Franjo Frančič Heimat, bleiche Mutter

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Inhaltsangabe zu „Heimat, bleiche Mutter“ von Franjo Frančič

Die sich gegenseitig umkreisenden Protagonisten binden sich immer enger aneinander, bis sie schließlich mit elementarer Wucht auseinander geschleudert werden.

Für mutige und verständige Leserinnen und Leser, die bereit sind, sich voll und ganz auf ein Buch und eine Sprache einzulassen

— Samtpfote

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  • Ein sehr politisches und persönliches Buch

    Heimat, bleiche Mutter

    Samtpfote

    23. April 2016 um 00:10

    Meine Meinung: Dieses Buch hat mich überrascht. Ich habe etwas ganz anderes erwartet. Vielleicht nicht gerade einen idyllischen Heimatroman, sondern eine durchaus kritische Betrachtung zu Slowenien, seinem Staatssystem und seinen Bürgern. Dabei rechnete ich mit viel mir wohlbekannter Ex-Jugoslawischer Melancholie und der mir ebenfalls wohlbekannten aber durchaus anders als bei uns eingesetzten Fäkalsprache. Ich rechnete aber nicht mit einer harten, zynischen Gassensprache, mit Saufgelage, Orgien, Suizidversuchen und Suiziden, mit so viel Ach und Krach, Tempo und purer Provokation. Mit einer Anklage, die sich nicht wirklich gegen ein Regime richtet, sondern gegen die ganze Gesellschaft und das Leben selber, gegen "Normalbürger" und gegen eine Angst, die lähmt und einsam macht. Ich denke, dass es ratsam ist, sich bereits ein wenig mit Literatur aus dem ehemaligen jugoslawischen Raum auseinander gesetzt zu haben, bevor man sich an "Heimat, bleiche Mutter" wagt. Und dann ist dieses Buch von einer harten und kalten Schlichtheit und Schönheit und von einer traurigen und verzweifelten Abgründigkeit und Perversion, dass es den Leser einfach berühren muss. Sprache und Handlung: Dieses Buch ist in vier Abschnitte und ein Postskriptum gegliedert, die zusammen gehören und sich doch klar voneinander trennen. Begleitet man den Protagonisten in chronologischer Reihenfolge im ersten Kapitel durch eine nicht mehr enden wollende Sauftour und lernt dabei seine Freunde und Gespielinnen kennen, so landet man mit ihm zusammen nach erfolgter Einberufung in der slowenischen Armee, wo er im dritten Kapitel in noch tiefere Abgründe blickt, als er es zuvor schon getan hat. Das vierte Kapitel spielt in einer psychiatrischen Einrichtung und wird im sehr bereichernden Nachwort als autobiographischster Teil der Erzählung beschrieben, verbrachte Frančič doch den Grossteil seiner Jugend in einer Psychiatrie. Sprachlich gesehen strotzt dieses Werk von Symbolen. Sei es die weisse Reinheit von Krankenhaus- und Anstaltswänden, die an den "weissen Marschall", also an Tito, erinnert oder die Zerbrechlichkeit eines Konstrukts, eines Systems oder einer Person, die durch Schmetterlinge dargestellt wird. Und während Frančičs Figuren sich in einer Sprache unterhalten, die man fast nicht mehr als solche bezeichnen kann, bleibt der Erzähler in einer distanzierten und beschreibenden Rolle, die den krassen Unterschied zwischen Erzähler und Erzähltem noch deutlicher zu Tage treten lässt. Meine Empfehlung: Ich empfehle dieses Buch mutigen und verständigen Leserinnen und Lesern weiter, die bereit sind, sich voll und ganz auf ein Buch und eine Sprache einzulassen, die man so nicht täglich findet, die aber durch ihre Einzigartigkeit bestechen. Zusätzliche Infos: Autor: Franjo Frančič Fester Einband: 143 Seiten Sprache: Deutsch Originalsprache: Slowenisch Übersetzt von: Erwin Köstler  Verlag: Drava ISBN 978-3-85435-458-1

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