Frank Witzel

 2.9 Sterne bei 28 Bewertungen
Frank Witzel

Lebenslauf von Frank Witzel

Meister des bizarren Humors: Frank Witzel wurde 1955 in Wiesbaden geboren und ist ein wahres Multitalent. Denn bevor er als Schriftsteller durchstartete, studierte er zunächst am Konservatorium Wiesbaden Klassische Musik. Schon als Kind hatte er diverse Instrumente wie Gitarre, Cello oder Klavier zu spielen gelernt. Ab 1975 begann er, Gedichte zu schreiben und in alternativen Literaturzeitschriften herauszubringen. Seinen ersten Lyrikband „Stille Tage in Cliché“ veröffentlichte er 1978 bei Nautilus. Später betätigte er sich zudem als Zeichner und Radiomoderator. Bekannt wurde Frank Witzel aber vor allem als Romanautor. 2001 erschien sein Debüt „Bluemoon Baby“. Darin verknüpft er die Geschichte eines Gymnasiallehrers aus Mittelhessen mit bizarren weiteren Handlungssträngen. So hat der knochenlose Spion Douglas Douglas Jr. einen unvergesslichen Auftritt. Philosophische Betrachtungen und Verschwörungstheorien werden mit Elementen des Spionageromans verwoben und mit Anspielungen auf Popkultur und Literatur gespickt. Auch in „Revolution und Heimarbeit“ (2003) und „Vondenloh“ (2008) bleibt Witzel diesem Erzählstil treu. Für das Romanfragment „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“ erhielt Witzel 2012 den Robert-Gernhardt-Preis. Nach Fertigstellung wurde er mit dem Deutschen Buchpreis geehrt. Frank Witzel lebt in Offenbach.

Neue Bücher

Vondenloh
Neu erschienen am 31.08.2018 als Taschenbuch bei Matthes & Seitz Berlin.

Alle Bücher von Frank Witzel

Sortieren:
Buchformat:
Frank WitzelDie Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969
Frank WitzelBluemoon Baby
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Bluemoon Baby
Bluemoon Baby
 (1)
Erschienen am 10.04.2017
Frank WitzelBRD Noir (Fröhliche Wissenschaft)
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
BRD Noir (Fröhliche Wissenschaft)
BRD Noir (Fröhliche Wissenschaft)
 (1)
Erschienen am 21.03.2016
Frank WitzelGrund unter Grund
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Grund unter Grund
Grund unter Grund
 (0)
Erschienen am 22.01.2018
Frank WitzelDirekt danach und kurz davor
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Direkt danach und kurz davor
Direkt danach und kurz davor
 (0)
Erschienen am 01.09.2017
Frank WitzelVondenloh
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Vondenloh
Vondenloh
 (0)
Erschienen am 31.08.2018
Frank WitzelRevolution und Heimarbeit
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Revolution und Heimarbeit
Revolution und Heimarbeit
 (0)
Erschienen am 01.08.2003
Frank WitzelVondenloh
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Vondenloh
Vondenloh
 (0)
Erschienen am 15.08.2008

Videos zum Autor

Neue Rezensionen zu Frank Witzel

Neu
fynnas avatar

Seit Weihnachten lag dieses Buch bei mir herum, ich hatte es mir gewünscht, nachdem es durch den Buchpreise 2015 so viel Aufmerksamkeit bekam und fand, dass es irgendwie interessant klang. Jetzt, im Sommer, habe ich entschieden, es auch mal zu lesen, und zwar im Urlaub (kann ich jedem empfehlen, man braucht echt Zeit), also den ganzen Tag nur am See rumliegen und sich auf dieses wirklich ... umfangreiche Werk, so kann man es wohl nennen, konzentrieren.

