Frans de Waal

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Autor von Der Affe in uns, Der Affe und der Sushimeister und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Frans de Waal

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Der Affe und der Sushimeister

Der Affe und der Sushimeister

 (8)
Erschienen am 01.02.2005
Primaten und Philosophen

Primaten und Philosophen

 (4)
Erschienen am 01.02.2011
Das Prinzip Empathie

Das Prinzip Empathie

 (3)
Erschienen am 01.01.2011
Der Mensch, der Bonobo und die Zehn Gebote

Der Mensch, der Bonobo und die Zehn Gebote

 (2)
Erschienen am 14.11.2016
Eine schöne Verwandtschaft

Eine schöne Verwandtschaft

 (1)
Erschienen am 01.03.2004
Der gute Affe

Der gute Affe

 (1)
Erschienen am 15.03.1997
Der Affe in uns

Der Affe in uns

 (13)
Erschienen am 01.09.2009

Neue Rezensionen zu Frans de Waal

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Rezension zu "Eine schöne Verwandtschaft" von Frans de Waal

Unsere tierische Verwandtschaft
annluvor einem Monat

*Auch für Leute, die keine Primatenforscher sind, sind die Affen Verwandtschaft, wenn nicht im buchstäblichen Sinne, dann zumindest im größeren Zusammenhang der Verbindung des Menschen zur Natur.*


Frans de Waal ist seit mehreren Jahrzehnten Primatenforscher. Er beobachtet die Tiere, ist mit ihnen vertraut und gibt in diesem Bildband eine Vielzahl an alltäglichen und besonderen Situationen wieder, die das Leben der Affen im Zoo aber auch in der freien Natur erfassen. Begleitet werden die schwarz-weiß Fotografien von erklärenden Texten.



Der Bildband zeigt über hundert Fotografien, die vom Autor selbst gemacht wurden. Durch seine Forschungstätigkeit bedingt hat er einen engen Kontakt zu den in Gefangenschaft lebenden Tieren, sodass ihm außergewöhnliche Bilder gelangen. Ein Drittel des Buches zeigt Schimpansen, ein Drittel Bonobos und das restliche ist auf Makaken, Kapuzineraffen und Paviane verteilt. So werden die wichtigsten Menschenaffen aber auch ihre Verwandten vorgestellt.


Obwohl es möglich ist, die Doppelseiten (je ein Foto und eine Erklärung) in selbst bestimmter Reihenfolge zu bestaunen, stehen sie in einem losen Zusammenhang. Die Bilder sind dabei nicht nur nach der Ästhetik ausgewählt, sondern zeigen immer eine Besonderheit, die der Autor durch den begleitenden Text hervorhebt. In der Einleitung spricht er zwar an, dass es sich bei diesem Buch nicht um ein wissenschaftliches Werk handelt, dennoch sprechen sein Wissen und viele Fakten aus den Begleittexten.


Dem Autor liegt es am Herzen, dass der Leser die Primaten durch seine Augen sieht und sie nicht nur als instinktgesteuerte Wesen kennenlernt. Seine Botschaft ist deutlich – er will allen zeigen, dass besonders die Menschenaffen zu Emotionen fähig sind, soziale Verbindungen eingehen und in manchem nicht so weit von uns Menschen entfernt stehen. Dies ist ihm durch seine gut aufgearbeiteten Texte aber auch durch die Vielzahl an besonderen Fotografien gelungen.


Fazit: Frans de Waal hatte ich schon als Autor kennengelernt, der durch seine Bücher überzeugen konnte. Hier sind es die Akteure selbst – die Primaten - die durch die Nennung ihres Namens, die Beschreibung ihrer Eigenheiten und die sehr schönen Bilder die Botschaft des Buches übermitteln. Für mich ist es ein Buch, das ich immer wieder gerne zur Hand nehmen werde um von neuem zu staunen.

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Rezension zu "Der Affe in uns" von Frans de Waal

Suche den Affen in dir!
annluvor 2 Jahren

Persönlich bin ich dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen – aus Zimperlichkeit geborene Euphemismen haben im wissenschaftlichen Diskurs nichts zu suchen.

