Frank Westerman Das Schicksal der weißen Pferde

(6)

Lovelybooks Bewertung

  • 7 Bibliotheken
  • 1 Follower
  • 0 Leser
  • 5 Rezensionen
(5)
(1)
(0)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Das Schicksal der weißen Pferde“ von Frank Westerman

Ein brillanter, ein magischer Erzähler(The Sunday Times) Frank Westerman erzählt die Geschichte des 20. Jahrhunderts im Spiegel der Geschichte der Lipizzaner-Pferde. Der Leser verfolgt atemlos mit, wie gekrönte Häupter und Diktatoren um die „perfekten Tiere“ kämpften - und gewinnt dabei erstaunliche Erkenntnisse über das Selbstverständnis des Menschen und sein Streben nach eigener Perfektion. „Wenn du einen Lipizzaner berührst, berührst du Geschichte“, wurde Frank Westerman als Kind belehrt. Dass diese Geschichte unheimlich und abgründig ist, hat er Jahre später als reisender Journalist und Schriftsteller auf den Spuren der Lipizzaner erfahren. Sie beginnt im heute slowenischen Lipica und in der Spanischen Hofreitschule zu Wien, wo die „lebenden Kronjuwelen“ des Habsburgerreiches ausgebildet werden. Nach dem Ersten Weltkrieg streiten sich Italiener, Österreicher und Tschechen um die wertvolle Zucht. Hitler begeistert sich für die weißen Pferde und bringt sie unter seine Kontrolle. 1945 evakuieren die Amerikaner die überlebenden Tiere in einer abenteuerlichen Aktion vor den Truppen Stalins und liefern damit den Stoff für einen Hollywood-Film. Schließlich wird in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens heftig um die Pferde gestritten. Frank Westerman versteht es meisterhaft, uns am Beispiel der Lipizzaner die Träume von Reinheit und Perfektion vor Augen zu führen, die im 20. Jahrhundert zu unzähligen Katastrophen geführt haben, aber bis heute lebendig sind.

Stöbern in Biografie

Slawa und seine Frauen

Im Osten nichts Neues. In Israel auch nicht. Nett zu lesen, mehr aber auch nicht.

ulrikerabe

Gegen alle Regeln

biografischer, düsterer, regelrecht depressiv wirkender "Roman"

Buchmagie

Eisgesang

Toller Reisebericht, der auch Einblicke in die Gedanken und Gefühle der Autorin gibt.

MissPommes

Einmal Gilmore Girl, immer Gilmore Girl

Witzige Einblicke in Lauren Grahams Leben. Als wäre man mit ihr in Lukes Diner zum Kaffee verabredet. Herrlich!

I_like_stories

Neben der Spur, aber auf dem Weg

Ein tolles Buch, das ADS endlich auch für nichtbetroffene Greifbar und Erklärbar macht und das betroffenen Mut gibt. Danke!

I_like_stories

Farbenblind

Tragisch, ergreifend und wissenswert werden hier Einblicke in das Apartheidsystem Südafrikas gewährt, mit etwas Humor gewürzt.

sommerlese

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Rezension zu "Das Schicksal der weißen Pferde" von Frank Westerman

