Frank Jöricke

 3.7 Sterne bei 80 Bewertungen
Autorenbild von Frank Jöricke (©)

Lebenslauf von Frank Jöricke

Frank Jöricke wird im Jahr 1967 in Trier geboren. Von Beruf ist er eigentlich Werbetexter. Er gilt aber auch als Entdecker von Guildo Horn und arbeitet außerdem nebenbei als DJ Für Ü30 und Bad-Taste Partys.

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Neue Rezensionen zu Frank Jöricke

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Rezension zu "War's das schon?" von Frank Jöricke

Kinderlärm und Helikopterväter
Thomas_Lawallvor 3 Monaten

Endlich mal jemand, der sich nicht mit dem Thema "Helikoptereltern" im Allgemeinen, sondern mit "Helikoptervätern" im Besonderen beschäftigt. Das Loblied im Fazit teilweise vorweggenommen, möchte der Rezensent unterstreichen, dass Frank Jöricke die Leserschaft allein im Kapitel "Liebe um Nachwuchs" geradezu nötigt, jene Zeilen gleich mehrmals zu lesen.

Ach was lesen, eher genießen! Schließlich soll das Buch eine Art Lebenshilfe darstellen. Hilfreich ist beispielsweise, seine Feinde genau zu kennen. Mitunter muss man sie gar nicht lange suchen. Zumindest nicht, wenn einer der Hauptfeinde in einem selbst lebt: Das schlechte Gewissen.

Was es früher, zumindest in der Erziehung der Kinder, nicht gab, erlebt heute einen beispiellosen Aufschwung. Die einst so klar abgesteckten Reviere existieren heute nicht mehr. Vorbei ist es mit dem, vom Kinderlärm abgeschotteten, gemütlichen Feierabendbierchen. Kinder sind "Projekte" und wollen als solche behandelt werden. Ständig, aber wohldosiert, um ja dem Wunderland der kindlichen Psyche keinerlei Belastungstests zuzumuten. Selbst "die Auswahl der Spielsachen erfolgt so akribisch, als würde man Plutonium anreichern".

Herrlich, wie der Autor die unterschiedlichsten Themenbereiche mit dem von ihm gewählten Motto in Bezug bringt bzw. es "versucht". Da wären beispielsweise die "Wanderprediger der Sekten BAP und U2", Warnungen vor sozialen Netzwerken, Partnerportalen, dem "Zuchthaus Ehe" oder "Frauen zum Abgewöhnen".

Die satirisch überspitzten Betrachtungen sitzen aber nicht immer und driften nicht selten in Pauschalisierungen ab. Nicht zu Ende gedacht ist vielleicht, ein gewisses Dilemma einer ganzen Generation zuzuordnen, oder ein ganzes Jahrzehnt als "verloren" zu deklarieren, noch dazu auf jeweils drei bis vier Seiten.

Weit hergeholt ist auch, ausgerechnet lokalpatriotische Liedchen der Toten Hosen, Herbert Grönemeyer oder Udo Lindenberg in Bezug zu setzen mit einer Geringschätzung fremder Kulturen. Die sog. Informationsflut muss ebenfalls mal wieder an den Pranger. Witzigerweise kränkelt dieses Buch ebenfalls an einem Übermaß an Informationen, welche dann zeitgemäß auch noch "interaktiv" verschachtelt werden. Was für'n Stress.

Lebenshilfe also? Dies muss, trotz der Brillanz des Buches, in Frage gestellt werden. Zuerst müsste einmal geklärt werden, ob der Menschheit überhaupt noch zu helfen ist. Das Leben oder gar die Liebe verstehen zu wollen ist ein ehrenwertes Ziel. Dieses Buch hilft letztendlich aber, in diesem Sinne, auch nicht weiter.

Ist auch völlig wurscht. Zu viele Fragen stellen, die niemand beantworten kann, ist eh vergeudete Lebenszeit. Diese ebenso unterhaltsame wie geistreiche Lektüre allerdings keineswegs.

