Wie wir lieben

von Friedemann Karig 
3,8 Sterne bei34 Bewertungen
Wie wir lieben
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Positiv (21):
elane_eodains avatar

Nachdem das Zeigen auf "dieAnderen" ein Ende hat, entwickelt es sich zu einem sehr lesenswerten, spannenden Sachbuch über Liebe & Polygamie.

Kritisch (2):

Ein Buch was mich zu lange beansprucht hat, ich kann die Meinungen von Friedemann Karig nur selten teilen und zustimmen. Enttäuscht!

Alle 34 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Wie wir lieben"

Ein neues Zeitalter der Liebe.

Die Monogamie scheint am Ende, jede zweite Ehe wird geschieden. Brauchen wir ein neues Wort für Liebe? Friedemann Karig hat ein offenes und zärtliches Buch geschrieben über Menschen, die die Erfüllung in einer Liebe suchen, die anders ist und frei. Mit allem Schmerz. Mit allem Glück. Mit oder ohne Kinder. Mit oder ohne Happy End. Ein packendes Buch darüber, wie wir heute lieben wollen.

„Karig zeichnet eine Welt ohne Treueversprechen in den schillerndsten Farben.“ Welt am Sonntag.

„Es ist wichtig, dass es ein Buch wie ‚Wie wir lieben‘ gibt.“ Die Zeit

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783746634562
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:304 Seiten
Verlag:Aufbau TB
Erscheinungsdatum:17.08.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    Simona1277s avatar
    Simona1277vor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Nichts für Romantiker
    Wie wir lieben

    Es hat dieses Mal lange gedauert, bis ich mir dieses Rezensionsexemplar zur Brust genommen habe. Aber auf dieses Thema muss man echt Bock haben, sonst wird das Buch schnell langweilig und uninteressant. Denn es ist kein normaler Roman. Der Roman ist in mehrere Abschnitte aufgeteilt und erinnert sehr an eine Reportage. Das Thema der Reportage: Die Monogamie ist am Aussterben, hoch lebe die offene Beziehung und das Fremdgehen.

    Neben Interviews mit Pärchen wird sehr theoretisch in Daten, Zahlen und Studien hantiert. Im Vordergrund steht die Biologie des Menschen und nicht die Romantik.

    Das Buch habe ich nicht zu Ende gelesen. Ich konnte die Sichtweise und Einstellung des Autors nicht teilen und habe mich über seine Thesen geärgert. Konsens des Romans war ja: Treue und langlebige Beziehungen gibt es nicht mehr. Fremdgehen ist an der Tagesordnung. Das soll auf jeden Menschen zutreffen. Damit kam ich nicht klar.

    Die Schreibweise des Autors hat mir trotz des Themas gefallen. Er hat einen lockeren und flüssigen Schreibstil, der sich leicht lesen lässt. An Humor hat es im Text auch nicht gefehlt. Wer sich mit dem Thema des Buches anfreunden kann, hat sicher Spaß am Lesen.

    Da ich den Inhalt des Buches kaum bewerten kann, fällt mir eine Einschätzung schwer. Ich habe keine Ahnung ob seine Thesen und Recherchen irgendwo Hand und Fuß haben, oder ob er da völligen Bullshit von sich gelassen hat. Diese Beurteilung überlasse ich anderen. Daher bewerte ich Schreibweise und Aufmachung des Buches. Ich fand die Idee einer Reportage als Buch sehr gut und die Schreibweise empfand ich als sehr angenehm. Daher 3/5 Sterne.



