Franz Werfel

 4,2 Sterne bei 217 Bewertungen
Autorenbild von Franz Werfel (©Gemeinfrei)

Lebenslauf

Franz Werfel wurde 1890 als Sohn eines jüdischen Kaufmanns in Prag geboren. Bereits während der Schulzeit veröffentlichte er seine ersten Gedichte. 1912 ging er nach Leipzig, wo er als Lektor beim Kurt Wolff Verlag tätig war. Im Ersten Weltkrieg wurde er zum Kriegsdienst eingezogen und 1917 in das Wiener Kriegspressequartier versetzt. 1938 emigrierte er nach Frankreich und zwei Jahre später über die Iberische Halbinsel in die USA. Dort starb Franz Werfel 1945 in Beverly Hills.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Franz Werfel

Cover des Buches Die vierzig Tage des Musa Dagh (ISBN: 9788075830548)

Die vierzig Tage des Musa Dagh

(45)
Erschienen am 20.04.2017
Cover des Buches Eine blassblaue Frauenschrift (ISBN: 9783150191668)

Eine blassblaue Frauenschrift

(51)
Erschienen am 29.09.2017
Cover des Buches Der Abituriententag (ISBN: 9783947618170)

Der Abituriententag

(28)
Erschienen am 01.01.2018
Cover des Buches Das Lied von Bernadette (ISBN: 9783746252704)

Das Lied von Bernadette

(16)
Erschienen am 28.08.2018
Cover des Buches Stern der Ungeborenen (ISBN: 9783954187799)

Stern der Ungeborenen

(15)
Erschienen am 08.07.2016
Cover des Buches Der veruntreute Himmel (ISBN: 9783738059687)

Der veruntreute Himmel

(12)
Erschienen am 14.02.2016
Cover des Buches Verdi (ISBN: 9783570580042)

Verdi

(10)
Erschienen am 24.08.2009
Cover des Buches Jacobowsky und der Oberst (ISBN: 9783104002293)

Jacobowsky und der Oberst

(9)
Erschienen am 26.09.2013

Neue Rezensionen zu Franz Werfel

Cover des Buches Der Abituriententag (ISBN: 9783947618170)
C

Rezension zu "Der Abituriententag" von Franz Werfel

Christian_Fis
Die Schatten der Jugend

Franz Werfels Erzählung zeigt das psychologische Porträt von Ernst Sebastian, einem Untersuchungsrichter, der durch eine Begegnung an seine Schulzeit erinnert wird. Damals hatte er Franz Adler aus Neid, Eigennutz und dem Drang nach Macht gedemütigt. Werfels Interesse liegt weniger in einem grossen Sozialpanorama als in den Mechanismen von Macht, Prestige und Gewissensnot, wodurch das psychologisches Drama entsteht.

Sprachlich arbeitet Werfel mit dichter, gehobener Prosa: Bildhafte Wendungen, lyrische Verdichtungen und ein manchmal pathetischer Ton eröffnen Einblicke in die seelische Erregung der Figuren. Die Erzählung ist klar strukturiert und konzentriert sich auf innere Monologe und Bewusstseinsverschiebungen, wodurch Sebastians Selbsttäuschung und moralische Konfrontation unmittelbar erfahrbar wird.

Sie bietet einen kompakten Einblick in die Mechanismen von Macht, sozialem Gefälle und Gewissenskonflikten. Die Handlung stellt Fragen von Schuld, Verantwortung und Schein versus Sein und verdeutlicht, wie stark Herkunft, Privilegien und Neid menschliches Verhalten prägen und ihre Wirkung bis in die Gegenwart spürbar bleibt.

So entsteht ein komprimierter Einblick in soziale Hierarchien, Mechanismen der Machtausübung und die später einsetzenden Gewissensnöte. Die Handlung wirft Fragen nach Schuld, Verantwortung und dem Gegensatz von Schein und Sein auf und zeigt, wie sehr Neid, Herkunft und Privilegien insbesondere das Verhalten junger Menschen prägen.

Cover des Buches Die vierzig Tage des Musa Dagh (ISBN: 9788075830548)
Federfees avatar

Rezension zu "Die vierzig Tage des Musa Dagh" von Franz Werfel

Federfee
Nationalismus und der Völkermord an den Armeniern

Es ist schon etliche Tage her, dass ich das Buch zugeklappt habe, aber es beschäftigt mich immer noch. Es ist einer der besten Klassiker, den ich je gelesen habe: basierend auf Tatsachen, spannend, mit tiefgehenden Personencharakterisierungen, von immerwährender Aktualität wegen der beschriebenen gesellschaftlichen Probleme und Themen und nicht zuletzt Informationen über den Völkermord an den Armeniern.

Wie kam es überhaupt zu diesem Buch?

Franz Werfel und seine Frau Alma fielen beim Besuch einer Teppichweberei in Damaskus ausgehungert aussehende Kinder mit großen Augen auf und sie erfuhren auf Nachfrage, dass es Überlebende des Genozids der Türken an den Armeniern waren. Als Werfel zudem noch von Widerstandskämpfern hörte, die sich 53 Tage auf dem Musa Dagh (Mosesberg) verschanzt hatten, bevor sie von alliierten Schiffen gerettet wurden, ließ ihn das nicht mehr los und er begann umfangreiche Recherchearbeiten. Sein Ziel: 'das unfassbare Schicksal des armenischen Volkes dem Totenreich alles Geschehenen zu entreißen'. Und das ist ihm bestens gelungen, auch wenn sein Roman der Bücherverbrennung der Nazis zum Opfer fiel. Die Parallelen sind unübersehbar: 'Unterdrückung, Vernichtung von Minoritäten durch den Nationalismus …', schreib Werfel an seine Eltern.

Zum Roman

Es fängt idyllisch an: Gabriel Bagradian, ein Geistesmensch, seit 23 Jahren in Frankreich lebend und mit der Pariserin Juliette verheiratet, ein Sohn, besucht wegen des Todes seines älteren Bruders sein Heimatdorf  Yoghonoluk, eines von sieben Dörfern auf der meerabgewandten Seite eines Gebirgszuges. Es ist eine wunderschöne Landschaft, der französischen Riviera ähnlich; die von Handwerkern bewohnten Armenierdörfer sind schmuck und sauber. Man muss wissen, dass die christlichen Armenier schon immer dort lebten; früher gehörte die Gegend teilweise zu Syrien, heute zur Türkei. Es ist ratsam, sich eine Karte neben das Buch zu legen, um alles verorten zu können.

Doch dann beginnt das Unglück: der Erste Weltkrieg ist in vollem Gange und 1915 verbündet sich das Osmanische Reich mit den beiden Mittelmächten gegen die Triple Entente (Vereinigtes Königreich, Frankreich, Russland).  Den Armeniern werden von den Türken die Pässe entzogen, auch Gabriel Bagradian, so dass er mit seiner Familie  nicht mehr weg kann. In Istanbul werden alle armenischen Intellektuellen und Geschäftsleute verhaftet, was als Beginn der Armenierverfolgung gilt. Es folgen Deportationen mit dem Ziel der völligen Vernichtung. Bagradian hatte inzwischen wegen seiner Beobachtungen und düsteren Vorahnungen begonnen, sich ein Bild von der Bevölkerung und der Ausstattung mit Waffen zu verschaffen und den Musa Dagh zu kartieren. Als es Ernst wird, beschließt der Großteil der Dorfbevölkerung in einer großen Versammlung, sich auf dem Berg zu verschanzen und Widerstand zu leisten.

Mir hat es sehr imponiert, wie das alles organisiert wurde: Anführer wählen, heimlich Vorbereitungen treffen, alles hochschaffen und schließlich dem Deportationsbefehl zuvorkommen. Oben zeigt sich dann, wie schwierig es ist, eine Gemeinschaft aufzubauen, für was alles gesorgt werden muss und welche Schwierigkeiten auftreten, nicht zuletzt solche zwischen den reicheren und ärmeren Dorfbewohnern. Es gibt Neid, Streit und Unzufriedenheit und bei einigen den Wunsch, alles für sich zu behalten. Bagradian, der einmal türkischer Reserveoffizier war, organisiert den militärischen Widerstand.

Es passieren unglaublich viele Dinge: Angriffe der Türken, erfolgreicher Widerstand, Versuche, den Armeniern zu helfen, Hunger und Krankheit, Liebe und Hass. Wir bekommen Einsicht in die politische Lage: die Verwicklungen des Deutschen Reiches und seine Mitschuld, die hier allerdings nur gestreift wird. 'Das Narkotikum des Nationalismus', schreibt Werfel an seine Eltern. In Wirklichkeit sind den Politikern und Militärs des Deutschen Reiches die Armenier völlig egal und es stehen nur die Interessen der Mittelmächte gegen die Entente und Wirtschaftliches im Vordergrund:  die Bagdadbahn, die Ölfelder in Mossul, Baumwolle.

Aber die Ausgrenzung von Fremden ist ein Phänomen, das selbst auf dem Musa Dagh eine Rolle spielt. So bleibt Juliette immer eine nicht anerkannte Fremde und selbst gegen Bagradian gibt es trotz aller Verdienste Vorbehalte. Sie bleiben 'die Zugereisten, Überheblichen und Unrechten.'

Dieses Buch ist so reichhaltig, dass meine Rezension ihm leider nicht gerecht werden kann. Ich staune über Werfels Vielseitigkeit, wie er Landschaftsschilderungen, Politisches, Militärisches, Personencharakterisierungen unter einen Hut bringt und wie es nie langweilig wird.

Es ist ein leidenschaftliches Plädoyer gegen die Verfolgung und Vernichtung von Minderheiten, das allerdings seiner Entstehungszeit entsprechend an manchen stellen ein wenig zu pathetisch klingt. Das mindert aber in meinen Augen keineswegs seinen Wert, so dass ich gerne eine volle Lese-Empfehlung ausspreche.

Cover des Buches Das Lied von Bernadette (ISBN: 9783746252704)
Wolf-Macbeths avatar

Rezension zu "Das Lied von Bernadette" von Franz Werfel

Wolf-Macbeth
Ein Lied über Wunder

Selbst als Atheist hat mich Franz Werfels "Das Lied von Bernadette" tief berührt. Die Erzählung über Bernadette Soubirous, ihre Konfrontation mit Unglauben und die Darstellung ihrer Standhaftigkeit sind fesselnd. Werfel entführt die Leser in eine Welt voller Wunder und menschlicher Widersprüche. Die Anklagen gegen Bernadette als Lügnerin und Betrügerin spiegeln die Machtstrukturen der Zeit wider, während das Volk sie unterstützt. Die Darstellung von Bernadettes innerem Konflikt und ihre Entscheidung, ins Frauenkloster zu gehen, verleihen der Geschichte Tiefe. Die Sprache des Romans ist literarisch und fesselnd. "Das Lied von Bernadette" ist nicht nur ein Klassiker der Weltliteratur, sondern auch eine eindrucksvolle Reflexion über Glauben, Macht und Menschlichkeit.

Gespräche aus der Community

Kennt einer von euch "Die vierzig Tage des Musa Dagh". Ich bin nämlich grad auf der Suche nach einem Buch für einen Vortragmit dem Thema "Die Umsetzung geschichtlicher Ereignisse in der Literatur" und mir wurde bisher das vorgeschlagen. Ist dieses Buch eurer Meinung nach dafür geeignet und wenn nicht, habt ihr andere Ideen? Danke schon im Voraus.
Zum Thema
2 Beiträge
Schiller-Buchhandlungs avatar
Letzter Beitrag von  Schiller-Buchhandlung
Ich habe vor langer Zeit mal angefangen das Buch zu lesen, bin aber gescheitert. Es erscheint mir jedoch sehr gut zu dem Thema zu passen, weil es die Vertreibung und Ermordung der Armenier behandelt, also ein geschichtliches Ereignis, aber in Romanform. Als Alternative würden mir noch die historischen Romane von Stefan Zweig einfallen - das sind allerdings eher Romanbiographien. Interessant zu diesem Thema könnten auch noch die historischen Romane von Lion Feuchtwanger sein.

Zusätzliche Informationen

Franz Werfel wurde am 09. September 1890 in Prag geboren.

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Community-Statistik

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auf 26 Merkzettel

von 5 Leser*innen aktuell gelesen

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