Um ehrlich zu sein, mit dem, was dann kam hab ich nicht gerechnet. So richtig viel hab ich mir nicht gedacht, als ich angefangen habe zu lesen, war nur nach ein paar Seiten schon sehr verwirrt. Denn eine Geschichte wird nicht erzählt, nicht stringent zumindest, schon gar nicht im herkömmlichen Sinne. Vielmehr aus gefühlt hundert Perspektiven und Formen des Schreibens.
Der Titel ist eigentlich ein großes Geschenk des Autors, denn er hilft anfangs ungemein, er fasst das ganze Buch gut zusammen und bietet zumindest einen Anhaltspunkt: Es geht um einen Jungen, zur Zeit der RAF, der sich allerlei zusammenfantasiert um sich selbst, seine Zeit zu verstehen. Denn da, wo die Logik und das Wissen aufhören, setzt eben die Imagination ein. Und was damals in der BRD so vor sich ging, die Stimmung im besagten Sommer 1969, Vergangenheit oder Zukunft, Katholizismus und RAF, die Beatles oder die Rolling Stones ... die lässt sich nur so beschreiben. In einem Interview sagte der Autor, er versuche sich einem Gefühl zu nähern, von allen Seiten, und das trifft es ziemlich gut.

Passagen, in denen der Protagonist sich selbst als Mitglied der RAF erlebt, Halluzinationen und verquere Abhandlungen über den Nationalsozialismus, monströse Fußnoten, Fantasien über seinen Vater als herzlose Machtgestalt "der Fabrikant", wahrscheinlich fiktive Dialoge eines Verhörs, inzwischen erwachsen, Philosophie, scheinbar Zusammenhangloses, das sich erst später erklärt oder auch nicht, Abhandlungen, Biografien ... Dieses Buch hat so unglaublich viel zu bieten. Es ist stellenweise tief, philosophisch, dann wieder komplett skurril, scheinbar Nonsense, manchmal eine ganz normale Erzählung.
Und ich habe bei weitem nicht alles verstanden, schon gar nicht alle Anspielungen und Witze, weil ich diese Zeit nicht miterlebt habe. Aber ein paar. Und die fand ich super. Ich denke, das ist etwas, was man als potentieller Leser vorher wissen sollte: Man wird sich bestimmt langweilen, quälen, für dämlich und ungebildet halten und aufgeben wollen, doch man wird auch belohnt. Mit wunderschönen Sätzen und Poesie. Mit neuen Gedanken und bekannten, eigenen Gedanken, die man niedergeschrieben noch nie gelesen hat. Das ist das Schöne, es ist für jeden was da bei, dieses Buch ist eine Schatzkiste und es überrascht immer aufs neue. Es erreicht viel tiefere Ebenen als eine normal erzählte Geschichte, es dringt in die menschliche Psyche und beleuchtet jeden Gedanken, jede Assoziation und das ist etwas Besonderes.

Ich möchte dieses Buch jedem empfehlen, der sich für Literatur interessiert und Überraschungen mag. Am besten auch Zeit mitbringen und sich nicht abschrecken lassen. Denn als ich wieder im Alltag angekommen war und mir noch 200 Seiten fehlten haben die sich auf einmal unendlich gezogen. Ich denke auch nicht, dass ich wirklich in der Lage bin, dieses Buch zu bewerten, weil ich des öfteren nicht folgen konnte. Aber ich fand es trotz allem genial!
Der Deutsche Buchpreis war mit Sicherheit verdient und ich bin froh, durchgehalten zu haben. So etwas habe ich vorher nämlich noch nie gelesen. Also lasst euch drauf ein, lasst euch verwirren, amüsieren, bilden, sprachlos machen ...



Kommentieren0
11
Teilen
ChrischiDs avatar

Sollte ein Teenager sich nicht eher mit belangloseren Dingen den Tag vertreiben als sich über Politik Gedanken zu machen? Mit Freunden harmlose Streiche aushecken anstatt über Krankheit und Tod zu referieren? Vielleicht liegt es aber auch einfach an der Zeit, in der sich das Geschehen abspielt, voller Umbruch und Wandel, dass man gar nicht ein solches Teenagerleben führen konnte wie es heutzutage gemeinhin, manches Mal auch klischeebehaftet, angesehen wird...

Frank Witzel hat in Printform einen wahrlichen Wälzer vorgelegt, dem man schon ein wenig Respekt entgegen bringt und sich lieber zweimal fragt, ob man sich wirklich an das Werk herantraut. Das Hörbuch, vom Autor selbst gelesen, ist zwar gekürzt, mit 760 Minuten auf 10 CDs aber immer noch beachtlich und sollte nicht unterschätzt werden.

