Françoise Frenkel Nichts, um sein Haupt zu betten

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Inhaltsangabe zu „Nichts, um sein Haupt zu betten“ von Françoise Frenkel

Voller Leidenschaft für die Literatur eröffnet die polnische Jüdin Francoise Frenkel nach dem Studium in Paris 1921 die erste französische Buchhandlung in Berlin. 1939 flieht sie vor dem Nationalsozialismus, über Paris quer durch Frankreich bis in den „freien“ Süden nach Nizza. Als es 1942 auch hier zu Razzien kommt, findet sie Schutz bei dem Ehepaar Marius. Zwei in ihrer Unerschütterlichkeit unvergessliche Menschen, mit deren Hilfe ihr 1943 die Flucht in die Schweiz gelingt. Jetzt erscheint dieses „in Tempo und Intensität wie ein Roman“ (Le Monde) geschriebene Zeugnis, das als historischer und literarischer Fund gefeiert wird, mit einem Vorwort von Patrick Modiano erstmals auf Deutsch.

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  • Bewegender Erlebnisbericht

    Nichts, um sein Haupt zu betten

    Buecherschmaus

    22. December 2016 um 23:37

    „Aber, Madame, Sie scheinen mir das politische Klima im gegenwärtigen Deutschland nicht zu kennen!“rief der französische Generalkonsul, die Arme zum Himmel erhoben aus, als ihm Françoise Frenkel ihren Plan, im Jahr 1921 in Berlin eine französische Buchhandlung zu eröffnen unterbreitete. Der Erste Weltkrieg war noch nicht lange beendet, es war die Rede von der „Schmach von Versailles“, die Dolchstoßlegende kursierte und rechte Kräfte rotteten sich bereits zusammen. Die Stimmung in der Stadt und ganz Deutschland war alles andere als frankophil.„Man wird Ihnen den Laden zertrümmern!“prophezeite der obige Herr.Dass es erst viele Jahre später tatsächlich so kommen würde, konnte die geborene Polin und Jüdin Frymeta Idesa Frenkel, die in Paris studierte und Frankreich und seine Literatur über alles lieben lernte, nicht wissen. Und so machte sie sich mit viel Herzblut und Sachverstand an die Gründung der „Maison du livre“, die einst dort stand, wo sich heute das KaDeWe breitmacht. Zunächst von der großen russischen, dem Französischen traditionell zugeneigten Gemeinde frequentiert, wuchs die Kundenzahl der Buchhandlung beständig an und entwickelte sich zu einer Erfolgsgeschichte. Schöne Passagen des Buches widmen sich der Beschreibung dieses Ortes der Literatur und der Bücherliebe seiner Inhaberin.Schwierig wurde es spätestens 1935, als immer neue schikanöse Bestimmungen den Geschäftsalltag behinderten. Doch Françoise Frenkel harrte, nicht zuletzt durch die Unterstützung des französischen Staats ermutigt, aus. Erst wenige Tage vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs floh sie zurück nach Paris. Laden und Bücher wurden beschlagnahmt.Nur 9 Monate später musste Frenkel erneut vor den anrückenden deutschen Truppen fliehen. Über Avignon ging es nach Nizza. Südfrankreich war damals der Fluchtpunkt unzähliger Juden aus ganz Europa. Auch viele Schriftsteller waren darunter und warteten auf die endgültige Rettung. Deshalb sind Zeugnisse, wie z.B. Lion Feuchtwangers „Der Teufel in Frankreich“ oder Anna Seghers Roman „Transit“, nicht rar. Manch Leser wird deshalb vielleicht mit einem „Nicht schon wieder“ über dieses schmale Buch hinwegsehen. Aber abgesehen davon, dass es solche Zeugnisse dieser ungeheuerlichen Zeit gar nicht genug geben kann, ist Frenkels Erinnerungsbuch eben auch etwas ganz Besonderes.Die Autorin war tief durchdrungen von ihrer Liebe zu Frankreich, seiner Kultur und seinen Menschen. Sie sah dennoch genau hin. So wie sie die allmähliche Verfinsterung in Berlin verzeichnete und doch ihrem Laden, ihren Kunden, den Berlinern bis es gar nicht mehr ging treu blieb, so sah sie trotz all ihrer