Drei Monate sind nach den aufregenden Aufständen in Löwenburg vergangen, als sich Mosca Mye mit ihrem tierischen Freund, der Gans "Sarazene" und dem listenreichen Wortmeister Clent an einem Scheideweg wiederfindet. Die Rebellion ist zwar zerschlagen, aber die Auswirkungen breiten sich über das ganze Land aus.
Während Clent im Gefängnis schmachtet, gerät Mosca in die Fänge von Mr. Skellow und findet sich auf der legendären Auktion der Pfandleiher wieder, wo exklusive Dinge wie die Knochen von Königen, Kristallkugeln mit dämonischer Magie, tödliche Geheimnisse oder auch die Dienste von Assassinen ersteigert werden können.
Ihre Verwicklungen hier und ihre widerborstige, aber nicht abzustreitende Verbundenheit mit Clent bringen sie schließlich in Richtung Osten, zur großen und gepriesenen Stadt Toll, in der sie sich Sicherheit erhoffen.
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Mit Clent verbindet sie hauptsächlich die Liebe zu Wörtern und der Hang zu Abenteuern - und die Versuchung, nicht immer so ganz bei der Wahrheit zu bleiben. Dass Mosca Lesen gelernt hat ist ein seltenes Talent, denn Bücher können in dieser Welt gefährlich sein: zumindest laut der Gilde der Schreiber.
Nach der Entdeckung, dass Ihr Vater ein Atheist war, fällt es ihr schwer zu den vielen Göttern zu beten und ihnen Respekt zu zollen. Für jeden Tag und jede Nacht (und jede Gelegenheit) gibt es einen Gott oder eine Göttin, und Mosca kommt schwer ins Grübeln, wieweit der Glaube hier Sicherheit bietet oder nur eine Täuschung ist.
Witzig fand ich, dass die Namen der Personen nach den Göttern vergeben werden, die am Tag bzw. zur Stunde ihrer Geburt gerade ihren Gedenktag haben - Mosca bedeutet übrigens übersetzt (ital/span) "Fliege", was hier sehr schön ihre Bedeutung findet:
"What´s your name, girl?"
"Mosca." Yes, now they would look at her and see a housefly, a snatcher of scraps, a walker on ceilings. There was no help for it. One could not lie about one´s name.
Zitat Seite 15
Auch die Eigenschaften des Gottes bzw. des Namens, sollen das Schicksal jeder Person entscheiden: und so sind manche von vornherein schon mit einem unglücklichen Vorurteil gebrandmarkt - oder auch mit einer glücklichen Fügung.
Passend dazu sind hier auch die Kapitel nach den jeweiligen Göttern (Beloved) benannt, die zu dieser Stunde bzw. dieser Zeit ihre Wirksamkeit haben.
Mit dieser "kleinen Erklärung" schlage ich den Bogen zurück zur Stadt Toll, denn diese ist sehr strikt, was die Götter, die Namensgebung und deren angeblichen Eigenschaften betrifft und damit sehr dem Aberglauben verbunden - und das bekommt Mosca direkt sehr deutlich zu spüren.
Die Klassifizierung und Trennung der Menschen anhand ihres Namens in Tag- und Nachtbewohner nimmt hier extreme Formen an und die beiden möchten mithilfe ihrer üblich angewandten, verschlagenen Tricks ihren Weg aus der Stadt finden.
In Mosca brodelt immer diese Wut wegen der Ungerechtigkeit der Welt. Ob es die Vorurteile zwecks der Namen betrifft, dem Aussehen oder der Herkunft, es ist für sie einfach nur unfair und enttäuschend, dass die Beurteilung beständig von Äußerlichkeiten abhängt. Ihr wörtlicher Schlagabtausch vor allem mit Clent wirkt dabei oft sarkastisch und bissig - und auch unfreiwillig komisch. Ich mag den ironischen Humor, der mich einerseits zum Lachen bringt, aber andererseits auch tiefere Bedeutung hat.
Da die beiden ja eher unwillentlich zueinander gefunden haben passiert es dennoch, dass sie sich mögen und ja, irgendwie auch aufeinander verlassen - und dennoch scheint beiden klar zu sein, dass in sie sich in der Not selbst der nächste sind. Auch wenn sie sich immer wieder das Gegenteil beweisen :)
Freunde zu finden fällt Mosca ja von je her schwer - aber hier, wo überall Gefahren lauern, Verrat belohnt wird und die Angst in den Herzen wohnt, scheint es gar unmöglich. Selbst wenn man auf Menschen trifft, die freundlich sind; was ihr immer wieder vor Augen führt, dass sie ganz alleine dasteht und nur sie selbst sich helfen kann.
...but kindness could be eaten away by fear, desperation, and soul weariness, just like everything else.
Zitat Seite 313
Wieder werden sie gegen ihren Willen in die intriganten Machenschaften verstrickt, die nur am Rande mit der Rebellion in Mandelion zu tun haben und mehr die Stadt Toll betreffen: Die mysteriöse Aufteilung dieser Stadt in die Tages- und Nachtzeit, die auch die Bewohner in zwei Klassen einstuft, eine dramatische Entführung, das Geheimnis um das versteckte "Glück" dieser Stadt und die Gilde der Schlosser verstricken Mosca in ein gefährliches Abenteuer. Je verstrickter und schlimmer die Situation scheint: sie gibt nicht auf und findet immer wieder einen Weg, um weiterzumachen:
Desperation is a millstone. It wears away at the very soul, grinding away pity, kindness, humanity, and courage. But sometimes it whets the mind to a sharpened point and creates moments of true brilliance.
