Frederick Taylor Zwischen Krieg und Frieden

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Inhaltsangabe zu „Zwischen Krieg und Frieden“ von Frederick Taylor

Im September 1944 betrat erstmals ein amerikanischer Soldat deutschen Boden, einen Monat später wurde Aachen als erste große Stadt besetzt. Deutschlands Stunde Null hatte begonnen, und von nun an sahen sich die Alliierten völlig neuen Herausforderungen ausgesetzt. Noch während deutsche Truppen in erbitterten Kämpfen niedergeschlagen wurden, mussten die Eroberungen gesichert werden, galt es, der kritischen Situation in den überfüllten Gefangenenlagern Herr zu werden, waren Millionen Flüchtlinge aus Mittel- und Osteuropa aufzunehmen. Und vor allem: Die nationalsozialistische Ideologie sollte so schnell wie möglich aus dem Leben der Deutschen verschwinden. Politische Führer mussten entmachtet und zur Verantwortung gezogen werden, und zugleich war das zivile Leben neu zu organisieren. Für all das gab es keinen Masterplan. Deutschland, so Frederick Taylor, war für die westlichen Besatzungsmächte zunächst wie ein leeres Blatt. Eindringlich zeichnet er nach, wie dann jedoch die Lernprozesse begannen und ein fundamentaler Bewusstseinswandel einsetzte. Zwischen Krieg und Frieden erzählt diese dramatischen zwei Jahre deutscher Geschichte aus der Perspektive der Besatzer und der Besetzten, aus der Sicht der militärischen und politischen Führer wie der einfachen Menschen. Es ist ein beeindruckend vielstimmiges Bild, das nuancenreiche Panorama einer Umbruchzeit, in der nicht weniger als die Voraussetzungen für eine neue Gesellschaft geschaffen wurden.

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  • Rezension zu "Zwischen Krieg und Frieden" von Frederick Taylor

    Zwischen Krieg und Frieden
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    23. September 2011 um 12:30

    Die Entwicklungen nach der Stunde Null „Zugunsten der Deutschen würde ich nicht mal auf ein halbes Brötchen verzichten“, sagt ein befragter Brite gegen Ende des Jahres 1945. Und das lag nicht nur an der eigenen Not Englands und der strikten Rationierung dort in der Nachkriegszeit. Nach der Kapitulation Deutschlands lag halb Europa in Trümmern, fand sich ein riesiges Kerngebiet Europas, allem voran Deutschland selbst, als mehr oder minder „weißer Fleck“ auf der Landkarte. Und es gab keinen Plan, das vor allem. Dieser „Zeitenwende“ nimmt sich Frederick Taylor in seinem Buch nüchtern, sachlich und in durchgehender Berichtsform an. Bietet etwas (eher wenig) an Bildmaterial, lässt Zeitzeugen der Sieger und der Besiegten in Protokollausschnitten und Interviewnachzeichnungen zu Wort kommen und verschafft dem Leser auf diese Weise zunächst einen guten Einblick in den Zustand jener Monate und Jahre, ein zustand zwischen „Sieg- und Beutementalität“ der Sieger, zwischen florierendem Schwarzmarkt mit Kaffee- und Zigarettenwährung (und der des eigenen Körpers, so man eine einigermaßen ansehnliche deutsche Frau zu jener Zeit war), zwischen Infektionen mit Geschlechtskrankheiten (zahlreich) die zu solch merkwürdig anmutenden Aktionen wie „Verbrecheralbummärschen“ führten (alliierte, infizierte Soldaten marschierten durch die Stadt, damit sie den Frauen durch Ansehen bekannt waren), zwischen Drangsalierung, Kälte aber auch Fraternation unter den beteiligten Mächten in Deutschland. Zwei Entwicklungslinien vor allem aber sind es, welche Taylor im Buch intensiv und nachvollziehbar nachzeichnet, die weitreichende Folgen für die nächsten Jahrzehnte europäischer und transatlantischer Geschichte haben sollten. Zum einen legt Taylor den Weg der Entnazifizierung offen, von zunächst eher ungesteuerten und ungeordneten Versuchen über die Entwicklung eines Rechtsansatzes und einer Systematik, sicherlich mit gipfelnd in den Nürnberger Prozessen. Dies mit dem Ziel, möglichst schnell die Bevölkerung aus den Fängen der zerstörerischen Ideologie zu lösen und damit die Grundlagen für eine demokratische Entwicklung zu schaffen. Zum Zweiten verweis Taylor fundiert auf die Folgen der sich rasch abkühlenden Verhältnisse zwischen den westlichen Besatzungsmächten einerseits und der Sowjetunion andererseits. Eine Abkühlung und Verschärfung im Klima, die, folgt man Taylor, die wichtigste Ursache einer konstruktiven Restauration Deutschlands durch die westlichen Siegermächte war. Getrieben von der Dynamik der zunehmend feindseligen Haltung zwischen Ost und West wurde zielgerichtet daran gearbeitet, Deutschland wieder aufzubauen und als wichtigen Verbündeten und wichtiges Bollwerk gegenüber der Sowjetunion überlebensfähig zu gestalten. Pläne der Endindustrialisierung oder andere radikale Ideen verschwanden so doch recht schnell in den Schubladen und der Weg für eine eigenständige, stärkende wirtschaftliche und politische Entwicklung wurde geebnet und unterstützt. Taylor nimmt sich eines hoch interessanten Zeitraumes ins einem Buch an und vollzieht in nachvollziehbaren Schritten die Entwicklung von der Kapitulation Deutschlands über die massiven Bedrängnisse der Menschen in der Folgezeit bis hin zu sich entfaltenden konstruktiven Plänen und Strategien der Westmächte fundiert nach. Ebenso interessant sind seine Einlassungen aber auch im Blick auf die sowjetische Besatzungszone und die Entwicklung sozialistischer Strukturen im Osten Deutschlands. Im Stil und Tonfall leider oft etwas zu trocken und distanziert, es braucht eine gewisse Konzentration und ein Interesse am Thema, um dem Buch dann gut folgen zu können. Ebenso wäre eine Ausweitung des Bildmaterials wünschenswert gewesen, dies gerät im Buch ein wenig zu kurz. Fundiert recherchiert, umfassend dargelegt und die wesentlichen Weichenstellungen für die folgenden Jahrzehnte darlegend, bietet Frederick Taylor trocken und nüchtern einen umfassenden Einblick in die entscheidenden Jahre nach Beendigung des zweiten Weltkrieges in Deutschland, spart einzelne Schicksale nicht aus, bietet vor allem aber eine Erläuterung der großen Linien der Entwicklungen und reiht sich damit gut ein in die Liste der jüngeren Literatur über die Zeit des zweiten Weltkriegs wie Blokada oder Bloodlands.

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