Tausend Teufel

von Frank Goldammer 
4,4 Sterne bei72 Bewertungen
Tausend Teufel
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BerniGunthers avatar

Spannung, Atmosphäre, Story - Protagonisten: es stimmt einfach alles bei Goldammer. Große Klasse!!!

Aleidas avatar

Konnte mich nicht richtig packen. Handlung etwas zu verwirrend.

Alle 72 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Tausend Teufel"

Der zweite Fall für Max Heller
Dresden 1947: Zwei Jahre nach Kriegsende gehört die Stadt zur sowjetischen Besatzungszone und ist nach wie vor eine Trümmerwüste. Im klirrend kalten Winter wird das Leben beherrscht von Wohnungsnot, Hunger und Krankheit. Kriminaloberkommissar Max Heller wird von der neu gegründeten Volkspolizei an einen Tatort in der Dresdner Neustadt gerufen. Doch bevor er mit den Ermittlungen beginnen kann, wird der tot aufgefundene Rotarmist bereits vom Militär weggeschafft. Zurück bleiben eine gefrorene Blutlache und ein herrenloser Rucksack, in dem Heller eine grauenhafte Entdeckung macht: den abgetrennten Kopf eines Mannes.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783423217569
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:368 Seiten
Verlag:dtv Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum:31.08.2018
Das aktuelle Hörbuch ist am 13.10.2017 bei Der Audio Verlag erschienen.

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Rezensionen und Bewertungen

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    bieberbrudas avatar
    bieberbrudavor einem Monat
    Besser als der Vorgänger

    Max Heller ist zurück und gibt uns in "Tausend Teufel" einen besonders packenden Einblick in die deutsche Nachkriegszeit.

    Inhalt:
    Es ist ein bitterkalter Winter im Dresden von 1947 und die Bewohner der zerstörten Stadt müssen neben dem Kampf gegen die Kälte und den Hunger auch unter der russischen Besatzung leiden. Als ausgerechnet einer der russischen Soldaten tot aufgefunden wird, ahnt Oberkommissar Max Heller den bevorstehenden Ärger. Am Tatort trifft er auf das Militär, was den Leichnam auch gleich einsammelt - doch Heller findet unweit des Körpers einen Rucksack...mit einem abgetrennten Kopf! Heller und seinem Assistenten Oldenbusch stehen erschwerte Ermittlungen bevor, denn weitere tote Soldaten und Brandanschläge machen den Fall politisch hochbrisant. Die neue Besatzungsmacht möchte mit allen Mitteln gegen die Anschläge auf die Sowjets vorgehen und hetzt den Ermittlern Aufpasser der Sowjetische Militäradministration auf den Hals. Was steckt hinter dem Verwirrspiel der SMAD? Und wer steckt hinter den Anschlägen?

    Meine Meinung:
    Nach den Ereignissen von "Der Angstmacher" führt einem der Autor auch in "Tausend Teufel" das Elend der Nachkriegszeit vor Augen. Diese sehr beklemmende und trostlose Atmosphäre wird durch den Wintereinbruch verstärkt und die Schicksale der Bewohner drängen immer wieder in den Vordergrund der Geschichte. Das trägt dazu bei, dass "Tausend Teufel" nicht nur ein fesselnder historischer Krimi ist, sondern dank der hervorragenden Recherche des Autors auch teilweise in Richtung Dokumentation geht. Der eigentliche Krimi ist gut aufgebaut und spannend, aber man hatte dennoch immer mal wieder das Gefühl, dass einem die Geschichte bekannt vorkommt. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, denn das Buch ist so fesselnd, dass ich es praktisch in einem Rutsch gelesen habe. 

    Fazit:
    Ein hervorragender Krimi, der einen schonungslosen Einblick in das Elend der Nachkriegszeit bietet. Mir persönlich hat Tausend Teufel nochmal besser als der Vorgänger gefallen und ich kann das Buch wärmstens empfehlen. 5 Sterne!

