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kingofmusic

vor 7 Monaten

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Hallo liebe Freunde der gepflegten Unterhaltung!


Auch in diesem Jahr möchte ich mich mit dem Leben und Werk von Franz Kafka beschäftigen.


Darum lade ich alle Kafka-Fans (und solche, die es werden wollen *g*) zu einer Leserunde zu "Amerika" ein. Gemeinsam wollen wir diskutieren, uns austauschen...


Die Aufteilung folgt dem Inhaltsverzeichnis der Suhrkamp-Ausgabe.


Alle lesen übrigens mit ihrem eigenen Exemplar mit - verlost wird keins!


Also, ich wünsche allen viel Spaß!


LG
Der King

Autor: Franz Kafka
Buch: Amerika

Naibenak

vor 7 Monaten

Plauderecke

Bin dabei^^ Ich gehöre zur Kategorie "Solche, die Kafka-Fans werden wollen"... haha... oder auch nicht, das wird sich dann zeigen ;))) Ich habe immerhin schon einen (kurzen) Kafka gelesen und sehr gemocht: Die Verwandlung. Bin sehr gespannt auf Amerika und diese Runde hier :)

kingofmusic

vor 7 Monaten

Plauderecke
@Naibenak

Willkommen und schön, dass Du dabei bist :-) Wer einmal mit dem Kafka-Fieber infiziert wurde, wird selbiges nie wieder los - von daher...*g* ♥

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VictoriaHohmann

vor 3 Monaten

1. Der Heizer
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kingofmusic schreibt:
Dann blitzt aber auch immer wieder der subtile Humor von Kafka aus dem Dunkel der Zeilen in die Augen des Lesers ebenso wie die teils poetische Sprache innerhalb manches Schachtelsatzes.

Zum Beispiel nicht an Land zu gehen, an Neuland, weil man den Regenschirm irgendwo im Schiff vergessen hat...! ;-) Sehr scharfsichtig.

VictoriaHohmann

vor 3 Monaten

1. Der Heizer

Ich muss sagen, dass ich mich mit dem ersten Kapitel schwer getan habe. Was sicherlich auch daran liegt, dass ich ständig nur ein paar Seiten gelesen habe, dann wieder Faden verloren und von vorne etc. Jedenfalls: Was auf mich einen besonders starken Eindruck gemacht hat, ist diese (typische) Traum- bzw. Albtraumatmosphäre. Zumindest erscheint es mir so. Alles ist irgendwie verfremdet - angefangen von der Freiheitsstatue mit Schwert. Und dann werden die auftauchenden Personen/ wird das Geschehen überzeichnet, fast wie in einer Verwechslungskomödie (das Erkennen des Neffen S. 29) oder agieren überzogen (Karl küsst die Hand des Heizers, S. 37), manchmal fast wie Puppen. Das Gefühl der Traum-/Albtraumsequenz bzw. der Unwirklichkeit wird auch z.B. durch das Vergessen und plötzliche Erinnern an den verlorenen Koffer (S. 33) verstärkt.
Ich glaube, ich muss dieses Kapitel noch x Mal lesen, um es möglichst vollständig zu kapieren. Vielleicht hat das aber auch mit einen Hineinfinden in den Stil zu tun - denn mit dem zweiten Kapitel läuft das Lesen dann schon wieder flüssiger.

Für mich auch völlig irre: die Dienstmagd, diese vermeintlich fromme, hexenartige. Toll wie Kafka sie beschreibt. (Wirklich "toll", sozusagen). Und erschütternd: diese Vergewaltigungsszene oder zumindest Missbrauchsszene. Fand ich ziemlich heftig. Frage an die Biographie-Kenner: Ist da wirklich mal etwas vorgefallen? Oder mehr eine Verdrehung eines typischen Auswandererschicksals durch Kafka? Verfremdung von Amerika-Klischees?

kingofmusic

vor 3 Monaten

1. Der Heizer

VictoriaHohmann schreibt:
Und erschütternd: diese Vergewaltigungsszene oder zumindest Missbrauchsszene. Fand ich ziemlich heftig. Frage an die Biographie-Kenner: Ist da wirklich mal etwas vorgefallen? Oder mehr eine Verdrehung eines typischen Auswandererschicksals durch Kafka? Verfremdung von Amerika-Klischees?