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    Trishen77s avatar
    Trishen77vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein inspirierendes Buch, das interessante Wege zum Umgang mit Treue und Sexualität weißt, aber auch nicht der Weisheit letzter Schluss ist.
    Über moderne Liebesmöglichkeiten

    Hinter der romantischen Liebe, diesem oft beschworenen Phänomen, steckt eine schöne und wahrhafige Idee, jedoch ist diese Idee durchaus problematisch (wie sehr oft angemerkt wird) weil sie erstens: nicht realistisch sei und zweitens: verklärende Wirkung haben kann, unsinnige Erwartungen und Hoffnungen mit sich bringt, Illusionen fabriziert. Ob die Liebe nun einfach eine Sache von Chemie ist oder ob sie etwas mit den Seelen in unserem Innersten zu tun hat (und ob es letztendlich im konkreten Fall wichtig ist, was die Liebe nun bedingt oder nicht, wenn sie da ist) könnte wohl nur abschließend geklärt werden, wenn die Menschheit sich kollektiv von transzendenten Vorstellungen oder von wissenschaftlichen Analysen verabschieden würde. Das wird in absehbarer Zeit nicht geschehen, denke ich. Ob Liebe also ein Holzweg ist, kann nicht so einfach geklärt werden. Aber wie steht es mit der Monogamie, mit den klassischen Beziehungstypen?

    Die Monogamie kurzerhand für tot zu erklären ist schlicht unsinnig und so vorschnell wie Nietzsches Gottesmord (wenn auch vielleicht ähnlich erfolgreich). Allein schon deshalb, weil nicht für alle Menschen Sexualität eine zentrale oder überragende Rolle in ihrem Dasein einnimmt und somit das Argument der sexuellen Unzufriedenheit nicht zwangsläufig immer und überall ziehen muss. Ich erwähne diesen offensichtlichen Fakt nur, um klarzumachen, dass auch ein so ambitioniertes und streckenweise innovatives Buch wie dieses, sich letztlich an eine Zielgruppe richtet und nicht an die Menschheit im Allgemeinen. Gern wird in solchen Büchern von “uns Menschen” geredet, vom Menschen “an sich”. Ja, alle Menschen haben einen Körper, aber davon abgesehen könnte man die gesamte Menschheit niemals, nicht einmal biologisch, unter einen Hut bringen. Man kann sich eine Vorstellung von der Menschheit und der Welt auf sein eigenes Maß zurechtschneiden und gerade wenn man über so umfassende Themen wie Liebe und Geschlechtlichkeit schreibt, ist der Schritt von den gut ausgesuchten Beispielen zu den Vielen und schließlich zu Allen nicht sehr weit. Aber man sollte im Hinterkopf behalten, dass Sexualität, obwohl sie viele Menschen verbindet, doch eine individuelle Angelegenheit ist – wofür dieses Buch ja auch in Teilen wirbt (um dann allerdings wiederum vieles auf die Belange des Körpers zu reduzieren.)

    Aber auch wenn die Monogamie nicht totgeredet werden kann, ist es ebenfalls nicht mehr möglich, über die Tatsache hinwegzusehen, dass in Gesellschaften mit emanzipierter Sexualität  die üblichen Beziehungsformen und -ideen oft als zu eng empfunden werden und nicht mehr als erstrebenswert gelten – und es vielleicht auch nicht sind. Das Recht am eigenen Körper sprengte zuerst die Ketten und nun die Grenzen von exklusivorientierten Partner*innenschaften. Sexuelle Treue, ein möglicherweise erst mit dem Sesshaftwerden der menschlichen Spezies wichtig gewordenes Konzept (zur Sicherstellung der klaren Erbfolge), wird derzeit an vielen Ecken und Enden infrage gestellt (und gilt oft als verklemmt und als unsexy; man sollte nie vergessen, dass wir hier auch über Trends reden.) In vielen Fällen überfordern diese propagierten Möglichkeiten natürlich auch.

