Frederic Krueger

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Frederic KruegerPyramiden und Sternentore
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Pyramiden und Sternentore
Pyramiden und Sternentore
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Erschienen am 01.01.2014

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Rezension zu "Pyramiden und Sternentore" von Frederic Krueger

Feinsinnige Analyse eines instrumentalisierten Ägyptenbildes
Sit-Hathorvor 9 Monaten

Stargate hat mir  noch nie gefallen (ganz anders als z.B. Star Trek oder Starwars). Anfangs fand ich den Kinofilm einfach nur enttäuschend. Dass mir später die Serie, von der ich nur einige Folgen geschaut habe, im Nachhinein sogar irgendwie übel aufgestoßen ist, lag an der primitiven schwarz-weiß Malerei zwischen den "guten westlichen Amerikanern" und dem "bösen orientalischen Weltraum". Das war mir persönlich dann einfach zu plump. Und es tat mir um die Idee leid, denn aus ägyptischen Göttern als Außerirdische hätte man einen intelligenten und interessanten Film machen können – allerdings nicht mit einer derart ägyptophoben und amerikanozentrischen Grundhaltung. Die ägyptische Mythologie wurde hier bis zur Unkenntlichkeit verzerrt, das wurde auch nicht durch die Pseudo-wissenschaftlichen Erklärungen von Dr. Daniel Jackson besser, dessen Figur als Alibi-Ägyptologe eine wissenschaftliche Objektivität vortäuschen sollte, was dann wiederum die Rechtfertigung für das militärische Vorgehen der "Weltraum-Amis" lieferte...Wie gesagt ich fand das Ganze einfach nur primitiv und  vorhersehbar.

Umso mehr interessierte mich eine ägyptologische Reflexion über dieses Thema. Insofern war ich sehr erfreut, als ich das Buch von Frederic Krüger entdeckte, das sich genau mit dieser Thematik beschäftigt. Der Ägyptologe  hat in seiner Magisterarbeit "Pyramiden und Sternentore", die in Stargate verwendeten Ägyptenbilder und -klischees detailliert untersucht und die entsprechenden Ideen bis in die biblische und griechisch-römische Rezeptionsgeschichte Ägyptens sowie in die Kolonialzeit zurückverfolgt.

Sehr anschaulich und übersichtlich gibt Frederic Krüger die Handlung des Films und der einzelnen Folgen wider, in denen ägyptische Gottheiten als Goa`uld Systemlords auftreten und untersucht auch die Methodik der Serie, einzelne Aspekte der ägyptischen Mythologie für den jeweiligen Plot umzudeuten und zu instrumentalisieren.

"So entsteht ein etwas seltsames "Pantheon", das zwar irgendwie multikulturell sein soll, sich dabei aber fast ausschließlich im "orientalischen" Götterspektrum bewegt und in der dramaturgischen Essenz ägyptisch bleiben muss. Denn es ist die Versklavung durch die Goa'uld-Pharaonen, die die ideale Legitimation für die Kolonisation durch das Sternentor liefert, bzw. selbige als modernen Exodus verklärt." (Seite 87)

In der Serie wird die Propagandaschlacht des "guten Westens" (also der Amerikaner) gegen den bösen Orient dann auf die Spitze getrieben:

"Das ägyptisch-orientalische Feindbild tritt umso deutlicher hervor, wenn wir uns vor Augen führen, dass ihm ein ebenso scharf gezeichneter, in den Weiten des Alls projizierter europäischer Kulturkreis gegenüber gestellt wird." (Seite 88)

"Die Götter der nordischen Mythologie spielen bei Stargate eine besonders wichtige Rolle. Das Bild, das sich bei der Verteilung der griechischen und römischen Namen aufdrängt, das nämlich zuallererst ägyptische und allgemein "orientalische" Religion als Inbegriff des bösen taugt, während die Götter Europas als Ahnherren, Beschützer, Auftraggeber und Freunde auftreten können, bestätigt sich hier." (Seite 90)

Darüberhinaus geht der Autor auch auf die Entwicklung der wissenschaftlichen Ägyptologie seit dem 19. Jahrhundert ein, deren Erkenntnisse durch die Entzifferung der Hieroglyphen das Ägyptenbild der Antike und auch die Geschichtsschreibung allgemein erweitert und teilweise relativiert haben. Neben den Quellen des Altertums gehört auch die Beschäftigung mit den zahlreichen Interpretationen Ägyptens im Spiegel anderer Kulturen zum Beschäftigungsfeld der heutigen Ägyptologen. Bei den Auseinandersetzungen mit den unterschiedlichen Ägyptenbildern wird hier auch auf Jan Assmann eingegangen, der den Begriff der mosaischen Unterscheidung prägte.

"Ob der Exodus je stattgefunden hat, ist relativ belanglos. Es ist die Erinnerung an ihn, seine unablässige Rezeption durch die Bedürfnisse der Gegenwart, die ihn zum tragenden Mythos(...)macht." (Seite 49, zitiert nach Jan Assmann "Religion als Widerstand")

Die Forschungsergebnisse der Ägyptologie werden allerdings kaum von Filmemachern (außer bei guten Dokumentationen) genutzt und bleiben meist auf Universitäten, Museen und Ausstellungen beschränkt. Dies liegt an der Hartnäckigkeit vertrauter Ägypten-Klischees, die im kulturellen Gedächtnis verankert sind und sich deshalb wunderbar wiederaufgreifen lassen. Die Pupulärkultur bedient sich weiterhin an den 2. Haupt-Quellen und deren zahlreichen neuzeitlichen Rezeptionen: dem eher ägyptenfeindlichen Bild biblisch-christlicher und römischer Autoren (Sklavenhaus, Polytheismus, tiergestaltige Götter, dekadenter Orient,...) und dem mystisch-überhöhten Bild griechischer Autoren und Philosophen (uraltes Land der Weisheit und der Mysterien, Hieroglyphen, Einweihungen und geheime Bücher, das Wissen um das Leben und die Geheimnisse der Schöpfung). Aus diesen Weiterentwicklungen der Rezeptionsgeschichte Ägyptens wiederum bedienen sich dann Dritte. Da Hollywood sich stets selbst zitiert und tradiert, hat das Stargate-Ägyptenbild inzwischen einige Nachahmer gefunden und in der Esoterik  ist das Sternentor (obwohl für den Film frei erfunden) seit der Serie Stargate ebenfalls zu einer festen Größe geworden. Und so zeigt Frederic Krüger im umfangreichen Bildteil dieses Buches neben Szenesfotos  auch zahlreiche Stargate-Nachahmer und esoterische Buchcover, die mit der Totenmaske des Tutanchamun und einem Sternentor werben.

Ich danke Frederic Krüger für dieses wunderbare, hintergründige und höchst aufschlussreiche Buch.

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