Ich gucke noch mal in die Biografie von Peter-André Alt - da gibt es ein großes Kapitel nur zu Amerika. Bei Stach wüsste ich jetzt nicht, dass er so was erwähnt...

VictoriaHohmann

vor 3 Monaten

2. Der Onkel
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Naibenak schreibt:
Ich sag nur: ein Klavier, ein Klavier!!!! hahahahaha :D Diese Szenen mit den Fahrstühlen oder aber der unendlichen Freude über das Klavier!!! Einfach göttlich <3 Ganz besonders dies hier: "Als er es in seinem Zimmer hatte und die ersten Töne anschlug, bekam er eine so närrische Freude, daß er, statt weiterzuspielen, aufsprang und aus einiger Entfernung, die Hände in den Hüften, das Klavier lieber anstaunte." (S.44) Ich hab mich gekringelt - so niedlich! *kicher* <3 Und da fällt mir ein, heut Abend werde ich wohl (hoffentlich) auch wieder Besitzerin eines (E-)Pianos sein, das ich dann mit Sicherheit auch eine Weile anstaunen muss ;-) Der Onkel ist ja der Megagroßunternehmer *staun*... wie Kafka die damaligen Call-Center beschreibt, den Angestellten, deren rechte Hand unnatürlich und schnell zuckt... das finde ich beeindruckend. Die Geschäftigkeit... jeder ist nur mit sich selbst beschäftigt... so irre, weil es so unglaublich aktuell ist!!! Und dann der Herr Pollunder!!! Bei diesem Namen denke ich sofort an das Wort "Pullunder" - lach... ob das bewusst so gewählt wurde von Kafka? Ein Pullunder ist ja etwas kuschelig-wärmendes, umschmeichelndes... Und wenn ich mir diese Person so ansehe und, vorallem, wie er sich um Karl bemüht... da entdecke ich durchaus Parallelen *lach* ;-)

<3
Auch schön fand ich: "Diese einsame Untätigkeit, die sich in einen arbeitsreichen New Yorker Tag verschaut (...)" (S. 41)

"(...)er konnte sich viele englische Klagerufe dauernd aneignen, die er er während dieses Lernens zu seinem Englischprofessor atemlos ausstieß (...)" (S. 47)

"(...) jeder schloß sich den Schritten des im Vorgehenden an und sah auf den Boden, auf dem er möglichst rasch vorwärtskommen wollte (...)" (S. 49)

Dann: Pollunder?! (lol!!) Die Spießigkeit bekommt einen Namen - oder wie?!


Das sind die Stellen, die mich mit dem Kapitel ein wenig versöhnen. An sich eine Soap. Überzeichnet, alles. Kein Wunder, das Max Brod im Nachwort (der Ausgabe, die ich lese) den Text mit Chaplin-Filmen vergleicht - auch wenn Kafka die nicht kannte.
Es freut, mal so etwas lebensfroh-ironisches von Kafka zu lesen. Zumindest ging es mir bei diesem Kapitel so. Auch wenn vieles unlogisch ist und die Unlogik nicht mit Konsequenz betrieben wird, sodass bei mir der Eindruck entsteht, Kafka machte sich naiv ein Bild - vielleicht auch nur Spielerei - oder beides - und ja durchaus gerechtfertigt.

VictoriaHohmann

vor 3 Monaten

3. Ein Landhaus bei New York

Auf den ersten beiden Seiten konnte mich Kafkas Sprache noch bei der Stange halten, freute mich über Karl, der "im Gehen allmählich aufwachte" (S. 56) - das Unwirkliche, vereinnahmt von der eigenen Wahrnehmung, dem eigenen (Alp-)traum hier toll beschrieben.
Auch: S. 57: "(...) sagte Pollunder, und die Rede rollte schon wütend über die wulstige Unterlippe, die als loses, schweres Fleisch leicht in große Bewegung kam." - das ist doch mal die Beschreibung einer Lippe :-)!!

