Franz Alt , Peter Spiegel Gerechtigkeit

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Inhaltsangabe zu „Gerechtigkeit“ von Franz Alt

»Gerechtigkeit wird das zentrale Stichwort aller künftigen gesellschaftlichen Debatten.«(Franz Alt)
Wir brauchen eine neue überzeugende Leitidee. So wie es die soziale Marktwirtschaft war, die Wohlstand für alle versprach und erstaunlich gut einlöste. Das vorliegende Manifest des Umweltvisionärs Franz Alt und des Sozialvisionärs Peter Spiegel legt eine solche neue Leitidee vor – für einen realistischen Wohlstand inklusive Frieden mit der Natur, inklusive sinnstiftenden Arbeitens und Lebens, inklusive sozialer Sicherheit und Dynamik, inklusive universeller Teilhabe aller an allen Wohlstandsdimensionen.

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    Gerechtigkeit

    TaHa

    25. August 2017 um 08:24

    Franz Alt ist bekannt unter anderem als langjähriger Moderator des Politmagazins 'Report Baden-Baden' beim SWF und 'Querdenker' auf 3Sat. Er ist wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, z.B. dem Adolf-Grimme-Preis, Deutschen Solarpreis und der Goldenen Kamera. Als sehr politischer (aber nicht Partei-politischer), streitbarer Mensch ist er u. a. durch seinen offenen Brief an H. Kohl nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl bekannt und aus neuerer Zeit durch sein Engagement gegen Stuttgart 21. Er hat bereits mehrere Werke veröffentlicht. Seine Internetpräsenz lautet Sonnenseite.com und führt im Untertitel: Ökologische Kommunikation mit Franz Alt. Der Soziologe Peter Spiegel ist Gründer des Horizonte Verlages GmbH, der UNESCO Publikationen, Dreikurs und Gorbatschow Veröffentlichungen betreute. Er gründete Terra One World Network e.V. und hat mit dem Dalai Lama, Nelson Mandela und Gorbatschow persönlich zusammengearbeitet. Bislang hat er mehrere Werke veröffentlicht. Nun haben der Umweltvisionär und der Sozialvisionär ein gemeinsames Manifest heraus gebracht mit dem Ziel, eine Grundsatzerklärung zur Gerechtigkeit für alle zu geben. Die Leitidee umfasst einen realistischen Wohlstand, Frieden auch mit der Natur, sinnstiftender Arbeit, soziale Sicherheit und Teilhabe aller. Das Werk ist in zweigeteilt. Im ersten Teil stellt Alt seine Thesen zur Gerechtigkeit vor. Er gliedert sie in die Punkte neue Globalisierung, kein Leben ohne Umbrüche und Verunsicherungen, sind wir noch zu retten, Wendezeit, utopische Oasen oder Wüsten der Banalität, auch die Bevölkerung wächst nicht ewig, 13 Öko(an)gebote, ohne Gerechtigkeit keine Demokratie. Peter Spiegel füllt den zweiten Teil ab Seite 107 mit den Themenfeldern Gerechtigkeit als Entfaltung der menschlichen Potenziale, Revolution des Bildungswohlstands, Revolution des sozialen Wohlstands, Revolution des Demokratiewohlstands, Revolution des Gemeinwohlstands. Angefügt werden weiterführende Links sowie Literaturangaben. Alt legitimiert gleich zu Beginn seine Überlegungen mit (gut recherchierten) Zahlen und Statistiken (Erneuerbare Energie: Island ist heute zu 97 %, Costa Rica zu 100% erneuerbar. S. 78) . Er stellt dem Leser die Frage, was ein Rückzug in alte Nationalismen hilft, wo doch „unser Bauchnabel“ nicht der Nabel der Welt ist. In Deutschland wurden durch die 33 % Ökostrom mehr als 300000 zukunftsfähige Jobs geschaffen. (S. 30/31). Er hält eine glühende Rede auf Europa (Europa ist das Beste, was Deutschland passieren konnte). Er benennt die Schattenwirtschaft und ihre steuerliche Verwerflichkeit, Milliardensubventionen für Kohle und Atomkraft. Er plädiert für mehr Reife in der Wirtschaft. Die Lösung sieht er in einer ökosozialen, ethischen Marktwirtschaft, nicht in einer freien. Als Verlierer dieser freien Marktwirtschaft sieht er die Armen der Gesellschaft und zukünftige Generationen. Die Verweise auf Religiöses (der Begriff Wunder), Jesus und eine jesuitische Revolution sind mir zu undifferenziert, kommen oft doch sehr plötzlich. Die „Politik der Bergpredigt“ (S. 106) als Lösung anzubieten, nachdem mit flammender Leidenschaft gegen Trump, ökonomische Fehlentscheidungen und menschenfeindliche Lebensumstände postuliert wurde, schmälert die Kraft seiner Leitidee. Spiegel liest sich in einem anderen Stil – leichter, positivistischer. Er beginnt mit einem Zitat von Wikipedia. Viele seiner Ideen präsentiert er in Form einer Aufzählung (Wohlstandsfaktoren. S. 114/115.) Er zeigt seinem Leser den Erfolg des Salman Khan auf, der die für Spiegel bedeutendste Bildungsrevolution der Menschheitsgeschichte zustande brachte – kurze Lernvideos (S. 129).  Schüler und die Verantwortungsübernahme sind im Fokus. Er postuliert einen global durchgesetzten Mindestlohn mit einer Lohnuntergrenze von 1 Dollar pro Stunde( S. 151) und erkennt darin eine soziale Innovation. Er schlägt vor, das die Länder der Welt 1% ihres BIP in einen Global Goal Fund einzahlen. Er gibt für 2016 die Summe 88 Mio. Dollar an und führt in einer Auflistung auf, wie die Mittel verwendet werden. Hier nennt er auch gleich Zahlen, z.B. 130 Mio. Dollar für globale Arbeitslosen- und Sozialgrundversicherung. Das Werk beschäftigt sich mit sehr aktuellen Themen: Bernie Sanders, Trump, Onlinelearning, Airbnb. Es werden Werte, Orientierungen, eine Haltung formuliert und für sie geworben. Das ganze Manifest ist doch sehr komplex. Auf wenigen Seiten (187) wird im Grund alles verhandelt. Das hier vieles doch nicht zu Ende gedacht werden kann, Hintergründe offen bleiben, liegt eigentlich auf der Hand. Lohnenswert ist die Lektüre allemal, auch wenn die Wenigsten bei allen Thesen mitgehen dürften. Es eröffnet neue Denkmuster, sensibilisiert für Ungerechtigkeiten.

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