Schon früh wird klar, dass man sich voll und ganz auf das gesprochene Wort einlassen muss und zunächst nicht alles hinterfragen sollte, sonst ist man gleich verloren. Der rote Faden nämlich ist zwar durchaus vorhanden, auch wenn einem das erst reichlich spät klar wird, nur eben nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Fast wirkt die Erzählung zusammengestückelt, ohne Hand und Fuß, von A nach B über C und D hüpfend. Auch nach einer wahrhaftigen Aussage wird lange Zeit gesucht. Es ist nicht so, dass Inhalt oder Interpretation schlecht wären, vielmehr hat man als Hörer das Gefühl nicht der angesprochenen Zielgruppe zu entsprechen, vielleicht sogar manche Zusammenhänge nicht zu begreifen, selbst wenn man sie mehrfach hört.

Am ehesten lässt sich dieses Werk wohl als außergewöhnlich betiteln. Sämtliche Emotionen werden während des Hörens angesprochen, hin und wieder ist man sogar mit sich uneins was man denn nun fühlen soll. Bis man allerdings darüber nachgedacht hat, ist der Autor bereits drei Schritte weiter, was aber egal ist, man wird sicherlich zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal darauf zurückkommen.

Kommt es zu Beschreibungen tatsächlicher geschichtlicher Ereignisse, fühlt man sich plötzlich sicher, denn damit befindet man sich auf einem Terrain, das man einschätzen kann. Aber auch hier darf man sich niemals zu sehr treiben lassen, denn die Übergänge zum Abstrakten sind fließend. Was ist Realität, was Fiktion und wobei handelt es sich um Wahnvorstellungen? Nicht immer wird man dahinterkommen womit man es gerade zu tun hat, aber einen Versuch ist es wert. Sprachlich wird eine arg bedrückende Atmosphäre übermittelt, die zwar großartig zum Inhalt passt, dem Hörer aber mehr und mehr aufs Gemüt schlägt, so dass man zwischenzeitlich sogar geneigt ist etwas anderes, aufbauenderes hören zu wollen.

Kommentieren0
4
Teilen
leseleas avatar

Rezension zu "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969" von Frank Witzel

Der Versuch einer Rezension durch eine gefordert-überforderte Leserin im Frühjahr 2016
leseleavor 3 Jahren

...aber in diesen Aufzeichnungen geht es mir vor allem darum, ganz persönliche Dinge zu schildern, Erfahrungen, Gedanken, die nicht immer ganz zu Ende gedacht sind... (S. 707)

Für sein knapp 800 Seiten umfassendes Werk mit dem Titel Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969 hat Frank Witzel 2015 den Deutschen Buchpreis erhalten. Zu Recht? Meiner laienhaften Meinung schon. Denn Witzels Roman ist – wenn er denn überhaupt ein „Roman“ ist – ein waghalsiges Literaturexperiment, eine Collage an Stilen, Techniken, Erzählweisen, Perspektiven, ein Sammelsurium nahezu aller Möglichkeiten, wie eine Geschichte erzählt werden kann – oder eben auch nicht.

Doch zunächst: Worum geht es in diesem Buch? Eine einfache Frage, die jedoch schwer zu beantworten ist. Vordergründig geht es um das, was der Titel bereits ankündigt: Ein Teenager durchlebt den Sommer 1969. Seine Mutter ist seit einem Schlaganfall pflegebedürftig, der Vater ein erfolgreicher Fabrikant, aber distanziert gegenüber dem Sohn (so empfindet es dieser zumindest). Der Familie, zu der auch noch ein kleiner Bruder gehört, wird eine Pflegekraft der Caritas zugeteilt. Der Teenager ist auf der Suche nach Märtyrern, wie er sie aus den Lehren der katholischen Kirche kennt, beziehungsweise nach Helden, wie sie die damalige Popwelt hervorbringt. Diese Sehnsucht und die generell labile psychische Verfassung des Jungen lässt ihn die Organisation RAF 1913 imaginieren, bestehend aus ihm und seinen Freunden Bernd und Claudia, die „Anschläge“ auf die Dorfstruktur unternimmt. Zwischendurch befindet sich der Junge sowohl im Sanatorium als auch im Konvent. Im Erwachsenenalter wird der einstige Teenager schließlich zu seiner Mitgliedschaft in der RAF befragt – die doch eigentlich nur Imagination war, oder? Gleichzeitig begibt sich der erwachsene Teenager, der seiner Meinung nach immer noch an einer Art Wahnsinn leidet, erneut in Therapie. Viele Kapitel zeigen ihn als Patienten, im Ringen mit seiner Krankheit.

