Franz Hessel Heimliches Berlin

(11)

Lovelybooks Bewertung

  • 11 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 3 Rezensionen
(3)
(4)
(3)
(1)
(0)

Inhaltsangabe zu „Heimliches Berlin“ von Franz Hessel

1924 befindet sich die Gesellschaft Berlins im wirtschaftlichen und sozialen Durcheinander, kein Geld, kein Status, nichts mehr da, nur das Gefühl, etwas Großes und Schönes erreichen zu müssen. Der Freundeskreis des verarmten jungen Mannes Wendelin aus gutem Hause besteht aus Menschen, die sich deshalb einem ironisch gefärbten Bohemeleben hingeben. Eines Tages aber flüchtet nach einer Partynacht Karola, die Frau eines älteren guten Freundes, zu ihm und will mit ihm fliehen … Bevor es zur Entscheidung kommt, geht es in einem wild-melancholischen Reigen durch das so graue wie schillernde Berlin jener Zeit.
Das Nachwort zu dieser Ausgabe von Hessels Roman stammt von dem Berliner Schriftsteller Manfred Flügge.

Stöbern in Romane

Die Herzen der Männer

Mal etwas anderes, hat mich sehr berührt

Sassenach123

Der kleine Teeladen zum Glück

Zu flach, zu hölzern, zu gewollt. Sehr schade, die Idee hat so viel Potential!

Thoronris

Die Perlenschwester

Die Geschichte zweier starker Frauen mit kleinen Minuspunkten

Das_Leseleben

Das Alphabet meiner Familie

Eine mitreisende Entdeckungstour durch eine ganz spezielle Familiengeschichte.

Belladonna

Underground Railroad

Die fiktive Interpretation bewegt sich zwischen Dokumentar- und Abenteuerroman. Begegnet den eigenen Figuren zu distanziert. Überbewertet!

Ro_Ke

Die Farbe von Milch

Ein tolles, berührendes Buch!

Speckelfe

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Ein Sittengemälde im Berlin der wilden Armut des Jahres 1924

    Heimliches Berlin

    TheSaint

    02. December 2017 um 20:34

    Franz Hessel erzählt in einer wunderbaren schwebenden Art und Weise die Geschichte des jungen ziellosen adeligen Schönlings Wendelin von Domrau, der mit Karola Kestner, der Gattin eines befreundeten Dozenten, eine Liaison beginnt.Die dreizehn Szenen spielen an einem Abend, einer Nacht, eines Tages und wieder eines Abends. Der Autor serviert hier keine mitreißenden Geschichten, sondern liefert einfühlsame und präzise Beobachtungen eines imposanten Figurenreigens ab:Die gelangweilte und vernachlässigte Karola, Mutter eines kleinen Jungen, die mit dem charmanten Taugenichts Wendelin in den Süden entfliehen will... Dann gibt es den vermögenden Lebemann Eißner, der es geschickt versteht, mit seinen Kontakten und Geldern das Leben Anderer zu manipulieren. Oder da ist ein Balte, der schwer den nächsten Krieg ersehnt. Eine gefallene Aristokratin, die in den Spelunken des nördlichen Berlins das Leben studieren möchte...Und schlußendlich ist auch der Ehemann Karola's eine mehr als interessante Figur... Seine diskrete Art zu leben und zu lieben lässt Karola Leidenschaft missen und die Affäre beginnen...Doch Clemens, der nur die Götter (er ist Philologe und Kenner der Antike) und deren Widerschein in den Menschen liebt, ist nicht zu unterschätzen... Er ist ein Seelendirigent, der es meisterlich schafft, in einem langen pseudoplatonischen Dialog mit Wendelin diesem das Gift der Resignation einzuträufeln..."Heimliches Berlin" ist ein Zeit-Roman in einer wunderschönen Ausgabe des "Lilienfeld Verlages", in welchem Hessel seine unmittelbare Gegenwart verarbeitet - sowohl was Berlin betrifft wie sein Privatleben...Vielleicht ist dieser Roman eine Art Liebesbrief an seine Frau Helen gewesen, die mit seiner Zustimmung eine Liaison mit seinem besten Freund Henri-Pierre Roché hatte.Diese Dreiecksgeschichte wurde von Roché in den 50ern in dem Roman "Jules und Jim" verarbeitet und in den 60ern verfilmt. Der Film stieg zu einem Kultfilm auf...Ein Sittengemälde der Bohème der 1920er Jahre. Einer Zeit des Umbruchs und loser Sexualmoral - die übrigens moralfrei beschrieben wird und Berlin zu jener Zeit zum erotischen Mittelpunkt Europas werden ließ.Wie schreibt Manfred Flügge in seinem wunderbaren Nachwort:"Heimliches Berlin" ist "eine duftende Köstlichkeit aus appetitlichen Wörtern". Ein wunderbarer Roman über Liebe und wie verschieden diese doch erfahren und gelebt werden kann... Zeitlos!

