Francis Spufford

 3.7 Sterne bei 12 Bewertungen
Autor von Rote Zukunft, Neu-York und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Francis Spufford

Rote Zukunft

Rote Zukunft

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Erschienen am 02.04.2012
Neu-York

Neu-York

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Erschienen am 21.08.2018
Heilige (Un)Vernunft!

Heilige (Un)Vernunft!

 (3)
Erschienen am 24.09.2014
Red Plenty

Red Plenty

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Erschienen am 14.02.2012
The Backroom Boys

The Backroom Boys

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Erschienen am 02.09.2004
The Child That Books Built

The Child That Books Built

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Erschienen am 01.12.2003
Golden Hill

Golden Hill

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Erschienen am 29.09.2016
Unapologetic

Unapologetic

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Erschienen am 07.03.2013

Neue Rezensionen zu Francis Spufford

Neu
Giselle74s avatar

Rezension zu "Neu-York" von Francis Spufford

Die wundersamen Abenteuer des Mr.Smith
Giselle74vor 9 Monaten

Neu York, 1746. Zu dieser Zeit ist die spätere Millionenstadt ein kleines englisches Kolonialstädtchen, immer noch geprägt von den holländischen Gründern. Von den beständigen Einwohnern kennt jeder jeden, Neuankömmlinge werden mißtrauisch beäugt. In diese Dorfwelt platzt der Londoner Richard Smith, ausgestattet mit einem Wechsel über tausend Pfund, den einzulösen der zuständige Kontor sich weigert. Eine Anfrage wird zurück nach London geschickt, damals noch per Schiff. Die erhebliche Wartezeit stellt Mr.Smith nicht nur vor finanzielle Probleme, nein, er muss sich auch erwehren gegen Versuche, ihn auszuhorchen oder gar politisch vor einen Karren zu spannen.

Was so zusammengefasst vielleicht ein wenig trocken wirken mag, ist genau das aber keineswegs. Spufford hat einen herrlichen Schelmen- und Abenteuerroman geschrieben um diesen mysteriösen Mr. Smith, der weder die Neu Yorker noch uns Leser hinter die Karten gucken lässt. Was treibt diesen offensichtlichen Großstädter in die Kolonien? Was möchte er mit den tausend Pfund dort erreichen?

Francis Spufford ist eigentlich bekannt als Sachbuchautor. Dies ist sein erster Roman und, das sei gleich dazu gesagt, hoffentlich nicht sein letzter. Denn hier treffen genaue und gekonnte Beschreibungen der damaligen Gegebenheiten auf überbordende Fabulierlust und ein Händchen für geschickte Wendungen. Immer dann, wenn man eine neue Idee entwickelt hat, wohin die Reise gehen könnte, macht Spufford einem charmant lächelnd einen Strich durch die Rechnung. Und so hatte ich hier tatsächlich einen der wenigen Romane vor mir, bei denen ich bis zum Schluss überraschende Entdeckungen machen konnte. Dazu kommen interessant gezeichnete Charaktere, von Mr Smith selbst natürlich, über die ein wenig überspannte Tochter des Kontorbesitzers, bis hin zu den holländischen Platzhirschen vor Ort, einer wirklich freundlichen Familie, mit einer gehörigen Portion Eisen unter dem Zuckerguss.

Um dem Ganzen nun noch die Krone aufzusetzen, hat Rowohlt das Buch auch besonders hübsch gestaltet. Jeder Teil wird mit einer Illustration von Eleanor Crow eingeleitet, die dabei Zeichnungen aus dem 18.Jahrhundert zum Vorbild nahm. Der Schutzumschlag zeigt eine Häuserreihe in holländischem Hansestil mit Goldprägung akzentuiert, und ja, es gibt ein Lesebändchen, für mich immer das seligmachende Tüpfelchen auf dem i.

Scheinbar ist dieser Roman bei den Neuerscheinungen des letzten Jahres unverdient ein wenig untergegangen. Grund genug, jetzt eine definitive Leseempfehlung auszusprechen, denn für mich zählt der Roman zu den besten, die ich dieses Jahr bisher gelesen habe.

 

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ralluss avatar

Rezension zu "Rote Zukunft" von Francis Spufford

Roter Überfluss
rallusvor 4 Jahren

“Diese Buch ist kein Roman, dafür muss es zu viel erklären. Aber es ist auch kein Geschichtsbuch, denn es liefert seine Erklärungen in Form von Erzählungen. Seine Geschichte ist in erster Hinsicht die Geschichte einer Idee, und erst in zweiter – als eine Art Schimmern durch die Spalten des Verhängnisses dieser Idee – verbindet sie sich mit den konkreten Geschichten einzelner Menschen. Die Idee ist der eigentliche Held.”