So habe ich den Inhalt verstanden. Ob ich damit richtig liege, zweifle ich teilweise selber an. Diese vermeintliche Story, die ich hier versucht habe, zusammenzufassen, wird nämlich keines Falls chronologisch-linear erzählt. Stattdessen springt der Erzähler zwischen den Zeiten und Orten. Mehr noch: Er springt zwischen den Perspektiven und den Erzählweisen und zwar in einem Ausmaß, dass der Kern der Geschichte gefühlte 100 Mal erzählt wird, doch auf 100 verschiedene Weisen –  zum Teil sogar verfremdet, dass es braucht, bis man versteht, dass man immer noch die gleiche Geschichte liest. Allein deswegen kann ich nur jedem, der wissen will, „worum es denn in dem Buchpreis-Buch geht“, raten, es selber zu lesen.

Ich denke, ich kreise immer nur um dasselbe? – Ja, immer nur um sich. In Variationen eben. (S. 321)

...weil ich mich immer nur im Kreis drehe mit meinen Ausreden und Ablenkungen, anstatt mich einmal hinzusetzen und das alles ein für alle Mal aufzuarbeiten und mich einfach mal zu erinnern, soweit das eben gehe, und dann das Erinnerte aufzuschreiben... (S. 486)

Doch all diesen Interessierten sein auch gesagt, dass es in Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969 weniger darum geht, was erzählt wird – zumindest weniger um das, was auf konkreter Handlungsebene passiert. Vielmehr verhandelt Frank Witzel in seinem Werk verschiedene Themenkomplexe des westlichen Kulturkreises, er beschreibt das Lebensgefühl in der damals immer noch jungen BRD und nähert sich der politischen und gesellschaftlichen Stimmung in den 1960er/1970er-Jahren an. Um das Buch also thematisch zu durchdringen, kann es nur hilfreich sein, ein Zeitgenosse Witzel zu sein (ich mit meinem Geburtsjahr 1991 war in diesem Punkte schon aufgeschmissen) und/oder ein Studium der Theologie, Philosophie, Literatur und Kulturgeschichte absolviert zu haben bzw. sich diesen Themen im Selbstunterricht ein wenig angeeignet zu haben. Denn je mehr man „weiß“, desto mehr Spaß (ja das geht bei diesem Buch tatsächlich!) hat man bei der Lektüre: Witzels Erzähler ist nämlich nichts heilig, für ihn ist nichts unantastbar und so belacht, kritisiert, ironisiert er all das von ihm Angesprochene bzw. stellt das vermeintliche Wissen auf den Kopf. Die Fülle an Themen hat mich als Leser erschlagen, zugleich aber tief beeindruckt.

Vor allem aber geht es, wie bereits angedeutet, darum, wie erzählt wird. Witzel präsentiert in seinem Buch eine Vielzahl von Techniken und Erzählweisen: auktorialer Erzähler, innerer Monolog; Theaterstücke, Interviews, Reden, Abzählreime; Biographien; theoretische Diskurse, fiktive Erzählungen in der wiederum fiktiven Erzählung, Träume etc. Sein Buch ist ein Experiment, er probiert aus, wie man erzählen kann, wie man am besten zum Kern eines Gedanken vordringen und ihn Rezipienten nahebringen kann. Er spielt auf diesen 800 Seiten eindeutig mit den Möglichkeiten, die Literatur uns bietet. In dieser Hinsicht erscheint mir das Buch zudem sehr persönlich: Hier hat einer Autor alles ausprobiert, was er je ausprobieren wollte – ohne Rücksicht, ob ihm der spätere Rezipient in Erzählinhalt und -weise noch folgen kann.

