Frank O. Rudkoffsky

 4.7 Sterne bei 13 Bewertungen
Autor von Dezemberfieber.
Frank O. Rudkoffsky

Lebenslauf von Frank O. Rudkoffsky

Frank O. Rudkoffsky, 1980 in Nordenham geboren, lebt in Stuttgart und ist Mitherausgeber der Literatur­ und Kunstzeitschrift ]trash[pool. In Tübingen studierte er Allgemeine Rhetorik, Neuere Deutsche Literatur, Politikwissenschaft sowie am Studio Literatur und Theater. Neben Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien stand er 2011 mit einem frühen Auszug aus seinem Debütroman "Dezemberfieber" im Finale des Prosanova-­Literaturwettbewerbs.

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Dezemberfieber

Dezemberfieber

 (13)
Erschienen am 22.09.2015

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Neue Rezensionen zu Frank O. Rudkoffsky

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Rezension zu "Dezemberfieber" von Frank O. Rudkoffsky

Hölle der Psyche
Rolandpaulervor 3 Jahren

Der äußerst bewegende Roman spielt sich auf drei Ebenen ab: Bastian, Student und Schriftsteller, reist mit seiner Freundin Nina durch Thailand – zumindest ist es so geplant. Wenige Tage vor dem Abflug ist sein Vater gestorben, zu dem er seit seinem Studienbeginn vor neun Jahren den Kontakt weitgehend abgebrochen hatte. Bei der Haushaltsauflösung fällt ihm ein Buch in die Hände mit Briefen, die sich seine Eltern geschrieben hatten, als sie nicht mehr miteinander sprechen konnten, obwohl sie in einem Haus mit ihrem Sohn zusammenwohnten. Die Mutter war psychisch krank, depressiv. Ihre Krankheit zerstörte die Familie.
Die Darstellung des Familienlebens ist die zweite Ebene, beginnend in einer Zeit, in der die Mutter noch Mittelpunkt der Familie, der schriftstellerisch begabte und ambitionierte Sohn noch glücklich ist, Depressionen trüben bereits ihr Verhältnis zu ihrem allzu besorgten Ehemann. Sie endet mit Bastians Auszug und vergeblichen Versuchen des Vaters, engeren Kontakt zum Sohn herzustellen.
Die dritte Ebene sind die Briefe der Eltern, die sie in der Phase der Sprachlosigkeit in ein Buch schreiben, um die Kommunikation irgendwie aufrechtzuerhalten. Diese Dokumente sind Zeugnisse der zunehmenden Zerrüttung und Hilflosigkeit des Vaters, der mit Vernunft gegen eine Krankheit ankämpfen will, die sich jeglicher Vernunft verschließt. Der Vater flüchtet sich in seine Arbeit, die ihn regelmäßig nach Thailand führt, und in eine kurze Liaison mit einer Arbeitskollegin. Der Sohn erfährt von ihr und interpretiert sie als Verrat an der Mutter, die Selbstmord begeht.
Diese beiden Ebenen begleiten den Erzählstrang: Reise in Thailand. Diese nimmt eine unerwartete Wendung, als Bastian auf eine rätselhafte Botschaft in einem Bücherregal stößt, die drei junge Rucksackreisende hinterlassen haben. Es ist eine Art Schatzkarte, die ihn und Nina zu einem Ort in unwegsamem Gelände des Nationalparks führt, an dem ein Buch versteckt ist mit dem Eintrag: „The ghost of Felix Hoffmann“. Bastian schließt sich den drei Jugendlichen an und verlässt die allzu fürsorgliche Nina, von der er sich nicht verstanden fühlt. Für Bastian beginnt eine selbstzerstörerische Reise in die Vergangenheit: Leitfaden sind die Briefe seiner Eltern. Er verfällt Alkohol, Zigaretten und Drogen: Seine Depressionen steigern sich zu Wahnvorstellungen rund um sein Schuldbewusstsein gegenüber der Mutter. Sein Hass gegen den Vater wächst, dem er größte Schuld an dem tragischen Leben und Ende seiner Mutter gibt. In seiner Fantasie wird sein Vater, der beruflich viel in Thailand zu tun hatte, zum Sextouristen. Als er einen Mann mit einer jungen Thailänderin entdeckt, der seinem Vater ähnelt, greift er diesen volltrunken tätlich an und beschimpft ihn in übelster Weise. Dieser Mann rettet ihm im nächsten Augenblick das Leben, als Bastian von Jugendlichen überfallen wird, und leitet damit eine Wende ein. Bastian kehrt zu Nina zurück, dem Sinnbild eines von Vernunft bestimmten Lebens.
Mit unglaublichem Einfühlungsvermögen zeichnet Rudkoffsky nicht nur die Personen, ihr Fühlen und Handeln, sondern ebenso die jeweilige Umgebung, in der sie sich gerade bewegen. Die Briefe erlangen Unmittelbarkeit nicht nur aus ihrem Inhalt, sondern auch aus den kleinen Streichungen und Korrekturen, die zeigen, wie deren Schreiber um die richtigen Worte für ihre Gefühle ringen. Den Leser belastet die Ahnung: Bastian wandelt auf den Spuren seiner Mutter auf einen Abgrund zu. Vor diesem rettet ihn die Person, die er mit dem verhassten Vater identifiziert, der stets das Beste für seinen Sohn gewollt und ihn auf seine Weise geliebt hatte. 