Sympathie doch auch die Kollaborateure unter den Franzosen, diejenigen die sich aus niedriger Gesinnung, zum persönlichen Vorteil oder oft auch einfach nur aus Gedankenlosigkeit gemein machten mit den deutschen Besatzern. Aber eben auch die vielen uneigennützigen Helfer, die wie das Friseur-Ehepaar Marius unter Gefährdung des eigenen Lebens halfen und Frenkel nach einer Razzia in ihrem Hotel, der sie nur durch Zufall entging, Zuflucht anboten, Unterschlüpfe organisierten. Deshalb war die Intention der Autorin auch klar:„Es ist die Pflicht der Überlebenden, Zeugnis abzulegen, damit die Toten nicht vergessen, noch Hilfsbereitschaft und Aufopferung Unbekannter missachtet werden“. Mit Hilfe dieser Menschen ist Françoise Frenkel nach zwei missglückten Versuchen, Verhaftung und Internierung in Annecy, schließlich doch die Flucht in die Schweiz gelungen. Ein Schweizer Visum hatten ihr Freunde mehrmals besorgt. Dort am Vierwaldstädter See schrieb sie 1943-44 diese Erinnerungen nieder.„Ich widme dieses Buch den MENSCHEN GUTEN WILLENS, die hochherzig, mit unermüdlicher Tapferkeit, ihren Willen der Gewalt entgegengestellt und Widerstand geleistet haben bis ans Ende.“Man merkt diesem Erlebnisbericht, denn das ist er in erster Linie, wenn auch manche Beschreibungen durchaus literarisch sind, an, dass er schnell, unter dem Eindruck der unmittelbaren Ereignisse niedergeschrieben wurde. Es fehlt manchmal der Gesamtblick, der uns als Nachgeborenen natürlich gegeben ist. Dafür schildert Françoise Frenkel sehr eindrücklich den Flüchtlingsalltag. Etwas, das, wenn auch unter anderen Kontexten, anderen Dimensionen, leider auch mehr als siebzig Jahre nach den geschilderten Ereignissen in so vielen Teilen der Welt aktuell ist. Sie malt auch ein authentisches, informatives Panorama des damaligen Vichy-Frankreichs. Und singt ein Loblied auf all die uneigennützigen Helfer, die es trotz allem gab.Das Buch erschien erstmals 1945 in einem Schweizer Verlag, blieb aber weitestgehend unbekannt. Die Geschichte seiner Wiederentdeckung ist für sich interessant. Durch Zufall auf einem Trödelmarkt in Nizza entdeckt und einem Verlag anempfohlen, war es ausdrücklich eine französische Bloggerin, die die Autorin über ihr blog im Netz bekannt machte. Nicht zuletzt war es auch das Interesse des Nobelpreisträgers Patrick Modiano, das dem Buch zu Gute kam. Er steuert ein Vorwort bei, und wer das Werk Modianos kennt, kann nicht verwundert sein, dass dieses Buch ihn ansprach. Die Kriegs- und Nachkriegsjahre, dieses französische Grenzgebiet zur Schweiz, die immer wieder auch in seinen Büchern auftauchen, aber auch die leicht geheimnisumwitterte Figur der Autorin, von der es offenbar kein einziges Foto gibt und über deren weiteres Leben nur bekannt ist, dass sie 1958 in Berlin einen Wiedergutmachungsantrag stellte und 1975 in Nizza verstarb, passen zu Modiano. So stellt er auch zu Recht die Frage, warum Frenkel in ihren Aufzeichnungen mit keinem Wort ihren Ehemann Simon Raichenstein erwähnt, mit dem sie bis 1933 die Buchhandlung gemeinsam betrieb bevor dieser nach Paris zurückkehrte und 1942 in Auschwitz ermordet wurde. Auch viele andere Details über ihr Leben, zum Beispiel ihre Familie, ihre Kindheit in Polen bleiben unerwähnt.Aber Françoise Frenkel wollte vielleicht einfach nur, gemäß ihrer Widmung, ein Erinnerungsbuch an diese schreckliche Zeit schreiben. Und vielleicht waren die Wahrheiten, die nach 1945 immer deutlicher wurden in ihrer Ungeheuerlichkeit, so groß, dass auch diese Autorin davor verstummte.Wir können es nicht wissen. Aber wir können dieses bewegende und fesselnde Zeitdokument lesen. Immer wieder und gerade heute, wo die Generation der Zeitzeugen so langsam verschwindet.

