauter ihm das Heim wird, desto größer ist die Gefahr einer Enttarnung. Als zufällig seine Jugendliebe Annemarie auftaucht, flackert die alte Zuneigung erneut auf. Ein literarisch feinfühliges Debüt, beobachtungsstark und intensiv.


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    1983 wurde Frédéric Zwicker im schweizerischen Lausanne geboren, wuchs jedoch in Rapperswil-Jona am Zürichsee auf. Er studierte Germanistik, Geschichte und Philosophie an der Universität in Zürich und nahm während seines Studiums an diversen Poetry Slams teil. Mit seiner Band "Knuts Koffer" setzte er einige seiner Texte musikalisch um. Er arbeitete unter anderem als Werbetexter, Journalist und Musiklehrer und ist mittlerweile für die Redaktion der Kulturzeitschrift "Saiten" tätig. Frédéric Zwicker lebt momentan wieder am Zürichsee und hat vor Kurzem seinen Debütroman "Hier können Sie im Kreis gehen" veröffentlicht.


    Mit Nagel & Kimche verlosen wir 25 Exemplare von "Hier können Sie im Kreis gehen"! Wollt ihr Testleser* für Frédéric Zwickers beobachtungsstarken Debütroman werden? Dann beantwortet einfach folgende Frage:

    Johannes Kehr wählt einen sehr speziellen Weg, seinen Ruhestand zu verbringen. Wie stellt ihr euch euren eigenen Lebensabend vor?

    Ich freue mich auf eure Antworten und drücke euch fest die Daumen!

    *Bitte nehmt an den Leseabschnitten und Themen teil und
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    Pressestimmen

    Herr Kehr sorgt vor – ein beeindruckendes Debüt über Erinnerung und Vergessen, über das Alter und die Liebe.

    "Der Autor hat ein Händchen für die unfreiwillige Komik von Dialogen, die haarscharf aneinander vorbei- und zugleich im Kreis gehen. Da splitten sich dann auch die Empfindungen der Leser auf: Sie sind berührt – und amüsiert." Martin Ebel, Tages-Anzeiger, 19.12.16
    "Ein äußerst feinfühliger, intensiver, manchmal bissiger und vor allem sehr aufwühlender Roman." Regula Tanner, Schweizer Familie, 23.02.17
    "Ich habe 'Hier können Sie im Kreis gehen mit großer Freude gelesen' (…). Die kühle Ironie, die nicht so oft gibt in der Schweizer Literatur, hat mich zum Teil an Markus Werner erinnert." Thomas Bodmer, SRF 2 Kontext "Literatur im Gespräch", 25.11.16
    "Es ist wirklich bewundernswert, wie Zwicker das Thema aufgreift. Man merkt einerseits, dass der Autor wirklich im Pflegeheim gearbeitet hat – (.) da sind subtilste Beobachtungen drin –, er hat aber auch die Souveränität, dass er nicht nur eine sozialkritische Reportage schreibt, sondern literarisch wirken möchte. (.) Mir hat das Buch sehr gefallen. (.) Der Herr Zwicker weiß ganz genau, wovon er schreibt." Julian Schütt, SRF 2 Kontext "Literatur im Gespräch", 25.11.16
    "Es ist ein origineller Ansatz, den der Autor wählt, um den Alltag in einem Pflegeheim zu beschreiben. Er tut es liebevoll und mit viel Humor." Esther Schneider, SRF 2 Kontext "Literatur im Gespräch", 25.11.16
    "Entstanden ist sowohl eine Hommage an das Alter und das Altern, als auch ein unüberhörbarer, jedoch keineswegs besserwisserischer Weckruf. (…) Zwicker überzeugt, weil er uns vor Augen führt, wie ungemein existenziell und dem Leben zugewandt Lesen sein kann." Björn Hayer, Zeit Online, 19.10.16
    "Mit feinem Witz und großer Melancholie erzählt Zwicker von einem letzten Akt der Rebellion." Stern, 12.10.16
    "Zwickers Debüt in der Tradition des Schelmenromans bietet eine überraschende Perspektive auf eine schwierige Thematik." Sibilla Semadeni, SRF Kulturplatz, 12.10.16
    "'Hier können Sie im Kreis gehen' ist ein mutiger Text. Er fasst das Existenziell-Unspektakuläre in Worte." Martina Läubli, Neue Zürcher Zeitung, 06.10.16
    "Ein fulminantes Romandebüt. (.) Den 32-jährigen Frédéric Zwicker muss man sich merken. Eine neue bemerkenswerte Stimme der Schweizer Literatur." Nora Zukker, SRF 3 Lesezunder, 01.09.16
    "Das Erstaunliche: Ein junger Schriftsteller widmet seinen ersten Roman einem Ausschnitt der Wirklichkeit, der sonst selten beachtet wird. Und er tut es nicht nur mit Schärfe, sondern mit unübersehbarer Empathie." Carolin Courts, WDR 5 Scala, 06.09.16
    "Der manchmal schwarze Humor Lockert den in seiner Gesamtheit melancholischen Roman von Frédéric Zwicker auf. In der Melancholie findet sich Tiefe und Glaubwürdigkeit." Katharina Manzke, Bücher Magazin, Dezember 2016
    "Der Schweizer Autor Frédéric Zwicker hat mit 'Hier können Sie im Kreis gehen' einen Roman geschrieben, der sich einfühlsam mit dem Thema Alter beschäftigt und das Milieu eines Altenheim kenntnisreich beschreibt." Heinrich Oehmsen, Hamburger Abendblatt, 02.09.16
    "Ein tolles Romandebüt!" Maxi, Oktober 2016
    "Zwicker schildert skurrille Dinge, ohne den Figuren ihre Würde zu nehmen, und zeigt Feingefühl für die Balance zwischen Tragik und Komik." Neue Luzerner Zeitung, 24.08.16
    "Ein munter geschriebenes Buch zu einem ernsten Thema." Sonntagsblick Magazin, 21.08.16
    "Ein witziges und feinfühliges Romandebüt." Hansruedi Kugler, Ostschweiz am Sonntag, 21.08.16

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