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    Nirenas avatar
    Nirenavor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Soviel mehr als ein bloßer Krimi
    Auch der zweite Teil verspricht nicht zuviel

    "Tausend Teufel" ist der zweite Fall für Max Heller und nachdem mir "Der Angstmann" vor allem aufgrund des Charakters des Max Heller so gut gefallen hat, wollte ich natürlich wissen, wie sich dessen Leben weiterentwickelt.

    Ich habe großen Respekt vor der Recherchearbeit, die hinter Frank Goldammer liegen muss, um ein derart authentisches Umfeld wie Dresden nach dem Zweiten Weltkrieg zu vermitteln. Denn es geht, wie immer, nicht nur um den Kriminalfall, der an sich schon für Spannung jeglicher Art sorgt, sondern auch um das Leben in Dresden zu der Zeit, der lange Winter, der Hunger, die Rotarmisten, die Kriegsversehrten und mittendrin Max Heller, der schon während des Krieges unter dem Naziregime seine Probleme hatte, sperrig, wie er ist und das setzt sich natürlich unter den Sowjets weiter fort.

    Zusammengenommen ist "Tausend Teufel" mehr als ein bloßer Krimi und ebenso mehr als ein Roman, der zu der Zeit spielt. Das Buch vereint das beste aus beidem und ich kann die Reihe um Max Heller definitiv jedem empfehlen.

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    Aspasias avatar
    Aspasiavor 5 Monaten
    Spannender Geschichtsunterricht für Einsteiger

    Ein höchst spannendes & detailliertes Sittenbild der sowjetisch besetzten Stadt Dresden zwei Jahre nach Kriegsende. Ich finde den Roman sehr gut geeignet für den schulischen Geschichtsunterricht der Mittelstufe, ihm gelingt es mit dem Kriminalfall als Aufhänger dem Leser eine auf jeden Fall aus dieser Perspektve oft vernachlässigte Epoche näher zu bringen. Dem Autor gelingt es gleichzeitig Emotionen und Verstand zu berühren. Für den Leser mit etwas mehr Geschichtswissen und Leseerfahrung ist der Stoff, für meinen Geschmack, etwas zu verdichtet, lässt zu wenig Platz für eigene Gedanken.

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    Buecherseele79s avatar
    Buecherseele79vor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Trotz genauer Wegbeschreibungen und manchmal zuviel Politik ein gelungener, neuer Fall für Kommissar Max Heller.
    Dresden 1947

    Dresden im Winter 1947- die Stadt ist komplett zerstört, wird kaum merklich aufgebaut, die Leute haben Hunger, sie frieren
    und kommen kaum über die Runden.
    Die neue Besatzungsmacht der Sowjetunion macht die Situation nicht leichter.
    Und Kriminalkommissar Max Heller muss wieder ermitteln denn es wurden zwei Leichen gefunden, zwei Soldaten
    der Russen sind ermordet worden und sowas kann sich die neue Besatzungsmacht nicht bieten lassen!
    Doch so leicht ist es gar nicht zu ermitteln denn die Russen haben ihre eigenen Methoden der Aufklärung und wollen
    Max für ihren Dienst einspannen, sie kommen nicht damit klar dass Max sich keiner Partei zugehörig fühlt, weder zur Hitlerzeit
    noch jetzt zur neuen Besatzungsmacht.
    Als dann noch ein junges Mädchen tot aufgefunden wird und Max auf eine Horde Kinder trifft die verwahrlost im Wald
    leben, weil sie keinen mehr haben, keiner sie möchte, muss Max sich um mehrere Dinge kümmern..