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Rezension zu "War's das schon?" von Frank Jöricke

"Wir Trendtrottel"
R_Mantheyvor 5 Monaten

Wenn sich jemand selbst als Trendtrottel bezeichnet, dann soll mir das recht sein. Und ich würde das im Falle des Autors auch gerne bestätigen, aber das Wir nicht unbedingt auf mich beziehen. Auch nachdem ich dieses Buch zum zweiten Mal gelesen habe, fand ich es nicht besonders geistreich und wenig überzeugend im Sinne seines Untertitels. Manches kann man durchaus witzig finden. Aber dazu muss man auch den Humor des Autors teilen und wohl auch ein Trendtrottel sein. Es soll ja eine unbedeutende Minderheit von Menschen geben, die Trends eher lustig finden und darüber lachen können, wie sich die Massen ehrfürchtig einer bedeutenden Minderheit unterordnen, die ihnen solche Trends vorschreibt.

Vorgeblich soll dieses Buch also 55 Versuche enthalten, das Leben und die Liebe zu verstehen. Für den Autor besteht diese lange Versuchsreihe aus Kommentaren zu Produkten von Leuten, die man neuerdings wieder Kulturschaffende nennt. Musik, Filme, seichte Unterhaltung, vornehmlich im Fernsehen und natürlich ein paar Promis – das ist für Jöricke das pure Leben, das ist die wahre Liebe, die er zu verstehen versucht. Und so hechelt er vergangenen Trends nach, erklärt sie seinen Lesern und hält das für so bedeutend, dass er daraus ein Buch machen musste. Brot und Spiele hieß das schon bei den alten Römern. Und Jöricke hält die Spiele für das wahre Leben.

Viel hat sich seit dem alten Rom nicht verändert. Manchmal dringt das auch zu Jöricke vor, aber irgendwie dann doch nicht bis zum Ende der letzten geistigen Verarbeitung. Beispiel? In einem dieser kurzen Kapitel geht es um die freie Liebe ("Gestern Werther heute Elitepartner"). Da steht am Ende dann folgender Satz: "Die Architektin, die sich bei Elitepartner einloggt, will keinen Maurer, sondern einen Manager. Die Akademikerschicht bleibt unter sich, das Proletariat draußen." Gott, wie traurig und ungerecht. Und dann: "Sozialer Aufstieg durch Heirat? Das war einmal." Nee, das war es nicht. Schau dich mal um, zum Beispiel in der Welt der Fussballmillionäre und zähle mal die vielen professionellen Kleidervorführerinnen, die da herumlaufen und den nicht immer intelligenten und auch nicht immer schönen Herren zur Seite stehen. Und ohne deren Kohle würde sich so manches Verhältnis bestimmt nicht ergeben. Ach ja, da war doch noch ein Ex-Bundespräsident mit einer Ex-Frau. Die beiden werden von Jöricke auch thematisiert. Von wegen "Sozialer Aufstieg durch Heirat? Das war einmal." Immerhin war es ein Versuch wert, auch wenn er in diesem Fall nicht geklappt hat.

Und übrigens: Kann es nicht sein, dass das obige Architektin-Maurer-Beispiel gerade beweist, dass alles noch immer so ist, wie es früher war? Mit nur einem Unterschied: Man sieht es nur nicht mehr so deutlich. Frauen wählen selten den Abstieg. Und Männer haben ganz andere Kriterien.

