Francesco Vidotto

 4,2 Sterne bei 37 Bewertungen
Autor*in von Meine Berge bist du, Der Klang eines ganzen Lebens und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Francesco Vidotto, geboren 1976, ist in den Dolomiten aufgewachsen. Er arbeitete zwanzig Jahre lang als Manager und lebte in der Stadt, bevor er sich bewusst in die Berge nach Tai di Cadore zurückzog, wo er sich seither der Natur und dem Schreiben widmet. Er ist der Autor zahlreicher Romane und Erzählungen. Meine Berge bist du ist sein erstes Buch bei Kein & Aber.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Francesco Vidotto

Cover des Buches Meine Berge bist du (ISBN: 9783036950938)

Meine Berge bist du

(28)
Erschienen am 13.04.2026
Cover des Buches Der Klang eines ganzen Lebens (ISBN: 9783431041002)

Der Klang eines ganzen Lebens

(5)
Erschienen am 26.10.2018
Cover des Buches Meine Berge bist du (ISBN: B0G3YR2F8V)

Meine Berge bist du

(4)
Erschienen am 13.04.2026

Neue Rezensionen zu Francesco Vidotto

Cover des Buches Meine Berge bist du (ISBN: 9783036950938)
S_Malts avatar

Rezension zu "Meine Berge bist du" von Francesco Vidotto

S_Malt
Ein Bergebuch - von Liebe und Leben - aber kein Kitsch

Es gibt diese Bücher, die man ohne große Erwartungen aufschlägt und die sich dann ganz still und heimlich als ein echter kleiner Schatz erweisen. Meine Berge bist du ist genau so ein Buch – die Story und der sprachlich so starke Schreibstil des Autoren waren voll auf meiner Wellenlänge, auch wenn ich beim Lesen ab und an schlucken musste.


Wir lernen in den italienischen Dolomiten den alten, einsam lebenden Guido Contin kennen. Er hütet ein ganz besonderes Vermächtnis: eine Mappe voller Briefe, die ein Mann namens Onesto verfasst hat. Doch Onesto hat diese Briefe nicht an Menschen geschickt, sondern an die stummen, mächtigen Berggipfel der Dolomiten – als Zeugen für sein Leben und seine tiefsten Geheimnisse.


Die Briefe führen uns zurück in die Vergangenheit und mitten hinein in ein tragisches Familienschicksal vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs. Im Mittelpunkt der Handlung stehen die Zwillingsbrüder Santo und Onesto. Zwei Brüder, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten, deren Band jedoch unzertrennlich scheint – bis Celeste in ihr Leben tritt.


Beide Brüder verlieben sich in dasselbe Mädchen. Celeste entscheidet sich schließlich für Santo, und für Onesto beginnt ein Leben des schmerzvollen, stillen Verzichts. Er behält seine tiefe Liebe zeitlebens für sich, leidet im Stillen und vertraut seine Gedanken und seinen Schmerz nur den Bergen an.


Es ist ein Buch von Liebe und Verkennen – einfach schön und gleichzeitig unheimlich traurig.


Der Autor Francesco Vidotto schafft es hier meisterhaft, die Figuren und ihre innere Zerrissenheit greifbar zu machen. Man fühlt mit Onesto, leidet mit ihm und spürt diese immense Einsamkeit und Melancholie, die über der gesamten Geschichte liegt. 


Die Handlung entfaltet sich ruhig, aber mit einer enormen emotionalen Wucht. Das Ende ist vielleicht ein wenig offensichtlich – aber das schadet der Geschichte überhaupt nicht, denn der Weg dorthin ist einfach wunderschön erzählt.


Mich hat das Buch sehr bewegt – und mir gleichzeitig sehr gut gefallen.


Von mir gibt es 5/5 Sternen.

Und eine Empfehlung geht raus an alle, die poetische, ruhige und tiefgründige Lebensgeschichten vor einer gewaltigen Naturkulisse lieben. Wer tragische Familiensagas und emotionale, leise Romane mag, dem wird dieses Buch sicher gefallen.

Cover des Buches Meine Berge bist du (ISBN: 9783036950938)
Eternal-Hopes avatar

Rezension zu "Meine Berge bist du" von Francesco Vidotto

Eternal-Hope
Sehr atmosphärisches Buch über eine tragische Liebesgeschichte

"Meine Berge bist du" von Francesco Vidotto ist eine sehr atmosphärisch erzählte, tragische Liebesgeschichte in den italienischen Dolomiten, die mich sprachlich und emotional sofort in ihren Bann gezogen hat. In der Gegenwart besucht der Ich-Erzähler Francesco immer wieder einen alten Mann aus seinem Heimatdorf, der die Briefe aufgehoben hat, die vor langer Zeit ein Onesto an die Berge geschrieben hat. 

Es geht darin um seine tragische Liebe zur schönen Celeste, in die aber auch sein geliebter Zwillingsbruder Santo verliebt war und dem er diesbezüglich den Vortritt gelassen hat. Geboren wurden die beiden Brüder zur Zeit des ersten Weltkrieges, sind alleine bei der verwitweten Mutter aufgewachsen und haben den Vater nie kennen gelernt. Auch der zweite Weltkrieg wird ihr Leben prägen, so wie noch einige andere tragische Ereignisse.