    Ich fand den ersten Band des Autors unheimlich gelungen, die Spannung, die Stimmung die er einfangen konnte hat
    sich brilliant gelesen.
    Im Grossen und Ganzen hat mir auch der Folgeband gefallen, allerdings war es zu Beginn recht schwer da der Autor recht
    zeitintensiv Strassennamen und Wegbeschreibungen auflistete und auch die ganzen Namen brachten mich erstmal ordentlich
    durcheinander.
    Als dies sich gelegt hatte konnte ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.
    Auch hier zeigt der Autor wieder ein gekonntes Bild über das zerbombte Dresden im eisigen Winter 1947, wie die Bevölkerung
    leidet, dass es ihnen nicht besser geht, die Stimmung im Land, dass viele noch an die Endlösung der Nazis glauben, viele
    heimlich an Hitler und seine Geheimwaffe hoffen, dass Nazis "gereinigt" wurden und jetzt wieder hohe Ämter besetzen, was Heller ordentlich aufstösst denn viele zeigen hinter verschlossenen Türen noch immer ihr wahres Gesicht.
    Auch wie die Bevölkerung damit umgeht, dass sie nur benutzt wurden, alles die Schuld der Nazis ist, keiner war für Hitler
    und seine Lösungen, dies alles wird verdrängt, verschwiegen, "schön" geredet.
    Die Stimmung die hier aufgefangen wurde konnte der Autor unheimlich gut umsetzen und regt auch sehr zum denken an.
    Max Heller kennt man schon aus dem ersten Band, auch hier war er mir wieder sehr sympathisch mit seiner Art zu denken,
    handeln und auch dem ein oder anderen Humoransatz.
    Um die Handlung besser zu verstehen, nachvollziehen zu können sollte man, in meinen Augen, den ersten Band vorher
    gelesen haben.
    Wie Heller aber auch seine Frau unter dem Feuersturm 1945 noch leiden, die Verluste mit denen sie umgehen müssen,
    die Bilder denen sie täglich begegnen, dies alles ist oft sehr schwer zu verarbeiten und lässt auch die Protagonisten
    nicht mehr los.
    Die Hoffnung dass ihr Sohn Klaus endlich zurückkehrt, dass sie vielleicht wieder zu einem alten Familienbild zusammenwachsen
    können, dies alles bewegt Heller und seine Frau.
    Dieser Band ist mehr im politischen Bereich, aber genau dies fand ich sehr interessant, denn wie war es damals als
    Deutschland befreit wurde?!
    Wie verlief es mit der Militärverwaltung?
    Konnten die Leute aufatmen, besser leben, wie kamen sie mit dem täglichen "Leben" zu Recht?!
    Wie haben die Russen ermittelt?
    Dies alles zeigt der Autor gekonnt, spannend und bewegend in seinem neusten Werk und im Grossen und Ganzen kann ich
    für diesen Kriminalroman eine klare Leseempfehlung aussprechen!

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    MissSweety86s avatar
    MissSweety86vor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Klasse geschrieben
    Tausend Teufel

    Tausend Teufel 

    Inhalt 
    Dresden 1947:
    Im zweiten Jahr nach Kriegsende gehört die Stadt zur sowjetischen Besatzungszone und ist nach wie vor eine Trümmerwüste. Im klirrend kalten Winter wird das Leben beherrscht von Wohnungsnot, Hunger und Krankheit. Kriminaloberkomissar Max Heller von der neu gegründeten Volkspolizei wird an einen Tatort in der Dresdner Neustadt gerufen. Doch bevor er mit den Ermittlungen beginnen kann, wird der tot aufgefundene Rotarmist bereits vom Militär weggeschafft. Zurück bleiben eine gefrorene Blutlache und ein herrenloser Rucksack, in dem Heller eine grauenhafte Entdeckung macht: den abgetrennten Kopf eines Mannes.


    Meinung 
    Ein sehr schöner Kriminalroman der in der Nachkriegszeit spielt.
    Der Autor hat einen schönen flüssigen Schreibstil und versteht es seine Leser in das Jahr 1947 zu versetzen. 
    Mir hat das Buch sehr gut gefallen vorallem weil auch sehr gut recherchiert wurde und solche Bücher gepaart mit Spannung finde ich richtig klasse. 


    Fazit 
    Klasse geschrieben macht Lust auf mehr.
    "Tausend Teufel " von Frank Goldhammer ist im dtv Verlag erschienen. Hat 368 Seiten und kostet als broschürte Ausgabe 16,90€ und als ebook 14,99€

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    kassandra1010s avatar
    kassandra1010vor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Frank Goldammer schildert in seinem 2. Kriminalroman um Heller erstklassig und mit einer gewaltigen Vorstellungstellungskraft das Leben!
    Die dunklen Jahre der Nachkriegszeit!