Das Spiel des Erzählers bzw. des Autors wird jedoch noch weitergeführt. Immer wieder verschwimmen im Erzählten die Grenzen zwischen Imagination und Realität, zwischen Erinnertem und Tatsachen. Damit verhandelt Witzel auch Fragen, die das Wesen von Literatur betreffen: Wie verhält sich Fiktion zur Wahrheit? Wann wird Fiktion wahr? Besitzt das Wahre nicht immer auch ein Funken Fiktion? Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969 ist definitiv ein Buch, das auch auf Metaebene mit interessanten Gesichtspunkten aufwartet, die zukünftigen Literaturwissenschaftlern sicherlich eine Menge Freude bereiten wird (wenn man sich für solche Momente poetologischer Reflexion begeistern kann).

... um mich vielleicht an das zu erinnern, an das ich mich nicht erinnern kann, und um vielleicht das zu erleben, was ich nicht erlebt habe... (S. 90)

...weil ich nicht sachlich bleiben kann und mir immer was dazudenken muss, immer von etwas anderem reden muss, immer Dinge in Verbindung bringen muss, die andere getrennt halten... (S. 101)

Weil ich jetzt weiß, dass ich mir auch da nicht über den Weg trauen kann. – Wo: da? - Beim Erinnern. –  Und? Ist das so tragisch? – Nein, im Gegenteil, das erleichtert mich. Das erleichtert mich wirklich ungemein. (S. 193)

Weil Sie bislang dachten, die Realität sei der Literatur nachgeordnet, und jetzt feststellen müssen, dass Sie sich noch nicht einmal ansatzweise vorstellen können, was in Wirklichkeit los. (S. 501)

Mir fällt es schwer, mich gegenüber diesem Buch zu positionieren: Es hat mich überfordert, angeödet, genervt, dumm fühlen lassen. Zugleich fand ich es auf positive Weise wahnsinnig, interessant, ungemein kreativ und auch amüsant. Oft hatte ich das Gefühl, den Dreh heraus zu haben, nur um im nächsten Kapitel erneut wie der Ochs vorm Berg zu stehen. Ich konnte es kaum am Stück lesen, habe aber zugleich jede Unterbrechung als fatal empfunden, da ich wieder mühselig in eine Geschichte hereinfinden musste, die sich mir doch von Anfang an entzogen hat. Viele Kapitel gingen ganz an mir vorbei: Das war kein Lesen, sondern ein Aneinanderreihen von Buchstaben, die für mich keinen Sinn ergaben. Gleichzeitig besitzt Witzels Sprache für mich einen guten Klang, er kann mit Worten und Bandwurm-Sätzen begeistern – auch wenn sie manchmal unverständlich bleiben.

Ich sehe mich nicht wirklich in der Lage das Buch zu bewerten und tue es trotzdem. Damit bin ich vermutlich genauso widersprüchlich wie Witzels Roman. Ich stehe tief beeindruckt und erstaunt vor diesem Buch, doch ich muss sagen, an vielen Stellen war es mir trotzdem einfach zu viel des Guten, des Kreativen, des Wahnsinnigen. Auch wenn ich Witzels Leistung anerkennen kann, mein Eindruck war häufig doch der, dass hier nur noch der Autor selber durchblickt, aber kein noch so gebildeter, intelligenter, aufgeweckter Leser. Vermutlich hat dieses Buch jeden Preis und jeden Stern verdient, mein Gefühl lässt mich aber trotzdem nur 4 Sterne vergeben: Viele Passagen schienen mir für den Leser komplett verstellt, ein Zugang nicht möglich. Das ist schade, denn an diesem Buch beißt man sich so oder so schon die Zähne aus, es hätte nicht immer weiter hochgeschraubt werden müssen. Auch zweifle ich ein bisschen, ob man für das, was Witzel durchspielen wollte, wirklich über 800 Seiten benötigt oder ein paar Seiten weniger es nicht ebenso hätten ausdrücken können.

Summa summarum: Ich habe viele Worte für wenig Inhalt verbraucht, dabei will ich doch nur eins sagen: Probiert es aus, aber seid gewarnt, ihr lasst euch auf den absoluten Wahnsinn ein!

