Dieser Krimi, der im November 1918 in Dresden spielt, ist der erste einer Reihe rund um den sympathischen Reporter Konrad Katzmann. Ein wenig ungewöhnlich ist, dass mehrere Autorinnen und Autoren abwechselnd Kriminalfälle für Katzmann erfinden.
Das Deutsche Kaiserreich liegt im kalten November 1918 in den letzten Zügen. Die Menschen hungern und frieren, die Spanische Grippe fordert täglich ihre Opfer unabhängig ihres sozialen Standes, die Gewerkschaften rufen zu einem Generalstreik auf und Tausende Kriegsversehrte fristen ein Leben ohne Unterstützung.
Da verschwindet Trude, ein kleines Mädchen, dessen Vater Invalide ist, weshalb die Mutter einer Arbeit nachgehen muss, auf dem Weg in die Schule. Die am Rande der Stadt lagernde Roma-Familie gerät sofort in den Fokus diverser Gerüchte und Vorurteile.
Obwohl die Polizei ermittelt, kann zunächst niemand etwas zum Verbleib des Mädchens sagen. Erst als Kommissar Fritz Ganter seinen Freund Konrad Katzmann um Hilfe ersucht, stellt sich heraus, dass in den letzten zwei Jahren mehrere Mädchen verschwunden sind. Da die Vermisstenanzeigen in jeweils einer anderen Wachstube gemacht worden ist und man von einem Davonlaufen ausgegangen wird, kennt die Mordkommission diese Fälle nicht. Nun ist klar, dass es sich um einen Serientäter handeln muss.
Gemeinsam mit seinem Hund Harry macht sich Katzmann, der den Sozialisten nahe steht, auf die Suche nach dem Täter, immer im Einvernehmen mit Kommissar Ganter.
Meine Meinung:
Franziska Steinhauer ist hier ein interessanter historischer Krimi gelungen. Auch wenn ich recht bald den Täter ausfindig gemacht habe, sind die Ermittlungen sehr gut beschrieben. Die Polizei muss, bis auf die Daktyloskopie ganz ohne technische Hilfsmittel auskommen. Lediglich die drahtlose Kommunikation kann eingesetzt werden.
Die Autorin beschreibt die aufgebrachte Stimmung kurz vor dem Friedensschluss und dem Ende der Monarchie in Dresden. Das Alte ist schon fast weg und was das Neue sein wird, ist völlig unklar. Jeder ist sich selbst am nächsten.
Der Krimi ist auch eine gute Milieustudie dieser Zeit. Das Elend der Bevölkerung und da vor allem der kriegsversehrten Soldaten ist greifbar. Besonders schlecht werden jene behandelt, die auf Grund der Erlebnisse schwer traumatisiert sind, die sogenannten Kriegszitterer. Man hält sie für Simulanten und verweigert ihnen und ihren Familien jegliche Unterstützung.
Die beiden Hauptcharaktere Kommissar Fritz Ganter und Journalist Konrad Katzmann sind sehr sympathisch beschrieben.
Fazit:
Obwohl der Krimi mehr eine Milieustudie ist, hat er mir gut gefallen. Ich bin auf die Weiterentwicklung von Ganter & Katzmann gespannt und gebe hier 4 Sterne.