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Queenelyzas avatar

Rezension zu "Dezemberfieber" von Frank O. Rudkoffsky

Ein Roman wie ein Fiebertraum
Queenelyzavor 3 Jahren

Bastian und Nina wollen in Thailand eigentlich nur Urlaub machen und eine gute Zeit verbringen. Doch Bastian hat jede Menge Altlasten mit im Gepäck. Erst vor kurzer Zeit musste er das Elternhaus nach dem Tod seines Vaters leerräumen und fand dabei ein Brieftagebuch, ein berührendes und erschreckendes Zeugnis der schweren Krankheit seiner Mutter. Von schweren Depressionen geplagt, war der Familienalltag alles andere als normal, die Krankheit bestimmte alles. Und Bastian wird mit diesem Buch in seine ganz persönliche Hölle gestürzt. Wird er es schaffen, sich der Vergangenheit zu stellen?

Zunächst scheint es nicht so, jagt er in Thailand doch jeder Gelegenheit hinterher, nicht nachdenken zu müssen und einfach nur abzustürzen. Der Leser erlebt das so hautnah mit, dass er fast gar nicht anders kann wie an Bastian zu zweifeln, sich zu fragen, was der Kerl denn bitte für ein Problem hat. Nina, die Vernünftige, stößt er weg, um sich nur noch ungehemmter seinem Drang, sich selbst zu zerstören, hinzugeben. Was hätte ich darum gegeben, in den Roman schlüpfen und dem Guten einen Tritt in den Hintern geben zu können!

Immer wieder werden zwischen den Kapiteln Auszüge aus dem Brieftagebuch eingewoben. Bastians Vater wollte sich trotz der Krankheit seiner Frau nicht damit abfinden, dass oft keine Kommunikation mehr stattfindet und schrieb ihr stattdessen, was er denkt, fühlt und empfindet. Diese Briefe decken eine ganze Palette an Emotionen auf und wechseln von zärtlich heiter zu tief verzweifelt, wütend, resigniert,,.sie sind unglaublich berührend und ich musste manchmal echt innehalten, weil mich diese Liebe und die Ohnmacht dieses Mannes so tief berührt hat.

Der ganze Roman hat eine Tiefe und Glaubwürdigkeit, wie man sie nur selten findet. Und er zieht den Leser in einen Sog, man liest das Buch nicht einfach nur, nein, man ist mittendrin. Es lässt einen absolut nicht kalt, und ich habe während des Lesens ganz oft darüber nachgedacht, wie die Kindheit und die Erlebnisse einen Menschen prägen, und dass es nichts bringt, wenn man es verdrängt oder wie Bastian "wegfeiern" will. Irgendwann holt es einen ein, vor allem, wenn es schlimme Dinge waren. Und je eher man sich diesen stellt, desto besser.

Daneben wird das Buch trotz der Schwere des Themas an einigen Stellen federleicht, denn es gibt auch gut dosierte humorvolle Szenen, und ebenso ist die Atmosphäre in Thailand sehr stimmig wiedergegeben. Das lockert das heftige Thema zwischendurch wirklich gut auf und zeigt, dass der Autor ein Händchen für die richtige Stimmung im richtigen Moment hat. Ich war unglaublich beeindruckt von diesem Buch und hoffe, bald noch mehr von diesem Autor lesen zu dürfen.

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Archimedess avatar

Rezension zu "Dezemberfieber" von Frank O. Rudkoffsky

Sehr lesenswertes Buch mit tiefgründiger Thematik
Archimedesvor 3 Jahren

„ Dezemberfieber“ von Frank 0.Rudkoffsky, erschienen im Verlag duotincta.

