"Komm mit zur Weihnachtskrippe" von Franz Kamphaus hat mich leider enttäuscht. Obwohl das Thema an sich – die Weihnachtskrippe und ihre Bedeutung – viel Potenzial für ein illustriertes Kinderbuch bietet, konnte mich die Umsetzung weder inhaltlich noch gestalterisch überzeugen.
Die Illustrationen von Eugen Stross sind recht grob gehalten und für mein Empfinden zunächst gewöhnungsbedürftig. In Kombination mit den überwiegend dunklen Farben entsteht eine insgesamt düstere und schwere Atmosphäre, die ich für ein Weihnachtsbuch für Kinder als wenig einladend empfinde. Erschwerend kommt hinzu, dass die Schrift stellenweise schlecht lesbar ist, da sie auf dunklem und fleckigem Hintergrund liegt – auch das ist aus meiner Sicht ein klarer handwerklicher Mangel.
Inhaltlich ist der Text leider alles andere als zeitlos. Gleich zu Beginn heißt es: „Du erinnerst dich vielleicht noch an das Jahr, in dem du in den Kindergarten kamst oder in die Schule, 1997 oder 1994 … Das liegt nun schon einige Jahre hinter dir.“ Das Buch ist im Jahr 2000 erschienen, richtet sich also vermutlich an Grundschulkinder. Ob diese jedoch heute – Jahrzehnte später – den notwendigen zeitlichen Transfer eigenständig leisten können, bezweifle ich. Auch im weiteren Verlauf tauchen konkrete Jahresangaben auf, die aus heutiger Sicht schlicht nicht mehr passen. Das hätte sich mit einer allgemeineren Formulierung leicht vermeiden lassen.
Problematisch finde ich zudem die Sprache. Kamphaus verwendet unter anderem den Begriff der sogenannten „Dritten Welt“, der bereits seit den 1990er Jahren als veraltet und negativ konnotiert gilt. Gerade in einem Buch für Kinder hätte ich hier eine sensiblere Wortwahl erwartet. Insgesamt sind viele Formulierungen nicht wirklich kindgerecht. Besonders deutlich wurde das für mich in der Geschichte „Der goldene Rahmen“, in der zahlreiche Vergleiche herangezogen werden, die eher wie eine Predigt für Erwachsene wirken als wie ein Text, der Kinder emotional und intellektuell abholt.
Dass Franz Kamphaus, der 2024 verstorben ist, Bischof von Limburg und Hochschullehrer in Münster war, macht meine Enttäuschung noch größer. Gerade von jemandem mit dieser Erfahrung hätte ich mehr Fingerspitzengefühl für junge Gläubige und deren Lebenswelt erwartet.
Insgesamt bleibt für mich der Eindruck eines Buches mit guter Absicht, das jedoch inhaltlich überholt, sprachlich problematisch und gestalterisch wenig zugänglich ist. Für heutige Kinder halte ich "Komm mit zur Weihnachtskrippe" leider für nicht gut geeignet.