Im gleichen Abschnitt wundert sich Jöricke auch noch über die wilden Exzesse des Harald Juhnke, die so gar nicht in die miefigen 50er passen würden. Das wäre wohl ein Einzelfall gewesen. Echt jetzt? Genau wissen kann das niemand. Und schon gar nicht jemand, der in dieser Zeit nicht gelebt hat. Vielleicht ist es ja ganz anders: Im Gehirn entsteht, wie auch immer, ein Bild von irgendeiner Zeit, eine Schablone, die dem geplagten Denkorgan das ständige Überdenken von Einzelfällen erspart und seinem Besitzer einredet, er wisse nun, wie es damals war. Und da er es nun weiß, kann er alles nach dieser primitiven Schablone beurteilen. Das macht das Leben so schön einfach. Besonders für Trendtrottel.

Manches an diesen kurzen Texten trifft dennoch ins Schwarze, ob nun zufällig oder nicht. Es besteht jedoch Grund zu der Annahme, dass sich das wahre Leben nicht im Fernsehen, nicht in Filmen und nicht in der Welt sogenannter Promis abspielt, deren meist armseliges Leben im Lichte der Öffentlichkeit gut versteckt wird. Und man kann auch vermuten, dass sich dort kaum Trends bilden. Und wenn doch, dann sind diese sehr langlebig. Manches hat sich schon genauso wie heute zu Zeiten abgespielt als Jesus verraten wurde. Sonst nämlich würde das Neue Testament nicht so aktuell sein, liest man es weniger mit religiösem und mehr mit einem psychologischen oder soziologischen Hintergrund.

Das Buch ist – um es kurz zu machen – an einigen Stellen ganz amüsant und treffend. Aber für ein tieferes Verständnis greift es viel zu kurz. Aber das vielleicht auch Absicht. Oder doch nicht?

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Rezension zu "Jäger des verlorenen Zeitgeists" von Frank Jöricke

Zeitgeist - mal witzig, mal bekannt
hproentgenvor 7 Jahren

Früher war nicht alles besser, aber vieles anders, erklärt uns Frank Jöricke und will die ins Kraut schießende Nostalgie roden. Mit seinem Roman Mein liebestoller Onkel, mein kleinkrimineller Vetter und der Rest der Bagage hatte er bereits eine sehr unterhaltsame Zeitreise unternommen, egal ob es um die sexuellen Revolution im Hunsrück oder die Folgen des Mauerfalls bei Kleinkriminellen ging.

 

Auf den ersten zwanzig Seiten nimmt er uns mit durch die achtziger, neunziger und die nuller Jahre. Dann folgen verschieden Essays, von Peter Alexander und Rudi Dutschke über James Bond (der im Vergleich zu Sean Connery wie ein zweiter Hermann Grönemeyer wirkt) bis zu den Mad Men vor der Ära Alice Schwarzer. Ein bunter Essayblumenstrauß, dessen Themen weit variieren, manchmal aber wenig mit Zeitgeist zu tun haben. Etwa der Essay über Vietnam oder einen aufmüpfigen Weinbauern. Ab und an verfällt er selbst dem Nostalgieren und geht dem Zeitgeist auf den Leim.

 

Zum Beispiel bei den Jugendbüchern. Als Harry Potter vor etlichen Jahren die Bestsellerparaden stürmte, erkannten Verlage erstmals, dass Jugendbücher auch von Erwachsenen gelesen werden. Einige Kulturredakteure – vom Typ Literatursachbearbeiter, die in den Sechzigern die verderblichen Comics bekämpft hatten, in den Siebzigern Momo vorwarfen, gesellschaftlich nicht relevant zu sein und den Kindern Märchen verbieten wollten – schlussfolgerten daraus, dass heute die Leser immer kindischer werden, während früher, in der guten alten Zeit, erwachsene Leser nur ernste, erwachsene Literatur gelesen hätten. Dass auch „Oliver Twist“, „Huckleberry Finn“ und „Die unendliche Geschichte“ unendlich viele erwachsene Leser hatten (und sogar in die Literaturgeschichte eingingen) war diesen Möchtegerngurus entgangen. Seltsam, dass ausgerechnet Jöricke diese absurde Theorie unkritisch wiederkäut. Auch der ein oder andere Text klingt manchmal ein wenig nach Bedenkenträger a la Wolfgang Niedecken, die er sonst kräftig karikiert. Etwa in dem Text über den Facebook Gründer, der das beliebteste soziale Netzwerk schuf und selbst frei von jeglichen Beziehungsfähigkeiten ist. Ein glänzend geschriebener Text, doch am Ende wird es zu einem Lamento, das Facebook das Ende aller Freundschaften bedeuten wird.

