Franz Josef Weißenböck Sacrificium

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Inhaltsangabe zu „Sacrificium“ von Franz Josef Weißenböck

Jakob, ein 55jähriger Frühpensionist, schläft schlecht in der Nacht zum Karfreitag. Zwischen Traum und Wachen zieht sein Leben an ihm vorbei: die Jahre in der "Burg", wie die Zöglinge das Konvikt nannten, sein Theologiestudium, der frühe Drogentod seines Freundes Michl, die verschwommenen Missbrauchsgeschichten, seine Unfähigkeit mit Frauen umzugehen. War auch er ein Opfer oder phantasierte er bloß? Am Vormittag des Karfreitags macht sich Jakob auf den Weg, um noch einmal die "Burg" zu besuchen. Als er mit dem alten Prior durch das Haus geht, steht ihm der fast vergessene und verdrängte Missbrauch mit scharfer Klarheit vor Augen. Am Nachmittag, während des Karfreitags-Gottesdienstes, bricht es aus Jakob heraus: Laut klagt er, vor der versammelten Gemeinde, den alten Prior des Missbrauchs an.

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    Sacrificium

    awogfli

    Was für ein passender Titel für einen großartigen und gleichzeitig beklemmenden Roman, der den Missbrauch von Zöglingen in katholischen Internaten und die damit einhergehende nachhaltige Vernichtung der Kinderseelen thematisiert. Es ist fast verwunderlich, dass es bisher noch nicht mehr Literatur zu diesem Thema gibt, in Anbetracht der Tatsache, welche Ungeheuerlichkeiten in den letzten Jahren an die Öffentlichkeit gelangt sind. Jakob ist ein 55-jähriger Frühpensionist und Lebensversager, der sich weder auf ein Studium, auf einen ausfüllenden Beruf noch auf irgendeine Frau einlassen konnte. Ständig sucht er nach einem Lebenssinn und zumindest nach einem Hauch von innerem Frieden, wobei es scheint, dass ihm sein grüblerisches Naturell, sein Widerspruchsgeist, sein Intellekt und das Trauma über den Drogentod seines besten Freundes immer wieder dazwischenkommen. Am Ende seiner beruflichen Laufbahn angelangt und gescheitert, zieht er sich zurück in sein Heimatdorf, auf den Hof seines Vaters und in Sichtweite des klösterlichen Internats, in dem irgendwie sein verkorkster Lebensweg und seine Verlorenheit begonnen haben. „In der Stadt war er ein Fremder geblieben, weil er sich dem Tempo nicht hatte anpassen können, für seine Heimat in den Bergen aber war er nach den vielen Jahren in der Stadt zu schnell. Er war ungeduldig und aufbrausend, ebenso schnell und hart im Urteil und verstörend für die Dorfgemeinschaft, der er in den Jahrzehnten vor seiner Rückkehr entwachsen und fremd geworden war.“ „Nein glücklich war er nicht, gestand sich Jakob ein. Aber manchmal ist es schon ein Glück, nicht unglücklich zu sein.“ Rund um den Karfreitag in schlaflosen Nächten und rastlosen Tagen lässt Jakob sein verpfuschtes Leben Revue passieren, erinnert sich nach und nach an weit zurückliegende verdrängte Traumata und rechnet mit den Tätern der Vergangenheit: Familie, Gott, Religion, den Padres und mit der katholischen Kirche ab. In vergangenen und gegenwärtigen Diskussionen wird vom Autor sprachlich pointiert gestaltet, beinharte religionskritische Philosophie serviert, die die katholische Kirche und die Gläubigen mit ihren eigenen Argumenten angreift und diese in den Grundfesten erschüttert. „Liebe ist nur ein Wort so wie auch Gott ein Wort ist. Und diese beiden Worte gehören zu den am meisten missbrauchten. Sie sind entwertet, abgeschliffen vom ständigen Gebrauch, vernichtet von den gedankenlosen Plapperern, geschändet-„ „Das ist es ja, dass du dem System nicht entgehst! Nichts als Opfer, weit und breit nichts als Opfer! Die Täterkarrieren haben als Opferkarrieren angefangen. Das Schlimmste an diesem System, das perfideste ist, dass die Opfer dazu gezwungen sind, aus sich selbst heraus die eigene Opferung zu verherrlichen.“ Auch die in katholischen Klosterschulen vielzitierten Begriffe: Gehorsam versus Gewissen, Himmel versus Hölle inklusive Fegefeuer, Ewigkeit der Kirche, Glauben versus Denken…., werden philosophisch seziert, zornig demontiert und neu interpretiert. Nach und nach schwappen auch längst vergangene vernommene sexuelle Missbrauchsgeschichten von anderen und mögliche eigene Erfahrungen an die Oberfläche von Jakobs Gedächtnis. Was war Realität, was ist Übertragung? Jakob stochert und bohrt immer tiefer – intern in sich selbst aber auch extern, indem er beginnt, seine Umwelt wütend zu konfrontieren. Diese Selbstfindung mündet in einem furiosen Finale – die letzte Szene des Buches ist atemberaubend! Fazit: Für mich ein Meisterwerk, aber sicher nicht für jeden geeignet.

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