Wegwerfgeschichten

von Franz Hohler 
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Wegwerfgeschichten
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Inhaltsangabe zu "Wegwerfgeschichten"

«Einmal fiel in der Bibliothek eine kleine offene Schachtel, ein Schuber, in meine liederlichen Hände. Wegwerfgeschichten stand darauf, verfasst von Franz Hohler. Darin fanden sich einige Dutzend lose Seiten, und auf jeder Seite stand eine Geschichte. In den nächsten Wochen hütete ich diese Schachtel wie meinen Augapfel. Mein Zimmer, mein Schulpult, meine Familie, alles versank im Chaos. Wo deine Wegwerfgeschichten waren, lieber Franz, das wusste ich hingegen immer. Täglich zählte ich die Seiten, und ich behielt den Schuber genau die erlaubten dreissig Tage lang. Ich hatte gelernt, dass es im Umgang mit der dinglichen Welt weniger um Ordnung, als vielmehr um Sorgfalt geht. Buch habe ich seither keines mehr verloren.»
Lukas Bärfuss, aus der Laudatio an Franz Hohler zur Verleihung des Kunstpreises der Stadt Zürich, 20. September 2005

«Eine ergänzte Neuauflage der über 50 Wegwerfgeschichten, jede solistisch auf einem Einzelblatt: absurd, komisch, verrückt, albern – zum Grinsen reizend, häufig zum Nachdenken. Mit dem aufwendigen Schuber ist die Sammlung zwar nicht gerade billig, – Spass macht sie allemal, das ist garantiert. Hohler at it’s best! …» Folkmagazin

«Einmal fiel in der Bibliothek eine kleine offene Schachtel, ein Schuber, in meine liederlichen Hände. Wegwerfgeschichten stand darauf, verfasst von Franz Hohler. Darin fanden sich einige Dutzend lose Seiten, und auf jeder Seite stand eine Geschichte. Ich rechnete nicht damit, dass mir die Bibliothekarin diese verletzliche Preziose überlassen würde. Schliesslich hatte ich allergrösste Mühe, selbst ledergebundene Wälzer erstens vollständig und zweitens fristgerecht zurückzubringen. Eine Loseblattsammlung in meinen Händen war todgeweiht, und der Titel, Wegwerfgeschichten, vollkommen überflüssig. Ich brauchte nichts wegzuwerfen, die Seiten würden von ganz alleine verloren gehen.

Die Bibliothekarin lieh mir den Schuber trotzdem aus, allerdings warf sie mir einen Blick zu, als habe sie nicht das Rückgabedatum in den Leihzettel gedrückt, sondern bereits den grossen roten Stempel „Ausgeschieden“. Irgendetwas in diesem Blick muss meinen Ehrgeiz angestachelt haben. Ich wollte der Bibliothekarin und der restlichen Welt beweisen, dass man mir Unrecht tat und ich sehr wohl Sorge tragen konnte.

In den nächsten Wochen hütete ich diese Schachtel wie meinen Augapfel. Mein Zimmer, mein Schulpult, meine Familie, alles versank im Chaos. Oft genug konnte ich meinen rechten Schuh nicht finden, hatte ich ihn endlich gefunden, fehlte plötzlich der Linke. Wo deine Wegwerfgeschichten waren, lieber Franz, das wusste ich hingegen immer. Täglich zählte ich die Seiten, und ich behielt den Schuber genau die erlaubten dreissig Tage lang. Natürlich hätte ich ihn früher in die Bibliothek zurückbringen können, aber ich hätte damit die Regel verletzt.

Nein, der Bibliotheksdirektor verlieh mir keinen Orden, die Zeitung berichtete nicht über das unwahrscheinliche Ereignis, dass ich das Buch vollständig und fristgerecht zurückgebracht hatte. Selbst die Bibliothekarin liess sich nichts anmerken und nahm die Wegwerfgeschichten gelangweilt zurück. Von meiner Anstrengung hat sie nichts gemerkt. Aber ich hatte gelernt, dass es im Umgang mit der dinglichen Welt weniger um Ordnung, als vielmehr um Sorgfalt geht. Buch habe ich seither keines mehr verloren.»

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783729605459
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Buch
Umfang:0 Seiten
Verlag:Zytglogge
Erscheinungsdatum:01.01.1999

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