François Vallejo Monsieur Lambert und die Ordnung der Welt

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Inhaltsangabe zu „Monsieur Lambert und die Ordnung der Welt“ von François Vallejo

Als der junge Baron de l'Aubépine die Nachfolge auf dem väterlichen Gut antritt, jagt er die Angestellten des alten Schlossherrn fort - alle, bis auf den Wildhüter Lambert, dem er sich merkwürdig verbunden fühlt. Lambert indes reagiert argwöhnisch auf den exzentrischen Adligen und seine flammende Begeisterung für eine neue Weltordnung.

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  • Rezension zu "Monsieur Lambert und die Ordnung der Welt" von François Vallejo

    Monsieur Lambert und die Ordnung der Welt
    Sokrates

    Sokrates

    07. October 2011 um 09:52

    Ein bisschen tue ich mich schwer bei der Bewertung dieses Buches. Der Aufbau-Verlag zitiert die Le Monde (auf der Werbebandarole um den Roman herum) als „Ein Roman, der in einer Weise erschüttert, wie es nur die Literatur vermag.“... Ja, der Roman hat erschüttert. Aber auf eine sehr stille Art und Weise. . Der Autor, französischer Professor für Altphilologie, erzählt die Geschichte des jungen Barons de l’Aubépine, der zunächst als Tunichtgut und Kunstverliebter nicht den vom Vater gewünschten (soliden) Lebensweg einschlagen will (also Jura zu studieren), sondern allein seinen Wünschen und Sehnsüchten folgt. Als der Vater schließlich stirbt und der Sohn dessen Erbe und gesellschaftliche Rolle übernimmt – wir befinden uns historisch in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Frankreich – muss er Schloss und Dienerschaft übernehmen sowie die Rolle des adeligen Gutsbesitzers ausfüllen. Für einen realitätsfernen Schöngeist ein schwieriges Unterfangen, zumal die zeitgeschichtlichen Ereignisse alles andere als friedlich sind in Frankreich. Der junge Baron entlässt zunächst einmal alle Angestellten des Vaters, außer den Wildhüter, den er irgendwie sympathisch und faszinierend findet. Der jedoch kommt mit dem jungen Adeligen nicht recht klar und als sich schließlich die politischen Umstände im Land ändern, finden sich beide politisch in Opposition zueinander, die auch das Miteinander auf dem Gut vor Probleme stellt. . Vallejo schreibt ohne wörtliche Rede hervorzuheben. Fast denkt man, man nehme Teil an einem endlosen langen inneren Monolog. Die Sprache hat zwar etwas Unterhaltsames, wird nicht langweilig oder erscheint sprachlich einfallslos, ihr fehlt jedoch auch das „gewisse Etwas“, was eine innere Neugier beim Leser entstehen lässt. Auf mich wirkte der Roman vielmehr wie ein sanftes Dahinplätschern, ohne dass man ernsthafte Neugier auf das Ende verspürte. Das war schade und nach dem Urteil der Le Monde hatte ich auch mit etwas „Erschütterndem“ gerechnet; nicht nur mit mittelmäßiger Unterhaltungsliteratur.

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  • Rezension zu "Monsieur Lambert und die Ordnung der Welt" von François Vallejo