Was macht den Mensch so einzigartig? Hat er nicht mehr mit seinen nächsten Verwandten gemein, als angenommen? In diesem Buch wird ein Vergleich gezogen zwischen dem Mensch und seinem Verhalten und den Menschenaffen. Neben einfachen Vergleichen und Annekdoten aus dem Leben seiner Schützlinge betrachtet Frans de Waal die menschlichen Eigenschaften Machtsuche, sexuelles Verlangen, Gewaltbereitschaft und Sanftmut genauer und vergleicht uns dabei mit den Affen. Er betrachtet besonders Schimpansen und Bonobos – der eine als „aggressiver Mörder“, der andere als „erotischer Friedensstifter“. Allerdings stellt er selbst klar, dass diese Aussagen Verallgemeinerungen sind und beiden Arten sowohl gute als auch schlechte Eigenschaften zueigen sind – genauso, wie den Menschen.


Neben dem sehr interessanten Thema war es hier der Schreibstil, der mich überzeugen konnte. Basierend auf wissenschaftlichen Untersuchungen und jahrelangen Beobachtungen erzählt de Waal zu den einzelnen Themen vor sich hin, vermischt dabei einfache Vergleiche mit Erzählungen zum Verhalten der Affen, Ereignissen aus seinem Leben und Vergleichen zu anderen Wissenschaftlern und deren Aussagen. So war das Buch nicht nur herrlich leicht zu lesen, sondern dabei auch noch unterhaltsam.

Faszinierend fand ich dabei wie persönlich die Geschichten um „seine“ Affen klangen. Nicht nur werden sie mit Namen und eigenem Charakter vorgestellt, man spürte auch den engen Kontakt, den er zu den Tieren pflegte. Durch das immer wieder Auftauchen einzelner Affen hatte auch ich das Gefühl, einige davon näher kennenzulernen.

Besonders in seinen Vergleichen zur gesellschaftlichen Meinung brachte de Waal seine persönliche Meinung zum Ausdruck. Dabei konnte er mitunter auch sarkastisch werden. Unterhaltend – besonders durch den Spott, den er manchmal zum Ausdruck bringt – waren für mich auch die ab und zu eingefügten Annekdoten in denen er sich mit anderen Wissenschaftlern auseinandersetzt.

Die Themen, die er anschneidet sind nicht immer Charaktereigenschaften, die der Mensch sich gerne zugesteht. Seien es die Gier nach Macht, als auch der Reiz sexueller Erfahrungen werden gerne verschleiert. De Waal spricht hier sehr offen und direkt die einzelnen Begebenheiten an, nennt sie beim Namen und versucht nicht umständlich zu umschreiben. Besonders auffallend war das beim Thema Sex, der bei den Bonobos in unterschiedlichen Varianten und Ausprägungen vorkommt. Ich war schon sehr gespannt darauf, wie er hier Bezüge zum Menschen ziehen wird.

Indem er immer wieder auf die Menschenaffen zurückgreift, will de Waal hier klarstellen, dass viele der menschlichen Eigenschaften gar nicht so rein menschlich sind. Dennoch ist das Hauptobjekt der Betrachtungen weder der Schimpanse noch der Bonobo, sondern der Mensch mit seinem Verhalten und sozialen Systemen.

Überraschend war für mich, dass sich hinter den negativ oder positiv assoziierten Kapitelüberschriften immer auch das Gegenteil wiederfand. So wird im Teil zur Gewalt auch auf die Möglichkeiten eingegangen, diese zu vermeiden oder Frieden zu schließen. Das Kapitel zur Sanftmut, das auf Kooperation und Gegenseitigkeit eingeht, beschäftigt sich aber auch mit Ungerechtigkeit und Neid.

Fazit: Ein amüsant geschriebenes, locker zu lesendes Sachbuch, das nicht nur durch das übermittelte Wissen überzeugt, sondern vielmehr durch die vielen eingebauten Geschichten und Annekdoten.

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Rezension zu "Der Mensch, der Bonobo und die Zehn Gebote" von Frans de Waal

Was Gesellschaften zusammenhält und dem Einzelnen Orientierung vermittelt
michael_lehmann-papevor 3 Jahren

Was Gesellschaften zusammenhält und dem Einzelnen Orientierung vermittelt

Nicht nur menschlichen Gesellschaften, wie Frans De Waal nachweist, in so ziemlich jedem sozialen Verbund herrschen soziale Regeln, gibt es einen Rahmen, der das Zusammenleben der Gruppe, des Rudels, der jeweiligen Gesellschaft regelt und ordnet.