    Das Schicksal der weißen Pferde
    Kirschbluetensommer

    Kirschbluetensommer

    INHALT Frank Westerman schildert in seinem Buch die europäische Geschichte am Beispiel der Lipizzaner nach. Lipizzaner sind aufgrund ihrer schneeweißen Farbe ein Bild für Reinheit und Perfektion. Alle möglichen Länder stritten um sie. Ihre Geschichte beginnt im slowenischen Lipica und dehnt sich aus über die Spanische Hofreitschule in Wien und andere europäische Länder. Hitler riss sich um die Pferde. 1945 werden sie von den Amerikanern in Sicherheit gebracht. Ihre spektakuläre Flucht ist hollywoodreif. Aber der Kampf um die Pferde ist noch nicht vorbei - bis ins Jahr 2007 reicht er hinein ins ehemalige Jugoslawien. REZENSION Das Buch ist gut geschrieben und berichtet detailreich über die Anfänge des 20. Jahrhunderts, die beiden Weltkriege und den Balkankrieg. Nüchterne Fakten über Genetik, Politik und Geschichte wechseln sich mit Anekdoten über berühmte Züchter und Bereiter, sowie verschiedene Pferde ab. Besonders berührt hat mich die Anekdote, als vier Pferde den Amerikanern entfliehen, die sie retten wollen, und wieder in ihre Boxen zurück kehren und damit ihrem Züchter ihre Treue zeigen. Auf dem Umschlag ist eine Szene aus dem Film "Miracle of the White Stallions" zu sehen. Das schlichte, weiße Buch ist mit diesem Schutzumschlag versehen und spiegelt dadurch wunderbar die Reinheit der Lipizzaner wider. Das Schriftbild ist gut leserlich. Interessant sind auch die verschiedenen Karten mit den Routen der Pferde, die am Anfang jedes größeren Abschnitts vorhanden sind. Der Anfang erscheint etwas sprunghaft - ebenso wird im Prolog und im ersten Kapitel ein jeweils anderer Ich-Erzähler verwendet. Dadurch fällt es dem Leser möglicherweise schwerer sich auf den Inhalt einzulassen. Dennoch - Frank Westerman versteht es, die Lipizzaner mit der Geschichte Europas zu verbinden. Er scheut sich dabei aber auch nicht, kritische, ethische Fragen über Gentechnik und -forschung aufzuwerfen. Er zeigt auf, dass die Züchtung der Pferde oft sehr eng mit der jeweiligen Ideologie verbunden war und wie die Ansätze von Lamarck und Mendel im Laufe der Zeit durch Regimes missbraucht wurden. Interessant fand ich es daher, dass Frank Westerman die Genforschung und ihr Technik genauer unter die Lupe nimmt und kritisch hinterfragt. FAZIT Frank Westerman wurde als Jugendlicher einmal gesagt: "Wenn du einen Lipizzaner berührst, berührst du Geschichte." (S. 25) Auf sein Buch "Die Schicksal der weißen Pferde. Eine andere Geschichte des 20. Jahrhunderts" trifft dies auch eindeutig zu. Wer sein Buch in den Händen hält, hält ebenfalls Geschichte in den Händen und noch viel mehr. Allerdings ist es weniger für die breite Masse, als vielmehr für Pferdeliebhaber und Geschichtefans geeignet.

    Mehr
    • 4
    Kirschbluetensommer

    Kirschbluetensommer

    07. March 2014 um 20:39
  • Rezension zu "Das Schicksal der weißen Pferde" von Frank Westerman

    Das Schicksal der weißen Pferde
    Svanvithe

    Svanvithe

    08. November 2012 um 13:22

    Fallen euch bei weißen Pferden auch immer die Lipizzaner ein? Die älteste Kulturpferderasse der Welt. Mir geht es so, zumindest seit meiner ersten "Begegnung" mit den Lippizanern im Jahre 2009. Da war die Spanische Hofreitschule Wien zu Gast in Berlin, und ich bekam für die Vorführung eine Karte geschenkt. Natürlich hatte ich vorher schon von den weißen Pferden gehört, jedoch sie "life" zu sehen war ein Erlebnis. Deshalb war es auch keine Frage, dass ich auch dieses Buch lesen wollte. Geschrieben hat es Frank Westerman. Ein Niederländer, der als Kind seine erste Berührung mit Lipizzanern hatte und sich als Erwachsener auf deren Spuren in der Geschichte begibt. Eine andere Geschichte des 20. Jahrhunderts. Und das ist das besondere an diesem Buch. Es liest sich wie ein Roman und nicht - so war meine ursprüngliche Erwartung - wie eine wissenschaftliche Abhandlung der Geschichte eines berühmtes Pferdes. Denn nicht nur darum geht es. Der Autor schildert Ereignisse in der Ich-Form, lässt uns direkt an seiner Recherche teilhaben und fügt geschichtliche Hintergründe ein. Das Buch gliedert sich im Hauptteil auf in die Zeit der Napoleonischen Kriege bis zum Ersten Weltkrieg, den Zweiten Weltkrieg und dem Krieg auf den Balkan in den Neunziger Jahren. Dabei werden den drei großen Abschnitten jeweils Karten vorangestellt, aus denen der Leser ersehen kann, welche Fluchtwege und vor allem wie viele die Lipizzaner zu absolvieren hatten. Ursprünglich befand sich die Zuchtstätte der Pferde in Lipica (heutiges Slowenien), und die edlen Tiere waren der Habsburger Monarchie vorbehalten. Auf Grund ihrer Eigenschaften: elegant, athletisch und mutig, körperlich und mental stark, lebhaft, aber gutmütig, kontaktfreudig und mit einer schnellen Auffassungsgabe versehen, waren und sind sie für die Hohe Schule der Dressur hervorragend geeignet (Davon konnte ich mich bei der Aufführung der Spanischen Hofreitschule Wien selbst überzeugen.). Möglich wurde das durch die jahrhundertelange Zucht, wobei die Lipizzanerrasse aus genau sechs Hengstfamilien (Blutlinien mit den Vatersnamen Conversano, Favory, Pluto, Neapolitano, Siglavy und Maestoso) besteht. Deshalb spielt im Buch auch die Vererbung (Mendelschen Gesetze, könnt ihr euch erinnern?) eine Rolle. Dabei beschränkt sich der Autor nicht nur auf die "Verbesserung" der Pferde, sondern lässt auch seine Wertung hinsichtlich der "Selektion" des Menschen einfließen. Das macht Westerman sehr gekonnt. Der gesamte Schreibstil des Autors ist intelligent und ausdrucksstark, berührend und auch humorvoll, die Übersetzung empfinde ich als gelungen. Manchmal hätte ich mir doch eins, zwei Fotos gewünscht, denn bis auf das Umschlagbild und die Karten ist das Buch absolut frei davon. Als Pferdefreundin hat mich zwar besonders das Schicksal der Lipizzaner bewegt, aber das "Drumherum" war für mich wissenserweiternd.