    In einigen Fallgeschichten und mehreren theoretischen Ausführungen, kreist Friedemann Karig seine Vorstellungen zu Partnerschaft, Lust, Freiheit, Beziehung und Erfüllung ein. Wie bereits an anderen Stellen richtig angemerkt wurde, vertritt Karig dabei vor allem die Position des Körpers: seine Bedürfnisse, seine Determinationen. Was nicht bedeutet, dass er ignorant oder unversiert vorgeht und argumentiert. Aber es ist richtig, dass er einen Fokus hat und einige wichtige Aspekte übergeht. Er argumentiert in eine Richtung und das ist auch nicht wirklich verwunderlich, denn wir haben es hier mit einem Plädoyer, mit einer Streitschrift zu tun, einer bestimmten Idee , die propagiert wird, und nicht mit einer differenzierten Studie. Und wenn man das Buch als Ausformung und Unterfütterung einer bestimmten Meinung liest, dürfte es vielleicht leichter fallen, nicht über die Lücken den Kopf zu schütteln, sondern sich auf die interessanten Fakten zu konzentrieren und sich auch in einigen Beispielen wiederzufinden.

    Eigentlich könnte ja alles ganz einfach sein: freie Liebe unter allen und dennoch Partner*innen, die gemeinsam wohnen oder Kinder haben und jeder gönnt jedem sein Vergnügen, sein Glück. Ähnlich vernünftig könnte man für den Weltfrieden argumentieren: zerstört alle Waffen, arbeitet alle zusammen, gemeinsam errichten wir eine perfekte Welt für alle. Nicht verkehrt und bitte auch anzustreben, aber derzeit ebenso utopisch wie die Idee der vollkommenen, romantischen Liebe. Der Mensch ist nun mal ein Wesen, in dem auch Unsicherheiten vorhanden sind und in dem Dunkles wirkt, sowie Ängste und Narben und allerlei andere Einschränkungen. Wenn wir uns immer so begegnen könnten, wie Karig es vorschlägt, dann wäre die Abschaffung der Monogamie nicht das einzige Hurra. Es ist selbstverständlich wichtig, zu solchen Utopien den Weg zu weisen, Türen zu Vorstellungen zu öffnen und das gelingt Karig hier und da ganz wunderbar und schlüssig. Aber so mancher Philosoph hat die Welt so beschrieben wie sie sein sollte, nicht wie sie war; kein Manko, aber auch kein himmelschreiender Verdienst.

    Viele Menschen in ihren 20ern gieren geradezu nach sexuellen Erfahrungen. Das hat biologische Ursachen, ebenso gesellschaftliche und Teile davon haben auch mit der Sexualisierung unserer Wahrnehmung zu tun; die aber natürlich nicht möglich wäre, wenn es nicht Anlagen in uns gäbe, die daran ein Interesse haben. “Kapital ist die neue Religion und Sex ist ein wichtiger Götze”, wie John Updike einmal schrieb; inwieweit unser Erleben und unsere Vorstellungen von Sexualität durch Werbung und Pornopgraphie und andere Dinge korrumpiert sind, ist schwer auszumachen. Auch wenn das nicht seine Absicht ist, schlägt Karig durchaus mit in diese Kerbe, wenn er die sexuelle Befreiung als körperliche Befreiung propagiert; optimiert euch!, so klingt der Ruf dann und wann. Oder: orientiert euch an den Wurzeln!, ein ebenso problematischer Schlachtruf. Mir ist klar, dass es ihm um ein Ideal geht; aber er trägt darin die problematischen Zeitgeisterscheinungen trotzdem mit.

    Im Alter spielt für viele Menschen nachweislich Sicherheit und Verlässlichkeit und Gemeinschaft eine größere Rolle als sexuelle Abwechslung. Bei manchen früher, bei anderen später, bei manchen nie. Wie wir lieben: so wie wir glauben lieben zu müssen, wie wir gelernt haben zu lieben, wie wir lieben können? Dazwischen zu unterscheiden fällt schwer. Und das ist ja auch nur der derzeitige Stand. Inwieweit die Menschheit sich trotz Determination und Kulturpessimismus noch entwickeln kann, ist unklar, wir wissen nur, dass wir vermutlich nicht in der besten aller Welt leben. Aber wohin geht die Entwicklung? Friedemann Karig glaubt, einen Weg gefunden zu haben, der einen Hauch von Paradies verspricht.

