Judas - Monolog eines Verräters

Cover des Buches Judas - Monolog eines Verräters (ISBN:9783844278583)
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Inhaltsangabe zu "Judas - Monolog eines Verräters"

Der Sinnhaftigkeit der westlichen Welt entfliehend wie einst die Langhaarträger, die als erste Amerikaner ihre Blue Jeans off-duty trugen, sich Blumen ins Haar steckten, sonderbare zigarrengroße Muntermacher rauchten und oft in San Francisco anzutreffen waren, landete ich in Asien und dort in Kalkutta.
Jeder Tag war ein Erlebnis, jede Nacht bedeutete nicht Schlaf sondern Erwartung weiterer Erkenntnisse. Ich begegnete fast täglich weisen Leuten, Brahmanen zumeist, die ganz in Weiß gehüllt, Fellgerbern und Müllsammlern hohe und höchste Religion diktierten.
Eines Morgens - ich befand mich heimweherfüllt und verwirrt von Indiens Widersprüchen auf dem Weg zu einem katholischen Bischof, von dem ich mir die Geheimnisse des Subkontinents erläutern lassen wollte -da erfasste mich eine Rikscha.
Ich hatte kaum Zeit, mich über die Schnelligkeit dieses nur von Menschenkraft angetriebenen Gefährts zu wundern, so schnell warf es mich in die Gosse und ich lag wie gelähmt und sah, ehe ich die Augen schloss, ein schneeweißes Rind auf mich zu traben.
Ein ausgefranstes Loch in meiner Hose, direkt unterhalb des Gürtels, das ich später, als ich wieder bei Sinnen war, in meinem Hotelzimmer entdeckte, sagte mir, dass mich die Kreatur mit Hilfe seines Hornes vom Unfallort weggetragen haben muss. Ich erwachte jedenfalls nicht im Schmutz der Straße, sondern am Fuß einer Pagode, umschart von Pilgern und Bettlern. Sie schienen mich als eine Art Heiligen zu betrachten, denn die Vornehmsten der Gläubigen leerten Kübel von Rosenblüten über meinem zerschundenen Leib aus, während besonders Berufene in ekstatischen Tänzen mich halbnackt umkreisten. Andere, nach ihrer Kleidung nicht zu unterscheiden murmelten wirr durcheinander, zeigten auf mich, nickten einander zu und sangen Lieder, die mir unbekannt waren -
und unbekannt bleiben werden, wenn nicht das Schicksal anders will und mich in ein noch größeres Meer der Erkenntnis wirft.
Ich floh vor der Menge, lobte meinen Zustand, dass mich mein Gedächtnis trotz der widrigen Umstände nicht völlig im Stich gelassen hatte, und überdachte an der Hotelbar meine Situation.
Bei einem Gin Tonic floss das Gefühl der Vertrautheit zurück in die Adern meines ausgemergelten Körpers – ich hatte dreißig Tage nichts gegessen – und ich erkannte, dass ich die Wunder der Welt erstens nie begreifen würde und zweitens nicht im fernen Osten.
So kehrte ich zurück an den Ausgangspunkt meiner Reise und schrieb – ganz in griechischem Geist – die folgenden Verse:

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783844278583
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:112 Seiten
Verlag:epubli
Erscheinungsdatum:21.12.2013

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