    Mehr
  • Rezension zu "Das Schicksal der weißen Pferde" von Frank Westerman

    Das Schicksal der weißen Pferde
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    10. August 2012 um 13:28

    Verlag: C.H. Beck Preis: 19,95€ Seiten: 287 Kurzbeschreibung: Frank Westerman erzählt die Geschichte des 20. Jahrhunderts im Spiegel der Geschichte der Lipizzaner-Pferde. Der Leser verfolgt atemlos mit, wie gekrönte Häupter und Diktatoren um die "perfekten Tiere" kämpften - und gewinnt dabei erstaunliche Erkenntnisse über das Selbstverständnis des Menschen und sein Streben nach eigener Perfektion. Cover: Das Buch selbst ist in schlichtem Weiß gehalten: Die Farbe der meisten Lipizzaner. Vorne auf dem Cover ist eine Herde abgebildet, die von Panzern und Soldaten angetrieben wird. Man sieht die weißen Pferde zusammen mit Fohlen, wie sie laufen. Dieses Bild zeigt schon einen der Inhalt des Buches: Die Flucht der Lipizzaner. Zitat: „Pferderennen konnte man Piet zufolge am besten mit den jährlichen Motorradrennen in Assen vergleichen. Doch auch die verfeinerten Bewegungsarten waren ihm nicht raffiniert genug. Springen war Leichtathletik. Dressur: Turnen. Was wir auf De Tarpan betrieben, was „klassische Reitkunst“, und der Name sagte es schon: Es war Kunst. Ballett.“ –Seite 24 Details und meine Meinung: Dreht man den Buchumschlag um, liest man zuerst den Klappentext und dann drei Zitate über das Buch. In diesen wird der Autor als „magischer Erzähler“ bezeichnet. Wichtiger finde ich jedoch das dritte Zitat von René Aguigah: „Dass Westerman seine Detejtiv-Recherche reportagehaft erzählt, bringt doppelten Ertrag: Er macht die Geschichte Lesern zugänglich, die eine herkömmliche historische Studie zum selben Thema aus der Hand legen würden.“ Das hat mich neugierig gemacht. Ist es wirklich eine historische Studie? Ja. Aber das merkt man überhaupt nicht. Man glaubt einen Roman zu lesen, während man an die Gentechnologie herangeführt wird, an all die Kriege und historischen Ereignisse des zwanzigsten Jahrhunderts, an biografisch-ähnlichen Geschichten von wichtigen Personen und natürlich lernt man die Geschichte der Lipizzaner kennen. Und zwar nicht nur die Wiener Lipizzaner, sondern alle. Ich muss zugeben, am Anfang war ich etwas skeptisch, doch der Schreibstil war von der ersten Seite an überzeugend! Aufgeteilt ist das Buch in drei Teile und vor jedem Teil ist eine Karte gedruckt, die die Fluchtwege und Wanderrouten der Lipizzaner zeigt, damit man sich all die genannten Orte auch zuordnen kann. Auch wenn man manchmal fast den Überblick bei so vielen Namen und Orten und Daten verliert, kommt man irgendwie doch immer wieder rein. Man lernt die Lipizzaner kennen, auch berühmte Pferde mit ihrer Abstammung, aber man lernt auch etwas über die Zucht der edlen Tiere und ihre Entstehung. Man lernt die fünf Abstammungslinien kennen, allen voran der schwarze Conversano, dessen Gene immer wieder manchmal vorkommen und einen der seltenen schwarzen Lipizzaner hervorbringen. Gene, ein weiteres wichtiges Thema des Buches. Wie Gene vererbt werden (übrigens auf den Seiten 86 und 87 sehr anschaulich anhand des Fruchtfliegenexperiments erläutert) und die verschiedenen Theorien darüber, von Mendel bis Hitler und Stalin bis zu Genforschern des 21. Jahrhunderts kommt alles vor. Und wenn man all das gelesen hat, fühlt man sich eindeutig schlauer. Biologie und Geschichte, die einem untergejubelt werden, während man glaubt, einen Roman zu lesen. Und ich musste mir immer wieder sagen, dass all das, was in diesem Buch steht, real und nicht fiktiv ist. Mich hat das Buch sogar sehr berührt, nämlich als die Lipizzaner nach dem Zweiten Weltkrieg in die amerikanische Besatzungszone gebracht werden sollten (zu ihrem Schutz) und ein ungefähr fünfzehn der Hengste ausbrachen. Oberst Rudofsky blieb in dem leeren Gestüt zurück und wartete auf die Russen, als vier der Hengst zurückkehrten und ein Stallbursche ihm davon berichtete. Der Stallbursche nannte sie alle beim Namen, denn sie standen in ihren eigenen Boxen. Aber es geht nicht nur um Geschichte, denn noch vor wenigen Jahren (vielleicht auch immer noch) wurde das Gestüt in Lipica wiedereröffnet und einige der Lipizzaner von einem Tierquäler befreit. Anhand der Lipizzaner zeigt uns der Autor die Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts und noch ein wenig darüber hinaus. Es geht um die Sicht des Menschen, erläutert dadurch, wie er mit den edlen Pferden umgeht. Und genau das sieht man auf der letzten Seite (274): Sie fasst sich wieder und sagt: „Sie haben die grausamste Facette der Natur gesehen.“ „Nein“, korrigierte Mile sie. „Die grausamste Facette der menschlichen Natur.“ Es heißt auf Seite 25: „Wenn du einen Lipizzaner berührst, berührst du Geschichte.“ Aber wenn man das Buch berührt, dann berührt man die Geschichte der Lipizzaner, die Westerman für Nicht-Historiker aufgeschrieben hat, damit Pferdeliebhaber und Geschichtsbegeisterte sie kennenlernen können. Fazit: Interviews, Filmanalysen, Bücher, Zitate; all das verbindet Westerman geschickt und schafft damit ein Buch, das sowohl spannend als auch informativ ist und vor allem, aber nicht nur, für Pferdefreunde ein Muss. Wie würde ich das Buch in einem Satz beschreiben? Spannendes Sachbuch mit einer gelungenen Mischung aus Theorie und Erzählung.