    Auf eine gewisse Art und Weise transportiert dieses Buch eine sehr romantisierte Vorstellung von heutigen Möglichkeiten in der Welt der Beziehungsmodelle. Aber es weist wichtige Alternativen aus, es zeigt Potentiale, es engagiert sich für einen offeneren Umgang mit dem Thema und zumindest letzteres ist ungemein wichtig und sei dem Buch hiermit hoch angerechnet. Denn auch wenn in diesem Buch nicht steht, wie alle lieben, müssen wir alle uns doch mehr darüber austauschen, wie wir lieben wollen, was das überhaupt heißt, wie es für den Einzelnen gehen kann. Zu diesem Dialog liefert das Buch einen teilweise provozierenden, teilweise fundierten, teilweise inspirierenden Beitrag.

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    Nika89s avatar
    Nika89vor einem Jahr
    Ein Buch über die Vielfalt der Liebe

    Inhalt

    Das Buch beschäftigt sich mit verschiedenen Themen, rund um Sexualität und Beziehungen. Dabei liegt der Fokus vor allem auf dem Beziehungsmodell der "Monogamie". Der Autor schafft es mit Witz und Lockerheit dieses Thema zugänglich zu machen, selbst wenn man dieses Modell bisher für das einzig Wahre betrachtet hat. Mit einem Mix aus Zitaten von Forschern und anderen Autoren und Geschichten aus dem Leben, wird dem Leser eine vielleicht völlig unbekannte Weise der Beziehung vorgestellt.

    Ich selbst war der Polygamie nie abgeneigt und habe mich mit diesem Thema schon vorher auseinander gesetzt. Das Buch von Herrn Karig hat es nur nochmal bestätigt, was ich vorher schon als Argumente für die Polygamie kannte. Dabei werden nicht nur die rein biologischen und evolutionsbedingten Rahmen erörtert, sondern auch die von der Gesellschaft vorgegebenen.

    Friedemann Karig schafft es bei seinem Plädoyer immer wieder die Monogamie nicht als etwas Schlechtes darzustellen. Er zeigt lediglich auf, warum man die Polygamie nicht verteufeln sollte. Und das ganze auf eine sehr schöne Art und Weise.

    Einige Schwächen offenbaren sich erst später im Buch, da es gegen Ende mehr und mehr von Zitaten anderer Autoren überquillt. Wo sich am Anfang noch gut die Waage gehalten hat, wird gegen Ende ein wenig einseitig.

    Wirklich gut fand ich auch die Einblicke in die Beziehungen mancher Menschen. Dabei sind die Beziehungen vielseitig und überhaupt sehr spannend. Vor allem für jemanden wie mich, der immer monogam gelebt hat, aber polygam nie ausschließen würde.



    Schreibstil

    Der Autor schafft es das Sachbuch mit Witz und Lebensgeschichten aufzupeppen. Es liest sich nicht wie eine einfache Eröterung, sondern wird aufgelockert. Belege führt er direkt im Text mit ein und bezieht sich auch direkt darauf, ohne wirklich steif zu wirken. Gegen Ende - wie schon erwähnt - wurden die Zitate etwas zu viel, für meinen Geschmack. Die Beziehungsgeschichten fand ich sehr authentisch beschrieben. Die haben auch schon das Zeug zu einem Roman, wie ich finde.



    Fazit

    Gegen Ende hat mich das Buch etwas verloren und ich hatte das Gefühl, manche Sachen bereits vorher im Buch gelesen zu haben. Jedoch schafft es die Mischung in diesem Buch generell zu begeistern und ist deswegen eine Empfehlung wert. Schaut euch auch ruhig mal auf der Seite von Friedemann Karig um. Da gibt es noch mehr zu dem Thema!