    Max Heller ermittelt wieder. Zwei Jahre ist Dresden nun unter russischer Herrschaft und das Leid und Elend nimmt kein Ende. Es fehlt an Lebensmitteln, Hunger und Krankheit plagt die Deutschen während die Russen scheinbar in Saus und Braus leben.

    Als ein russischer Soldat ermordet aufgefunden wird, soll Heller in dem Fall ermitteln. Er stolpert sogleich über einen weiteren toten Russen. Er und sein Kollege Werner sind gewarnt. Die Beziehung zu den beiden russischen Oberkommandanten ist gefährlich angespannt, als Heller hinter den Morden einen Komplott vermutet und den Mörder den eigenen Reihen zuschreibt.

    Als Heller auf eine äußerst verwahrloste Gruppe von Kindern und Jugendliche im Wald stößt und auf die Prostituierte Fanny trifft, ergeben seine Ermittlungen plötzlich alle einen Sinn.

    Frank Goldammer schildert auch in seinem zweiten Kriminalroman „Tausenteufel“ um Max Heller erstklassig und mit einer gewaltigen Vorstellungskraft das Leben der Dresdener in der russischen Besatzungszone. Die Verwahrlosung der Menschen und insbesondere der Kinder und die immer noch anhaltende Meinung, dass die Kriegsschuld natürlich nur bei den Besatzungsmächten lag, lässt einen als Leser erschauern.

    Ich freue mich auf einen weiteren Teil über Max Heller, der stets einzig sich selbst treu bleibt.

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    walli007s avatar
    walli007vor 7 Monaten
    Winterkinder

    Im kalten Winter des Jahres 1947 liegt Dresden in Trümmern. Es herrscht Chaos und Hunger. Dennoch beginnt die Besatzungsmacht einen Verwaltungsdienst aufzubauen und Kommissar Max Heller hat bei der neu gegründeten Polizei eine Anstellung gefunden. Obwohl auch er vom Krieg gezeichnet ist und gemeinsam mit seiner Frau auf die Rückkehr des Sohnes wartet, macht er sich wieder an die Arbeit. Zunächst wird er an den Fundort einer Leiche gerufen. Leider handelt es sich um einen Fundort ohne Leiche, denn bei dieser handelte es sich um einen russischen Soldaten und dieser wurde vom russischen Militär abgeholt. 


    Der Krieg ist vorbei, doch auch knapp zwei Jahre nach Kriegsende sind die Menschen niedergedrückt, ausgelaugt und müde. Der Winter ist hart, es gibt wenig zu essen und die Bewohner Dresdens sind schon froh, wenn sie ein halbwegs sicheres Dach über dem Kopf haben. Doch es beginnt schon, dass Beziehungen aufgebaut werden, dass Leute, die sich korrumpieren, bevorteilt werden bei der Vergabe von Posten oder Nahrungsmitteln. Die alten Fratzen machen es sich in den neuen Sesseln bequem. Kommissar Max Heller macht da nicht mit, er war nie in einer Partei und will auch in keiner Partei sein. Bei der Vergabe der Stelle hat ihm diese Einstellung geholfen, seine Karriere befördern wird es nicht. Manchmal zweifelt er, gerade wenn er und seine Frau kaum etwas zu beißen haben oder das Feuerholz knapp wird. Die Ermittlung geriete vor diesen schwierigen Lebensumständen beinahe in den Hintergrund, wenn Max in Ausübung seiner Tätigkeit nicht so gewissenhaft wäre.


    Mitreißend schildert der Autor Frank Goldammer die schweren Zeiten nach dem Ende des zweiten Weltkrieges, man kann sich gut hineinversetzen in die Menschen, die frieren, die hungern, die nicht wissen, wie sie sich und ihre Familien durchbringen sollen. Man ärgert sich über diese Kriegsgewinnler, die doch irgendwie immer auf die Füße fallen. Muss man nicht an dem System verzweifeln, gerade wenn der Eindruck entsteht, dass ein System fast nahtlos in ein anderes übergeht? Wenn Strukturen zwar unter anderen Voraussetzungen aber dennoch einfach weiter genutzt werden? Anhand seines ersten Kriminalfalls als Mitarbeiter der neuen Behörde begegnet Max Heller mehr Leid und Elend als man normalerweise ertragen kann. Trotzdem versucht er Gerechtigkeit walten zu lassen und dem komplexen Fall die richtige Lösung abzuringen.


