Frank Rövekamp

Alle Bücher von Frank Rövekamp

Cover des Buches Teufelskind (ISBN: 9783442473915)

Teufelskind

 (46)
Erschienen am 01.10.2010
Cover des Buches Hotel China (ISBN: 9783942584005)

Hotel China

 (5)
Erschienen am 01.12.2010

Neue Rezensionen zu Frank Rövekamp

Cover des Buches Teufelskind (ISBN: 9783442473915)Navi_M_Grays avatar

Rezension zu "Teufelskind" von Natsuo Kirino

Das Portrait einer zynischen Serienmörderin <3
Navi_M_Grayvor 5 Jahren

"Provokant, diabolisch, abgründig:
das faszinierende Psychogramm
einer Frau, die ihre Seele verlor."– Goldmann

Ich weiss gar nicht, wo ich anfangen soll...
Auf die japanische Schriftstellerin Natsuo Kirino bin ich nur zufällig gestossen. Amazon hatte sie mir vorgeschlagen. Ich klickte auf das Buch, las den Klappentext und dachte, das könnte etwas für mich sein. Kirino hatte mehrere Bücher geschrieben, welche sich nun in meinem Besitz befinden. Auf ZVAB habe ich ihre wunderbaren Werke gefunden. Zustand: Wie neu. Ich habe sowohl Taschenbücher aus auch Deckenbände erhalten, die wahrlich wie neue aussehen. Der Zustand ist jener gebrauchten Bücher ist besser, als jener der Neuware in den Filialen Orell Füsslis. Dort in den Regalen findet man oft Taschenbücher mit geknickten Rücken. Der Rücken von Teufelskind ist heil.

Ohne je ein Buch von Kirino gelesen zu haben, bestellte ich gleich alle. Dieser Entscheid war gut, denn sie werden gegenwärtig nicht mehr angeboten.

Hier kommen wir nun zum ersten Roman, jener fabelhaften Autoren, welches ich gelesen habe:


"Ich werde zu einem wahren Menschen!"
– Aiko Matsushima

In einem SatzAiko Matsushima ist eine wahre Lebenskünstlerin, die auf der Suche nach ihrem Ursprung und ihrer Mutter mordend und eiskalt durch Tokyo zieht und jeden aus dem Weg räumt, der ihr gefährlich werden könnte.

Empfehle ich dieses Buch? Wieso?はい!勿論ですよ!
Ja! Selbstverständlich!
Den Einstieg macht das Ehepaar Kadota. Misae, ehemalige Erzieherin im Kinderheim, in dem auch Aiko war, hat ihren damaligen Zögling Minoru geheiratet, der 25 Jahre jünger ist. Wir lernen die beiden kennen und fragen uns, wieso Misae mit so einem Typen zusammen ist. Minoru ist faul, ein schlampiger Zimmermann, der aktuell ohne Arbeit ist und von der Rente seiner Frau lebt, für die er sich zuweilen schämt. Allerdings nur in der Öffentlichkeit. Im Schutz des Hauses lässt er sich von ihr bedienen und verwöhnen. Kirino versteht es, unsyamptische Figuren zu gestalten, ist Minoru doch nicht der Einzige, den man prügeln möchte. Jedenfalls gehen sie in ein koreanisches Restaurant, wo ihnen die Kellnerin bekannt vorkommt. Aiko Matsushima. Ein kurzer Dialog findet statt und Misae lädt Aiko ein, ihnen Gesellschaft zu leisten. Sie gibt Aiko ausserdem ihre Adresse.
Misae und Minoru sind gerade zu hause angekommen und freuen sich auf eine, für mich sehr verstörende, Sexpraktik in dem Windeln eine grosse spielen, als es an der Tür klopft. Aiko. Sie übergiesst Misae mit Benzin und lässt es entflammen. Misae und Minoru verlassen Kapitel 1 als verkohlte Leichen.
In Kapitel 2 tauchen zwei Polizisten auf und befragen die Angestellten im Restaurant nach dem Ehepaar Kadota. Aiko spielt wunderbar und gibt Auskunft. Gleich darauf packt sie ihre Sachen und flieht ein weiteres Mal. Sie möchte Emi besuchen, eine Freundin von damals, die ein Geheimnis umgibt, welches Aiko gen Ende des Buches erfahren wird.
Aiko ist viele. Sie nimmt verschiedene Identitäten an. So wird sie Zimmermädchen bei einer Hotelinhaberin und muss auf deren verzogenen Jungen Yasushi aufpassen, den sie dann kurzerhand entführt. Dieses Gör ist derart verzogen und selbstgefällig, dass man es prügeln möchte. Aiko spielt mit dem Gedanken, ihn in den Sumida (Fluss in Tokyo) zu werfen, entscheidet sich dann aber für eine andere Option...
Aiko trifft auf Personen aus ihrer Vergangenheit. Die Einen tötet sie kaltblütig und gleichgültig. Andere lässt sie am Leben. Sie will ihre Mutter finden. Ihre leibliche Mutter. Denn Aiko ist in einem Bordell aufgewachsen. Von ihrer Mutter hat sie nur ein paar abgetragene weisse Schuhe.
Von Emi erfährt sie schliesslich, die Identität ihrer leiblichen Mutter...