    Für Fans von ...

    ... polygamen Beziehungen und Interessierten.
    ... Liebe und ihren verschiedenen Facetten.

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    mermeoths avatar
    mermeothvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Kurzweilig, lehrreich und brandaktuell! Eine klare Leseempfehlung zum Thema Polyamorie.
    Was ist Treue wirklich?

    „Wie wir lieben“ ist ein sehr interessantes Buch über das zwangsläufige Scheitern der Monogamie. Mit vielen geschichtlich und wissenschaftlich belegten Hintergründen warum dies so ist, aus biologischer Sicht regelrecht so sein muss. Humorvoll liefert Friedemann Karig Beweise dafür, warum wir Menschen für diese Art der Beziehung nicht geschaffen sind. Unbestritten sind die wenigsten Paare auf Dauer mit ihrer gemeinsamen Sexualität zufrieden (geschweige denn glücklich), doch wie geht man im Fall des Falles mit so einer Situation um? Allzu oft bricht einer der Beteiligten irgendwann aus, und zwar heimlich. Lügt, betrügt und verletzt, sofern es rauskommt. Aber wie sieht die Alternative in Zeiten unbegrenzter Möglichkeiten aus? Gehen sogenannte offene Beziehungen auf Dauer gut? Sind diese Menschen soviel glücklicher als jene, die sich – zumindest offiziell – der Monogamie verschrieben haben und auf ewige Treue schwören? Karig hat für sein Buch einige solcher Paare interviewt und gewährt dem Leser auf diese Weise Einblick in gänzlich andere Lebensmodelle, und das völlig wertfrei. Interessanterweise läuft es aber auch in derartigen Partnerschaften nicht so rund, wie man nach all den vielen guten Gründen für die freie Liebe meinen möchte. Auch hier gibt es die großen und kleinen Probleme des Alltags, Eifersucht trotz aller guter Vorsätze, neue Lieben, die eigentlich so nicht geplant waren und letzten Endes schmerzhafte Trennungen, weil man sich auseinander gelebt hat. Führt sich dieser Lebensentwurf also direkt wieder ad absurdum, oder ist er vielleicht schlicht und einfach gar nicht so viel anders, als das allgemein akzeptierte Modell, nur eben ehrlicher?

    Denn was ist Treue wirklich? Der Autor beantwortet diese Frage folgendermaßen:

    „Treue bedeutet, einem Menschen gegenüber verlässlich zu sein. Ein Versprechen über einen langen Zeitraum zu halten. Sich so zu benehmen, wie man es angekündigt hat. Demjenigen, dem man treu ist, nicht mit abweichenden Verhalten zu hintergehen.“

    Muss man dieses Wort ausschließlich mit sexuellen Handlungen in Verbindung bringen, oder kann man es auch umfassender betrachten und somit „entspannter“ mit diesem Thema umgehen? Lässt die Erziehung das überhaupt zu, oder wird diese Sicht in unseren Breiten niemals gesellschaftsfähig sein?

    So viele Argumente aber auch gegen ein dauerhaftes Funktionieren der Monogamie gebracht werden, hatte ich beim Lesen nie das Gefühl, man wollte mir die einzig wahre Form einer Beziehung, nämlich die Polyamorie, aufdrängen. Hier geht es vielmehr darum, dass jeder Mensch die Möglichkeit haben sollte, frei zu entscheiden, wie er sein Liebesleben gestalten möchte und mit wem, ohne dass ihm die Gesellschaft deswegen einen Stempel aufdrückt. Es geht nicht um die vermeintliche Lösung aller partnerschaftlichen Probleme (das dem nicht so ist zeigen die Beispiele ohnehin), sondern um das Erweitern des Blickwinkels, das Lockern starrer Regeln und die Option, das Beziehungsgefüge anzupassen, wenn sich die Bedürfnisse der jeweiligen Partner verändern, gerade um einen weiteren gemeinsamen Weg zu finden.