    Ein packender Kriminalroman, der die Nachkriegszeit in Dresden plastisch abbildet.

    Kommentare: 1
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    StefanieFreigerichts avatar
    StefanieFreigerichtvor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Hungerwinter Februar 1947, Dresden. Oberkommissar Max Heller darf nur geheim ermitteln zu einem ermordeten SU-Offizier - spannend!
    „Es gab für alles einen Preis“

    Dresden, Februar 1947. Es ist eiskalt, vieles ist zerbombt, es fehlt an fast allem, zwischen den sowjetischen Besatzern und der deutschen Bevölkerung herrscht meist Misstrauen. Oberkommissar Max Heller kommt zum Fundort einer Leiche, doch da es sich um einen toten Russen handelt, noch dazu um einen Offizier, sind er und sein Mitarbeiter, Kommissar Werner Oldenbusch, schnell außen vor. Ein Mädchen will sich mit einem Rucksack vom Fundort entfernen, doch die Polizisten können nur den Rucksack sicherstellen: er enthält einen abgetrennten Kopf. Als wäre das noch nicht genug in einer Zeit, in der Menschen bereits ausreichend zu Gewalt neigen wegen des Hungers, wird Heller von seinem Kontakt bei der Stadtkommandatur der Sowjetischen Militäradministration, der SMAD, Generalleutnant Medvedev, beauftragt, inoffiziell zu ermitteln. Ein Ritt auf der Rasierklinge zwischen Ewiggestrigen, Verzweifelten, Gewinnlern und der harten Hand der sowjetischen Militärs. Dann mischt sich auch noch sein Kontakt vom Geheimdienst ein, Ovtscharov.


    Die Geschichte wird aus der Sicht Hellers erzählt. Der Polizist ist ein Getriebener, interessiert an der Aufklärung der Taten, stur bis zur Selbstverleugnung. In der SED will man ihn sehen, höhere Essenszuteilungen würde das bewirken. „Und dass ihn alle so bedrängten wegen des Parteieintritts. Sie mussten doch wissen, dass das reine Heuchelei war. Wollten sie denn das, eine Gefolgschaft von Heuchlern? Hatten die Menschen denn nichts gelernt aus den zwölf Jahren Naziherrschaft?“ S. 78 Ein Problem, das er auch schon bezüglich der NSDAP hatte, im Vorgänger „Der Angstmann“ (es gibt nur die zwei Max-Heller-Bände). Ich hatte diesen als Hörbuch genossen, man sollte jedoch „Tausend Teufel“ auch ohne den Vorgänger lesen oder hören können (hören sollte kein Problem sein, ich wollte jedoch lieber in der Lage sein, die Strecken in Dresden auf einer Karte nachverfolgen zu können).


    Wieder schafft es Autor Frank Goldammer die Atmosphäre glaubwürdig einzufangen (beim Band 1 war mir kalt mit Heller, jetzt hatte ich irgendwie Hunger). Wieder wird klar, dass letztlich viele den Krieg gezeichnet überstanden haben: „Es gab für alles einen Preis. In den Augen seines Sohnes hatte er gesehen, dass dieser ihn schon bezahlt hatte.“ S. 143 Doch wieder gibt die, die es schaffen, ihre Posten zu behalten, die sie schon unter den Nazis hatten. Der Roman ist spannend, es folgen weitere Tote, doch am meisten bedrückt hat mich die Situation der Menschen, besonders der sogenannten Wolfskinder, die allein, elternlos und auf sich allein gestellt versuchen, sich irgendwie durchzuschlagen, die teils nicht einmal mehr ihre Namen wissen. Ihrer Situation setzt dieses Buch ein Denkmal, ohne dabei die fesselnde Handlung jemals aus den Augen zu verlieren, denn bald hat man in ihren Reihen Verdächtige.