    Mehr
  • Rezension zu "Das Schicksal der weißen Pferde" von Frank Westerman

    Das Schicksal der weißen Pferde
    Carol-Grayson

    Carol-Grayson

    14. June 2012 um 20:57

    Es handelt sich um eine Hardcoverausgabe mit Schutzumschlag, darauf eine Szene aus einem amerikanischen Film aus dem Jahre 1963 über die Flucht der Lipizzaner. Innen ist das Buch reinweiß gehalten, was wunderbar zu der Thematik paßt. Der Autor schreibt in biographischen Zügen aber dennoch mit dem Esprit und den Dialogen eines Romans. So weckt er die Neugier an diesem Thema beim Leser. Getrieben von seiner eigenen Neugier folgt den Spuren der weißen Pferde zurück in die Vergangenheit, welche diese mit den Menschen teilen. Er stellt fest: Jeder Stammbaum eines reinblütigen Lipizzaners führt vom Mittelalter bis in die Neuzeit. Man spürt beim Lesen, dass Frank Westerman echtes Interesse an diesen Tieren hat, an ihrem besonderen "Blut", das in alter Zeit nur den Adelshäusern vorbehalten war. Selbst die ausführliche, doch eher trockene wissenschaftliche Beschreibung der Entwicklung der Genetik ist auch für Laien gut und spannend zu lesen. Fasziniert von diesen Pferden, verliert Westerman auch die Tragik ihres Werdegangs nicht aus den Augen. Diese Pferde haben im Laufe ihrer Geschichte fast ganz Europa durchquert auf der Flucht vor Kriegsherren und Eroberern! Erklärend dazu beinhaltet das Buch einige historische Karten. Dabei beschränkt der Autor sich nicht auf die uns bekannten historischen Zahlen und Fakten, sondern blickt nüchtern und zugleich philosophisch zurück anhand von Begegnungen mit Menschen, die sich diesen Tieren gewidmet haben, in Gesprächen und durch eigene Reisen. Er geht wie ein guter Journalist einzelnen Spuren nach, die durch das Pedigree einer dieser Hengste belegt sind. Das Schicksal der Lipizzaner ist ein Teil deutscher und europäischer Geschichte, untrennbar mit uns allen verbunden. Viele Ereignisse gerade aus der jüngsten Vergangenheit wurden und werden totgeschwiegen, doch in diesen schönen Tieren lebt etwas davon weiter. Etwas, das uns auch das Gute im Menschen zeigt, nicht nur die kriegerische Seite. Fazit: Ein wundervolles, lehrreiches Buch mit Liebe zum Detail geschrieben.