Funktioniert das? Ein semi-historischer Roman mit verschiedenen Charakteren? Die Idee als Held? Ja! Es funktioniert sogar sehr gut. Francis Spufford entführt uns in die Aufbruchzeit nach dem zweiten Weltkrieg. Wir befinden uns in der U.D.S.S.R. Das Land leckt sich die Wunden nach dem Krieg, die Weichen zu einem kommunistischen Regime sind gestellt, es gibt einen Feind jenseits des eisernen Vorhangs. Diesen gilt es in jeglicher Disziplin zu schlagen.

“Sorgfältig musterte er die Gesichter: Die Kapitalisten sahen erstaunlich normal aus für Menschen, deren Tagesgeschäft darin bestand, gestohlene Arbeitskraft in riesige Kapitalwerte zu verwandeln.”

Dies soll mit Hilfe der Planwirtschaft passieren. Die Grundidee, dass es jedem Arbeiter besser gehen soll, ist auch im Kapitalismus das Ziel, nur wird es in der Sowjetunion staatlicher geregelt. In vielen kurzen geschichtlichen Einleitungen erzählt uns Francis Spufford, die Geschichte der U.D.S.S.R. Und dies geschieht so lebendig, dass man sich wünscht, ihn als Geschichtslehrer in der Schule gehabt zu haben. Zu den historischen Exkursen verknüpft er dazugehörige Erzählungen, von ganz normalen Menschen im Land. Die diese Geschichte hautnah erleben.

“Er ging weiter. Was sollte er auch sonst machen? Mit jedem Schritt ließ sich ein bisschen mehr vom Moskauer Umland liebevoll auf ihm nieder, und die Mischung aus Staub und Schweiß ließ ihn dreckiger und dreckiger werden.”

Hier erreicht er schon fast Tolstoische Erzählkunst. Seine lebendige und plastische Darstellung lässt die Personen und Begebenheiten in wenigen Worten und Pinselstrichen vor unseren Augen entstehen.

“[…] war Emil jemand, der zwar über die guten Beziehungen und die Weltgewandtheit eines Mannes auf dem Weg ganz nach oben verfügte, dem aber die eidechsenhafte Kälte derer fehlte, für die Ideen und Menschen grundsätzlich immer nur Gebrauchswert besaßen.”

Es gibt hier keinen Hauptcharakter, manche Personen tauchen mehrmals auf, doch meistens erleben wir nur einen kurzen Lebensabschnitt von verschiedenen Menschen mit, einen Abschnitt der sich stark an die vorher erzählte historische Geschichte anlehnt. Auch das Land wird personifiziert, nach 20 Jahren Planwirtschaft und Kampf ums Überleben, wird die Sehnsucht spürbar.

“Er war Mitte zwanzig. Er sehnte sich nach etwas, das stärker wurde und sich ausweitete, nach etwas, das einen Sinn ergab. Er wollte, dass die Geschehnisse sichtbare Spuren in der Luft zurückließen, wenn sie vorübergingen.”

Dabei steht die Idee im Vordergrund. Die Idee, dass es alle besser haben sollen und ein riesiges Land ernährt werden kann. Doch nach und nach zerfasert diese Idee, sind die Maßnahmen, um sie umzusetzen, immer unmenschlicher.

“Die Welt machte einfach so weiter wie bisher, unverändert, wie es schien, nichts war eingelöst worden, nichts wie versprochen umgestaltet. Dieselben Sachen geschehen nach wie vor, der Biss derselben alten Zwänge war noch immer genauso fest.”

Was bleibt den großen Formern der Sowjetunion? Nach einem grandiosen Aufschwung der Wirtschaft, der alle anderen Länder in den Schatten stellte, stockt der Motor. Die Wirtschaft stagniert, das Land kann die Menschen nicht mehr selbst ernähren, es müssen Waren und Nahrungsmittel importiert werden. Ein harter Winter hat alle Planungen zerstört, die Ernte vernichtet. Der Rest ist Verzweiflung und Erkennen, dass trotz gewissenhafter Planung, Schmerz und Kontrolle nichts mehr von dem Idealismus und den Träumen übrig geblieben ist.