Aber dann... herrje. Kafkas Amerika ist ja gar kein Amerika, wie hier deutlich wird - sondern ein Kafka-Kosmos voller Selbstgeißelung, Selbstentfremdung, Fremdbestimmung. Es ist für mich einfach ein Ort, eine Fremde - der Prozess klingt schon durch, der Bau (S. 73 ff., das Gang-Labyrinth des Landhauses).

Das Rangeln mit der "tolle Katze" Klara, bereits an Mack vergeben, als absurd verklemmte Lächerlichkeit dargestellt, Beziehungen werden vorgeführt, als sinnlos und gescheitert von Vorneherein. Schrecklich.
Askese und das Gefangen-Sein in sich selbst als Grundthematiken lassen die Zeilen zäh werden, vielleicht, weil es noch ein hoffnungsfroher, komödiantischer Unterton mitschwingt und die radikale Vernichtung noch nicht droht. Auf S. 93 habe ich mir an den Rand geschrieben: "Logisch, dass Kafka ersticken musste."


Die Idee mit der nicht vorrückenden und dann plötzlich schon geschlagenen Stunde hätte sich von mir aus über weitere Strecken des Kapitels dehnen können.

Das Verstoßen, das Gegen-den-Willen des Protagonisten und ihm einen fremden Willen aufzwingen (hier mit dem Brief, dem Verstoßen und dann auch plötzlich wieder die Requisiten der Figur aus dem Ärmel zaubern, als seien sie nie fort gewesen)
- so "Prozess".

Für mich bisher ein Buch, dass mir keine besondere Lesefreude bereitet - aber interessant in der Hinsicht ist, dass etliche von Kafkas Ideen für andere Texte darin enthalten sind. Es ist wie ein Sammelsurium, ein Brainstorming, auch ein Medley - etliche Lieder bzw. Motive anderer/späterer Texte werden angespielt. Leider alles recht unentschieden. Vielleicht scheint das auch nur so, weil hier alles Komödie ist - oder eben dieser komödiantische Ton so deutlich ist, sodass die Abgründe gleichzeitig zurückgenommen werden und dann alles schwammig wird. Zumindest bei meinem Lesen - das ja auch immer von der Tagesverfassung abhängt. ;-)

VictoriaHohmann

vor 3 Monaten

2. Der Onkel

S. 47: Wurde daraus später "Auf der Galerie"?

Bouggo

vor 2 Monaten

Fazit / Links zu den Rezensionen

Tja, hmm… irgendwie ist die Leserunde auf dem Weg nach Ramses eingeschlafen. Muss aber auch sagen, ich selbst konnte mich noch nicht aufraffen, eine Zusammenfassung und Rezension zu schreiben. Das Leben bietet zu viel Abwechslung bzw. der Alltag fordert seinen Tribut. Und Kafka ist schon harte Kost. Der liest sich wirklich nicht einfach so, und zu ihm schreibt sich auch nicht etwas einfach so.

Heute wollte ich mal wieder nachsehen, ob sich in der Runde was getan hat. Das kam nach einem ewig langen Traum, in dem ich mit meinem Enkel auf einem Konzert war und ihn aus den Augen verloren hatte. Es folgte eine wirklich nicht enden wollende Suche, einschließlich Vorsprechen bei der Polizei, die jedoch nur mäßig interessiert war, genaugenommen abweisend. Und dann dann war da immer noch die Frage im Hintergrund: Wie bringe ich das meiner Tochter bei …

Es kann nur der Geist Kafkas selbst sein, der hier in der Leserunde mitmischt. Oft genug hatte er seinen Verlegern gesagt, lieber wäre ihm, nichts zu veröffentlichen. Und seinem Freund Max Brodt hatte er aufgetragen, alles Unveröffentlichte nach seinem Tod zu vernichten. Daran hat er sich nicht gehalten. Und ich bin mir nicht sicher, ob ich ihn dafür verachten oder ihm dankbar sein soll.

Wie soll da zu erwarten sein, dass bei einem so widerspenstigen Autor eine Leserunde rund läuft?

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