    Mich hat dieses Buch so manches Mal amüsiert, aber auch in vielerlei Hinsicht zum Nachdenken angeregt, es ist kurzweilig zu lesen und keines dieser trockenen Sachbücher, durch die man sich nur allzu oft mühsamst quält, von daher vergebe ich gerne fünf Sterne und eine klare Leseempfehlung – es ist eine Bereicherung, wie auch immer man seine Beziehung letztlich selbst gestalten möchte.

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    aspecialkates avatar
    aspecialkatevor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein scharfzüngiges, provokantes und unkonventionelles Sachbuch über die polygame Beziehungsform, die die Monogamie nicht vom Thron stoßt.
    (K)ein Lobgesang auf die polygame Lebensform!

    Polygam zu l(i)eben ist ein brisantes Thema, das auf den ersten Blick etwas Geheimnisvolles, Abenteuerliches und Unbeschwertes in sich birgt. Polygamie ist ein Beziehungsmodell, das in unserer modernen Zeit leise an so manche Schlafzimmertür klopft und die Frage aufwirft, wie man selbst lieben möchte.

    In seinem Buch „Wie wir lieben – Vom Ende der Monogamie“ beschwört Friedemann Karig das Ende der Monogamie herauf und beleuchtet die Polygamie scharfsinnig mit all ihren Ecken und Kanten. Das eher unangepasste Sachbuch ist eine gelungene Kombination aus sachlich-fundierten, wissenschaftlich gestützten Recherchen über Liebe, Sex, Treue und Eifersucht und praxisbezogenen Einblicken in das Leben von Menschen, die polygam leben. Das menschliche, aber oftmals schmuddelig behandelte Thema Sex und Beziehung stellt Friedemann Karig gestochen scharfzüngig dar, untermalt es mit humorvollen Anekdoten, ohne dabei den sachlichen, ernsten Hintergrund aus den Augen zu verlieren. Die praktischen Beispiele sind informativ und spannend erzählt, denn sie vermitteln einen ehrlichen, offenen Einblick in das Beziehungsmodell Polygamie. Weiters zeigen sie auf, dass es trotz der unbegrenzten Möglichkeiten nicht diese Unbeschwertheit ausstrahlt, die man als monogam lebender Mensch zu erhoffen wagt. Das Buch gibt zwar genügend Denkanstöße für ein polygames Leben, verliert sich jedoch zu sehr darin und vergisst dabei auf das klassische Modell der Monogamie. Auch wenn manche dem Grundsatz folgen „Gegessen wird zuhause“, ermöglicht dieses Sachbuch einen Blick über den monogamen Tellerrand. Manchmal schleicht sich zwar das Gefühl ein, es würde ein Lobgesang für diese Liebesform angestimmt, jedoch sei es den Überzeugungen des Lesers selbst überlassen, ob die gelebte Monogamie ein Auslaufmodell unserer modernen Zeit ist.

    Ob diese Form der Beziehung wirklich glücklich macht, mag ich persönlich zu bezweifeln. Dem Autor ist es zwar gelungen, das Thema vielfältig, logisch nachvollziehbar und gut recherchiert aufzuarbeiten, jedoch haben die praktischen Einblicke ein sehr befremdliches Gefühl in mir hervorgerufen. Mit „Wie wir lieben – Vom Ende der Monogamie“ lässt Friedemann Karig hinter die Kulissen der Polygamie blicken, doch so ganz ist der Vorhang für mich nicht gefallen, denn was fehlt, ist die Gegenüberstellung zum klassischen, viel gelebten Beziehungsmodell Monogamie.

