Franz-Olivier Giesbert Ein Diktator zum Dessert

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Inhaltsangabe zu „Ein Diktator zum Dessert“ von Franz-Olivier Giesbert

Eine Hymne auf das Leben und das Überleben

Mit ihren 105 Jahren ist Rose eine der besten Köchinnen von Marseille. Rose schreibt ihre Memoiren, um das Leben zu feiern. Ein Leben wie eine abenteuerliche Reise durch die Weltgeschichte, auf der sie ihre Familie verliert und sich auf manchmal gar nicht so subtile Weise an den Gewaltherrschern rächt. Rose hat vor nichts und niemandem Angst. Ihre Waffe ist immer griffbereit in ihrer Handtasche. Und weil sie nach wie vor an die Kraft der Liebe und des Lebens glaubt, lässt sich Rose auf dem Sozius ihres jugendlichen Restaurantgehilfen durch Marseille kutschieren, treibt sich im Internet auf Singlebörsen herum und hört dazu Patti Smith. Doch damit nicht genug …

(1 mp3-CD, Laufzeit: 8h 53)

Angenehm vorgetragen von Carmen-Maja Antoni - die tiefe, raue Stimme passt gut zu der herben Alten mit dem Herz auf dem rechten Fleck.

— LitteraeArtesque

Der Autor hat hier durchaus eine starke Persönlickeit als Hauptfigur kreiert, doch fehlt hier die augenzwinkernde Leichtigkeit...

— parden

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    Ein Diktator zum Dessert