    Mehr
  • Kulturelles Kleinod

    Heimliches Berlin

    Carol-Grayson

    16. August 2013 um 15:39

    In einer kleinen Dreiecksgeschichte um Liebe, Freundschaft und pure Lebensfreude wird das alte Berlin der 20er-Jahre in diesem Buch für kurze Zeit wieder zum Leben erweckt. Einer Zeit, in der die Menschen nach Ende des ersten Weltkrieges in den nächsten Abgrund tanzten, der am Schwarzen Freitag 1929 mit dem Zusammenbruch der Börse eingeläutet werden sollte. Übrigens befindet sich unsere Zeit gerade in einer sehr ähnlichen Situation! Man muss diese Geschichte mit der gebotenen Ruhe lesen und genießen wie einen alten Cognac, um auch die Dinge zwischen den Zeilen zu erfassen. Der nostalgisch verspielte Schreibstil des berühmten Autors Franz Hessel erinnert an ein flirrendes Jugendstilgemälde, in dem man verborgene Details entdecken oder sich in den Schnörkeln verlieren kann. Doch zwischen den Worten ahnt man die Sehnsucht, den Schmerz und die Verzweiflung. "Heimliches Berlin" ist ein kulturelles Kleinod und vielleicht eher für geneigte ältere Leser geeignet. 

    Mehr
  • Rezension zu "Heimliches Berlin" von Franz Hessel

    Heimliches Berlin

    Clari

    15. October 2011 um 15:33

    Der fast in Vergessenheit geratene jüdische Autor Franz Hessel ist vom Lilienfeldverlag neu entdeckt und sein vorliegender Roman jetzt wieder aufgelegt worden. Franz Hessel bot im wahren Leben die Vorlage zu Truffauts Film “Jules and Jim.“ Hessel war jener Jules, der mit Jim die gleiche Frau ( Helen Grund) liebte. Auch in diesem Roman geht es um eine „menage à trois.“ Der Autor beschreibt mit einer fast geheimnisvollen Magie die zwanziger Jahre in Berlin. Jeder, der etwas auf sich hielt, wollte nicht hinter dem Bohèmeleben jener Jahre zurückstehen, und genau dieses Milieu beschreibt der Autor mit feinen Blicken. Die Ehe galt zwar noch etwas, doch wurden die Gesetze der Treue schnell mit toleranter Gandezza über Bord geworfen. Man wollte ja nicht spießig sein! So freundet sich die Frau des Professors der Philologie Clemens Kestner mit einem jungen Mann an, der sich mit ihr an geheime Orte wünscht. Rom, die weite Stadt mit ihrem Künstlermilieu, oder auch Paris locken. Doch wird man es wagen, sich aus den alten Banden zu lösen? Träumereien vom wilden Leben machen die Runde. Mit viel Lokalkolorit wartet der Roman über das heimliche Berlin auf. Das Hotel Adlon , „der alte Westen“ um die Gedächtniskirche, Tauentzienstraße und das KaDeWe bieten den äußeren Rahmen zur Handlung. In bekannten Weinkneipen tummelt sich eine illustre Gesellschaft von Bohèmiens, und nicht nur jene, und teilt die Lust am Leben. Es ist das morbide Berlin, das sich seinen geheimen Genüssen hingibt, vorwiegend der Liebe und der ausschweifenden Feierlaune. Veraltete Konventionen werden über Bord geworfen. Die Handlung überdauert nur einen Abend, einen Tag und einen weiteren Abend. Gespräche dominieren und beherrschen die Handlung und zeigen die Protagonisten, die dem Theatermilieu zu geneigt sind und dem Großbürgertum oder dem verarmten Adel entstammten. Man bleibt dabei distinguiert und zeigt feine Lebensart. Alles wirkt ein wenig wie der Tanz auf dem Vulkan. Franz Hessel musste währende der Nazizeit Deutschland verlassen und flüchtete vor den deutschen Besatzern nach Südfrankreich, wo er interniert wurde. Nach seiner Entlassung 1941 starb er bald an den Folgen der Lagerhaft. Der Lilienfeld Verlag hat wie immer eine feine bibliophile Neuausgabe dieses kleinen Romans herausgebracht.

    Mehr
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks