Franklin Foer

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Autor von Welt ohne Geist, How Soccer Explains the World und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Franklin Foer

Welt ohne Geist

Welt ohne Geist

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Erschienen am 03.09.2018
Wie man mit Fußball die Welt erklärt

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Erschienen am 15.02.2006
How Soccer Explains the World

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Erschienen am 11.05.2010

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Rezension zu "Welt ohne Geist" von Franklin Foer

Wie das Silicon Valley freies Denken und Selbstbestimmung bedroht
HansDurrervor 2 Monaten

Schon auf den ersten Seiten von Welt ohne Geist. Wie das Silicon Valley freies Denken und Selbstbestimmung bedroht stosse ich auf einen Gedanken, der mich verblüfft und fasziniert und den ich in einem Buch über die Auswirkungen des Silicon Valley nicht erwartet hätte. Ich meine den Hinweis auf die Fertigmahlzeiten, die seit Jahren zum festen Bestandteil unserer Essgewohnheiten gehören. Als die Fertiggerichte über unsere Küchen hereinbrachen, kam das einer Revolution gleich – unser Leben wurde bequemer und effizienter. Und natürlich hatte das seinen Preis, den wir anfangs nicht richtig wahrnahmen und vielen auch heute noch nicht wirklich bewusst ist: Diese Gerichte machten uns nämlich nicht nur dick, sie veränderten auch, da sie mit Unmengen von Salz und Fett zubereitet werden, unseren Gaumen.
 
Für die Herstellung unserer Fertigmahlzeiten werden gewaltige Mengen von Fleisch und Mais benötigt werden; die ungeheure Nachfrage nach diesen hat ein ganz neues System der industriellen Landwirtschaft hervorgebracht, in dem etwa Hühner in Käfige gepfercht und mit Antibiotika vollgestopft werden. „Doch ehe uns klar wurde, was diese neue Ernährung mit uns anstellt, waren unsere Hüften, unsere Lebenserwartung, unsere Seele und unser Planet bereits in Mitleidenschaft gezogen“, schreibt Franklin Foer, der eine Parallele zwischen Ernährungsrevolution und der Technologierevolution sieht, in der wir uns gerade befinden. Bei beiden triumphiert die Bequemlichkeit und Effizienz über alle anderen Werte.
 
Technologiekonzerne wie Facebook und Google, so Foer, hätten eine Welt geschaffen, in der die Grenze zwischen Wahrheit und Lüge verschwimme und sich falsche Informationen wie Viren verbreiteten. Na ja, ist man da versucht einzuwenden, mit der Wahrheit hatte es der Mensch noch nie so besonders und zwischen Richtig und Falsch zu unterscheiden, war schon immer eine Kunst. Andererseits, und da ist dem Autor beizustimmen, hat die Technologie uns weit mehr im Griff (ständig werden wir überwacht und abgelenkt), als wir es gemeinhin merken, denn sie haben ungeheuren Einfluss worauf wir unsere Aufmerksamkeit, unser wertvollstes Kapital, richten.
 
„Mark Zuckerbergs Krieg gegen den freien Willen“ ist eines der Kapitel überschrieben, damit wird einzelnen Menschen, die Journalisten gerne als Leader hochstilisieren, eine Bedeutung gegeben, die sie schlicht nicht haben. Entscheidender ist die Macht der Algorithmen. Diese wurden entwickelt, „um das Denken zu automatisieren, den Menschen schwierige Entscheidungen abzunehmen und strittige Diskussionen beizulegen.“
 

Am Anfang des Algorithmus steht Gottfried Wilhelm Leibniz, ein ungeheuer produktives Genie, der in ganz unterschiedlichen Feldern kreativ war. „Unter anderem erfand er die Integral- und Differenzialrechnung, verfasste Aufsätze über Metaphysik und Theologie, entwarf Uhren, Windmühlen und U-Boote und sprach sich für ein öffentliches Gesundheitswesen aus.“ Zudem propagierte er das mechanische Denken – er arbeitete an einer Maschine, die Konzepte kombinierte und dividierte und von der er hoffte, sie würde dereinst Streitigkeiten überflüssig machen, „denn die Wahrheit stand auf dem festen Boden der Mathematik.“
 
Die Verfahren, die das mechanische Denken ermöglichen, werden heute Algorithmen genannt. „Algorithmen erfassen lediglich das Verfahren zur Lösung eines Problems und sagen nichts darüber aus, wohin diese Schritte schliesslich führen.“ Es geht um Reduktion – komplexe Prozesse müssen auf Binäres, eine Reihe von Entweder/Oder-Fragen, heruntergebrochen werden.
 
Das Silicon Valley verheisst uns Pluralismus und Individualität. Wir sind gut beraten, solchen Verheissungen (wie Verheissungen überhaupt) zu misstrauen, vor allem, wenn damit viel Geld gemacht wird.
 
Franklin Foer sorgt sich um einen funktionierenden Wettbewerb. „Unsere Vorstellung einer freien Marktwirtschaft ist in Gefahr. Die Verbreitung von Lügen und Verschwörungstheorien in den sozialen Medien und das Verschwinden einer gemeinsamen Faktengrundlage schaffen die Voraussetzungen für autoritäre Herrschaft.“ Als Gegenmittel empfiehlt er, selbstständig zu denken. Gut möglich, dass man dabei zum Schluss kommt, dass das Grundübel im Wettbewerbsdenken liegt.

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