François Garde

 4.2 Sterne bei 18 Bewertungen

Alle Bücher von François Garde

François GardeWas mit dem weißen Wilden geschah
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Was mit dem weißen Wilden geschah
Was mit dem weißen Wilden geschah
 (15)
Erschienen am 08.12.2017
François GardeDas Lachen der Wale
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Das Lachen der Wale
Das Lachen der Wale
 (2)
Erschienen am 09.03.2016
François GardePour trois couronnes
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Pour trois couronnes
Pour trois couronnes
 (1)
Erschienen am 06.11.2014
François GardeCe qu'il advint du sauvage blanc
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Ce qu'il advint du sauvage blanc
Ce qu'il advint du sauvage blanc
 (0)
Erschienen am 10.09.2013

Neue Rezensionen zu François Garde

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Sigismunds avatar

Rezension zu "Was mit dem weißen Wilden geschah" von François Garde

Historisch und soziologisch interessant
Sigismundvor 6 Monaten

Im Herbst 1858 wird der erst 14-jährige französische Schiffsjunge Narcisse Pelletier (1844-1894) in einer Bucht der damals noch unbekannten Halbinsel Cape York im Nordosten Australiens von der Crew seines Schiffes zurückgelassen. Die nächsten 17 Jahre lebt er in einer Aborigine-Familie, nimmt deren Sitten und Gebräuche an, bis er 1875 von der Besatzung eines englischen Schiffes zufällig als „weißer Wilder“ entdeckt und nach Sidney gebracht wird. Im Herbst 1875 kommt er als 31-Jähriger nach Frankreich zurück. Als Leuchtturmwärter auf einem Außenposten bei Saint-Nazaire heiratet er 1880 eine junge Näherin. Im Alter von nur 50 Jahren stirbt er.
Diese wahre Begebenheit nutzte der französische Regierungsbeamte François Garde (59) vor sechs Jahren als Plot für seinen Debütroman „Was mit dem weißen Wilden geschah“, der noch im Erscheinungsjahr 2012 mit acht Literaturpreisen ausgezeichnet wurde, darunter dem Prix Goncourt. Nach der deutschen Erstausgabe von 2014 erschien im Dezember 2017 die Taschenbuchausgabe beim dtv-Verlag.
Im Roman verwebt François Garde gekonnt Fakten und Fiktion, lässt Pelletiers Abenteuer schon 1843 beginnen, seine Wiederentdeckung im Jahr 1861, hält aber an den wichtigsten Fakten fest. Durch geschickten Wechsel zweier unterschiedlicher Stilmittel – Abenteuer- und Briefroman – lässt uns der Autor beide Zeitebenen von einander deutlich unterscheiden. Einerseits erleben wir die verzweifelte Eingewöhnungsphase des 18-jährigen Matrosen unter den Ureinwohnern, andererseits erfahren wir in den Briefen eines Amateurwissenschaftlers, des Grafen Octave de Vallombrun, an den Präsidenten der Geographischen Gesellschaft in Paris die komplizierte Wiedereingliederung des inzwischen 36-Jährigen in die französische Gesellschaft. Der Graf hatte sich während eines Aufenthalts in Sidney des „weißen Wilden“, der während der zwei Jahrzehnte im Busch jede Erinnerung an Frankreich und seine Muttersprache verloren hatte, fürsorglich angenommen, nachdem man in ihm einen Franzosen erkannt zu haben glaubte.
Die Dramatik des Romans zeigt sich in der Tatsache, dass dem jungen Narcisse Pelletier gleich zweimal seine Identität gestohlen wird: Nach dem Verlust jeglicher Verbindung in die französische Heimat hatte er sich nach Tagen der Hoffnung auf Rettung, dann der verzweifelten Todessehnsucht schließlich doch in das Leben und die Gesellschaft, in die Riten und Bräuche der urzeitlich nackt lebenden Jäger und Sammler eingewöhnt und war schließlich von ihnen aufgenommen worden. Er hatte ein neues Leben begonnen, sich eine neue Identität gegeben. Durch sein Wiederauffinden und das Bemühen anderer, ihn wieder in die französische Gesellschaft einzugliedern, nimmt man ihm nun zum zweiten Mal seine Identität, die sich Pelletier allerdings durch hartnäckiges Schweigen zu bewahren sucht: „Reden ist wie Sterben.“
François Gardes völlig zu Recht prämierter und absolut spannender Debütroman ist nicht nur historisch interessant, sondern auch soziologisch. Zumal über allem die heute wieder heiß diskutierte Frage steht, was Integration wirklich bedeutet: Gilt nur die unbedingte Einordnung oder eher das Motto „leben und leben lassen“?