Eine Form des „sozialen Rahmens“ zum „Guten“ (für die jeweilige soziale Gruppe) hin, die nach den Beobachtungen De Walls zunächst aus einem „Gefühl“ heraus (sprich aus einer dem Wesen inne liegenden Intuition und intrensischen Motivation) erwächst.

Nicht umsonst nimmt De Waal bei diesem fundierten Blick auf die moralischen Grundsätze auch in „Tier-Gesellschaften“ wie der Bonobos im Titel des Buches die 10 Gebote mit auf. Im jahrhundertealten Streit über die Rolle der Religion (als Chiffre dafür, dass dem Menschen als grundlegend entweder eher „böses“ Wesen (Erbsünde) oder, abgemildert, als „neutral“ gut und böse gegenüber eingestellt) legen De Waals Erkenntnisse nahe, dass es eben nicht einer „Information“ von Außen in Fragen der Moral bedarf, dass Moral aus dem Leben selbst erwächst und nicht durch eine Gott, eine Religion, einen äußeren Druck heraus dem Menschen „hineingegeben“ muss.

Die wesentliche Grundfähigkeit zur Moral, zur sozialen Abgleichung von Interessen, findet De Wall hierbei vor allem in der Fähigkeit zur Empathie, der Erkenntnis dessen, was für ein anderes Wesen, einen anderen Teilnehmer der jeweiligen sozialen Gruppe wichtig, bedeutsam oder notwendig ist.

Diese Form der Empathie führt zu sozialem Verhalten und wird, unter Menschen zumindest, dann im weiteren rational weitergeführt, begründet, ausformuliert und im „Feinschliff“ differenziert.

Dennoch, auf das soziale Wesen Mensch konzentriert, dienen Religion und Philosophie eben zu dieser Verfeinerung, zur tieferen Verankerung und Fortentwicklung der urtümlichen Formen im Wesen (nicht nur des Menschen) angelegter „wohlwollender“ Verbindung untereinander und damit der Moral. Auf einem Weg, auf dem unter Umständen die sozialen Regeln, der soziale „Klebstoff“ eben nicht, wie im Tierreich, zunächst durch Kampf und das Herstellen einer sozialen „Hackordnung“ hergestellt werden muss.

„Impulskontrolle ist der Schlüssel zur Moral“, so fass De Waal seine Ergebnis unter anderem im Buch zusammen und verneint damit die unabdingbare Notwendigkeit einer Religion für die Entwicklung von und die Einsicht in moralische soziale Regeln. Mit durchaus weitreichenden Folgen, denn gerade, was das Motiv der „Angst vor Bestrafung“ angeht, letztlich einer der Grundpfeiler sozialer Kontrolle und eben auch religiösen Denkens arbeitet De Waal sehr deutlich heraus, wieviel von diesem kontrollierenden Gefühl reinweg „gemacht“ ist und den Menschen in seiner Entfaltung auch seiner „natürlichen Moral“ eher hindert denn fördert. Wenn die Formen der Angst durch Religion nicht verlassen werden.

Auch die im Titel erwähnten 10 Gebote betrachtet de Wall differenziert und fundiert im Buch erkennbar als Menschenwerk und weniger der Welt der Moral im eigentlichen zugeordnet als der Herstellung von „gegenseitigem Respekt“ und Respekt eben der Hierarchie der Religion gegenüber. Offenkundig zumindest herrscht weltweit eben nicht „die gleiche Moral“, sondern eine eher konkrete Ausprägung in konkreten gemeinsamen Lebensformen (was De Waal an der unterschiedlichen Handhabung der Sexualität und dem Stellenwert der sexuellen Eifersucht in den verschiedenen sozialen Gruppen lebhaft und plastisch erläutert.

Religion in den Erkenntnissen De Waals findet ihren wesentlichen Ausdruck in der menschlichen Gesellschaft somit nicht in der „Herstellung“ von Moral, sondern in der „Ausformulierung“, Vertiefung und Differenzierung wesentlicher Werte, die aus dem sozialen Sein vor allem der Primaten hervorgegangen sind.

Eine sehr intelligente, ruhige und sachliche Lektüre, die eines der wesentlichen Elemente sozialen und menschlichen Seins „auf die Füße“ stellt, einen Ausblick auf Alternativen zu Religionen eröffnet, und Religionen dogmatisch zu „verdammen“, sondern auch deren wichtigen und wesentlichen Einfluss auf die Gestaltung der sozialen Gemeinschaft würdigt.

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