Zitat Seite 389
Natürlich erlebt sie die Stadt Toll auch bei Nacht, was ihre bösen Vorahnungen nur bestätigt. Mit viel Raffinesse und eine Menge Portion Mut, die oftmals aus ihrer Angst, Verzweiflung und ihrer Wut erwächst, schafft sie es letztendlich, einiges wieder ins Reine zu bringen. Und findet dabei auch in einigen Menschen tatsächliche so etwas wie Vertrauen.
Das englische ist hier wirklich nicht einfach zu lesen, weil die Autorin sehr mit der Sprache spielt und keine so typischen Wörter benutzt - was zwar nicht einfach war für mich, aber ich bin dieses Mal gut reingekommen und es hat richtig viel Spaß gemacht!
Mit ihrem besonderen Stil, mit ihren außergewöhnlichen Ideen, der abwechslungsreichen Handlung und den speziellen Charakteren plus einigen Überraschungen war es ein großartiges Leseerlebnis!
Sie schreibt einfach toll und ich werde mich definitiv nach anderen Büchern von ihr umschauen!
All this will pass, she seemed to say. Everything that seems so large and inescapable now, I will grind down in my pestle, and in a century it will be a fine powder that nobody will notice. There is no crime you have committed, no pain you have felt, that I cannot grind to nothing so that the word forgets it, in the fullness of time.
This was no comfort to Mosca at all. In fact, she reflected, she didn´t much like the idea of a fine, powdery world where nothing really mattered in the long run. She preferred her world painful, and lumpy, and full of chaff.
Zitat
Frances Hardinge
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von Frances Hardinge
Die Herrin der Worte
Schattengeister
Der Lügenbaum
Das Mädchen ohne Maske
Wunsch Traum Fluch
The Lie Tree
A Skinful of Shadows
Cuckoo Song
Neue Rezensionen zu Frances Hardinge
Zugegebenermaßen ließ ich mich durch das "Chris Riddell" auf der Vorderseite ein wenig "blenden" und kaufte das Buch, ohne so wirklich darüber nachzudenken, dass ich mich weder so genau darüber informiert hatte worum es geht, noch was die Autorin sonst so schreibt. Trotzdem hat mich allein schon die Aufmachung angesprochen und ich habe dann einfach mal angefangen zu lesen. Und bin doch sehr begeistert von dem Buch! Obwohl ich ziemlich krank war und kaum die Augen offen halten konnte, habe ich mich dann durch die halbe Nacht gequält und musste es unbedingt zu Ende lesen, so spannend fand ich es und wollte unbedingt wissen wie es ausgeht.
Ohne zu viel zu verraten, kann ich sagen, dass das "Mysterium" schon sehr gut gemacht ist. Man ahnt zwar hier und da schon mal, was es unter Umständen sein könnte, aber so grundsätzlich war ich des Öfteren überrascht, welche Wendung die Story nahm. Auch zwischendurch war ich mir bei einigen Personen unsicher: stehen sie auf der "guten" Seite, stehen sie auf der "schlechten" Seite, was haben sie zu verbergen, können sie der Protagonistin gefährlich werden? Normalerweise hat man ja schon manches Mal erlebt, dass sich durch eine Unvorsichtigkeit des Schreibenden mitten im Lesen ein Aha-Moment ergibt und man weiß "das kann nur diese Person sein". Hier fand ich es bis zum Schluss spannend und für mich nicht vorhersehbar. Deshalb kann ich nur dazu raten das Buch zu lesen. Zwar ist die Protagonistin noch Jugendliche und das Buch wird auch als "children's historical fantasy novel" bezeichnet, aber deshalb ist es für mich jetzt nicht wirklich ein YA Buch gewesen. Insbesondere, da es im Viktorianischen Großbritannien spielt und man doch die ein oder andere Anspielung erstmal verstehen muss. Trotzdem ist es, meiner Meinung nach, auch für viellesende Kinder geeignet.
"Schattengeister" ist ein märchenhafter und ganz mysthischer Roman, der vor allem durch seine Atmosphäre sehr lesenswert ist. Auch wenn die Geschichte teilweise ihre Längen hat, so hat mir dieses Buch sehr gut gefallen. "Schattengeister" ist ein ganz außergewöhnlicher Roman, der den Leser völlig in seinen BAnn ziehen kann.
Gespräche aus der Community
Welche guten Einzelbände habt ihr gelesen? Ich habe Lust, mir ein paar schöne Bücher für zwischendurch zu holen.
Irgendwie schaffen es einige Bücher eine tolle, magische Atmosphäre zu erschaffen, gerade weil die Geschichten kurz sind. Man fühlt sich in der Zeit zurückversetzt, als einem Märchen und Kurzgeschichten faszinieren konnten. Meine Favouriten sind Das kalte Reich des Silbers und The Surface breaks, gefolgt vom Nachtzirkus. Schattengeister habe ich fest vor.
"...gerade weil die Geschichten kurz sind. Man fühlt sich in der Zeit zurückversetzt, als einem Märchen und Kurzgeschichten faszinieren konnten."
Ok, gut, so kurz ist es dann nicht xD Aber ich finde es als Einzelband einfach großartig, gerade weil man bei den meisten Fantasybüchern gleich eine ganze Trilogie oder noch mehr Bände lesen muss! Ein in sich abgeschlossenes Buch hat immer einen ganz eigenen Zauber, vor allem, wenn es sich um High Fantasy handelt! (Ich scheue mich noch immer davor, die Folgebände zu lesen, obwohl ich gehört habe, dass sie super sind...)
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