“‘Das Paradies’, sagte er an das Weizenfeld gerichtet, mit hilflosem Zorn, ‘ist ein Ort, an dem die Menschen ankommen wollen, und keiner, von dem sie sich entfernen. Was für eine Art von Sozialismus soll das sein? Was für eine Scheiße ist das, wenn man die Leute in Ketten halten muss? Was für eine Gesellschaftsordnung? Was für eine Art von Paradies?'”

Die letzten 70 Seiten bestehen aus Fußnoten, die belegen, dass Teile der Erzählung auch wirklich so passiert sind, eine grandiose Vermischung aus Geschichte und Fiktion.

Ein eloquent geschriebenes, von der Idee her einzigartiges Buch, das die Balance zwischen Roman und Geschichtsbuch elegant auf dem Hochseil tänzelnd schafft, ohne jemals auszurutschen. Auch gehört viel Mut dazu, sich einem solch sperrigen Thema zu widmen. Herausgekommen ist ein wahrer Pageturner, ein beeindruckendes Buch.

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Sonnenwinds avatar

Rezension zu "Heilige (Un)Vernunft!" von Francis Spufford

Irrlicht statt Leuchtturm
Sonnenwindvor 4 Jahren

"Heilige Unvernunft! - Warum Christsein, allen rationalen Bedenken zum Trotz, noch immer erstaunlich viel Sinn macht"

Der Untertitel ist hervorragend! "Sinn machen" als deutsche Analogie zu dem englischen "to make sense" ist zwar zum Fußnägel-Aufrollen, findet aber immer mehr Eingang in unsere Umgangssprache. Die Leute scheinen inzwischen Englisch zu lernen, sie können es nur nicht übersetzen.

Der Autor Francis Spufford, geboren 1964, ist in England seit langem bekannt als Autor erzählender Sachbücher. Er hat mit seinen auch literarisch ambitionierten Werken schon zahlreiche Preise gewonnen (nach Amazon).

Der herausgebende Brendow-Verlag kommentiert:

"Ich bin Christ - und das fühlt sich gut an!

Mit "Heilige (Un)Vernunft!" legt Francis Spufford eine geistreiche, scharfzüngige und sehr persönliche Verteidigung des christlichen Glaubens vor. Spufford legt eindrücklich dar, warum sein Glaube ihm Antworten auf die Grunderfahrungen menschlichen Daseins liefert, um die andere Denksysteme so gerne einen großen Bogen machen: Die Erfahrung des eigenen Scheiterns ("dieser menschliche Hang, Dinge ständig in den Sand zu setzen") oder die tiefe Sehnsucht nach bedingungsloser Liebe! Ein Buch für Christen, die keine Lust mehr haben, von vermeintlichen Realisten bevormundet zu werden. Ein Buch für Skeptiker und Zweifler, die wissen wollen, warum aufgeklärte Menschen im 21. Jahrhundert noch ernsthaft an Jesus glauben. Und ein Buch für alle, die einfach mal wieder eine wirklich intelligente Streitschrift zum Thema lesen wollen."

Dieser Text hat mich sehr angesprochen - aber welche Enttäuschung! Eine wirklich intelligente Streitschrift? Wirklich intelligent ist diese Schrift nicht. Sie steckt voller Redundanzen, konkrete Aussagen sind eher spärlich. Der Autor versucht eine philosophische Annäherung an das Thema, was das Ganze nochmal trockener macht. Ich mußte mich regelrecht zwingen zum Weiterlesen. Immer wieder hat der Text seitenweise gar keinen Inhalt - früher hätte man das Geschwafel genannt.

Die Wortwahl bewegt sich häufig auf Gossenniveau. Jemand, der nicht glaubt, lebt nicht in der Konsequenz zwingend auf sozial niedrigem Niveau. Das stört. In einem Satz auf normaler Sprachebene fließt Fäkalsprache ein. Ob der Autor selbst keinen Respekt vor Gott hat oder ob er sich mit diesen unsäglichen Ausdrücken bei Ungläubigen einschmeicheln will, kann ich nicht bewerten. Aber es nervt. Denn selbst ein logisch denkender Ungläubiger würde sich nicht in dieser Weise äußern.

