Frank Jakubzik In der mittleren Ebene

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Inhaltsangabe zu „In der mittleren Ebene“ von Frank Jakubzik

<p>Alles beginnt mit einem ebenso allgegenwärtigen wie zumeist überhörten Stöhnen: Die Mitarbeiter in der »mittleren Ebene«&#160;des IT-Konzerns McWorthy leiden still unter den Zumutungen ihres Jobs. Nie können sie sicher sein, wo sie sich befinden und wohin sie unterwegs sind (oder sein sollten). Letztes Mittel der Selbstbewahrung: die Flucht ins Irrationale. Das Upgrade in die First Class wird zum Lebenszweck; die Opferung eines USB-Sticks zum Karriere-Boost, der eigene Unfalltod im geliebten Cabrio zum irgendwie erleichternden Wunschtraum.</p> <p>Mit allen möglichen Einbildungen und Fiktionen versuchen die Figuren dieser Erzählungen, sich das Arbeitsleben erträglich zu machen, oder überwinden sich zu neuen Verbiegungen und Unterwerfungen. Unausgesprochen steht hinter allem die Frage: Warum haltet ihr das alles aus?</p>

In Frank Jakubziks literarischem Debüt rasen die Panikherzen der Angestellten trotz “hoher usability”.

— jamal_tuschick
jamal_tuschick

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    In der mittleren Ebene
    jamal_tuschick

    jamal_tuschick

    15. September 2016 um 10:49

    Googelt man den Titel, entdeckt man in der Umgebung der Verlagsmitteilung drei mittlere Ebenen. 1. “In einer Anwendung mit drei Ebenen enthält die mittlere Ebene die Logik zum Verwalten der Interaktion zwischen der Präsentationsebene und der Datenebene. In der mittleren Ebene wenden Sie ... Validierungsüberprüfungen an. ... In einer Personalanwendung können Sie eine Benutzeroberfläche bereitstellen, die es Mitarbeitern ermöglicht, einen Urlaubsantrag zu senden, Sie müssen jedoch sicherstellen, dass die Urlaubsbilanz eines Mitarbeiters nie kleiner als Null ist.” 2. “Von einer einheitlichen, alle Ebenen überspannenden Neurobiologie des Geistes sind wir ... weit entfernt. Die Kluft zwischen den zellphysiologischen Prozessen auf der einen Seite und der globalen funktionellen Architektur des Gehirns auf der anderen stellt eine große Herausforderung für die Zukunft dar. Neue, viel versprechende Methoden müssen uns den faszinierenden Kosmos auf dieser “mittleren Ebene” erst noch erschließen.” 3. “Das mittlere Management ist in einer “Sandwich-Position” und verbindet auf der mittleren Organisationsebene strategische Spitzenentscheidungen mit ausweichenden Darstellungen von Führung.” Das passt total zu Jakubziks Nachrichten aus den Unterwelten globaler Angreifer. Die Geschichten verdichten sich zu einem fortlaufenden Text. Im ersten Durchgang nimmt eine Führungskraft Gestalt an. Schiffner-Sender, Deutschland-Chef des IT-Fossils McWorthy, erscheint unverbraucht und kaum abgeschliffen. Mit den aufrauenden Akzentuierungen einer durchschnittlichen Eliteausstattung zog er an der Konkurrenz vorbei. Ein resümierendes Ich erkennt: Nach oben gelangt nur, wer frei dreht und sich selbst nicht (vor) führen lässt. Ob das stimmt? Der Erzähler verfolgt den nachhinkenden Ingenieur Kessler, der in lauter Abwägungen (der eigenen Chancen bei McWorthy) Schiffner-Sender zur Sprache bringt. Kessler verweigert sich jedenfalls den Tamtam-Akquisen und dem “idiotenbasierten” Intuitionsboogiewoogie. Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen. Im “blanken Rausch der Nüchternheit” will Kessler kalt wie ein Stern sein. Bereits in dieser frühen Homo-faber-Studie gibt sich ein Motiv zu erkennen, dem der Band Beispiele liefert. Jakubzik reizt ein Spiel mit Abbildern. Eine flachgetretene Ikonografie in Kalenderblattklischeemanier entzieht dem Fluid einer Autofahrt, die ein Erfolgreicher (Kessler) im Kapitalismus als sinnstiftende Belohnung erlebt, vitale Dimensionen. Bald dreht sich das Geschehen direkt um Schiffner-Sender, für das waltende Ich “der (jederzeit abrufbare) Gott meines gegenwärtigen Universums”. Der Erzähler möchte mit Gott Schlitten fahren. Ihn vor einer Kamera lenken zu dürfen, reicht für einen Rausch. “Das Machtgefühl in mir ist so stark ... daß ich momentweise meine, die ganze Welt zu dirigieren.” Zugleich kackt die Angst mit, aus der Position eines preferred suppliers gekegelt zu werden, weil die Anmaßung durch die Subalternendunstabzugshaube nicht einfach verschwindet. Hinter der Anordnung scheint sehr schön skizziert die Frankfurter Skyline im Zentrum einer Wohlstandssteppe (der Rheinmainebene) auf. Viele Vorgänge wirken so flach wie ihre Images. Zugleich vernimmt man das Rülpsen und Schmatzen und den Verdauungslärm des Kapitalismus, der ungestört die Realität frisst. Dem diffundierenden Ich fallen die kernigen Kinnzentralen von Taxifahrern auf. Es setzt das Virilitätssignal in ein ordnendes Verhältnis zum Status; so als fletzten sich da ein paar Neandertaler oder anders fundamentalistisch Abgehängte am Saum der mütterlichen Normalität, die für sie nichts übrig hat außer Kennzeichen der Deklassierung. Der Erzähler bestimmt die Koordinaten der gesellschaftlichen Mittellage, er rückt die Plattform in Uterusnähe. Jacketts werfen “nachdenkliche Falten. Ein Lächeln “zahnt”. In “wetterleuchtenden” Angestelltenkörpern arbeitet aggressiv und ängstlich der Wunsch, aus der Arbeitsanspannung heraus zu kommen. Die Entriegelung muss von einem Gremium genehmigt werden, dem Scham als eine andere Schiffner-Sender vorsteht. Jeder Analverkehr wird zum Meeting hochgejazzt. Wer nicht immer im Dienst ist, kann gleich ganz zuhause bleiben.

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