Kommentare: 6
63
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu
TinaLiests avatar


Seit dem 19. August steht es fest: Die Jury des Deutschen Buchpreises 2015 hat die Longlist aus 20 Büchern zusammengestellt.
Hier seht ihr die komplette Liste!

Wir haben für euch nun wie im letzten Jahr eine besondere Aktion erdacht: Ihr habt in den ersten Septemberwochen die Möglichkeit, den Autoren, die es mit ihren Büchern auf die Longlist geschafft haben, Fragen zu stellen & auch ihre Bücher zu gewinnen!

Wir haben bereits Zusagen von Autoren aus dem Klett-Cotta Verlag, dem Verbrecher Verlag, dem Literaturverlag Droschl, dem Verlag Matthes & Seitz und dem Hanser Verlag. Diese Liste ist aber noch nicht final und wird womöglich noch um weitere Fragerunden und Termine ergänzt.

Hier die Termine für die Fragerunden, die bisher feststehen:

Dienstag, 1. September 2015:
Anke Stelling - "Bodentiefe Fenster"
Hier geht es zur Fragerunde!

Montag, 7. September 2015:
Gertraud Klemm - "Aberland"
Hier geht es zur Fragerunde!

Dienstag, 8. September 2015:
Monique Schwitter - "Eins im Andern"
Hier geht es zur Fragerunde!

Mittwoch, 9. September 2015:
Steffen Kopetzky - "Risiko"
Hier geht es zur Fragerunde!

Donnerstag, 10. September 2015:
Frank Witzel - "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969"
Hier geht es zur Fragerunde!

Sonntag, 13. September 2015
Rolf Lappert - "Über den Winter"
Hier geht es zur Fragerunde!

Dienstag, 15. September 2015
Vladimir Vertlib - "Lucia Binar und die russische Seele"
Hier geht es zur Fragerunde!

Sobald die Fragerunden eröffnet sind, werden wir sie auch hier verlinken. Ihr könnt den Autoren am jeweiligen Tag im entsprechenden Thema (also nicht hier im Thema!) Fragen stellen, die sie euch dann natürlich auch beantworten. Wenn ihr an der Verlosung teilnehmen möchtet, achtet bitte darauf, dass ihr eure Fragen über den blauen "Jetzt Bewerben"-Button stellt. Bitte beachtet außerdem, dass die Fragerunden teilweise nicht bis Mitternacht geöffnet sein werden, sondern die letzten Fragen schon am Abend gestellt werden müssen! Wie auch bei unseren Fragefreitagen werden wir unter allen Fragestellern einige Exemplare der Bücher verlosen, mit denen die Autoren nominiert sind.

Unter den Teilnehmern an allen Fragerunden verlosen wir 1 riesiges Buchpaket mit ALLEN Büchern aus der Longlist 2015:
Hier im Thema könnt ihr zwar keine Fragen stellen, aber ganz wunderbar diskutieren! Habt ihr schon eines oder sogar mehrere der Bücher gelesen? Welches ist euer Favorit für den Buchpreis?

Ich wünsche euch ganz viel Spaß bei den Fragerunden und bin gespannt auf eure Meinungen!

vielleser18s avatar
Letzter Beitrag von  vielleser18vor 3 Jahren
Danke, hatte ich noch gar nicht gesehen !
Zum Thema
Fussel1986s avatar

Fragerunde mit Frank Witzel, dem Autor von "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969"

Im Rahmen unserer Aktion rund um die Longlist des Deutschen Buchpreises 2015 habt ihr die Chance, den Autoren, die mit ihren Werken nominiert sind, Fragen zu stellen und ihre Bücher zu gewinnen. Hier könnt ihr für euren Longlist-Favoriten abstimmen!

Wir freuen uns sehr, am Donnerstag, dem 10.09. Frank Witzel in unserer Fragerunde begrüßen zu dürfen, der mit seinem Roman "Die Erfindung der RAF durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969" eine explosive Mischung aus Geschichten und Geschichte, Welterklärung, Reflexion und Fantasie geschaffen hat!

Habt ihr Lust, mehr über den Autoren, seine Arbeit oder seinen fantastischen "Roman mit Langzeitwirkung" zu erfahren? Dann verpasst nicht die Chance, eure Fragen in der Fragerunde loszuwerden!