Jemand, der eine Beziehung zu Jesus hat, wird verletzt, weil so restpektlos über unseren Herrn gesprochen wird. Wer mit Jesus nichts zu tun haben will, findet sich in seiner Haltung bestätigt, Gott ist Objekt des Spottes, der Minderachtung - nicht nötig, sich darum zu kümmern. Gott wird auf die Ebene eines Hanswursts gezogen, den man ungestraft verspotten kann - aber was sagt die Bibel? "Gott läßt sich nicht spotten."

Schon ziemlich zu Anfang führt der Autor den Begriff "Menschliche Haltung, Dinge in den Sand zu setzen", abgekürzt MHDidSzs, ein. Das ist sein Ausdruck für die Neigung zu sündigen. In der Wissenschaft ist es geläufig, neue Begriffe einzuführen, um neue Tatbestände zu fixieren. Das ist hier aber nicht nötig. Der Begriff "Sünde" ist eingeführt, wird zwar heute eher in Verbindung mit einer Diät verstanden, aber jeder wird das in einem christlichen Buch nachvollziehen können: Unnötiger Ballast.

Der Autor bezeichnet sich selbst als Christen. Der Begriff ist nicht geschützt. Viele bezeichnen sich als Christen, weil sie an eine christliche Gemeinschaft Kirchensteuern abführen. Das ist aber nicht der Maßstab. Die Christen sind die Gemeinschaft derjenigen, die sich an Jesus Christus und seinem Wort orientieren und ihm auf dem Weg in den Himmel nachfolgen, nach dem Johannesevangelium 3,3: "Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen."

Der Autor glaubt expressis verbis nicht an die Bibel, S. 128: "Es ist nicht wahr, dass wir nie über unsere Kräfte hinaus geprüft werden." Er glaubt selbst nicht, was er für glaubenswert hält. Entweder ich vertraue mich Jesus an, oder ich lasse es. Das, was der Autor von sich gibt, ist das, was die Bibel lauwarm nennt: Offb 3,16 "Also, weil du lau bist und weder heiß noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde." Es ist nicht so, daß der Text vollständig gottlos ist. Hin und wieder kommt eine Aussage, der man auch als Christ zustimmen kann. Aber insgesamt ist der Text eine Irreführung.

... und wieder begegnen wir der modernen Theologie, die von späten Evangelien ausgeht, die von allen möglichen Leuten bearbeitet wurden, von denen jeder seine Meinung einfließen ließ. All diese Umstände, um nur nicht glauben zu müssen, daß die Bibel Gottes Wort ist! Es ist ja so viel angenehmer, wenn man davon ausgeht, daß die Evangelien in einem Abstand von Jahrzehnten zu den Ereignissen verfaßt wurden. Dann kann man alles, was einem zu nah auf die Pelle rückt, einfach einer schlechten Überlieferung anlasten. Sehr praktisch! :-(

Die Ansicht, Mitarbeiter der Kirche grunsätzlich als Christen zu bezeichnen, wird z.B. auf S. 213 deutlich: "... von Christen begangenen Unzulänglichkeiten der Gegenwart wie Kindesmissbrauch durch Geistliche..." - gefolgt von Verweisen auf Hexenjagden, Kreuzfahrer etc. So jemand ist kein Christ! Wenn ein echter Christ fällt, wird er seine Sünde bekennen und dagegen kämpfen. Was aber hier zur Diskussion steht, ist nicht das Fallen Einzelner, sondern die Unterwanderung der katholischen Kirche durch Nichtchristen in verantwortlichen Positionen. Und nicht nur in der katholischen Kirche. Auch die evangelische Kirche ist von Nichtchristen durchsetzt: Leute, die niemals eine Entscheidung für Jesus getroffen haben, ihm nie ihr Leben anvertraut haben. Und auch nicht mit ihm leben wollen.

Ich weiß ja nicht, wie der Autor gelehrt worden ist, aber wir haben im Konfirmandenunterricht gelernt, daß die Kirche der Leib Christi ist, die Gesamtheit derjenigen, die ihn als Herrn angenommen haben (deshalb gibt es auch keine KirchenMITglieder. Die Kirche ist kein Sportverein). Solche Mörder haben keine Beziehung zu Jesus. Also gehören sie nicht zur Kirche Christi, ob sie nun Steuern zahlen oder nicht. Ebenso beschuldigt der Autor Christen aller möglichen Dinge von Betrug über Erpressung bis zu Mord. Natürlich können sich auch Christen nicht über solche Dinge erhaben fühlen. Sie kommen vor. Aber wenn jemand mit Jesus lebt, sind das Unfälle - und es ist unredlich, Menschen, denen Unfälle passieren, mit solchen gleichzusetzen, die dasselbe mit voller Absicht tun.