Aiko ist so wunderbar abgrundtief böse, gleichgültig und kaltblütig. Sie ist eine wahre Lebenskünstlerin, für die nur zwei Digne von Bedeutung sind: Die Identität ihrer Mutter und Geld. Da ich ihre Abneigung gegen Kinder teile, war sie mir gleich noch sympathischer als ohnehin schon. ^_^

Markant ist, dass eigentlich jeder Mann in diesem Buch ein Arschloch ist. Kirino beschreibt sämtliche Männer als Paschas, die sich von ihren Frauen bedienen lassen, als wären sie Könige.
Masayo Sasaki zum Beispiel. Die Frau des Reinigungsbesitzers. Masayo hatte Nobuo geheiratet. Nicht aus Liebe, viel mehr weil dieser behauptete Geld und Landbesitz zu haben. Nobuo führte die Reinigung zusammen mit seinem Zwillingsbruder Yorio, die früher gute Kunden im Bordell waren. Masayo muss beide Männer bedienen, bekochen, hinter ihnen herräumen und auch noch in der Reinigung arbeiten. Sie wird von den beiden wie eine Sklavin behandelt. 
Die AutorinNatsuo Kirino gilt als Kämpferin. Man sagt ihr nach, sie sei kühl. Sie bricht Tabus. Ihre Romane haben eine Kontroverse ausgelöst.
Es war untypisch, gerade für Frauen, solche Romane zu verfassen. Kirino sagte einst in einem Interview, sie sei es leid, dass Frauen in Japan zwar studieren und arbeiten können, aber sobald sie heiraten und schwanger werden, wäre es das gewesen. Sie kümmern sich fortan um den Haushalt und die Familie.
In Kirino's Romanen geht es um meist um Aussenseiterinnen, die es im modernen Japan nicht geschafft haben. Wenige können sich aufrappeln und kämpfen. Sich selbst aus diesem Strudel aus Hoffnungslosigkeit befreien und den Sprung in ein halbwegs normales Leben schaffen.
Kirino identifiziert sich mit ihren Figuren.
Beispielsweise wurde sie zu einem Radiointerview eingeladen, jedoch weigerte sich der Moderator sie zu interviewen, da ihre Bücher "widerlich" wären. Kirino musste viel Kritik ertragen. Hat sie ertragen und vermochte, darüber zu stehen.

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Cover des Buches Teufelskind (ISBN: 9783442473915)Jeamis avatar

Rezension zu "Teufelskind" von Natsuo Kirino

Grausame Lebensgeschichte
Jeamivor 7 Jahren

Aiko, Weise, verbringt die ersten Jahre ihrer Kindheit in einem Bordell. Danach Heim, Pflegefamilie, wieder Heim.

Sie entwickelt sich zur Serienkillerin. Wenn sie Menschen in ihrem Umfeld nicht mehr benutzen kann, oder sie aus welchem Grund auch immer ihren Unmut erregen, tötet sie sie.

Das ist schon harte Kost, der z.T. die Gesellschaft in Japan stark kritisiert. Man lernt nur Menschen kennen, die absolut wiederwertig sind – Egoisten, Verlierer, Kriecher.

Unterhaltsam fand ich das nicht, das Buch ist grausam.

Das einzig positive – wenn man so etwas liest,
weis man erst wie gut es einem selbst geht.

