Frank Spilker Es interessiert mich nicht, aber das kann ich nicht beweisen

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Inhaltsangabe zu „Es interessiert mich nicht, aber das kann ich nicht beweisen“ von Frank Spilker

Alles geht den Bach runter: Die Freundin ist weg, sein Grafikbüro in Hamburg pleite – Thomas Troppelmann wächst alles über den Kopf. Er setzt sich in den Zug, lässt sich durch Deutschland und durch seine Erinnerungen treiben, bis er sich plötzlich in einem Kurort wiederfindet, in dem er schon als Kind nicht sein wollte... Frank Spilker, Kopf der legendären Hamburger Band "Die Sterne", erzählt eine Geschichte vom Niedergang, und das so lässig und lakonisch, dass man seinem Helden liebend gern folgt.

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    Es interessiert mich nicht, aber das kann ich nicht beweisen
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    28. May 2013 um 13:19

      „Ich habe das Gefühl, dass die meisten hier nur gelandet sind, weil wie woanders gar nicht funktionieren würden“.   Hier, das heißt bei „Tropical Design“. Einer Art Grafik Büro (im weitesten Sinne), in dem ein loser Verband von Individualisten zusammensitzt, jeder seine eigene Suppe kocht und der spießige Hausmeister Schröter mehr und mehr seine Macht zeigt.   Ein Laden, zusammengehalten bis dato von Thomas Troppelmann. Wobei das eher nach außen nur so wirkt. Man sollte nicht zu genau den wachsenden Stapel schlichtweg ungeöffneter Post auf seinem Tisch betrachten, nicht näher nachfragen, wie das mit den Miezahlungen ist, mit neuen Aufträgen. Ist eben so, dass diesen Thomas das alles kaum mehr am Rande interessiert. Nicht erst, aber doch verstärkt, seit Andrea ihn verlassen hat. Und er glatt vergessen hat, den befristeten Mietvertrag turnusgemäß zu verlängern.   Auch den vielleicht einzig möglichen rettenden Auftrag, das Artwork für eine neue Platte eines angesagten Musikers zu gestalten, versemmelt Troppelmann. Das „Klick, Klick“ des Kugelschreibers scheint ihm interessanter, Erinnerungen an in Ferienlager in der Kindheit präsenter. Setzt er sich eben in den Zug, nimmt er Anrufe und Nachrichten auf dem Handy kaum mehr entgegen und lässt sich treiben. In die Vergangenheit. Frischt eine damalige Kurzbekanntschaft zu einer Frau auf. Krankenschwester, spießig eben, was ich  abstößt. So könnte er nicht und doch geht ihm die Sicherheit dieses Lebensentwurfes nach. Fährt „nach Hause“ ins Elternhaus. Nur eine Nacht. Vorbei in seiner beschützenden Funktion schon lange. Und sucht den Ort des damaligen Ferienlagers. Denn dort wollte er auch nicht sein und dem will er nachspüren. Warum auch immer.   Krise eben. Handfeste Lebenskrise eines Mannes (und damit steht er nicht allein im Buch), der auf gedachte „kreative Weise“ nicht weiterkommt und in unprätentiöser „normaler Weise“ einfach nicht will. Das liest der Leser schnell heraus, dass diese „Normalen“ alle irgendwie „krank“ sind in der Bewertungsskala der ach so legeren Kreativen, die doch nur von einem Tag zum nächsten taumeln, mehr beschäftigt tun als es tatsächlich wären.   So nicht wollen und anders nun  scheitern, das scheinen die Pole zu sein, die nicht nur für Troppelmann im Raum stehen. Auch die anderen Figuren, vor allem, jene, die mit ihm das Büro teilen, halten die Augen lieber bedeckt und geschlossen. Wie Caren, die sich im Lauf der Geschichte gar dort einschließen wird.   „Alle haben so eine Neigung, einfach nicht aufmachen zu wollen, wenn  das Geld vor der Tür steht“. Durchaus auf den Punkt beschreibt Spilker die Atmosphäre in den entsprechenden Szene-Kneipen auf St. Pauli. Immer die gleichen Gespräche, immer das gleiche sich heran werfen an die paar Figuren, die  ein wenig nach Erfolg riechen. Im wahrsten Sinne des Wortes fällt hier „die Decke auf den Kopf“. In der Bildsprache des Romans bröckelt das Leben der „Kreativen im Alter“ in dicken Brocken aus der Decke.   Sprachlich fein und unaufgeregt transportiert Spilker durchaus emotional fassbar ein inneres wegdriften eines Lebensentwurfes der Gegenwart, nicht nur bei Grafik-Designern..   Genauso wenig aber, wie die Protagonisten, allen voran Troppelmann, sich in ihrem Leben noch zurechtfinden, findet auch der Leser sich an vielen  Stellen im Buch zurecht. Selbst die Frage, ob das alles so geschieht oder Troppelmann nur Tagträumen nachgeht, ist nicht ganz eindeutig zu klären. Nicht nur die öfter verschwundene Gedlbörse (und das an Orten, die er bewusst im Buch gar nicht besucht hat), spricht hier eine nicht klar einzuordnende Sprache.   Bewusst künstlerisch und kreativ und hintergründig konzipiert erscheint der Roman und damit über weite Strecken doch ein wenig künstlich in seinem Bemühen, die Lebenskrise einer ganz besonderen Gruppe vorzuführen. Sprachlich durchaus gut zu lesen in seinem unaufgeregten Stil verliert sich der Leser dennoch zu oft in belanglos wirkenden Erzählfäden und einem Ende, das nicht wirklich etwas auflöst. So ist das Titelbild eine gut gewählte Darstellung des Buches und seiner Wirkung. Mit dem Gesicht zur Wand in der Ecke.  Nichts genaues sieht man (und will das auch nicht).

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