"Christlicher Glaube hat die gleiche Kraft, wie sie Kultur und Vorstellungskraft haben" (S. 216)? Glaube versetzt Berge. Vorstellungskraft nicht. Was soll sowas? Was beabsichtigt der Autor damit, solche Aussagen zu machen, die der Bibel explizit widersprechen? Und das ist nur ein Beispiel von vielen.

Christen glauben also nicht mehr an die Hölle (S. 231): "Bei echten Christen ist sie eher nicht mehr so angesagt". Sehr interessant! Ich kenne nämlich keinen einzigen davon. Die Christen, die ich kenne, glauben alle an die Bibel und demnach auch an die Hölle. Die, die nicht an die Bibel glauben, sind keine Christen. Die gehören vielleicht der ein oder anderen Kirche an - aber nicht Jesus. Wer Jesus nachfolgt, hat Ehrfurcht vor dem Wort Gottes, so hat Jesus gelehrt. Trotzdem zählt sich der Autor selbst zu den "echten" Christen (S. 232), mitsamt seiner Leugnung der Aussagen des Wortes Gottes. Hatte noch jemand Zweifel, daß wir es bei diesem Autor mit einem ganz richtigen Ungläubigen zu tun haben? Diese Zweifel haben sich ab Seite 232 dann wohl erledigt.

Der Autor scheint ausdrücken zu wollen, jegliche Form von Sexualität sei erlaubt, S. 242ff. Hat er nun die Bibel nie gelesen oder glaubt er nur nicht daran? Oder kämpft er dagegen und will es nicht zugeben? Gerade in diesem Bereich gibt uns die Bibel klare Richtlinien. Wir können uns natürlich dafür entscheiden, die nicht akzeptieren zu wollen - aber dann dürfen wir uns nicht als Christ bezeichnen. Zumindest sollte man mal darüber nachdenken, daß der lebendige Gott einen Grund dafür gehabt haben muß, sich in seinem Wort so deutlich zu formulieren.

"Wir halten uns überhaupt nicht an die abgedrehten Verhaltensregeln des alten jüdischen Gesetzes, weil sie ja durch die Gnade ersetzt wurden." Ach so! Dann haben wir hier also wieder so einen, der drei Viertel der Bibel in den Mülleimer für Altpapier wirft. Und nicht versteht, daß das Alte Testament erst die Grundlagen für das Neue Testament legt.

An etlichen Stellen wird die Bibel auch massiv mißhandelt. S. 249: "... dass das wichtigste Gebot, das wir [k]tatsächlich haben[/k](Hervorhebung vom Verfasser), nämlich unseren Nächsten zu lieben wie uns selbst...". Mit ganz wenig Aufwand kann man die Bibel ins Gegenteil verkehren - und das tut der Autor gern. Der Bibeltext lautet korrekt: Matth. 22, "37 Er aber sprach zu ihm: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand." 38 Dies ist das größte und erste Gebot. 39 Das zweite aber ist ihm gleich: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst."" Zuerst einmal kommt unsere Liebe zu Gott - erst infolgedessen können wir unseren Nächsten lieben wie uns selbst. Mit diesem Nächstenliebe-Feigenblatt soll dann davon abgelenkt werden, daß man das erste und wichtigste Gebot vollkommen übergeht. Wodurch man sich dann die Freiheit zu nehmen ermächtigt, einem nicht genehme Forderungen ins Gegenteil zu verkehren - entsprechend des jeweiligen Zeitgeistes. So haben auch schon die Hexenverbrenner argumentiert. Die esoterischen Aussagen, die im ganzen Buch verstreut sind, entstehen mit derselben Technik.

Erst gegen Ende des Buches habe ich den Hintergrund des Autors durchschaut: Er schreibt sehr persönlich, und hier wird auch deutlich, warum das Buch so ein Wirrwarr ist. Im Grunde hat er gar keine Ahnung, ist nur Zaungast im Gottesdienst und hat das wenigste davon verstanden. Das Prinzip von Bekehrung, Wiedergeburt, Erlösung, Befreiung und ewiger Herrlichkeit - Fehlanzeige.