    Während ich „Der Angstmann“ eher als Thriller empfand mit doch recht blutrünstigen Taten und einer gewissen Folterkomponente (eine Bekannte brach nach wenigen Minuten ab und nannte es krank, so etwas zu lesen), ist „Tausend Teufel“ eher ein klassischer „Whodunnit“, ja, auch mit Toten, aber weniger dieser Folterkomponente (nein, ganz gewaltlos ist es nicht). Ich kann beide Teile empfehlen, gerade wegen ihrer Schilderungen Dresdens kurz vor und nach 1945 und wegen eines glaubwürdig in diesen Kontext eingebetteten Motivs. Vom Tatverlauf fand ich diesen zweiten Teil glaubwürdiger als den ersten, die Auflösung hier fand ich jedoch nicht ganz befriedigend. Für mich war es aufgewogen dadurch, wie sich Karin Heller hier mit einbrachte.


    Wieder 5 Sterne.

    Ich könnte mir das gut verfilmt vorstellen. Und ein Folgeband könnte vielleicht mal im Sommer angesiedelt sein – oder in fernerer Zukunft mit Bald-Polizist Klaus…


    Teil 1 https://www.lovelybooks.de/autor/Frank-Goldammer/Der-Angstmann-1237139479-w/rezension/1361010080/1361008139/

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    W
    wschvor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Krimi? Ja auch...
    Düsteres Stimmungsbild

    Die vorherrschende Stimmung, die der völlig humorlose Krimi erweckt, verbreitet ist verständlicherweise wahrhaft düster. Kein Wunder, der Autor lässt mit sehr bildhafter Sprache die Handlung innerhalb sechs Tagen im Februar 1947 im ziemlich genau zwei Jahre durch englische und amerikanische Bomber in Schutt und Asche gelegte Dresden spielen. Auch wenn man das Glück hat, weder das Dritte Reich mit der permanenten Indoktrination, die Gräuel des Zweiten Weltkrieges und gar die Bombennächte von Dresden, Hamburg, Köln, Frankfurt, Berlin oder oder oder nicht miterlebt haben zu müssen, Frank Goldammer gelingt es, eine Vorstellung der Nachkriegs- und auch der Kriegszeit wach zu rufen.

    Sowjetische Besatzungstruppen, deutsche Kriminalbeamte, Schwarzhändler, elternlose Kinder und Jugendliche, die den Zweiten Weltkrieg überlebt haben, unverbesserliche Alt-Nazis, die sich unter Verleugnung bis hin zur Selbstverleugnung das 'Deutsche Reich' zurück sehnen.  Heranwachsende Mädchen, die sich für etwas Essbares in zerbombten Häusern prostituieren, sowjetische Offiziere, die teils mit, teils gegen die  Kriminalbeamten der vor kurzem gegründeten Volkspolizei agieren. Eisige Kälte, Not, Elend, Krankheit, Mangel an Allem.
    Zu einem Teil handelt es sich durchaus um einen Krimi. Zum meines Erachtens grösseren Teil ist es eine vermutlich der damaligen Realität sehr nahe kommende Schilderung des Lebens, des Alltags in zerstörten Dresden. Kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs, zwei Jahre nach den beiden 'Bombennächten'. Wobei sich die Frage stellt, worauf sich der Titel bezieht. Auf die sowjetischen Besatzungstruppen? Oder auf die Nazi-Grössen, die sich schon wieder in führenden Positionen etabliert haben…

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    Anis avatar
    Anivor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Spannende Ermittlungen mit beeindruckender Hintergrundkulisse
    Beeindruckende Hintergrundkulisse


