Franziska zu Reventlow

 4 Sterne bei 13 Bewertungen
Autorin von Herrn Dames Aufzeichnungen, Von Paul Zu Pedro und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Franziska zu Reventlow

Skandale, Kunst und Literatur: Fanny Gräfin zu Reventlow ist 1871 im norddeutschen Husum geboren. Ihre Eltern wollten sie zu einer adeligen jungen Frau, einem Fräulein und einer „höheren Tochter“ erziehen, wogegen sich Franziska zeitlebens wehrte. Bereits 1903 hält sie in dem autobiographischen Roman „Ellen Olestjerne“ ihr Leben fest, ihre strenge Erziehung und auch ihren Widerstand gegen diese. 1890 bis 1892 absolvierte sie ein Lehrerinnenseminar und war dadurch zum Unterricht an Mädchenschulen befähigt, was einer Berufsausbildung gleichkommt und für die damalige Zeit für adelige Töchter sehr selten war. Als ihr Liebesbriefwechsel mit Emanuel Fehling 1892 aufgedeckt wird und sie von Flensburg flieht, wohin sie zur Besserung gebracht wurde, zerstreitet sie sich auf immer mit ihrer Familie. 1894 heiratet sie Walter Lübke, der ihr in München ein Malstudium finanziert, jedoch wird die Ehe bereits 1897 geschieden. Fanny lebt eigenständig in München, jedoch ist sie stets finanzieller und gesundheitlicher Not ausgesetzt und erleidet mehrere Fehlgeburten. Sie arbeitet als Übersetzerin und schreibt kleinere Texte für Zeitungen und Zeitschriften, schlägt sich zudem mit Gelegenheitsjobs und als Prostituierte durch. Ihre Erfahrungen verarbeitet sie in ihrem heute bekanntesten Roman, dem Schlüsselroman „Herrn Dames Aufzeichnungen“, der sich durch seinen künstlich-naiven Erzählstil auszeichnet und auf humoristisch-satirische Weise ein kulturgeschichtliches Zeugnis der Münchner Bohème festhält. 1910 verlässt sie München und lebt fortan am Lago Maggiore. Fanny zu Reventlow stirbt am 26.07.1918 in Locarno. Sie ist bis heute für ihr aufregendes Leben als „Skandalgräfin“ bekannt und ihre Romane und Novellen werden weiterhin aufgelegt und gelesen.

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Rezension zu "Das Männerphantom der Frau" von Franziska zu Reventlow

Rezension zu "Das Männerphantom der Frau" von Franziska zu Reventlow
cosima73vor 6 Jahren

Werden die Mädchen am Anfang behütet grossgezogen und wachsen im Unwissen um die Eigenschaften des anderen Geschlechts heran, so kommt irgendwann der Tag, da diese Unwissenheit aufhört.

"Daß er, »der Mann«, existiert, hat man ja auch schon vorher gewußt, aber wie er existiert, wie er beschaffen ist, auf welchen Bedingungen sein Dasein sich aufbaut, weshalb, wozu und inwiefern er eben »der Mann« ist, das wird bekanntlich dem heranwachsenden Weibe so lange wie möglich verborgen gehalten."

Franziska zu Reventlow schreibt in diesem Werk über die Mädchen und Frauen ihrer Zeit und darüber, wie diese zum anderen Geschlecht stehen. Sie beschreibt das Erwachen aus den Illusionen der Mädchenjahre hin zur Erkenntnis darüber, wie der Mann wirklich beschaffen ist.

"Es ist daher ein furchtbarer Moment, wenn sie schließlich doch einmal erfährt, daß alle Männer »so« sind. Das Mädchen mag vor solcher Erkenntnis behütet bleiben, einmal durch sein eignes Wesen und dann durch die tausend und abertausend Schranken, die Brauch und Sitte um sie her aufrichten, sie mag älter und selbst alt werden, ohne ihre Illusionen einzubüßen. Wird sie aber Braut und Frau, so ist es unvermeidlich, daß ihre Ideale Schiffbruch leiden."

Der Mann kommt nicht wirklich gut weg, doch verharrt Franziska von Reventlow nicht in dieser einseitigen Schuldzuweisung. Sie zeigt auch das Wesen der Frau unbarmherzig auf.

"Die einen ergeben sich in ihr Schicksal, als stille Frau an der Seite des Sünders auszuharren, und versuchen in tausendfacher Entsagung das zertrümmerte Götterbild wieder zusammenzuflicken, und wenn sie Mutter werden, in ihren Kindern die vernichteten Ideale wieder aufzubauen. Die andern wenden sich und werden »moderne Frauen«."

Frauen sind dabei nicht nur Opfer im Spiel der Geschlechter und unterliegen dem Mann, sie zementieren die ständige Idealisierung in ihrer Erziehung und helfen damit, das System zu festigen. Nicht mal die Frauen, die sich emanzipieren, kommen gut weg, denn sie kehren den Spiess einfach um, pflastern ein Bild durch Verallgemeinerungen:

"Und sie gehen hin und werden Bewegungsweiber. Der Mann ist ihnen fortan etwas, das überwunden werden muß. Und das Bewegungsweib konstruiert sich ein seltsames Phantasiegebilde zurecht und sagt: das ist der Mann, so ist der Mann, wir haben ihn endlich erkannt."

In einem locker flockig anmutenden Plauderstil behandelt sie Themen wie Eifersucht, Muttersein und die Rollen von Mann und Frau. Dabei ist sie in ihren Erkenntnissen erschreckend aktuell, auch wenn man heutzutage gerne dahin ginge, sich fortgeschrittener zu sehen. Sicher fliesst Franzsika zu Reventlows Biographie in diesen Text mit ein, die persönlichen Erfahrungen mit Männern wie Frauen und vor allem auch die gesellschaftliche Stellung der Frau in der damaligen Zeit haben ihren Blick durchaus geprägt. Da sie in der damaligen Gesellschaft aber eine durchaus ungewöhnliche Biographie aufzuweisen hat, indem sie Wege beschritt, die nicht gewöhnlich waren, zeigte sie selber, dass auch gesellschaftliche Strukturen nicht immer in Stein gemeisselt sind, ein Ausbrechen offensichtlich möglich ist.

Fazit:

Eine schonungslose Analyse der Geschlechter und ihres Umgangs miteinander, die an Aktualität über die Jahre nichts eingebüsst hat. Absolut lesenswert.

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Franziska zu Reventlow wurde am 18. Mai 1871 in Husum (Deutschland) geboren.

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