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    Claddys avatar
    Claddyvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Schade, dass dieses Buch nicht schon vor dreißig Jahren geschrieben wurde. Und schade, dass ich es deshalb nicht damals schon lesen konnte.
    Ein wichtiges, ein revolutionäres Buch

    „Die Liebe bleibt auch, oder vielleicht besonders dem ein Rätsel, der sie erforscht. … Man kann Liebe nicht können oder verstehen. Man kann nur versuchen, glücklich zu sein, glücklich zu lieben.“

    Das schreibt Friedemann Karig im Epilog zu seinem Buch, in welchem er gründlich und klug über viele Aspekte polyamorer Beziehungen nachdenkt und Vergleiche zur tradierten Form des Zusammenlebens, der Monogamie, zieht. Dabei gelingt es ihm, ruhig und souverän ein ganzes Weltbild auf den Kopf zu stellen.

    Faszinierend ist nicht nur das Thema an sich, sondern auch der Schreibstil. Der Autor überzeugt als exzellenter Rhetoriker, der seine Thesen bestechend logisch untermauert, mit interessanten Zitaten anreichert und einer angenehmen Prise Humor würzt. Im Wechsel mit den sachlichen Hintergründen, die jeweils unter verschiedensten Aspekten wie soziologischen, biologischen, historischen oder politischen eingehend beleuchtet werden, kommen Menschen zu Wort, die über ihre Beziehungen sprechen. Gerade diese sehr offenen Erfahrungsberichte bewirken eine große Nähe und Authentizität. 

    Themen wie Sex, Liebe, Eifersucht, Treue und Freiheit werden durchleuchtet, die Begriffe definiert, erklärt, neu entdeckt. Das gelingt gleichermaßen behutsam wie radikal und ist geeignet, neue Einsichten zu eröffnen. Wer sich ohne Vorurteile auf diesen Lesestoff einlassen kann, wird nicht umhin kommen, Beweggründe für eine konventionelle Bindung sehr kritisch zu hinterfragen.

    Karig verspricht keineswegs Menschen, die diesen Weg der Polyamorie beschreiten oder ihn als Möglichkeit auszuloten versuchen, ein leichteres Leben. Aber er sieht darin die Chance auf ein glücklicheres. Als Grundvoraussetzung nennt er immer wieder die Bereitschaft zum Gespräch sowie den Willen, offen, ehrlich und sensibel miteinander umzugehen. Gelingen kann „… eine bewusste Liebe. Eine Liebe, die sich selbst in Frage stellt und dabei neue Antworten findet. Eine Liebe, die mehr will. Vielleicht sogar alles.“

    Ein ebenso beunruhigendes wie ermutigendes Buch, das sicher den Leser ein Stück weit verändert und ihn nachdenklich entlässt.

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    Cirillas avatar
    Cirillavor 2 Jahren
    Durchwachsen


    Also erstmal: Ich kann und will die einzelnen Geschichten der Paare in diesem Buch nicht bewerten. Das sind einfach individuelle Erfahrungen und subjektive Meinungen, die natürlich nicht immer meinem Bild von Liebe, Ethik usw. entsprechen (und dies auch gar nicht sollen).
    Trotz meiner eigenen polygamen/polyamorösen Tendenzen, habe ich mehrfach den Kopf schütteln müssen - zu viele Seitensprünge und Lügen, während es bei mir immer um Ehrlichkeit, Respekt und einen offenen Umgang (alle Beteiligten müssen immer wissen, worauf sie sich einlassen) geht. Aber das müssen die Leute eben selber wissen. Interessant zu lesen waren die Geschichten jedenfalls und ich kann jedem nur empfehlen, mit einem offenem Herzen mal über den Tellerrand zu schauen.

