Fred Uhlman

 4,2 Sterne bei 112 Bewertungen
Autor*in von Der wiedergefundene Freund, Der wiedergefundene Freund und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Fred Uhlman, geboren 1901 in einer mittelständischen jüdischen Familie in Stuttgart, studierte in Freiburg, München und Tübingen Rechtswissenschaften, war aktives Mitglied der SPD und mit Kurt Schumacher befreundet. 1933 flüchtete er nach Frankreich und lebte später als vielbeachteter Maler und Schriftsteller in Paris, Spanien und England. Fred Uhlman starb 1985 in London.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Fred Uhlman

Cover des Buches Der wiedergefundene Freund (ISBN: 9783257608267)

Der wiedergefundene Freund

 (104)
Erschienen am 25.07.2017
Cover des Buches The Making of an Englishman (ISBN: 9783257230185)

The Making of an Englishman

 (1)
Erschienen am 24.01.2011
Cover des Buches Der wiedergefundene Freund (ISBN: 9783257802917)

Der wiedergefundene Freund

 (4)
Erschienen am 23.03.2010
Cover des Buches L'ami Retrouve (ISBN: 9782070374632)

L'ami Retrouve

 (2)
Erschienen am 03.05.2010
Cover des Buches Der wiedergefundene Freund. (4788 990) (ISBN: 9783421065100)

Der wiedergefundene Freund. (4788 990)

 (0)
Erschienen am 01.03.1992

Neue Rezensionen zu Fred Uhlman

Cover des Buches Der wiedergefundene Freund (ISBN: 9783257608267)
Leseratte_09s avatar

Rezension zu "Der wiedergefundene Freund" von Fred Uhlman

Kann man einen verlorenen Freund wiederfinden?
Leseratte_09vor 5 Monaten

Zwei 16-jährige Jungen besuchen die gleiche exklusive Schule in Stuttgart. Hans Schwarz ist Jude, der Sohn eines Arztes, der im ersten Weltkrieg mit dem Eisernen Kreuz geehrt wurde und träumt davon, einmal Schriftsteller zu werden. Freunde unter den Mitschülern hat er nicht. Als im Januar 1932 ein neuer Schüler in die Klasse kommt, scheint es zunächst auch hier keine Anknüpfungspunkte zu geben: Konradin Graf von Hohenfels ist Spross einer alten Adelsfamilie und wirkt unerreichbar. Dennoch entwickelt sich eine innige Freundschaft zwischen den beiden und Konradin wird zum gern gesehenen Gast im Elternhaus von Hans. Der hingegen wird nur einige Male Gast im Hause Hohenfels und auch nur dann, wenn Konradins Eltern nicht zu Hause sind. Zunächst macht Hans sich darüber keine Gedanken, doch als er von Konradin nach einer Opernaufführung völlig ignoriert wird, erfährt er, dass Konradins Eltern keinen Kontakt zu Juden wünschen, sich vielmehr dem aufkommenden Nationalsozialismus gedanklich anschließen. Die antisemitische Hetze macht auch vor den Schultoren nicht halt und Hans wird von seinen Mitschülern schikaniert. In Konradin findet er dabei keinen Verbündeten, vielmehr ignoriert dieser die Angriffe auf seinen bislang besten Freund.

Das Gift der NS-Zeit beginnt nun auch diese Freundschaft zu zerfressen. Konradin stellt sich auf die Seite seiner Eltern, nach eigenen Aussagen nicht, weil er gegen die Juden sei, sondern weil er nur durch die Machtergreifung der NSDAP eine Chance sehe, Deutschland wirtschaftlich zu retten und in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.

Fred Uhlmann schafft es, dieser Zeit und den Auswirkungen auf Freundschaften und das Miteinander Gesichter zu geben. Vielleicht auch, weil er selbst diese Situation erleben musste: geboren 1901 floh er 1933 vor den Nazis nach Frankreich und dann weiter (nachdem er seine spätere Ehefrau Diana Croft kennengelernt hatte) nach England. Seine restliche Familie blieb in Deutschland und überlebte den Holocaust nicht. Auch sein Held Hans wird von seinen Eltern in die USA geschickt und überlebt. Eine Inspiration für die Figur des Konradin könnte für Uhlman Claus Graf Schenk von Stauffenberg gewesen sein, der ebenfalls das Stuttgarter Gymnasium besuchte, in welchem Uhlmann zu Schule ging, wenn auch einige Jahrgänge über Stauffenberg.