    Mehr
  • Rezension zu "Das Schicksal der weißen Pferde" von Frank Westerman

    Das Schicksal der weißen Pferde
    Fantasie_und_Träumerei

    Fantasie_und_Träumerei

    29. February 2012 um 13:43

    KLAPPENTEXT: „Wenn du einen Lipizzaner berührst, berührst du Geschichte“, wurde Frank Westermann als Kind belehrt. Dass diese Geschichte unheimlich und abgründig ist, hat er Jahre später als reisender Journalist und Schriftsteller auf den Spuren der Lipizzaner erfahren. Sie beginnt im heute slowenischen Lipica und in der Spanischen Hofreitschule zu Wien, wo die „lebenden Kronjuwelen“ des Habsburgerreiches ausgebildet werden. Nach dem Ersten Weltkrieg streiten sich Italiener, Österreicher und Tschechen um die wertvolle Zucht. Hitler begeistert sich für die weißen Pferde und bringt sie unter seine Kontrolle. 1945 evakuieren die Amerikaner die überlebenden Tiere in der abenteuerlichen „Operation Cowboy“ vor den Truppen Stalins und liefern damit den Stoff für einen Hollywood-Film. Schließlich wird in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens heftig um die Pferde gestritten. Frank Westermann versteht es meisterhaft, uns am Beispiel der Lipizzaner die Träume von Reinheit und Perfektion vor Augen zu führen, die im 20. Jahrhundert zu unzähligen Katastrophen geführt haben, aber bis heute lebendig sind. ZUM AUTOR: (Quelle: Verlag C.H.Beck) Frank Westermann, geboren 1964 in den Niederlanden, Journalist und Schriftsteller, ist ein Meister der literarischen Reportage. Er studierte Agrarwissenschaften, bevor er als Auslandskorrespondent für zwei große Tageszeitungen aus Russland und Osteuropa berichtete. Seine Bücher wurden in mehr als zehn Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. EIGENE MEINUNG: Ich kann nicht genau sagen, welche Wirkung dieses Buch auf Menschen hat, die nichts mit Pferden zu tun haben, aber für mich als Pferdebesitzerin, -züchterin und -ausbilderin ist es ein wunderschönes Schätzchen, denn es erzählt von einer der edelsten Pferderassen, die gerade durch ihre geringe Anzahl und auserlesene Zucht, aber auch durch ihre penible Ausbildung etwas besonderes sind im Reich der Pferde. Damit „Das Schicksal der weißen Pferde“ jedoch nicht nur ein Buch für Pferdeinteressierte wird, ist es auch ein Buch mit sehr vielen geschichtlichen Details. Wie der Untertitel verrät „Eine Geschichte des 20. Jahrhunderts. Frank Westermann zeigt auf, wie viele Parallelen es in der Zucht der Lipizzaner und dem Verhalten, der Denkweise der Menschheit es im letzten Jahrhundert gibt. Der Einstieg in das Buch ist berührend. Im Epilog geht es um einen Jungen, dessen Vater eine Hengsstation hat, die zwar den Krieg bisher einigermaßen überstanden hat, nun aber doch mit den Pferden vor den immer näher rückenden Russen flieht. Der Junge hat Angst, sein Leben zu verlieren oder entführt zu werden, doch alles, woran das Interesse der ausländischen Kämpfer besteht, sind die beiden Lipizzaner. Ein Epilog, der mir schon jede Menge Gänsehaut verursacht hat. Dann springt der Autor in der Zeit, und wir treffen ihn als kleinen Jungen in einer Reitschule, in der er das erste Mal mit einem Lipizzaner zusammen trifft. Dort begegnet er nicht nur einem Vertreter dieser Rasse als solches, sondern auch mit der damit zusammenhängenden Tradition