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  • Ohne Ort

    Nichts, um sein Haupt zu betten

    Bri

    23. September 2016 um 10:09

    Über Françoise Frenkel ist nicht viel bekannt, ihr einziges Buch, das sie ursprünglich in französischer Sprache verfasst hatte, liegt nun zum allerersten Mal in deutscher Übersetzung vor. Endlich und genau zur richtigen Zeit, möchte man ausrufen.1889 wurde sie als Frymeta Idesa Frenkel in Polen geboren. Die junge Frau – von klein auf mit einer starken Affinität zu Büchern und Literatur gesegnet – führt das Studium der Literaturwissenschaft nach Paris, allerdings erst nach einer Musik-Ausbildung in Leipzig. Kurz nach dem Ersten Weltkrieg, genau gesagt im Jahr 1921, eröffnet Frenkel die erste französische Buchhandlung in Berlin – gemeinsam mit ihrem Mann, Simon Raichenstein, der ebenfalls jüdischen Glaubens war, jedoch aus Russland stammte. Raichenstein verließ Deutschland bereits 1933 Richtung Paris, wo er nach einiger Zeit in eine Razzia geriet, nach Auschwitz deportiert und dort 1942 ermordet wurde. Aber davon erzählt Nichts, um sein Haupt zu betten nicht.Frenkel hält noch bis kurz vor Kriegsausbruch 1939 in Berlin aus – sie fühlt sich ihren Kunden und den Verlagen, die sie bei der Gründung der Buchhandlung so sehr unterstützt haben, zu sehr verbunden. Außerdem gilt ihre Buchhandlung als „ausländisch“ und bleibt somit von den schlimmsten Auswirkungen der Pogrome verschont. Als sie ihre Familie in Polen wieder einmal besuchen möchte, legt man ihr nahe, sie solle doch das Angebot des Aufenthalts in Paris annehmen. Was sie auch tut. Der Beginn einer Reise, einer Flucht vielmehr über Paris, Avignon, Nizza, letztendlich in die Schweiz, wo sie 1943 beginnt, ihre Erlebnisse niederzuschreiben. Nichts, um sein Haupt zu betten erschien 1945 – direkt nach Kriegsende.Vielleicht macht diese Nähe zu den Ereignissen und Erlebnissen das aus, was passiert, wenn man davon liest, wie sich Braunhemden in Hinterhöfen versammeln, sich beraten und über anders Denkende herziehen. Unverhohlen gehässig. Frenkel wirkt in allem, was sie schreibt, weder gutgläubig noch weltfremd, doch auch sie wird überrascht von den massiven und hasserfüllten Vorkommnissen in Nazi-Deutschland. Heute kaum vorstellbar – oder vielleicht doch gerade heute? Nicht die offen zur Schau getragene, Menschen verachtende Haltung ist es, die so brandgefährlich ist – sie kann man bekämpfen. Wobei ich solch eine Haltung in keinster Weise gut heiße! Aber noch schlimmer als dieses Verhalten ist es, wenn Menschen nicht zu dem, was sie tun stehen.Zu Beginn von Frenkels Schilderungen hat man das Gefühl, man könne das Bestreben, das hinter der Gründung einer französischen Buchhandlung auf deutschem Boden stecken mochte, geradezu spüren: Über die Literatur soll es wieder zu einer wahren Völkerverständigung kommen. Frenkels Kunden lechzen geradezu danach, die furchtbaren Kriegsjahre zu vergessen und der Direktimport von Stilsicherheit und Schönheit soll dazu beitragen. Hier wird man stark an das wunderbare Buch der beiden Gründerinnen der Buchhandlung Sunwise Turn erinnert.Der Ton den Frenkel auch später anschlägt, um ihre Reise über Frankreich in die neutrale Schweiz und damit in die Sicherheit nachzuzeichnen, ist weder lamentierend, noch distanziert. Einzigartig nah und erschütternd ist die Lektüre, obwohl Frenkel einfach nur erzählt, was ihr und anderen Menschen passiert ist. Schreckliches, keine Frage. Aber das beginnt nicht erst mit großen Gräueltaten, sondern bereits mit der Einsamkeit, die viele zu ertragen haben und mit der für alle existierenden Unsicherheit bezüglich der Zukunft.Nichts, um sein Haupt zu betten ist keine leichte Kost, aber gerade deshalb immens wichtig. Dass von der Autorin nicht viel bekannt ist, dass sie in den ganzen Schilderungen ihren Mann, Simon Raichenstein, mit keinem Wort erwähnt, dass sie nur dieses eine, so wichtige, Buch geschrieben hat, all das mag der Grund dafür sein, dass dieses Buch mehr vermag, als Zeugnis abzulegen: es berührt, rüttelt auf und zeigt, wie wichtig es ist, bereits den Anfängen zu wehren. Unbedingte Leseempfehlung!!

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2016: Die Challenge mit Niveau

    aba

    27. December 2015 um 19:56

    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2016 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2016 bis 31.12.2016 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2016 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.Nimmst du die Herausforderung an?Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2016 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema.Ich freue mich auf viele Anmeldungen!Teilnehmer:19angelika63AgnesMAmayaRoseanushkaArizonaaspecialkateban-aislingeachBarbara62BlaetterwindblauerklausbonniereadsbooksBookfantasyXYbookgirlBuchgespenstBuchinaBuchraettinCara_EleaCaroasCorsicanacrimarestricyranaczytelniczka73Deengladia78DieBertadigraEeyoreleerinrosewellFarbwirbel FederfeeFornikaFrauGonzoFrauJottfreiegedankenfrlfrohsinngefluegeltermondGela_HKGetReadyGinevraGirl56GruenenteGwendolinahannelore259hannipalanniHeldentenorIgelaInsider2199JoBerlinK2kkatrin297krimielselenikslesebiene27LesefantasieleselealesenbirgitleseratteneuLibriHollylisibooksLiteraturmaria1Marika_RomaniaMaritzelmarpijeMartina28MauelaMercadoMiamoumiss_mesmerizednaddoochNadja_KloosnaninkaNepomurksNightflowerNilNisnispardenPetrisPocciPrinzessinAuroraschokoloko29serendipity3012SikalsofiesolveigsommerleseStefanieFreigerichtsternchennagelSumsi1990suppenfeesursulapitschiTanyBeeTintenfantasieTochterAliceumbrellavielleser18wandabluewiloberwortjongleurzeki35

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