    parden

    AUGE UM AUGE, ZAHN UM ZAHN... Mit ihren 105 Jahren ist Rose eine der besten Köchinnen von Marseille. Rose schreibt ihre Memoiren, um das Leben zu feiern. Ein Leben wie eine abenteuerliche Reise durch die Weltgeschichte, auf der sie ihre Familie verliert und sich auf manchmal gar nicht so subtile Weise an den Gewaltherrschern rächt. Rose hat vor nichts und niemandem Angst. Ihre Waffe ist immer griffbereit in ihrer Handtasche. Und weil sie nach wie vor an die Kraft der Liebe und des Lebens glaubt, lässt sich Rose auf dem Sozius ihres jugendlichen Restaurantgehilfen durch Marseille kutschieren, treibt sich im Internet auf Singlebörsen herum und hört dazu Patti Smith. Doch damit nicht genug... "Am Tag meiner Geburt waren die drei Personen, die die Menschheit heimsuchen sollten, bereits auf der Welt: Hitler war 18 Jahre alt, Stalin 28 und Mao 13. Mein Geburtstag fiel in das falsche Jahrhundert: ihres." Als dieser Satz fiel, dachte ich: owei, da ist jemand durch 'Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand' von Jonas Jonasson auf den Geschmack gekommen. Wieder jemand, der mit seinen über hundert Jahren viel zu erzählen hat, der die Weltgeschichte nicht nur beobachtet hat, sondern teilhatte daran, der ihren Lauf ein wenig mitbestimmte. Nun, ganz so war es dann aber doch nicht. Die inzwischen 105 Jahre alte Rose kam am 18. Juli 1907 am Schwarzen Meer in einem 100jährigen Kirschbaum zur Welt, als die Mutter von dort gerade eine Katze retten wollte. Rose nennt sich selbst deshalb 'die Tochter des Kirschbaums'. Im Jahrhundert der Mörder hätte Rose ihre Kindheit beinahe nicht überlebt - als Armenierin fiel sie fast dem von den Türken initiierten Völkermord zum Opfer, einem der ersten systematischen Genozide des 20. Jahrhunderts, so wie ihre komplette Familie auch. Von diesen Tagen an führte sie eine 'Hassliste', ein Papier, das sie durch alle Prüfungen des Lebens hinweg begleitete, auf ihr die Namen derjenigen, die Unverzeihliches begingen - an Rose selbst oder an Menschen, die ihr nahestanden. Und auch wenn es zuweilen lange dauerte: der Tag der Rache kam. "Bis zu meinem letzten Atemzug und darüber hinaus werde ich nur an die Macht der Liebe, des Lachens und der Rache glauben". Marseille, Provence, Paris - das sind die Stationen Roses nach ihrer Flucht aus dem Land, das es nicht länger gab. Dort begegnet sie der Liebe ihres Lebens, sie eröffnet ein Restaurant - Jahre des Glücks. Doch gelingt es ihr letztlich nicht, dieses kurze Glück festzuhalten. Antisemitismus und der Nationalsozialismus, der Frankreich überrollt, lassen die Verzweiflung überhand nehmen. Roses einzige Hoffnung, ihren Mann und ihre Kinder vor dem Tod zu retten ist - ausgrechnet Himmler. Ein Mann, der ihr Restaurant und ihre Küche schätzen gelernt hat, der sie mitnimmt und als Köchin engagiert, was sie in der Hoffnung annimmt, etwas über das Schicksal ihrer Familie in Erfahrung zu bringen. Himmler, Göbbels, Hitler - Rose lässt letztlich nichts aus, um den kleinen Funken Hoffnung am Leben zu erhalten. "Das Leben ist eine große Sauerei, du darfst ihm nie vertrauen. Es gibt und gibt, und dann, eines Tages, ohne Vorwarnung, nimmt es dir alles, wirklich alles, wieder weg." Trotz aller Schläge, die das Leben für sie bereithält, hängt Rose am Leben - und genießt es in vollen Zügen. Sie mag es zu essen, spricht dem Alkohol zu, liebt den Sex. Bis ins hohe Alter hinein von vielen begehrt, genießt es Rose, sich lebendig zu fühlen. Doch bei aller Stärke, die von ihrer Persönlichkeit ausgeht, verspürte ich als Leser immer auch eine Distanz. Hinter der Fassade der starken Frau lugte durchaus einmal die Verzweiflung, die Trauer, die Wut hervor, ausgelöst durch die Schicksalsschläge oder durch Menschen, die willkürlich ihre Macht missbrauchten. Doch wirklich spürbar waren diese Gefühle für mich nicht, und das hat mir hier doch gefehlt. Zudem war es zwar interessant, Episoden und Größen der Weltgeschichte durch die Augen Roses zu erleben und dabei durchaus nicht alltägliche Blickwinkel auf diese zu erhaschen, doch begannen diese Episoden sich für mich im letzten Drittel irgendwie nur noch lose aneinanderzureihen, ohne einen wirklich engen Zusammenhang zu bilden, was für mich teilweise störende Brüche ergab. "Es ist das Los der Menschheit, sich von Dummheit und Hass stets wieder über die Massengräber führen zu lassen, die schon die vorherigen Generationen bis zum Rand gefüllt haben." Dabei wird die vollständige Hörbuchfassung (8 h 53 min.) durchaus angenehm vorgetragen von Carmen-Maja Antoni - die tiefe, raue Stimme passt gut zu der herben Alten mit dem Herz auf dem rechten Fleck. Der Vergleich dieses Hörbuchs zu 'Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und veschwand' hinkt allerdings in der Tat. Hassliste statt augenzwinkernder Weltgewandtheit, Rachegedanken und die Lust am Leben statt moderner, herzerwärmender Monty Python Geschichte - hier konnte 'Ein Dikator zum Dessert' für mich leider nicht ganz mithalten, auch wenn das Hörbuch über weite Strecken interessant war. Es fehlte für mich letztlich einfach der besondere Flair. © Parden

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    • 9

    Cridilla

    25. August 2015 um 04:48
    NiWa schreibt Eigentlich mag ich 100jährige, die etwas zu erzählen haben. Vielleicht liegt's wirklich nur am Hörbuch, wer weiß ...

    Geht mir ähnlich...!

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