Franz Stadelmaier

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Franz StadelmaierDie Sowjetunion 1917 - 1991
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Die Sowjetunion 1917 - 1991
Die Sowjetunion 1917 - 1991
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Erschienen am 01.04.1999

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Rezension zu "Die Sowjetunion 1917 - 1991" von Franz Stadelmaier

Rezension zu "Die Sowjetunion 1917 - 1991" von Franz Stadelmaier
SiColliervor 6 Jahren

Es ist erstaunlich, wie leicht Menschen, besonders Menschenmassen, getäuscht werden können und bereit sind, zu verehren und zu vergessen. (Seite 73)

Meine Meinung

Wie wäre die Weltgeschichte wohl verlaufen, wenn am 8. Mai 1887 ein gewisser Alexander Uljanov nicht hingerichtet worden wäre? Sein jüngerer Bruder hatte immer zu ihm aufgeschaut und seine Führungsrolle anerkannt. Aber nun war Alexander tot, und sein Bruder wandte sich dem Marxismus zu. Er sollte die Welt verändern. Bekannt wurde er allerdings nicht unter seinem Namen „Uljanov“ - sondern als Wladimir Iljitsch Lenin.

Doch das zählt noch zur Vorgeschichte im 19. Jahrhundert, mit der das Buch beginnt. Sehr bald wird deutlich, daß es im damaligen Russischen Reich Veränderungen geben mußte . Ich habe mich unwillkürlich gefragt, wie ein Volk über einen so langen Zeitraum dermaßen geknechtet (mir fällt gerade kein anderer Ausdruck ein) leben konnte wie unter der Zarenherrschaft.

Nun kann man auf rund 120 Seiten (der Rest ist Anhang) keine vollständige und umfassende Darstellung eines so gewaltigen Themas bringen. Das will das Buch aber auch gar nicht leisten. Nachdem ich gerade Scholochows „Der stille Don“ ausgelesen hatte, wollte ich wissen, wie das damals denn wirklich so ging. Als eine Einführung in das Thema, um einen Überblick zu erhalten, ist dieses Buch hervorragend geeignet. Es bringt im Anhang Auszüge aus den wesentlichen Quellentexten, die im Buch zitiert werden, und wirkt auf keiner Seite trocken. Im Gegenteil - es ist sehr flüssig lesbar geschrieben, wie ich selten ein Sachbuch bisher vorgefunden habe.

Interessant die Zahlenvergleiche, die mich wiederum ins Erstaunen brachten. Denn die Zahlen zeigen deutlich, daß der Sozialismus, wie er eingeführt wurde, mitnichten die angestrebten Ziele erreichte, sondern im Gegenteil, Wirtschaft wie Lebensbedingungen immer schlechter wurden. Was mit großem Elan und Unterstützung der Bevölkerung begonnen hatte, verfestigte sich zu einer Herrschaft, die die Lebensverhältnisse im Vergleich zu früher nicht bessern konnte, oftmals sogar verschlechtert hat. Nur ein Beispiel: gab es im Jahre 1913 noch 67,9 Millionen Tonnen Ernteerträge, so waren das im Jahre 1922/1923 nur noch 47,8 Millionen Tonnen (S. 51).

Auf Lenin folgte Stalin mit seiner Schreckensherrschaft. Wenn man sich die Zahlen der Ermordeten ansieht, kann einem schwindelig werden. Zu Ende seiner Herrschaft waren rund 10-12% der Bevölkerung (ca. 20 Millionen Menschen) in Straflagern und Zwangsarbeit; während seiner „Säuberungen“ wurden ca. 500.000 Menschen liquidiert, 4 - 5 Millionen kamen in Zwangsarbeit oder wurden verbannt.

Es folgte nach seinem Tod das kurze Tauwetter, bevor nach vielen Jahren ein gewisser Michail Sergejewitsch Gorbatschow an die Macht kam. Er ging als letzter Präsident der UdSSR in die Geschichte ein.

Besonders interessant empfand ich die Buchteile, die sich mit Geschehnissen befaßten die ich als Zeitgenosse selbst miterlebt habe. Vieles kam mir wieder in Erinnerung; ich möchte nicht wissen, wie oft die Welt nur knapp einer Katastrophe entgangen ist, weil selbst zu dieser Zeit die „stalinistische Fraktion“ ein nicht zu unterschätzender Faktor war.

Schließen möchte ich mit dem Zitat eines ukrainischen Abgeordenten im Obersten Sowjet von Ende August 1991, wenige Tage nach dem gescheiterten Putsch:

„Schrecklich ist nicht, was war; schrecklich ist, was sein wird; schrecklich ist, daß wir nicht wissen, was uns erwartet.“ (Seite 116)


Kurzfassung

Eine lesenswerter Kurzüberblick über die Geschichte der ehemaligen UdSSR (mit Vorgeschichte) bis zum Ende der Sowjetunion 1991.

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