Bastian wächst mit einer depressiven Mutter auf. Sein Vater tut in seinen Augen nichts, um ihr zu helfen. Als seine Mutter durch einen Sturz zu tote kommt, will er nur weg. Er lässt seinen Vater nicht mehr an sich ran. Jeden Versuch seines Vaters, mit ihm in Kontakt zu treten, blockiert er eisern ab. Sein Vater stirbt plötzlich an einem Herzinfarkt und auch seinen Hund muss er einschläfern lassen. Er bricht innerlich zusammen. Mit seiner Freundin Nina flüchtet er nach Thailand. Dort macht er mit ihr zusammen eine Rundreise, um Abstand von zu Hause zu bekommen, denn auch im Studium läuft es gerade nicht gut. Er kommt nicht zur Ruhe, Zigaretten, Alkohol und Tabletten werden sein ständiger Begleiter. Seine Eltern haben sich, als sie nicht mehr miteinander reden konnten, so eine Art „Tagebuch“ geschrieben. Bastian hatte noch nicht die Kraft es aufzuschlagen und zu lesen.
Auf einer Insel lernt er Jenny, Sven und Dirk kennen, die ihre Trauer um ihren gemeinsamen Freund Felix durch eine Art Spiel verarbeiten wollen. Bastian fühlt sich irgendwie zur abgemagerten und ausgemergelten Jenny hingezogen, obwohl sie so gar nicht sein Typ ist. Er geht mit den Dreien, ohne Nina, auf einen Tagestrip.
Ohne zu Nina zurückzukehren nimmt er die nächstbeste Fähre nach Koh Tao, wo er gleich in einer Bar landet und sich betrinkt.
Nach ein paar turbulenten Tagen, mit einigen Schrammen und einem kurzen Krankenhausaufenthalt, wird ihm einiges klar. Er schreibt Nina eine Mail, will sich mit ihr in Bangkok treffen, weil- er sie liebt-.
Fazit:
Schwere Kost, nicht leicht zu lesen und genauso wenig gleich zu versehen. Man muss sich erst in Bastian hineindenken bzw. hineinfühlen. Sehr tiefgründige und melancholische Geschichte. In der Story wird einem bewusst, vor allem als Elternteil, dass man Kindern sehr großen Schaden zufügen kann, wenn man nicht mit ihnen genug redet, auch über Probleme und Ängste. Verdrängen und totschweigen sind da keine Lösung.
Vielen Dank, dass ich bei dieser Leserunde dabei sein durfte. Dieser Roman war so ganz anders, als das, was ich bisher gelesen habe. Eine Bereicherung für mich und mein Bücherregal. Werde dieses Buch gerne weiterempfehlen, denn es lohnt sich wirklich es zu lesen.

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Gespräche aus der Community

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FrankRudkoffskys avatar

Weihnachten in den Tropen – eigentlich ein Traum! Doch statt eines entspannten Urlaubs mit Freundin Nina erlebt Bastian in Thailand sein ganz persönliches Fegefeuer: Rastlos sitzt er auf glühenden Kohlen im Paradies, geplagt von Erinnerungen an seine Kindheit in einer zerbrechenden Familie.

Im Gepäck hat Bastian ein Brieftagebuch, das er bei der Haushaltsauflösung seines verstorbenen Vaters fand. Von den Nachrichten, die sich seine Eltern darin geschrieben haben, will er aber zunächst nichts wissen - seine Angst, alte Wunden aufzureißen, ist einfach zu groß.

Als er auf eine rätselhafte Botschaft in einem Bücherregal stößt, nimmt die Reise eine unerwartete Wendung: Was als Geocaching-Abenteuer durch Thailands Nationalparks beginnt, endet für Bastian in einer selbstzerstörerischen Konfrontation mit seiner eigenen Schuld…

Voller Melancholie und trotzigem Humor erzählt Dezemberfieber von seelischen Abgründen und Menschen, die an ihrer eigenen Sprachlosigkeit zu scheitern drohen. Falls ihr Lust auf die anspruchsvolle und düstere, aber trotzdem unterhaltsame Geschichte von Bastians rastloser Rucksackreise durch Thailand bekommen habt, würde ich mich sehr freuen, mich mit euch gemeinsam in der Leserunde zu meinem Debütroman auszutauschen! 

Eine kurze Leseprobe aus dem ersten Kapitel könnt ihr euch hier herunterladen; mehr zu mir und meinem Roman findet ihr auf meinem Blog! Und als erster Vorgeschmack macht ja vielleicht auch der Trailer schon ein wenig Lust auf Dezemberfieber:

 ###YOUTUBE-ID=Sy7Ubrm7gQs###

Wenn alle ihre Bücher bekommen haben, können wir uns hier etwa ab Mitte Oktober - am besten nach der Buchmesse - über Dezemberfieber austauschen. Ich bin gespannt auf eure Eindrücke und freue mich sehr auf meine erste Leserunde! Viel Glück!

Zur Leserunde

Zusätzliche Informationen

Frank O. Rudkoffsky wurde am 30. Januar 1980 in Nordenham (Deutschland) geboren.

Frank O. Rudkoffsky im Netz:

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in 18 Bibliotheken

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