Diesmal ist Adamsberg aus Furcht vor einem Attentat zuerst abgetaucht und erscheint erst zur zweiten Hälfte des Buches. Vorher geht es um die Wölfe im Mercantour, tote Schafe und Menschen. Die Figuren sind Vargas-typisch skurril, ihre Dialoge auch. Die Beschreibungen des Nationalparks Mercantour weckten bei mir trotz der Wolfsgefahr Reiselust.
Wer Fred Vargas mag, findet hier eine unterhaltsame Lektüre.
Fred Vargas

Lebenslauf
Alle Bücher von Fred Vargas
Fliehe weit und schnell
Der vierzehnte Stein: Kriminalroman (Kommissar Adamsberg ermittelt)
Die dritte Jungfrau: Kriminalroman
Es geht noch ein Zug von der Gare du Nord
Die schöne Diva von Saint-Jacques
Der verbotene Ort
Bei Einbruch der Nacht
Die Nacht des Zorns
Neue Rezensionen zu Fred Vargas
Auch wenn man nicht an dem wohlmeinenden Ziel der bekannten französischen Krimiautorin und Archäozoologin zweifeln mag, so ist doch die Umsetzung dieses Ziels alles andere als gelungen.
Mit Bravour und großem Getöse wirft sie sich in die Schlacht um die Rettung des Planeten Erde. Auch wenn der „Klimawandel“ die treibende Kraft ist, so werden auch die übrigen umweltrelevanten Themen „mitverwurstet“. Anders kann man es nicht ausdrücken.
Auch wenn man von der schieren Zahl der Literaturangaben (403; „Anmerkungen“) zunächst geplättet ist, so erscheinen diese im Lichte genauer Betrachtung doch vorzugsweise um ein Sammelsurium von Daten aus dem Internet – und bekanntlich ist die Auswahl dort schier grenzenlos und die Verführbarkeit, sich die für seine Argumentation passenden Daten herauszufischen, zumindest gegeben.
In ermüdenden Wiederholungen und Aufzählungen wird hier das Destillat der sicher zeitraubenden Recherche auf sehr niedrigem Niveau angeboten und manchmal schlägts einen nieder, so wie in der folgenden Passage: „Eine andere Strategie erwägt die Speicherung im Schwungrad eines Betonzylinders (ein technisch sehr komplexes Verfahren, dass ich kaum verstehe, deshalb fasse ich das Prinzip so einfach wie möglich zusammen: Es handelt sich um ein rotierendes System, das in einem Betonzylinder installiert ist).“ Na, denn!
Erschwerend kommt hinzu, dass sich eine Vielzahl von Daten und Bezügen auf Frankreich kaprizieren und das Buch bereits 2019 dort erschienen ist (in Deutschland 2021). Dies ist hinnehmbar. Ärgerlich allerdings sind die Übersetzungsfehler, die bei manchen Themen, wie zum Beispiel der Geothermie, kuriose Beschreibungen liefern: „Und dann muss man regelmäßig dafür sorgen, dass das für die Energieerzeugung im Boden benutzte Wasser in eine sehr genau bemessene Tiefe zurückgeführt wird.“ Die Energieerzeugung findet nicht im Boden statt, dort wird nur das in einem Kreislauf geführte Wasser erwärmt (Temperaturgefälle ca. 3 °C/100 m). Für den eigentlichen Vorgang der Energiegewinnung ist eine Wärmepumpe notwendig.
Auch wenn dieses Buch das Ziel hat, mit drastischen Worten und apokalyptischen Szenarien Politiker aller Couleur aufzuwecken und den eigenen Hintern hochzubekommen, um dem „Klimakollaps“ noch aufzuhalten, so sollte man nicht vergessen, dass ein wenig Hoffnung schon übrigbleiben sollte, um ins Handeln zu kommen. Diese gibt es hier auch, allerdings in homöopathischen Mengen. Dabei ist es allerdings nicht hilfreich, wenn man zwei Klassen von Menschen bildet: „SIE“, „DIE DA OBEN“, „IHNEN“, „DENEN“ und „WIR“, „UNS“, „DIE LEUTE“.
