Der arme Spielmann

von Franz Grillparzer 
3,8 Sterne bei30 Bewertungen
Der arme Spielmann
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Persephone22s avatar

Eine meiner Lieblingsnovellen.

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Inhaltsangabe zu "Der arme Spielmann"

Text und Kommentar in einem Band. In der Suhrkamp BasisBibliothek erscheinen literarische Hauptwerke aller Epochen und Gattungen als Arbeitstexte für Schule und Studium. Der vollständige Text wird ergänzt durch anschaulich geschriebene Kommentare.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783518189184
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:144 Seiten
Verlag:Suhrkamp
Erscheinungsdatum:01.06.2012
Das aktuelle Hörbuch ist am 29.11.2008 bei Lübbe GmbH & Co. KG, Verlagsgruppe erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Stefan83s avatar
    Stefan83vor 4 Jahren
    Wiener Katzenmusik

    Österreichische Literatur – nun ich muss ehrlich gestehen, lange Zeit kein Faible für diese entwickeln zu können, was nicht unbedingt den Werken aus unserem Nachbarland an sich, sondern auch einfach meinem persönlichen Geschmack geschuldet sein kann. Oder vielleicht habe ich schlichtweg nicht das richtige Buch zur richtigen Zeit gewählt. In so einer Situation dann zu einem Klassiker wie „Der arme Spielmann“ zu greifen, mag gewagt anmuten, zahlte sich aber letztlich aus, denn Frank Grillparzer (1791 – 1872), der sich zu Lebzeiten vor allem als Dramatiker einen Namen gemacht hat und aufgrund der identitätsstiftenden Verwendung seiner Werke, vor allem nach 1945, auch heute noch als Nationaldichter bezeichnet wird, ist mit dieser Novelle eine wahrlich unvergleichliche, zeitlose Geschichte gelungen. Das sei vorab erwähnt, um die vielen Kritiken ob des sperrigen „Alt-deutsch“ etwas zu entkräften, die zwar nicht gänzlich jeglicher Grundlage entbehren, auf das Lesevergnügen an sich aber keinerlei Einfluss haben. Ganz im Gegenteil: Gerade diese schnörkellose Wiener Sprache trägt unheimlich zum Zeitkolorit der Handlung bei, welche auf gerade mal knapp 70 Seiten erzählt, den Leser nach und nach für sich gewinnen kann.

    Ihren Anfang nimmt die Geschichte auf einem Wiener Volksfest, wo der beobachtende Erzähler auf einen Straßenmusikanten aufmerksam wird, der im Gegensatz zu seinen Konkurrenten nach Noten und das leider auch wenig erfolgreich spielt. Trotz seiner Leidenschaft für die Musik will niemanden den schrägen Melodien lauschen, weshalb der junge Mann schließlich entnervt die Segel streicht und von dannen zieht. Jedoch nicht ohne vorher in bestem Latein vor sich hin zu fluchen, wodurch die Neugier des Beobachters geweckt wird. Warum muss sich ein derart kultivierter und gebildeter Mann seinen Unterhalt als Spielmann verdingen? Was hat ihn in diese Notlage gebracht? Oder ist es gar nur ein Zeitvertreib?

    Er beschließt dem Mann zu folgen, der sich zunächst beharrlich weigert, irgendetwas über sich preis zu geben, bis er schließlich, und nur nach Bezahlung, von seiner Vergangenheit erzählt...

    Es ist die Geschichte eines tragischen Lebens voller Schicksalsschläge, genährt durch die Naivität des Spielmanns, der bis zur Lebensunfähigkeit töricht, an seinen Prinzipien und der Herzensgüte gegenüber den Mitmenschen festhält, und als Dank dafür von der Gesellschaft mehr und mehr verstoßen wird. Unfähig aus dem Korsett seiner moralischen Überzeugungen auszubrechen, aus den Enttäuschungen Lehren zu ziehen oder sich gar anzupassen, ist er augenscheinlich zu einem Verlierer geworden, der seine Niederlage nicht eingestehen will. So wenig wie er in der Lage ist, ohne Noten zu spielen, so wenig kann er sich den neuen Begebenheiten anpassen oder gar improvisieren. Als Folge dessen beginnt ein sozialer Abstieg, in dessen freien Fall selbst die Liebe keinerlei Halt bieten kann...

    Wer sich nun fragt, warum er/sie die Geschichte eines verweichlichten Versagers lesen sollte, der einfach nicht in der Lage ist, über seinen Schatten zu springen und sein Scheitern noch nicht mal als solches wirklich empfinden kann, dem sei gleich gesagt - „Der arme Spielmann“ ist nur auf den ersten Blick der Abgesang auf einen Verlierer. Wer zwischen den Zeilen liest, erkennt neben den überdeutlich hervortretenden Schwächen des Spielmanns auch eben jene Charakterzüge, welche wir in der Literatur leider viel zu selten mit dem Helden verbinden. Trotz aller Hindernisse und Schicksalsschläge bleibt der Protagonist hier stets genügsam und bescheiden, empfindet er keinerlei Wut für eine Welt, die ihm den Rücken kehrt und von der auch einfach kein Teil werden kann. Im Gegenteil: Grillparzers Beschreibungen durchbrechen das vorurteilsbehaftete Denken des Lesers, heute wie damals, rühren, erheitern und lassen uns verloren gegangenes Verständnis empfinden. Somit kann es schon fast als Ironie verstanden werden, dass ausgerechnet die Erzählung von einem intellektuell geprägten Menschen in erster Linie auf emotionale Ebene zu beeindrucken weiß.

    „Der arme Spielmann“ ist die Geschichte eines Mannes, der im Leben, aber nicht als Mensch versagt, ja, letztlich sogar mehr Größe als andere beweist und dafür einen hohen Preis bezahlt. Eine unglaublich bereichernde, schöne Novelle und ein Klassiker der Weltliteratur, den es – ohne wenn und aber – immer noch zu lesen lohnt.

    Kommentare: 1
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    Persephone22s avatar
    Persephone22vor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Eine meiner Lieblingsnovellen.
    E
    evy
    M
    meike
    J
    Jemand
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    paralipomena
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    carousel
    indescribably_s avatar
    indescribably_vor einem Jahr
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    JojoMausvor 2 Jahren
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    Buchgespenstvor 3 Jahren

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