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Cover des Buches Teufelskind (ISBN: 9783442473915)Zen-Colas avatar

Rezension zu "Teufelskind" von Natsuo Kirino

Leider kaum gelungen
Zen-Colavor 8 Jahren

Aiko Matsushima (der Name Aiko bedeutet übersetzt übrigens »Kind der Liebe«, was hier fast schon bizarr ist) wächst in einem Bordell auf, ohne Vater oder Mutter zu kennen. Dort arbeitet sie allerdings nicht als Prostituierte, wie der Klappentext womöglich suggeriert, sondern verbringt ihre Tage vielmehr zwischen dem Inneren des Wandschranks und den Schikanen der dort Arbeitenden. Während ihrer Jugend lebt sie in einem Heim.
Als erwachsene Frau, die nie Liebe, Wärme und Gutherzigkeit kennengelernt hat, macht sie sich auf die Suche nach ihrer Mutter - und hinterlässt eine (mehr oder weniger) blutige Spur der Rache ...

Natsuo Kirinos erster auf Deutsch vorliegender Roman »Die Umarmung des Todes« war ein wirklich starkes Buch, das irgendwo zwischen Spannung, Makabrem und authentischen Einblicken in die japanische Gesellschaft lag. Ungeachtet der hier überwiegend negativen Rezensionen wollte ich mir daher selbst einen Eindruck von »Teufelskind« verschaffen. Aber auch wenn ich mich als wohl gesonnenen Leser betrachten würde, der selbst weniger gelungenen Büchern einiges abgewinnen kann, so konnte mich dieser Roman absolut nicht überzeugen.

Die Sprache des Buches ist zwar nicht auffallend gelungen, aber doch recht solide: weder sehr kurze noch sehr lange und verschachtelte Sätze, dazu im Präteritum aus der dritten Person geschrieben. Häufig mischen sich darunter allerdings auch unvermittelt Passagen in der Ich-Form, die Gedanken widerspiegeln, ohne durch Zusätze als solche gekennzeichnet zu sein.
Außer dem Stil empfand ich jedoch nahezu alles andere als misslungen.

Das Buch ist in zwölf etwa zwanzigseitige Kapitel eingeteilt. Pro Kapitel werden meistens neue Figuren und Handlungsorte eingeführt, die sich auf unterschiedliche Weise mit Aikos Weg kreuzen. Leider sind die Figuren nicht besonders interessant oder liebevoll ausgearbeitet; die einzelnen Erzählstränge sind häufig etwas beliebig und hängen nur zusammen, weil die Autorin hier einiges an Konstruktionsaufwand betrieben hat, was am Ende dann gänzlich über den Leser hereinbricht. Es wird bereits sehr früh deutlich, dass die Figuren die jeweiligen Kapitel - besonders am Anfang - häufig nicht überleben. Das nimmt einem als Leser schon bald die Lust, sie überhaupt kennenzulernen; die Autorin gibt sich dazu kaum Mühe, sie interessant zu machen.
Aikos Motivationen sind allesamt etwas platt und alibimäßig. Zu einem Psychogramm, wie es der Klappentext verspricht, reicht ihre Figur jedenfalls nicht, dafür bleibt sie viel zu blass.
Blutig - ebenfalls auf dem Buchrücken zu finden - ist »Teufelskind« ebenso wenig. Wer einmal einen Laymon oder Ketchum gelesen hat, wird wirklich gewalttätige Stellen hier vergeblich suchen. Aber selbst wenn man die Gewaltmaßstäbe niedriger ansetzt oder die Abgründe flacher (obwohl sie ein wichtiges Element der Thematik bilden), dann geht »Teufelskind« kaum über einen Sonntagabendkrimi hinaus.

Löblicherweise befindet sich im Anhang noch ein sechsseitiges Nachwort über die Autorin. Dieses ist recht interessant und liefert knappe Einblicke in deren Werk (das um einiges größer ist als das auf Deutsch vorliegende) und Infos über ihr Anliegen sowie die von ihr stark kritisierte männlich dominierte japanische Gesellschaft.

Wer Masako Togawas Romane kennt, darf sie vom Aufbau her ein wenig als Vergleichswert nehmen. Togawas Bücher sind in meinen Augen allerdings größtenteils gelungen - vor allem dadurch, dass sie eine starke Atmosphäre und Stimmung erzeugen, die »Teufelskind« leider fehlt.

Fazit: »Teufelskind« ist weder erschütternd noch berührend; aufgrund flacher Charaktere kein Psychogramm und auch kein Entwicklungsroman; besitzt einen konstruierten und teilweise beliebigen Plot und ist somit - insbesondere im Vergleich zu ihrem vorangehenden Roman - nicht wirklich lesenswert. Hier stimmt nahezu überhaupt nichts. Schade.

Kommentare: 3
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