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Bibliomanias avatar

Rezension zu "Was mit dem weißen Wilden geschah" von François Garde

Was mit dem weißen Wilden geschah...
Bibliomaniavor 9 Monaten

... das hätte ich allerdings auch gerne gewusst. Titel und Inhalt waren für mich sehr ansprechend und ich war sehr neugierig, wie diese wahre Begebenheit wohl als Roman umgesetzt wurde, da man Francois Garde doch mit dem Prix Goncourt auszeichnete.
Der Matrose Narcisse Pelletier wird von seinem Kapitän an einer ostaustralischen Küste auf einer einsamen Insel zurückgelassen. Niemand kehrt um und es ist reiner Zufall, dass siebzehn Jahre später ein Schiff den Weißen findet, der mehr oder weniger freiwillig mit auf das Schiff kommt. Er soll wieder in seine Heimat gebracht werden. Als klar ist, dass es sich um einen Franzosen handelt, nimmt sich ein Landsmann namens Octave de Vallombrun seiner an, um ihn zu "resozialisieren". Nach und nach erfährt der Leser, wie der Matrose sich dem wilden Stamm annähert und in einem zweiten Erzählstrang, wie Octave in Briefen an den Président die Fortschritte Pelletiers vor der Ankunft in Frankreich beschreibt.
Schade fand ich, dass ausgerechnet der zweite Erzählstrang deutlich umfangreicher und für mich persönlich eigentlich weniger interessant war, als das, was tatsächlich im australischen Busch passiert ist. Dieser Teil war mir etwas zu kurz geraten und so richtig klar ist auch gar nicht, warum Narcisse so alles verliert.
Gerade da es sich um eine wahre Begebenheit handelt, wäre auch hier eine historische Notiz, ein Nachwort oder dergleichen schön gewesen. Mich hätte durchaus interessiert, was wirklich geschehen und was der Phantasie des Autoren entsprungen war.
Schön beschrieben war dennoch die Einsamkeit, die Verzweiflung Pelletiers und seine anfänglichen, ständigen Gedanken an eine Flucht, eine Rettung. Wer mag sich schon eingestehen, dass niemand kommen wird? Dass man von jetzt an verdammt ist, bei einer Gruppe von Menschen zu bleiben, deren Sprache und Gepflogenheiten man weder kennt noch versteht. Interessant wäre auch gewesen, ob alle Informationen, die man über Pelletiers Erfahrungen im Stamm hat, alle sind, an die er sich erinnert, oder die er erzählt hat. Oder ob auch das alles schon der Fantasie des Autoren zuzuschreiben ist.
Ein bisschen schade, aber ich gebe Francois Garde gerne noch eine Chance für sein zweites Buch ("Das Lachen der Wale").

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Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Das Lachen der Wale" von François Garde

Lachen Wale?
Bellis-Perennisvor einem Jahr

Hier habe ich ein Sachbuch aus dem C.H.Beck-Verlag erwartet, doch eine ziemlich poetische Betrachtung von Walen erhalten.

Die kurze Enttäuschung ist einem raschen Lesen des knapp 230 Seiten langen Essays gewichen. 

Francois Garde hat mich auf (s)eine ozeanische Reise mitgenommen, die eine Mischung aus Prosa und Journalismus, facettenreich, schnörkellos und doch lyrisch geschrieben ist. 

Des Autors Sehnsucht nach dem Meer ist deutlich spürbar. So bin ich an seiner Seite in die philosophischen Überlegungen eingetaucht.

Die Überraschung ist gelungen! Vier Sterne

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