von Disziplin und Ordnung. Heut zu Tage gibt es so viele Pferderassen, für die selbstverständlich unterschiedliche Zuchtkriterien festgelegt sind. Für keine jedoch sind diese so streng wie für die Rasse der Lipizzaner, denn diese Pferde sind königlich. Gezüchtet für die Habsburger Monarchen, die damit ihre Stärke, ihre Eleganz und ihre Einzigartigkeit zum Ausdruck zu bringen gedachten. Ein Pferd, das von Perfektion durch zogen sein sollte. Nur die besten wurden dafür ausgesucht, begründet auf Stuten, die im 16. Jahrhundert von iberischen Eroberern mit nach Europa gebracht wurden. Das Gründungsgestüt Lipica, das sich im habsburgischen Reich befand (heutiges Slowenien), liegt in den Bergen. In dieser kargen Gegend sollten die Pferde, geprägt durch ihre Umwelt, einen robusten und zielstrebigen Charakter, mit dem Drang zum Kämpfen bekommen. Lange Zeit wurden nur weiße Pferde zur Zucht zugelassen, die man durch enge Blutführung herauskristallisiert hatte. Später dann auch einige Rappen, doch die Schimmelfarbe ist eigentlich beständig und kennzeichnend für diese Rasse. Auch die Ausbildung dieser Pferde ist etwas ganz besonderes. In der spanischen Hofreitschule in Wien, die vom Gestüt in Piber, Österreich, beliefert wird, werden nur die besten und edelsten der Hengste zu wahren Tänzern ausgebildet. Jedes Pferd hat seinen eigenen Pfleger und Trainer, der unter militärischer Disziplin dafür sorgt, dass aus einem Rohling ein Diamant geschliffen wird. Die klassische Dressur wird fast nirgendwo auf der Welt so praktiziert, wie dort. Nur einige wenige andere Hofreitschulen gibt es noch. Lange Zeit war es schier unmöglich eins der Pferde aus dem habsburgischen Besitz heraus zu kaufen. Obwohl es dem Autor vermutlich mehr darum geht, wie die geschichtliche Entwicklung, nicht nur unbedingt die der Pferde, sondern auch die der Bevölkerung, von statten ging, lag mein Hauptaugenmerk doch auf den Pferden. Auch, wenn der Autor, den Drang der Zivilisation zu einer perfekten Übereinkunft zu kommen, heraus heben möchte, gingen mir die Geschichten, die sich rund um die Lipizzaner, besonders um ihre Geschichte und Entwicklung, drehten, doch sehr nahe und haben mich so berührt, dass ich sehr oft Gänsehaut hatte. Obwohl ich aufgrund großem Interesses schon sehr viel Vorwissen über Lipizzaner hatte, habe ich doch noch sehr viel neues gelernt. Und auch was Geschichte und vor allem Gesellschaftskritische Aspekte angeht, hat mich Frank Westermann, sehr zum Nachdenken angeregt. Denn wer hätte gedacht, dass eine Pferderasse, und sei sie noch so edel, solch eine Gier und Machtkonflikte auslöst? Die Schreibe des Autors ist sehr flüssig und bildlich, so dass man fast das Gefühl hat, einen Roman und kein Sachbuch zu lesen. Er ist ein wunderbarer Erzähler, doch manchmal wurde ich ruckartig zurück ins Sachbuch gerissen, manchmal in einer anderen Zeit als zuvor, kam aus dem Gefühl eigentlich einen Roman zu lesen heraus, was manchmal etwas holperig war, aber dem Buch im Großen und Ganzen keine gravierenden negativen Punkte einbringt. FAZIT: „Das Schicksal der weißen Pferde“ ist ein bewegendes Buch über die adeligste aller Pferderassen. Über Fanatismus und Religion. Ein Buch, das sehr schön geschrieben und lehrreich ist, unterhält und zum Nachdenken anregt.

    Mehr