Franz J Bauer

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Die Regierung Eisner 1918/19

Die Regierung Eisner 1918/19

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Erschienen am 01.02.1990

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Rezension zu "Das "lange" 19. Jahrhundert (1789-1917)" von Franz J Bauer

Rezension zu "Das "lange" 19. Jahrhundert (1789-1917)" von Franz J Bauer
SiColliervor 6 Jahren

Nachdem ein Jahrhundert lang der homo faber seine Emanzipation von der Natur mittels Wissenschaft und Technik als säikularen Fortschritt gefeiert hatte, wurde er nun gewahr, daß das von ihm selbst geschaffene "sekundäre System" ihn einer nicht minder harten Herrschaft der Entfremdung zu unterwerfen begann. (Seite 99)

Meine Meinung

Das 19. Jahrhundert hat mich schon immer mehr fasziniert als jedes andere. So lag es nahe, sich diesem einmal nicht in einem Roman, sondern einem Sachbuch zu nähern. So (gewichtsmäßig) leicht dieses kleine Büchlein aus der Reclam-Universalbibliothek auch ist, so „schwer“ ist sein Inhalt. Nicht im Sinne von „schwer lesbar“ oder „schwer verständlich“, sondern in der Bedeutung von „inhaltsschwer“.

Selten habe ich auf so wenigen Seiten so viel an Information gefunden wie hier. Dem Autor gelingt es in der Tat, innerhalb des Büchleins einen Bogen über das ganze lange 19. Jahrhundert zu schlagen, so daß ich am Ende das Gefühl hatte, ein „ausgewachsenes“ dickes Buch durchgelesen zu haben. Dabei ist der Text bis auf wenige Ausnahmen (etwa - zumindest mir - eher ungeläufige Fremdwörter) gut verständlich.

Besonders faszinierend fand ich, daß uns das 19. Jahrhundert gleichzeitig fern und doch wieder nah ist, daß die Menschen damal sehr ähnliche Entwicklungen erlebt haben wie wir heute, nur das heute alles noch komplexer und vor allem rasend viel schneller abläuft. Bis ins 19. Jahrhundert hinein war beispielsweise die größte zu erreichende Geschwindigkeit (für Nachrichten wie Menschen) die des Pferdes. Mit Erfindung der Eisenbahn und der Telegrafie wurde diese Grenze erstmals überschritten. Ich denke, wir heutigen können uns gar nicht richtig vorstellen, was das für die damaligen Zeitgenossen bedeutet hat - technisch wie emotional.

Immer wieder zeigt der Autor auf, wie sich neue Entwicklungen auf das Leben der Menschen (im Kleinen wie vor allem im Großen) ausgewirkt haben. In der Folge der Aufklärung veränderten sich zunächst die Eliten, später die „Massen“, welche früher als solche noch nicht in Erscheinung getreten waren. Die Auflösung überkommener (feudaler) Strukturen und der immer größer werdende Wunsch nach Teilhabe an der Macht führten schließlich zum Entstehen der Nationalstaaten und des Nationalismus, wie wir ihn kennen, bis hin zu dessen schrecklichen Ausformungen im 20. Jahrhundert.

Die wesentlichen Grundlagen für das 20. wie auch das 21. Jahrhundert wurden in jenem „langen Jahrhundert“ gelegt, so daß dieses immer noch nachwirkt. Ob das nun immer zum Guten war/ist, möge jeder für sich selbst entscheiden. Auf jeden Fall liefert das Büchlein einen guten Ein- und Überblick über die Entwicklungen, die auch unser heutiges Leben mehr prägen, als manchem bewußt ist.

Nachsatz.
Kaum habe ich dieses geschrieben, sehe ich einen Artikel in der Hersfelder Zeitung vom 31. Jan. 2013. Unter der Überschrift „Wutbürger erschweren das Regieren“ wird über eine Studie „Die neue Macht der Bürger - Was motiviert die Protestbewegungen?“ berichtet. Es finden sich erschreckende (?) Parallelen zu den hier im Buch dargestellten Entwicklungen der Gesellschaft und weist auf die Aktualität der Ausführungen Bauers für die Gegenwart hin.

Kurzfassung

Ein im Großen und Ganzen gut lesbarer, komprimierter Überblick über die Hauptströmungen und Veränderungen, die das 19. Jahrhundert mit sich brachte, und die noch bis in unsere Zeit hinein wirksam sind. Sehr empfehlenswert.

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