    Im Winter 1947 herrscht klirrende Kälte in Dresden. Mittlerweile gehört die Stadt zur sowjetischen Besatzerzone. Noch immer prägen zerbombte Häuser und Trümmerfelder das Stadtbild. Es gibt kaum Wohnraum und die Menschen leiden Hunger und werden von Krankheiten heimgesucht. Es brodelt unter den Bewohnern, denn sie sind unzufrieden. Viele haben Angst vor den Sowjets und stehen ihnen deshalb misstrauisch gegenüber. Oberkommissar Max Heller und sein Kollege Werner Oldenbusch gehören mittlerweile der neu gegründeten Volkspolizei an. Als die Leiche eines ermordeten sowjetischen Offiziers gefunden wird, werden die beiden mit den Ermittlungen betraut. Das Militär transportiert den Toten einfach ab, doch in der näheren Umgebung stößt Max Heller auf einen Rucksack, in dem sich der abgetrennte Kopf eines Mannes befindet. Max Heller beginnt gewissenhaft zu ermitteln, doch das ist gar nicht so einfach, da er von den Besatzern genau beobachtet und an der langen Leine gehalten wird......


    "Tausend Teufel" ist nach "Der Angstmann" der zweite Fall für Max Heller. Da die Fälle in sich abgeschlossen sind, können die Bände allerdings unabhängig voneinander gelesen werden. Vorkenntnisse aus dem ersten Teil sind nicht erforderlich, um die aktuellen Ermittlungen zu verfolgen.


    Der Einstieg in diesen historischen Kriminalroman gelingt mühelos. Denn der Autor versteht es hervorragend, die damalige Zeit zum Leben zu erwecken. Man kann die klirrende Kälte, die zum Zeitpunkt der Handlung herrscht, förmlich spüren. Die Dresdner Bevölkerung leidet Hunger, der Schwarzmarkt blüht, Krankheiten und mangelnder Wohnraum machen ihnen ebenfalls das Leben schwer. Und dann ist das noch das Misstrauen und die Angst, gegenüber den sowjetischen Besatzern. All das wird so glaubhaft und detailliert in die Handlung eingeflochten, dass die Hintergrundkulisse mühelos zum Leben erwacht.


    Max Heller bleibt sich auch in diesem Band treu. Der sympathische Hautprotagonist setzt, trotz aller Widrigkeiten, alles daran, den Fall aufzuklären. Die Ermittlungen sind durchgehend interessant und man begibt sich gemeinsam mit Max Heller auf Spurensuche. Nichts ist so, wie es auf den ersten Blick scheint und deshalb bleiben Täter und Motiv lange im Dunkeln. Auch die Nebenhandlungen sind interessant und sorgen dafür, dass man einen guten Einblick in die damalige Zeit und die Nöte und Sorgen der Protagonisten bekommt. Der Schreibstil ist flüssig und sehr angenehm lesbar. Dadurch fliegt man förmlich durch das Buch und mag es kaum aus der Hand legen.


    Ich habe mich beim Lesen dieses Kriminalromans ausgesprochen gut unterhalten. Denn die damalige Zeit erwachte für mich zum Leben, die Suche nach dem Täter war durchgehend interessant und die Auflösung nicht vorhersehbar. Die beeindruckende Hintergrundkulisse macht das Buch für mich zu einem besonderen Highlight und deshalb bekommt "Tausend Teufel" auf meiner persönlichen Bewertungsskala auch alle fünf Sternchen.  

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Frank_Goldammers avatar

    Liebe Leserinnen und Leser,
    nachdem sich mein erster dtv Titel "Der Angstmann" im letzten Jahr einer solch guten Resonanz erfreuen konnte, möchte ich Euch dieses Jahr den zweiten Band aus dieser Reihe, "Tausend Teufel" vorstellen. Es spielt etwa anderthalb Jahre nach dem ersten Band, in Dresden im bitterkalten Winter 1947. Wir verlosen 15 Bücher. Wer sich an der Verlosung beteiligen möchte, sollte sich in einem kurzen Text vorstellen und mir als kleine (und recht leichte) Aufgabe Vor- und Nachnamen meines Hauptprotagonisten, dem ehemaligen Kriminalinspektor und jetzigen Oberkommissar der Volkspolizei nennen (kleiner Tipp, es ist nicht Moritz Dunkler!) ;). 

    Autor: Frank Goldammer
    Zur Leserunde

    Vorfreude! So freuen sich unsere Leser auf das Buch

    Shanna1512s avatar
    Shanna1512vor 4 Monaten
    Die Serie von dem Autor ist einfach nur klasse
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