Wenn man dieses Buch gelesen hat, ist einem ganz schwindelig. Nicht, weil so viele oder so gewaltige Erkenntnisse enthalten sind - denn das sind sie nicht. Aber es stellt ein echtes Problem dar, das Wahre vom Falschen zu trennen. Nicht alles ist falsch und irreführend. Es ist einiges enthalten, was dem Evangelium diametral entgegensteht, aber manchmal kommt auch ein Satz vor, den jemand unterschreiben kann, der Jesus kennt. Das Problem liegt darin, diese beiden Ebenen zu trennen und damit die echte Botschaft Jesu herauszufiltern.

Die Beschreibung und Erklärung des Abendmahls ist recht gut. Auf den letzten Seiten gibt der Autor ein persönliches Statement, was man als Leser nicht negieren kann. Demzufolge schließe ich, er versteht zwar nicht viel vom Evangelium, aber wenn er jemanden fände, der es ihm erklärt, könnte er es vielleicht schaffen, am Ende bei Jesus anzukommen.

Fazit: Wer im Glauben steht und die Bibel kennt, kann sich an dieses Buch wagen. Es bringt zwar nichts an geistlichem Nährwert, aber man findet alle mögliche schräge Theologie. Argumente dafür, daß der Glaube auch heute noch trägt, finden sich praktisch nicht, eher wird der Bibel widersprochen, direkt oder durch die Blume. Der Untertitel schlägt sich im Buch überhaupt nicht nieder, das Ganze ist eher ein Geschwafel über die Kirche und Fehler in der Vergangenheit. Der Glaube wird nicht thematisiert, nur die moderne Theologie findet hier ein Sprachrohr. Gesamturteil: Nicht nützlich; für Leute, die eine Antwort auf die Frage suchen, ob am Glauben was dran ist, kann ich "Pardon, ich bin Christ" von C.S. Lewis empfehlen. Da gibt es wirklich Argumente. Dieses Buch hier ist nichts.

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Gespräche aus der Community

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Sonnenblume1988s avatar
Ich möchte euch ganz herzlich zu einer neuenLeserunde einladen: Der Brendow-Verlag  stellt zwei Exemplare des Buches "Heilige (Un)Vernunft“ von Francis Spufford zur Verfügung. Vielen Dank an den Verlag für die Unterstützung der Leserunde!

Zum Inhalt:

"Ich bin Christ - und das fühlt sich gut an! Mit „Heilige (Un)Vernunft!“ legt Francis Spufford eine geistreiche, scharfzüngige und sehr persönliche Verteidigung des christlichen Glaubens vor. Spufford legt eindrücklich dar, warum sein Glaube ihm Antworten auf die Grunderfahrungen menschlichen Daseins liefert, um die andere Denksysteme so gerne einen großen Bogen machen: Die Erfahrung des eigenen Scheiterns („dieser menschliche Hang, Dinge ständig in den Sand zu setzen“) oder die tiefe Sehnsucht nach bedingungsloser Liebe! Ein Buch für Christen, die keine Lust mehr haben, von vermeintlichen Realisten bevormundet zu werden. Ein Buch für Skeptiker und Zweifler, die wissen wollen, warum aufgeklärte Menschen im 21. Jahrhundert noch ernsthaft an Jesus glauben. Und ein Buch für alle, die einfach mal wieder eine wirklich intelligente Streitschrift zum Thema lesen wollen.

Bitte bewerbt euch bis zum 22. Oktober hier im Thread und beantwortet die Frage, warum euch das Buch interessiert.

Bitte beachtet, dass Arwen10 die Bücher selber verschickt. Deshalb müssen wir euch darum bitten, im Gewinnfall 2,00 Euro Portokosten zu überweisen.

Wir bitten euch, vor eurer Bewerbung folgende Punkte zu berücksichtigen: 

- Der Gewinner verpflichtet sich dazu, sich innerhalb von ca. 4 Wochen mit den anderen Teilnehmern über alle Leseabschnitte auszutauschen und eine Rezension zu schreiben.

- Es können nur Bewerber berücksichtigt werden, deren Profil öffentlich ist und die mindestens eine Rezension in ihrem Profil haben.

- Bitte schaut nach dem Verlosen selbstständig nach, ob ihr gewonnen habt und übermittelt eure Adresse innerhalb von 48 Stunden. Ihr erhaltet keine Nachricht und sonst wird neu gelost.

- Bitte beachtet, dass in diesem Buch christliche Werte eine wichtige Rolle spielen.

Ich freue mich auf eure Bewerbungen. Wer ohne Verlosung mitlesen möchte, kann dies natürlich auch sehr gerne tun.

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