 

Doch in den meisten anderen Essays wärmt er nicht kalten Kaffee auf, sondern schreibt mit spitzer Feder und zeigt, dass man neue Ideen durchaus unterhaltsam vorstellen kann. Mit einem Satz stellt er bessere Zusammenhängen dar, als manch anderer mit einem ganzen Buch. Egal ob er über die Rollingstones schreibt, denen die Wut abhanden kam oder aus „Sex and the City“ den Schluss zieht, dass Männer besser nicht versuchen sollten, Frauen zu verstehen, weil es ihre Beziehung ruinieren könnte.

 

Jeder Artikel enthält als Bonbon einen Verweis auf Filme, Musik oder Bücher, die für das Thema typisch sind und einen Merkspruch, Zeitgeistregel genannt. Über deren Brauchbarkeit kann man streiten, zum Nachdenken regen sie auf jeden Fall an.

 

Fazit: Eine unterhaltsame Essaysammlung zu unterschiedlichsten Themen, doch dem Zeitgeist geht Jöricke manchmal selbst auf den Leim. Mit dem liebestollen Onkel hat er ihn sehr viel genauer beschrieben.

 

Leseprobe: http://www.solibro.de/leseprobe-jaeger

 

Jäger des verlorenen Zeitgeists, Sachbuch, Frank Jöricke, Solibro, März 2013

ISBN-13: 978-3932927553, Tb, 217 Seiten, Euro 12,80 (Ebook 9,90)

 

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Gespräche aus der Community

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Cover des Buches Jäger des verlorenen Zeitgeistsundefined

Liebe Freunde und Kritiker des Zeitgeists, liebe Leserinnen und Leser!

 „Früher war alles besser“, sagte Opa immer. „Digital ist besser“ behaupteten einst Tocotronic. Doch wer hat recht? Schwierige Frage. Und es gibt Tausend verschiedene Antworten darauf, etwa diese: Internet, Handys, Smartphones, Facebook, Single- und Fremdgehbörsen haben das Leben nicht einfacher gemacht.

Zwischen den Geschlechtern schon gar nicht. Grönemeyers Frage, „Wann ist ein Mann ein Mann?“, ist noch immer nicht beantwortet. Und die Frauen haben’s auch nicht leichter. Alles ist ziemlich verwickelt geworden.

Höchste Zeit, sich den Zeitgeist mal näher anzuschauen. Wer die 10er Jahre verstehen will, muss zurück in die 60er, 70er, 80er, 90er und 00er Jahre. Das habe ich getan. Als „Jäger des verlorenen Zeitgeists“ habe ich mich in den Dschungel von Vergangenheit und Gegenwart begeben, die Nostalgie gerodet und, wenn nötig, mich in die Untiefen der Populärkultur gestürzt.

Auf dieser Expedition konnte ich 43 Zeitgeistentdeckungen machen, z.B. warum soziale Medien asozial sind, warum die 80er eine Lüge waren und warum das mit der Liebe so schwierig geworden ist.

Habt Ihr Lust, diese Zeitreise mitzuerleben? Dann bewerbt euch hier bis einschließlich Donnerstag, 14. März um eines von 15 Exemplaren des Solibro Verlags! Verratet mir doch, was ist für euch eigentlich "Zeitgeist"? Oder auch gern, was Ihr mit den Jahrzehnten, die Ihr schon erlebt habt, verbindet!

Hier gibt es außerdem eine Leseprobe!

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