Frederic Klein Tunnel oder Der Tag, als Mutter von mir ging

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Inhaltsangabe zu „Tunnel oder Der Tag, als Mutter von mir ging“ von Frederic Klein

Posthume Aufzeichnungen, lakonisch-abgründig, voll schwarzem Humor, angesiedelt zwischen Realität und Phantasie. Alles beginnt mit der Horrorkindheit des Helden: Der isoliert aufwachsende kleine Junge mit seiner Leidenschaft für Züge, Bahnhöfe, Tunnel, nach Außen hin ein Musterknabe, rächt sich auf diabolische Weise an den Menschen seiner Umgebung, die ihn peinigen. Auch als Erwachsener setzt er seine Rachefeldzüge fort - bis zum großen Showdown.

Ein geborener Verlierer mit Allmachts- und Tötungsfantasien, der allenfalls das Mitleid des Lesers erheischt, jedoch keine Sympathie.

— parden
parden

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  • Am Leben verzweifelt...

    Tunnel oder Der Tag, als Mutter von mir ging
    parden

    parden

    AM LEBEN VERZWEIFELT... Der Tunnel oder Der Tag als Mutter von mir ging ist die Autobiografie eines Mörders - eine Beichte und zugleich eine burleske Farce. Vor seiner Horror-Kindheit flüchtet sich der kindliche Protagonist mehr und mehr in eine Leidenschaft für Tunnel. Scheinbar ein Musterknabe, produziert er ein Unglück nach dem anderen und rächt sich auf diabolische Weise an seinen Peinigern... Ein Balanceakt zwischen Realität und Phantasie. Tunnel oder Der Tag als Mutter von mir ging ist ein autobiographischer Roman, der seine Leser ständig in Unklarheit über den Hauptcharakter lässt. So wird nie der Name des Erzählers genannt, ja sogar die Entscheidung über den Realitätsgehalt seiner Erlebnisse bleibt am Ende dem Leser überlassen. Der Einstieg in den Roman beginnt am Ende der Handlung, wo dem Erzähler nur noch ein Ausweg bleibt. Er befindet sich in einem Eisenbahntunnel, im Begriff sich umzubringen und der Welt seine Aufzeichnungen zu hinterlassen, die Aufklärung verschaffen sollen. Aber Aufklärung worüber? Wir landen in den Kindheitserinnerungen des Erzählers, die auf eine Erklärung hinauslaufen, warum er zum Misanthropen, zum Mörder, zur Bestie, ja sogar zum Völkermörder wird. Seine Kindheit ist von totaler Leistungskontrolle und Abschottung zu seiner Umwelt gekennzeichnet. Die Eltern verbieten ihm, mit den Kinderen der Nachbarschaft zu spielen, um schlechten Einflüsse von außen direkt vorzubeugen, ein Fernseher wird nicht angeschafft, um dem Kind keine Ablenkung zu verschaffen - es soll seine Hausaufgaben machen, einmal der Beste sein und eine Karriere machen, die über die des Vaters, der Lehrer an der Grundschule ist, hinausgeht. Und tatsächlich schlummert einige Begabung im Jungen: "Ich konnte sehr früh lesen, lange bevor ich in die erste Grundschulklasse gekommen bin. Ich habe es mir sozusagen alleine beigebracht. Um zu üben lese ich mit lauter Stimme die Todesanzeigen in der Lokalzeitung. Meine Eltern sind stolz auf meinen Eifer." Ohne Freunde und mit ehrgeizigen, lieblosen Eltern, bleibt dem Erzähler nur die Flucht in eine Traumwelt. Eisenbahnen sind seine Zuflucht - sie beobachtet er vom Fenster aus, sie zeichnet er, mit ihnen fährt er in seinen Fantasien. Doch bei dieser Art Fantasien bleibt es nicht. Zumindest ist zu hoffen, dass die Lösung, die der Erzähler schließlich für seine Probleme und Konflikte findet, nur in seinem Kopf stattfinden. So entledigt er sich letztlich der ihn drangsalierenden und immer nur lieblos fordernden Mutter durch einen dünnen, kaum sichtbaren Draht über ein paar Stufen im Hausflur, den er heimlich des nachts gespannt hat. Fortan greift er stets zu diesen radikalen Lösungen, wenn er in unerträgliche Situationen kommt. Und diese gib es reichlich in seinem Leben, denn er hat nie gelernt, wie gelungene soziale Kontakte funktionieren, wodurch Begegnungen mit anderen Menschen immer schon im Voraus zum Scheitern verurteilt sind... Dass er eines Tages an den unausweichlichen Konflikten zu seinen Mitmenschen endgültig scheitern muss, ist nur noch eine Frage der Zeit. Er wird geheiratet, doch seine Frau trennt sich wieder von ihm. Sein Mittel ist - zum wiederholten Male - der Mord an ihrem Liebhaber. Als dann noch die Eskalation an der Uni kaum noch zu verhindern scheint, wo er seit Jahren als Dozent lehrt, wird er endgültig zu der Bestie, von der er schon in der Einleitung spricht. Es hält ihn nichts mehr, er sagt sich los von den Menschen, die er hasst, und flüchtet aus der Stadt, zieht ein Leben als Einsiedler vor. Er flüchtet auf einen alten, halb verfallenen Bahnhof an einer stillgelegten Strecke, zu der sogar ein alter Tunnel gehört. Das Innere dieses Tunnels ist für ihn das Paradies auf der Erde. Keine Menschen, kein Licht, keine Geräusche - nur er und der Tunnel. Frédéric Klein spielt mit dem Leser, an keiner Stelle des Romans wird deutlich, auf welcher Ebene sich der Leser befindet. Reales Geschehen oder Allmachts- und Tötungsfantasien des gestörten Ich-Erzählers? Ein geborener Verlierer, der letztlich allenfalls das Mitleid des Lesers erheischt, jedoch keine Sympathie. Und das hat in meinen Augen letztlich gefehlt... © Parden

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    clary999

    clary999

    18. July 2015 um 20:03