Zwar wird versucht, die drastischen Szenen gelegentlich durch einen „mitlaufenden“ sogenannten Integrierten Schreibzensor (ISZ) aufzulockern, allerdings nicht immer mit Erfolg: „Erbarmungslos, mein Zensor. Und da dachte ich, er hält gerade ein Nickerchen. Aber nein, so was tut der nicht.“
Alles in allem bleiben nach der Lektüre dieses „Aufschreis“ ein großes Fragezeichen zurück: Fast alles schon mal irgendwo gehört – allerdings noch nie in solch wutgeleiteten und indoktrinierenden Worten. Da lobe ich mir Frank Schätzing, der aus ähnlicher Profession heraus, ein sehr viel besseres Buch über diese Thematik geschrieben hat: „Was, wenn wir einfach die Welt retten?“
(26.11.2021)
Es gibt Krimis, da weiß man schon nach den ersten Sätzen, dass sie einen gefangen nehmen und begeistern werden. Dieser gehört sicher dazu.
Elegant erzählt, spannend aufgebaut und mit Menschen besetzt, die allesamt eine mehr oder weniger große Schramme haben (aber wer hätte ein solche nicht?). Das sind die Kennzeichen dieses Vargas-Krimis. Dass darüber hinaus eine Reihe brutaler Morde verübt werden, gehört zu einem Krimi, sind in diesem Fall allerdings nur ein notwendiger Rahmen, der die Handelnden in ein menschlich-sympathisches Licht rücken. Die dahinterstehende Botschaft: Trotz aller Verbrechen und Ungerechtigkeiten auf dieser Welt, braucht es nur ein paar mutige und verlässliche Freund*innen, um ein verlässliches Gegengewicht in dieser von Menschen zerrupften Welt zu bilden.
„Der Deutsche“, ein pensionierter Ermittler, der sich zwischenzeitlich zum Entwickler von „Behältnissen zum Schuhe-Aufräumen“ und Bismarck-Übersetzer gewandelt hat, wird in einen Fall hineingezogen, in dem ein „Trottel“ und vermuteter Täter eine zentrale Rolle einnimmt. Monster oder Trottel ist die alles entscheidende Frage.
Es ist erstaunlich, wie es der Autorin gelingt, aus einem äußerlich abschreckenden von Marotten gelenkten Menschen, die Würde zurückzugeben, die jeder Mensch verdient – wie „daneben“ auch immer jemand sein mag (Stichwort: Annäherung durch Kontakte). Und da passt es ganz gut, dass auch die Mitspieler der „guten Seite“, ihre jeweiligen Marotten auf verschiedenen Etagen ihres Hauses nachgehen können: „[…], in der die drei Historiker sich sorgfältig chronologisch übereinandergeschichtet hatten.“
Natürlich werden auch hier falsche Fährten gelegt, wird auch hier Sympathie und Antipathie so verteilt, dass für Spannung und gute Unterhaltung gesorgt ist. Darüber hinaus gibt es allerdings so manche sprachliche Schmankerl (schöne und zugleich passende Metaphern, „eine Fliege im Helm haben“ für eine „Macke“ haben) und lebenskluge Äußerungen: „Er hat es nie geschafft, seine Stärken zu zeigen.“
(28.3.2021)
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Mehr zum Buch
Im Süden Frankreichs sterben mehrere Männer – angeblich sind sie dem Biss der Einsiedlerspinne zum Opfer gefallen. Allerdings reicht das Gift einer einzigen Spinne nicht aus, um einen Menschen zu töten. Adamsberg und sein Team von der Brigade Criminelle des 13. Pariser Arrondissements ermitteln. Seine Nachforschungen führen den eigenwilligen Kommissar zu einem Waisenhaus bei Nîmes und zu einer Gruppe von Jungen, die dort in den 1940er-Jahren lebte. Und plötzlich erscheinen die Todesfälle, die bislang nicht als Morde betrachtet wurden, in einem anderen Licht …
Spinnen lösen bei vielen Menschen Angst aus. Wie sieht es bei euch aus? Vor welchem Tier habt ihr wirklich Angst?
Ich bin gespannt auf eure Antworten und freue mich schon auf die Leserunde mit euch!
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