Franziska Streun Mordfall Gyger

(1)

Lovelybooks Bewertung

  • 1 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 1 Rezensionen
(1)
(0)
(0)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Mordfall Gyger“ von Franziska Streun

Jedes Jahr, wenn die Schausteller an Pfingsten in Thun mit Wohnwagen,Putschautos und Rösslispiel auffahren, erinnere ich mich anden Mord an Beat Gyger.Es war Pfingstsamstag, 9. Juni 1973, ein vorsommerlicher und sonnigerTag. Eigentlich hätte der 14-Jährige seiner Grossmutter eine Nachrichtüberbringen sollen. Stattdessen ging er auf den ‹Budeler›, wie derBudenplatzvon den Einheimischen genannt wird. Am Morgen daraufentdeckten zwei Reiterinnen den Ermordeten. Er lag bäuchlings im Lindenbachgrabenzwischen Riggisberg und Schwarzenburg.Damals war ich zehn Jahre alt. Diese Tat und die darauffolgenden Gerüchteerschütterten meine kindlichen Vorstellungen einer heilen Welt.Ein Mord in Thun, ich war geschockt. Jeder weitere Besuch der Chilbiwar in meiner Kindheit verbunden mit der Verunsicherung, dass auchmir etwas zustossen könnte. Seither löst jeder Rummelplatz sofort dieselbenGefühle von damals aus: das Unvermögen zu fassen, dass einsolches Ereignis geschehen konnte, und ausufernde Vorstellungen darüber,was Beat Gyger wohl erlebt haben könnte.Vor einigen Jahren erzählte mir Bernhard Gyger seine Geschichte überden Verlust seines Bruders. Wieder packte mich dieses Gefühl des Unfassbaren,gepaart mit dem Versuch, im Ansatz erahnen zu können, wieein ungeklärtes Tötungsdelikt ein Leben von einer Sekunde auf die andereverändert und fortan prägt. Ich fragte ihn, ob er und seine Familiemir eine Spurensuche erlaubten – ich las Zeitungsberichte, stöberte inArchiven, sprach wiederholt mit der Familie, kontaktierte Klassenkollegen,Lehrer, Schausteller, Verdächtigte, befragte Zeitzeugen, Nachbarn,Witwen von Fahndern, den einstigen Fahndungsleiter, den damals zuständigenUntersuchungsrichter, heutige Fahnder, ehemalige Reporter,Psychiater, über 200 Personen.Die Spuren, die mir suspekt oder sogar verdächtig schienen, verfolgteich vertiefter und suchte zu diesen Themen mehrere Personen auf. Vonder Polizei liess ich mich über die Fahndungsarbeit von heute informieren,hörte mir ihre Beurteilung der damaligen Polizeiarbeit an, recherchierteüber andere Mordfälle, studierte die mögliche Palette von psychologischenAuswirkungen nach Traumata. Zudem verarbeitete ich diemir vorliegenden Akten und Notizen zum Fall Gyger, die ein mittlerweileverstorbener Fahnder für sich angelegt und kopiert hatte. Insgesamtumfasst der Fall Gyger zehn Bundesordner. EinigePersonen wollten –aus welchen Gründen auch immer – nicht über Beat Gyger und dasTötungsdeliktsprechen und verweigerten die Auskunft. Andere redetenzwar, doch sie ärgerten sich darüber, dass in alten Erinnerungen gewühltund dieses Drama 40 Jahre später wieder aufgewärmt wird. Wiederumandere bezeichneten diese Spurensucheals ausserordentlichwichtig. Der Mordfall Gyger ist auch nach 40 Jahren ungeklärt.Aus dem Vorwort von Franziska Streun

Stöbern in Biografie

Gegen alle Regeln

biografischer, düsterer, regelrecht depressiv wirkender "Roman"

Buchmagie

Eisgesang

Toller Reisebericht, der auch Einblicke in die Gedanken und Gefühle der Autorin gibt.

MissPommes

Einmal Gilmore Girl, immer Gilmore Girl

Witzige Einblicke in Lauren Grahams Leben. Als wäre man mit ihr in Lukes Diner zum Kaffee verabredet. Herrlich!

I_like_stories

Neben der Spur, aber auf dem Weg

Ein tolles Buch, das ADS endlich auch für nichtbetroffene Greifbar und Erklärbar macht und das betroffenen Mut gibt. Danke!

I_like_stories

Farbenblind

Tragisch, ergreifend und wissenswert werden hier Einblicke in das Apartheidsystem Südafrikas gewährt, mit etwas Humor gewürzt.

sommerlese

Heute ist leider schlecht

Witzig, intelligent und unterhaltsam

I_like_stories

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Er ist mein Schutzengel

    Mordfall Gyger
    eskimo81

    eskimo81

    06. August 2017 um 20:19

    Pfingstsamstag, 09. Juni 1973. Auf dem Budenplatz findet die jährliche "Chilbi" statt. Schausteller, Bahnen, alles ist anzutreffen. Beat Gyger nutzt die Chance, dass er nochmals zur Grossmutter geschickt wird, um kurz auf dem Platz vorbeizuschauen. Es ist der Platz, wo man ihn zuletzt lebend sah. Am nächsten Morgen finden zwei Reiterinnen seinen Leichnam im Lindenbachgraben.Ein schwarzer Fleck in der Schweizer Geschichte. 1973 - lange vor meiner Geburt. Aber meine Lesefreundin, die etwas älter ist, hat die Geschichte am Rande mitbekommen und mir das Buch zum lesen in die Hand gedrückt. Ich kannte die Geschichte bisher nicht und bin nun am ende des Buches einfach nur sprachlos. Fassungslos. Erschüttert. Franziska Streun hat einen fesselnden und sehr guten Schreibstil. Das Buch wirft zwar viele Fakten aber auch viele Fragezeichen auf, aber trotz allem ist es so fasziniert geschrieben ist, dass man es nicht mehr aus der Hand legen mag. Ich bin wirklich geschockt davon, dass es ein so schwarzer Flecken in unserer Geschichte gibt. Vorallem, wieso kann man nach 40 Jahre nicht darüber sprechen? Vergessen spielt sicherlich mit, aber sonst? Ich traue dem ganzen nicht und verstehe es, wieso die Familie Gyger nur eines möchte. Abschliessen. Aber nicht einfach abschliessen und vergessen, sondern endlich, endlich die Antworten beantwortet wissen. Fazit: Eine spannende, wahre Geschichte die erschüttert und am Schluss einfach die Frage im Raum stehen lässt: Ermittlungsfehler, bewusste Vertuschung oder doch einfach der perfekte Mord? Mein Bauchgefühl hat eine Antwort - aber das muss der Leser selber spüren. Erleben. Für Schweizer die etwas mehr in die Kriminalgeschichte eintauchen wollen, ist dieses Buch ein MUSS und trotz der Erschütterung die man erlebt eine Lesegenuss.

    Mehr