Das Buch lebt von den Begegnungen der Menschen, oft ohne viele Worte, eingebettet in eine wunderschöne Berglandschaft, die sinnesnah beschrieben wird. Die Erzählweise passt zur geschilderten Umgebung, man wähnt sich beim Lesen selbst dort und kann tief in die Atmosphäre eintauchen: "Meter um Meter füllte sich der Himmel mit silbernen Strichen. Die leichten Tropfen bespielten die hölzernen und blechernen Dächer und Gauben, zuerst die weiter entfernten, dann die in der Nähe, in einem friedlichen Trommeln. Das Grün der Kiefern wurde dunkel, der Duft des Waldes intensiver. Zusammen mit dem einförmigen Klang stellte sich die Melancholie ein, die den Geist im Herbst befällt, wenn der Kreis des Lebens sich sanft schließt, um sich kurz darauf wieder zu öffnen." (S. 68 im E-Book)

Es ist ein ruhig erzähltes Buch und doch voll der tragischen Ereignisse in den Leben von Onesto, Santo und Celeste. Besonders ist die Perspektive der Briefe an die Berge, in denen auch die besondere Perspektive auf die Natur und eine tiefe Liebe zu ihr spürbar werden. 

Außerdem möchte ich aber auch darauf aufmerksam machen, dass es einige sehr drastische Schilderungen von Gewalt an Tieren und Menschen in diesem Buch gibt, auf die mitfühlende Leserinnen und Leser vorbereitet sein sollten und die empathischen Menschen im Herzen weh tun können.

Abgesehen davon ist es aber ein großartiges, atmosphärisches und emotional lange nachhallendes Buch, das ich allen, die sich für Naturbeschreibungen und tragische Liebesgeschichten interessieren, sehr empfehlen kann.

Cover des Buches Meine Berge bist du (ISBN: 9783036950938)
Buchgespuers avatar

Rezension zu "Meine Berge bist du" von Francesco Vidotto

Buchgespuer
Absolutes Jahreshighlight

Meine Eltern hat es nie in die Berge gezogen. Da ich nur das Meer kannte, habe ich bei der Frage „Berge oder Meer?“ immer sofort das Wasser genannt. Dann kam der Winter, den ich in einem Krankenhaus mitten in den Alpen verbracht habe und da wusste ich es. Ich liebe die Berge.
Und weil jede einzelne Seite von Francesco Vidottos Roman genau diese Liebe in sich trägt, habe ich auch dieses Buch geliebt.

 „Meine Berge bist du“ fühlt sich nicht einmal wie ein klassischer Roman an, denn die Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten, die Briefe wurde von Francesco lediglich literarisch angepasst und in Romanform gebracht. Onesto wurde wirklich entführt und zurück zu seiner Mutter und seinem Zwillingsbruder Santo in die Berge gebracht. Beide Brüder haben sich wirklich in Celeste verliebt. Und auch das Ende des Romans trägt diese Wahrheit in sich, ohne dass ich darüber mehr verraten möchte.

Selten bringt mich ein Buch zum Weinen. Bei Filmen passiert mir das viel eher, weil Bilder und Musik Gefühle verstärken. Aber bei diesem Buch habe ich beim Zuschlagen geweint. Geweint um das harte Leben der Menschen in den Bergen, an deren Seite ich gerne noch geblieben wäre. Geweint um Celestes Schicksal, um verpasste Chancen, um bedingungslose Geschwisterliebe und um die Aufopferung einer Mutter für ihre Söhne.

Dieses Buch ist voller Beziehungen. Familiärer, romantischer und zutiefst freundschaftlicher Art. Zwischen Onesto und Santo, zwischen Celeste und den Brüdern. Zwischen ihrem Bruder und Onesto. Aber auch zwischen Francesco Vidotto und Guido Contin, die sich während eines Wolkenbruchs begegnen und durch diesen Zufall über ein Gespräch zu der Mappe mit den Briefen gelangen. 

Francesco reist selbst als Ich- Erzähler in das Bergdorf, um zu schreiben und erfährt durch Guido und Onestos Briefe Stück für Stück die Lebensgeschichten der Menschen. Ich würde fast sagen, es ist ein genialer Kunstgriff des Autors, dass die Figuren ihre Geschichte selbst erzählen dürfen, wäre da nicht diese kleine Wahrheit, dass es die Briefe an die Berge tatsächlich gibt. Genau dadurch bin ich den Menschen so nah gekommen. Onesto beschreibt seine Gedanken, seine Sehnsucht und auch die schrecklichen Erlebnisse mit einer solchen Ehrlichkeit, die nur wahre Gefühle hervorbringen können, sodass alles vor meinem inneren Auge lebendig wurde. Francesco Vidotto übernimmt diese Stimme mit so viel Herz, dass Erinnerung und Literatur für uns Lesende unmerklich verschwimmen.

Die Atmosphäre dieses Romans ist mit dem Herzen greifbar. Die Berge wirken nicht wie Kulisse, sondern wie etwas Lebendiges. Die Briefe an die einzelnen Gipfel, die liebevolle Anrede der Berge und der Natur, das entbehrungsreiche Bergleben, das nie romantisiert wird, haben mich fühlen lassen, als würde ich mitten auf der Dorfstraße stehen. Ich habe Kälte, Einsamkeit, Nähe und Liebe beinahe körperlich gespürt. 

„Meine Berge bist du“ ist für mich deshalb vor allem eine Liebesgeschichte. Nicht nur die zwischen Mann und Frau, sondern auch  die zwischen Brüdern, von denen einer den anderen so sehr liebt, dass er ihm die Frau seines Herzens überlässt. Die aufopfernde, bedingungslose Liebe einer Mutter zu ihren Kindern und auch die Liebe eines Autors zum Schreiben. 

Aber über alle dem vermittelt der Roman eines:

Die Liebe zu den Bergen selbst.


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