Anmut und Feigheit

von Frank Schulz 
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Anmut und Feigheit
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Frank Schulz nähert sich den Schlussstrichen und finalen Seufzern lebenslanger Versager leidensgenossenschaftlich.

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Inhaltsangabe zu "Anmut und Feigheit"

Liebe ist nichts für Feiglinge – Frank Schulz blickt in seinen Erzählungen hinauf zu Wolke 7 und hinab in die Abgründe der Seele
Buch des Monats August 2018 bei NDR Kultur
Die Liebe, sie trifft uns alle, und meist ist sie kein Zuckerschlecken, vor allem dann nicht, wenn die Jahre vergehen. Frank Schulz folgt seinen Protagonisten wie ein Privatdetektiv, er nimmt ihre Seelen unter die Lupe – aber er erschrickt nie über das, was er findet. Schulz, der Chronist des ganz alltäglichen Lebens und all seiner Untiefen, fängt den Klang von gesprochener Sprache ein wie niemand sonst.
Ein Juniorsenior (gerade 60) liefert sich per SMS ein Verbal-Pingpong mit seiner jungen Freundin, das so gleichberechtigt fies ist, dass man ganz verzaubert ist: das muss dann doch wohl Liebe sein! Ein Mann und eine Frau schreiben sich Briefe, die der jeweils andere immer erst zwanzig Jahre später öffnen darf. Und überhaupt: Älterwerden ist durchaus keine friedliche Angelegenheit. Wenn die Augen und das Gedächtnis zum Beispiel gerade genug nachgelassen haben, dass man sich, wie die Unternehmerwitwe im Spreewaldresort, nicht mehr sicher ist, ob der Gatte beim Wandern in die Schlucht gestürzt ist – oder ob man selbst ihn ein bisschen geschubst hat.
Frank Schulz, das wird in diesem Erzählband einmal mehr klar, kennt sich aus mit den Schwachheiten der Verliebtheit, den Feigheiten des Egos, mit den brutalen Auswüchsen von Einsamkeit, mit den herzzerreißenden Momenten der Wahrheit.
“Schulz ist ein Meister der Milieubeschreibung.” Die Zeit

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783869711737
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:336 Seiten
Verlag:Galiani Berlin ein Imprint von Kiepenheuer & Witsch
Erscheinungsdatum:16.08.2018

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    jamal_tuschickvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Frank Schulz nähert sich den Schlussstrichen und finalen Seufzern lebenslanger Versager leidensgenossenschaftlich.
    Im Mono Modus

    Der Erzählband „Anmut und Feigheit“ erklärt sich selbst zum „Prosa-Album über Leidenschaft“. Die Titelunterschrift weckt Erinnerungen an gerontologisch getunte Binsen, üb‘ immer Treu und Redlichkeit, bis an dein kühles Grab, die schönschriftlich eingetragen wurden in die Poesiealben der Anderen, sowie an die Poesie der Radiorockrezensionen: das neue Album (die neue Scheibe) der „Who“ ist im Vergleich zur letzten Scheibe (zum letzten Album) … In den Themenkreis passte eine persönliche Verbesserung vom gläubigen Absitzen deutschen Schlagerschmus auf Omas Sofa zu der Einsicht, dass Ilja Richter mit Rock nichts zu tun hat. Endlich rechnete man sich zum festen Hörerstamm des internationalen Top Ten Rodeos. Die Moderatoren versauten die Mitschnitte absichtlich mit langen Ansagen.
    Die zweite oder dritte Single-Generation spielten Tonträger mit fünfundvierzig Umdrehungen pro Minute auf Kofferapparaten mit (im Deckel) integriertem Lautsprecher mitunter noch im Mono Modus ab.
    Nun ist alles Mono. In „Anmut und Feigheit“ versammelt Frank Schulz Artefakte einer untergegangenen Welt von Neckermann nicht zuletzt. Seine in der Ereignisarmut Ergrauten und Eingestaubten biegen nach einer Serie von Fehlstarts im Augenblick der Handlungsgegenwart auf ihren Zielgeraden ein, um endlich zu erkennen, dass sie ein Leben lang kein Land gewinnen konnten. Sie kehren zurück in die Bruchbuden ihrer Herkunft und scheitern als Heimkehrer noch einmal. Zur individuellen Lebensleistung „verkrachte Existenz“ kommt der Raubbau am Vertrauten. Das örtliche Wahrzeichen, ein majestätischer Kastanienbaum, wird gefällt und Hinni Heitmanns Kneipe geschliffen. Das erlebt Bodo, der als Journalist und Romancier genretypisch scheiterte, und nun auch noch seine kleinen Hoffnungen auf einen Daseinsrest vor Kindheitskulissen begraben muss. Man sieht förmlich die im Bart hängengebliebenen Bröckchen schlichter Mahlzeiten im Rahmen eines schlichten Lebenszuschnitts. Die Bescheidenheit schnürt ihm die Kehle zu. Hohn und Häme treiben ihn seinem Grab entgegen.
    Einer Bodo-Variante namens Kortsch erweiterte ein Schlaganfall zum Sechzigsten den Hades Horizont. Hinter ihm liegen sechs Jahre mit der dreiundzwanzig Jahre jüngeren Yvonne. Kortsch trägt sich zünftig, allein ihm fehlt der Glaube an die eigene Konkurrenzfähigkeit. Trotzdem strapaziert er sich noch präpotent auf den Zufallsgipfeln einmaliger Gastspiele. Den postkoitalen Bekenntnissen unter Fremden, die ihre Müdigkeit mit nachträglichen Erregungen abwehren, dichtet er einen Reiz an.
    Schulz nähert sich den Schlussschlichen und finalen Seufzern seiner Versager leidensgenossenschaftlich. Verkürzt zitiert er eine Einsicht von Bette Davis: Old age ain‘t no place for sissies.

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