Mehr zum Buch
Gudrun Ensslin eine Indianersquaw aus braunem Plastik und Andreas Baader ein Ritter in schwarzglänzender Rüstung? Die Welt des kindlichen Erzählers dieses mitreißenden Romans, der den Kosmos der alten BRD wiederauferstehen lässt, ist nicht minder real als die politischen Ereignisse, die jene Jahre in Atem halten und auf die sich der 13-Jährige seinen ganz eigenen Reim macht. Frank Witzel ist es in dieser groß angelegten fantastischen literarischen Rekonstruktion des westlichen Teils Deutschlands gelungen, ein Spiegelkabinett der Geschichte im Kopf eines Heranwachsenden zu errichten. Erinnerungen an das Nachkriegsdeutschland, Ahnungen vom Deutschen Herbst und Betrachtungen der aktuellen Gegenwart entrücken ihn dabei immer weiter seiner Umwelt.

Neugierig geworden? Hier geht es zur Leseprobe!

Mehr zum Autor
Frank Witzel wurde 1955 in Wiesbaden geboren. Er ist Schriftsteller, Musiker, Zeichner und lebt in Offenbach. Sein Romandebüt "Bluemoon Baby" wurde 2001 veröffentlicht. Weitere Romane folgten, daneben verfasste Witzel Essays und Gedichte. Das Buch "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969" ist 2015 für den Deutschen Buchpreis nominiert.

Zusammen mit dem Verlag Matthes & Seitz Berlin verlosen wir unter allen, die über den blauen "Jetzt bewerben"-Button  mindestens eine Frage an Frank Witzel stellen, 1 Exemplar von "Die Erfindung der RAF durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969"! Wer bei allen Fragerunden mit den Longlist-Autoren mitmacht, hat zusätzlich die Chance auf ein großes Buchpaket, vollgepackt mit allen nominierten Werken!

Frank Witzel wird am Donnerstag, dem 10. September 2015 voraussichtlich bis ca. 20 Uhr eure Fragen beantworten - die Fragerunde wird also unter Umständen nicht bis Mitternacht geöffnet sein! Bitte habt Verständnis dafür, dass wir die Fragerunde dann dementsprechend auch schließen.

Viel Spaß allerseits und wir freuen uns auf eure Fragen!
Zur Buchverlosung
W
Im Roman 'Rock, Rinder und die Posaunen der Poesie' erinnert sich der Feuilletonredakteur Friedrich an die Zeit, als er als Neunzehnjähriger Anfang der achtziger Jahre seine alle bisherigen Kategorien sprengende, große Liebe Lena kennengelernt hat. In einer bilderreichen, anarchisch-wilden Sprache schildert er den Dauerrausch ihrer Verliebtheit. Darüber hinaus schreibt er über sein geborgenes und abenteuerliches, aber auch spannungsreiches Leben auf dem Land in Hessen. Im Fokus stehen dabei die Erlebnisse Friedrichs mit seinen Freunden Herbert, Norbert, Kunz und Holger und ihre Verwandlung von braven Schülern zu poetischen, obsessiv nach dem Sinn des Lebens suchenden und subversiven Landhippies, die ungebärdig gegen fast alles und jeden aus der Erwachsenenwelt revoltieren. Eine wichtige Rolle dabei spielt die seelische Befreiung und die Anstiftung zum intensiven Leben durch die Rock- und Folkmusik der Gegenkultur. Auch die Freiheit und Respektlosigkeit der Literatur, der Kunst (Vincent van Gogh) und der modernen Theologie wie auch der Philosophie haben Friedrich und seinen Freunden den Mut zum Protest gegen das erstarrte Bestehende gegeben und sie zu einem freien Leben im Einklang mit ihrer Persönlichkeit und also zu einem ungestüm-poetischen Leben inspiriert.
Zur Buchverlosung

Zusätzliche Informationen

Frank Witzel im Netz:

Community-Statistik

in 72 Bibliotheken

auf 16 Wunschlisten

von 6 Lesern aktuell gelesen

von 2 Lesern gefolgt

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks