Franz Werfel Eine blassblaue Frauenschrift

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Inhaltsangabe zu „Eine blassblaue Frauenschrift“ von Franz Werfel

Ein Tag im Herbst 1936: Der Aufsteiger Leonidas, Sektionschef in einem Wiener Ministerium, erhält einen Brief seiner einstigen jüdischen Geliebten, der seine soziale Existenz gefährdet. Werfel zeichnet in seinem »kurzen Roman« ein spannend erzähltes Porträt einer von Norm- und Subjektkrisen gezeichneten Epoche, einer Zeit, die so unberechenbar erschien, dass das Ich nicht einmal seiner selbst sicher sein konnte.
Die Erzählung entstand in Frankreich auf Werfels Flucht vor den Nationalsozialisten und wurde schließlich in einem argentinischen Verlag publiziert. Der hier präsentierte Text folgt dem Erstdruck von 1941.

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  • Rezension zu "Eine blaßblaue Frauenschrift" von Franz Werfel

    Eine blassblaue Frauenschrift

    dyke

    16. October 2009 um 15:18

    Inhalt: Österreich kurz vor dem Anschluss an Hitler-Deutschland. Leonidas, Sohn eines Gymnasialprofessors blickt mit Fünfzig stolz auf sein bisheriges Leben zurück. Er hat es geschafft! Dank eines Fracks, den er durch den Selbstmord eines Kommilitonen erhält, seiner exzellenten Walzer-Linksdrehung und seiner Anpassungsfähigkeit hat er in die besten Kreise eingeheiratet und gehört nun als Ministerialbeamter zu den Mächtigen, die im Hintergrund die Fäden ziehen. Da erhält er einen Brief , geschrieben in einer blaßblauen Frauenschrift. Eine frühe Liebe zu einem jüdischen Mädchen, die er schon in den tiefsten Winkel seines Gedächtnisses gesperrt meint, tritt urplötzlich wieder in sein Leben. Und als der den Brief nach langem Zögern öffnet, liest, sieht er plötzlich all das von ihm Geschaffene, Erreichte in großer Gefahr. Meine Meinung: Diese kleine Erzählung ist im wahrsten Sinne eine Perle der deutschsprachigen Literatur. In einem charmanten harmlosen Plauderton kommt sie daher, diese Erzählung. Oberflächlich ein Einblick in die wirre Gedankenwelt und Taten eines arrivierten Mannes, den seine Vergangenheit einholt. Doch hintergründig für mich ein Lehrstück über Karrieremenschen, denen nur ihre eigene Behaglichkeit und ihr "Gesicht" in der Öffentlichkeit wichtig ist, das auch heute noch seine Gültigkeit besitzt. Obwohl ein Stück der sogenannten "Klassiker", hat diese Erzählung alles, was gute Unterhaltungsliteratur ausmacht: Witz, Spannung, Emotionen, gut lesbare Sprache, mit einem Anreiz zum Nachdenken. Unbedenklich empfehlenswert für alle, die Spaß am Lesen haben. Wenn ich könnte, würde ich hier ein "Spitze mit Zusatzsternchen" geben.

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  • Rezension zu "Eine blaßblaue Frauenschrift" von Franz Werfel

    Eine blassblaue Frauenschrift

    UteSeiberth

    27. June 2009 um 22:11

    Der aus ärmlichen Verhältnissen aufgestiegene Leonidas erschrickt eines Tages wegen eine Briefes in blaßblauer Frauenschrift.Die Schrift gehört seiner früheren jüdischen Geliebten und beschwört eine schwierige Situation für ihn herauf. Hat er einen unehelichen jüdischen Sohn und muss er diesen Seitensprung seiner reichen Frau beichten,mit der er in einer kinderlosen Ehe lebt?Diese innerlichen Monologe empfinde ich leider als ziemlich theatralisch und sentimental,deshalb war ich von dieser Erzählung nicht so angetan wie ich gehofft hatte.

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  • Rezension zu "Eine blaßblaue Frauenschrift" von Franz Werfel

    Eine blassblaue Frauenschrift

    Anja_Lev

    25. June 2009 um 10:07

    Werfel bezieht sich in diesem Buch nur auf einen einzigen Tag des Wiender Beamten Leonidas Paradini. An diesem Tag erhalt Paradini, seit 20 Jahren eher aus Gewohnheit denn aus Liebe verheiratet einen Brief seiner ehemaligen Geliebten Vera Wormser in dem sie ihm mitzuteilen scheint, dass sie einen gemeinsamen Sohn haben, den Paradini nun zum Schutz vor den Nationalsozialisten zu sich nach Wien holen soll. Dieser Brief versetzt den Protagonisten derart in Aufregung und weckt sein Gewissen, dass er sich ganz anders verhält als sonst für ihn üblich und lässt ihn sein Leben reflektieren. Dass am Ende doch einiges nicht so ist wie es scheint und anderes bleibt wie es ist, ist eine interssante Moral der Geschichte, die verdeutlicht, wie weit das, was ein Mensch gerne tun würde und das, was er sich wirklich motivieren kann, umzusetzen, weit auseinanderklaffen können und Gewohnheit und Bequemlichkeit untergeordnet sind.

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  • Rezension zu "Eine blaßblaue Frauenschrift" von Franz Werfel

    Eine blassblaue Frauenschrift

    Kiwiken

    25. February 2009 um 19:17

    Ich habe mir dieses Buch besorgt, weil ich die zugrundeliegende Idee interessant fand. Die Hauptfigur, Leonidas, hat in den Anfangsjahren seiner Ehe eine Affäre gehabt (unter Vorspiegelung von Heiratsabsichten) und bekommt nun, viele Jahre später, einen Brief von der damaligen Geliebten. Es ist die Anfangszeit des Nationalsozialismus, die Frau ist Jüdin, und sie bittet ihn, sich in Österreich für einen jungen Mann einzusetzen, der aufgrund seiner jüdischen Herkunft in Deutschland nicht mehr studieren darf. Leonidas ist nun in einer Zwickmühle, denn seine einflussreiche Stellung hat sich der Opportunist durch Charme, Beziehungen und nicht zuletzt Anpassung "verdient", und seinen Wohlstand verdankt er einzig seiner Ehefrau, die deshalb tunlichst nichts von der Affäre erfahren sollte... andererseits aber hat der junge Mann, von dem die Rede ist, das passende Alter, um sein Sohn zu sein - ein jüdischer Sohn, was würde das für seine Karriere bedeuten? So weit, so spannend. Das Buch ist relativ dünn und auch sprachlich nicht schwierig, lässt sich daher recht schnell lesen. Gelegentlich fand ich die eine oder andere Formulierung etwas merkwürdig, es kam mir irgendwie künstlich, "gewollt ungewöhnlich" vor, aber das mag ebensogut reine Geschmackssache sein. Positiv fand ich auf jeden Fall, daß die Thematik Nationalsozialismus/Antisemitismus hier mal von einer ganz anderen Seite als sonst beleuchtet wird, die Kombination mit der geheimen Affäre und dem daraus womöglich hervorgegangenen Kind, mit der reichen betrogenen Ehefrau und der ebenfalls betrogenen Geliebten ist ein interessantes Paket. Leider muß ich ansonsten aber sagen, daß man aus der Idee mehr hätte machen können. Der Charakter Leonidas, die Personifizierung des gewissenlosen Opportunisten, fühlt sich für mich nicht plausibel an, und meiner Meinung nach hätte die Geschichte durch etwas weniger Eindimensionalität, durch einen wirklichen Gewissenskonflikt oder Schuldgefühle, eher an Eindringlichkeit gewonnen, selbst bei gleichem Ergebnis. Ich kann mir nicht vorstellen, daß es Menschen gibt, die so egoistisch sind, daß das Schicksal anderer sie niemals wirklich berühren kann - eher schon wird es erfolgreich verdrängt. Wenn Leonidas etwas bedauert, dann allenfalls seine verlorene Chance auf Vaterschaft, nicht aber das von ihm verursachte Leid der betrogenen Geliebten, der Ehefrau, des möglichen Kindes... als sich während des Studiums sein Mitbewohner im Nebenzimmer erschießt, ist sein einziger Gedanke, ob er das aus Rücksicht nicht hätte anderswo tun können. Schön plakativ, aber irgendwie macht es sich der Autor damit für meinen Geschmack zu einfach und wird so der beschriebenen Konfliktsituation nicht gerecht. Übrigens wurde diese Erzählung 1984 auch fürs Fernsehen verfilmt - offenbar sehr erfolgreich, allerdings kenne ich den Film nicht.

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  • Rezension zu "Eine blaßblaue Frauenschrift" von Franz Werfel

    Eine blassblaue Frauenschrift

    Ferdimax

    25. June 2008 um 11:06

    Bei einem Wienaufenthalt gelesen - ultimativ empfehlenswert - eines der Bücher, bei denen es kribbelt.

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