    Monsieur Lambert und die Ordnung der Welt
    Clari

    Clari

    19. June 2008 um 19:01

    Frankreich Mitte des 19. Jahrhunderts. Monsieur Lambert ist Wildhüter bei dem Baron de l’ Aubépine des Perrières. Dessen Schloss befindet sich in der Normandie. Lambert besitzt eine herrschaftliche Schar von Jagdhunden, die ihm alles bedeuten. Im politischen Aufruhr der Revolution um 1848 hat sich der junge Baron, Nachfahre seines strengen Vaters, als Wirrkopf erwiesen. Er preist die Republik, verurteilt die Adligen, lässt aber seine ihm gebliebenen einzigen Diener, den Wildhüter Lambert mit seinen beiden Kindern und seiner Frau, hungern. Er denkt nicht an den praktischen Alltag, sondern lebt ein ungewöhnliches und ungebärdiges Leben. Schon beim Einstieg in die Geschichte fühlt man sich in eine düstere Epoche zurück versetzt. Die Ordnung der Welt war aus den Fugen geraten. Das dunkle Schloss, die Trauer, die der Hausherr ausstrahlt, die vergangene Pracht und Herrlichkeit des Landadels war langsam einem Abgesang auf die alte Zeit gewichen. Die Familie des Wildhüters ist den wechselnden Launen eines Hausherrn ausgesetzt, die alle Beteiligten verunsichern. Auf was muss man sich einstellen? Was will der junge Herr, der nach Jahren des Zerwürfnisses erst mit dem Tod des Alten auf das Schloss zurückgekehrt ist? Kann man sich vorstellen, dass Dienerschaft wie Herrschaft im Zusammenleben Regeln brauchen, die, einmal außer Kraft gesetzt, das Leben unwägbar machen? Gut kann man sich in die Atmosphäre des umstürzlerischen Haushalts hinein versetzen. Die Ratlosigkeit der einfachen Waldhüterfamilie, die eine Ordnung sucht und braucht, und der lebensferne und unpraktische junge Baron sind Gegenpole, die nicht zusammen passen. Zugleich gehen die beiden Antipoden eine betrübliche Bindung auf Gedeih und Verderb ein. Mehr und mehr wird man in eine skurrile Geschichte versetzt, die zwischen Irrwitz und Rebellion, Perversion und Angst schwankt. Der Wildhüter Lambert erweist sich als Bewahrer der Tradition und der alten Werte, Baron de l’Aubépine überschlägt sich im Taumel aus Verrücktheit und Überspanntheit. Die Familie des Wildhüters beobachtet sein Verhalten ängstlich und besorgt. Der Baron schreibt unentwegt Briefe an den im Exil weilenden Victor Hugo und erwartet krankhaft die Antworten des Dichters. Er jagt Prostituierte nackt durch die nächtlich verdunkelten Flure des Schlosses und nähert sich unbotmäßig der Tochter von Lambert, Magdeleine. Perverse Tätlichkeiten werden an unleugbaren Zeichen erahnt. Wird Magdeleine womöglich in den Sog des Untergangs hineingezogen werden? Herr und Knecht wechseln die Rollen in regelmäßigem Turnus; einmal biedert sich der Baron kameradschaftlich an, um dann wieder über die verlassene Schar seiner Bediensteten zu herrschen. Lambert verweigert dem Baron den Gehorsam, wenn es ihm zu bunt wird. Er appelliert an die Vernunft. Das Wechselspiel eskaliert, als der Baron sichtbare Anzeichen von Wahnsinn zeigt. Gehorsam und Verweigerung funktionieren nicht mehr. In einem furiosen Finale folgt das tragische Ende. Der Autor zeigt eine aus den Fugen geratene Welt. Die Revolutionäre und die um ihre Macht kämpfende Monarchie verursachen unruhige Zeiten. Sich gegenseitig bekämpfende und ideologische verbissene Bürger und der Adel liefern sich Untergansszenarien, die den gewaltigen Umbruchszeiten Rechnung tragen. Unterdrückung und Gewalt beherrschen das Klima des Landes. Eine beklemmende Atmosphäre im Haus des Barons, dem die Grundlage der bisherigen Existenz entzogen wird, und die abhängige Dienerschaft bilden eine von überbordenden Gefühlen durchsetzte Szenerie. Der Erzählstil fängt genau den Konflikt einer sich zersetzenden Gesellschaft ein. Die Geschichte ist dramatisch, atmosphärisch klar und trifft gekonnt den damaligen Zeitgeist. François Vallejo ist mit diesem Roman eine treffende historische Zeitstudie geglückt.

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