Behutsam geht Uhlmann im Buch der Frage nach, ob eine Freundschaft zwischen einem Juden und einem jungen Adligen in der Zeit der Machtergreifung durch die NSDAP möglich war und man kann sehr leicht gedanklich eine Brücke zur heutigen Zeit und der Frage schlagen, ob wir Freundschaften und Verständnis zwischen Kulturen einen Boden bereiten. Auch wenn man in „Der wiedergefundene Freund“ stehts hofft, dass Hans und Konradin zeigen, dass Freundschaften, Harmonie und Einvernehmen nicht durch äußere Einflüsse zu zerstören ist, lässt Uhlmann den Leser doch bereits nach wenigen Zeilen ahnen, dass dies nicht der Fall sein wird. Die Wege der beiden trennen sich, Enttäuschungen greifen durch und der Kontakt reißt ab. Erst 30 Jahre später, aufgrund eines Spendenaufrufes seiner alten Schule, erfährt Hans etwas vom Schicksal seines einstigen besten Freundes Graf Konradin von Hohenfels und erhält die Chance, sich ihm wieder anzunähern, ihn „wiederzufinden“.

Das Buch mag dem ein oder anderen etwas antiquiert in seiner Sprache vorkommen, doch es lohnt sich. Mich hat es sehr bewegt, schreibt Uhlmann doch feinsinnig über Menschlichkeit, Freundschaft, Zusammenhalt und die Schrecken politischer Rahmenbedingungen auf das eigene Leben.

Stellen, die ich mir beim Lesen markiert habe: 

  • „von draußen drang das Geräusch politischer Unruhen in unseren magischen Kreis, aber der Unruheherd lag weit fort – in Berlin“ (Seite 42)
  • „Politik war etwas für Erwachsene: wir hatten unsere eigenen Probleme zu lösen“ (S. 43)
  • „Und damit fühlte ich auch zum ersten Mal, dass ich ein Staubkorn war und unsere Erde nichts als ein Kieselstein an einem Strand mit Millionen ähnlicher Kieselsteine“ (S. 49)
  • „Meine Wunden sind nicht verheilt, und die Erinnerung an Deutschland reibt Salz in sie hinein“ (S. 112)

Cover des Buches Der wiedergefundene Freund (ISBN: 9783257057058)
herr_hygges avatar

Rezension zu "Der wiedergefundene Freund" von Fred Uhlman

Der wiedergefundene Freund
herr_hyggevor 7 Monaten

In den vergangenen Tagen habe ich die Geschichte einer Freundschaft aus vergangenen Zeiten verfolgt. Zeiten die hoffentlich nie wieder kehren, auch wenn derzeitige Geschehnisse bedauerlicherweise erahnen lassen, dass die Menschheit nichts gelernt hat. 😔

Fred Uhlman erzählt in DER WIEDERGEFUNDEN FREUND (erschienen im @diogenesverlag) von Hans Schwarz einem Juden und Konradin von Hohenfels der einem alten deutschen Adelsgeschlecht entstammt. Die beiden 16jährigen lernen sich auf der Schule im Jahr 1933 kennen. Schnell entwickelt sich eine innige Freundschaft zwischen den Beiden.

Mir kam es ein bisschen so vor als sei der Junge im gestreiften Pyjama dabei erwachsen zu werden. Uhlman erzählt die Geschichte durch seinen Protagonisten Hans mit einer kindlichen oder vielmehr jugendlichen Naivität, welche das Grauen der damaligen Zeit jedoch intensiv erahnen lässt. Zuerst nur zwischen den Zeilen, im Verlauf jedoch immer offensichtlicher. In erster Linie geht es um die Sehnsucht nach Zugehörigkeit und Freundschaft. Ein kleines Buch, mit einer kleinen Geschichte, die allerdings etwas ganz großes erzählt! Mein Fazit: Grandios.


Cover des Buches The Making of an Englishman (ISBN: 9783257230185)
Tilman_Schneiders avatar

Rezension zu "The Making of an Englishman" von Fred Uhlman

sehr bewegend
Tilman_Schneidervor einem Jahr

Am 19.Januar 1901 kommt Fred Uhlman zur Welt. Seine jüdische Familie ist angesehen und er wird in Stuttgart Rechtsanwalt. Die politischen Veränderungen verändern auch Uhlmans Familie und es kommt zu vielen Diskussionen und auch Auseinandersetzungen. Am 23.März 1933 verlässt Uhlman Stuttgart fluchtartig, denn er hatte einen eindeutigen Anruf erhalten. Im Ausland versucht er neu anzufangen und seine künstlerische Seite kommt immer mehr durch. Er malt, zeichnet und schreibt Geschichten und Romane. Erfolge gibt es verhalten, aber es kann sich ja noch ändern.

Fred Uhlmans Biografie ist ein wichtiges Dokument der Geschichte der Juden. Sein Roman >Der wiedergefundene Freund< ist ein Meisterstück und sollte Pflichtlektüre in der Oberstufe sein. Offen, ehrlich, tragisch und doch immer mit unvergleichlichem Humor erzählt Fred Uhlman seine Geschichte.

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