    Kommen wir stattdessen zu den "Zwischensequenzen" und zum Autor bzw. dessen Schreibstil... und hier auch gleich zum ersten Punkt, der mir mal wieder richtig doll aufgefallen ist:

    Friedemann Karig wirft mit Studien und Experimenten nur so um sich - allerdings ohne einen einzigen anständigen Quellennachweis. In den meisten Fällen heißt es "Studien besagen" oder "mittlerweile ist bekannt" etc. Ab und zu werden Forscher mal namentlich erwähnt aber das war's dann auch schon.
    Vielleicht liegt es daran, dass ich vor nicht allzu langer Zeit Margarete Stokowskis wunderbares Buch Untenrum frei gelesen habe und diese einen riesigen Anhang mit all ihren Quellen und unzählige Fußnoten mit reingepackt hat.
    So etwas hätte ich hier auch gut gefunden. Aber Frauen stehen ja generell immer stärker in der Beweispflicht, wenn sie irgendetwas äußern.

    Den Schreibstil fand ich okay. Nicht überragend gut aber auch nicht grottenschlecht. Ein paar Kleinigkeiten haben mich immer mal wieder ein bisschen gestört, z.B. Zwischensätze in den Stories á la "ihre blauen Augen blitzen" - so was mochte ich noch nie, denn wie soll das denn bitte gehen? Würden bei meinem Gegenüber plötzlich die Augen blitzen, würde ich schreiend weglaufen. Irgendwie stelle ich mir da immer den Hypnotiseur aus Asterix erobert Rom vor. :D
    Aber das ist halt auch wieder alles subjektiv und andere Leser und Leserinnen mag das überhaupt nicht stören. So schlimm ist es ja nicht.

    Sehr viel mehr gestört haben mich die ganzen Verallgemeinerungen: Es gibt viel zu viel die Frauen™ und die Männer™ und so sind sie halt alle, ohne Ausnahme. 
    So habe ich mich selbst z.B. überhaupt nicht wiedererkannt, wenn Karig mal wieder von den Frauen™ schreibt. So einigen Männern wird es da sicherlich ähnlich gehen. 
    Leider führt das dann wahrscheinlich wieder zu einer Defensivhaltung der Monogamie-Verfechter, die ja allgemein schon sehr allergisch und ängstlich reagieren, wenn man nur erwähnt, dass man körperliche Treue für nicht so wichtig hält und eine etwas andere Auffassung von Liebe, als die Allgemeinheit hat.

    Den Titel "Wie wir lieben" finde ich übrigens etwas irreführend. Es sollte meiner Meinung nach "Wie wir Sex haben" heißen, denn genau darum geht es primär. Platonische (romantische) Liebe und Asexualität werden wenig bis gar nicht bedacht.

    Allerdings muss ich auch die positiven Dinge erwähnen: Den geschichtlichen Teil über beispielsweise Paarbeziehungen fand ich sehr interessant, das Thema Slut-Shaming und Unterdrückung der Frau (und ihrer Sexualität) wurde ausnahmsweise mal nicht totgeschwiegen und die unterschiedlichen Stories der Menschen waren wie bereits oben erwähnt wirklich lesenswert.
    Vor allem den letzten Abschnitt, der sich mit Kommentaren und Reaktionen auf eine der Geschichten, die bereits vorab veröffentlicht wurde, auseinander setzt, fand ich toll.
    Hier sieht man mal wieder wie ablehnend Menschen reagieren, wenn etwas aus der (eigenen) Norm fällt. Dass da (neben Beleidigungen) gerne mal aus der Ferne psychische Krankheiten diagnostiziert werden, ist fast schon erschreckend.

    Mein Fazit ist also eher durchwachsen. Ich kann Wie wir lieben weder empfehlen, noch davon abraten. Mein Schlusswort deshalb: Reinlesen und ein eigenes Bild machen.

    (Ach übrigens: Sex and the City mag unterhaltsam sein, repräsentiert aber nicht die Allgemeinheit der Frauen. Deswegen haben mich die ständigen Zitate aus dieser Serie auch eher genervt.)   

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Edler Gedanke, schlechte Umsetzung. Leider stellenweise belehrend und unsachlich.
    "Wie wir lieben" von Friedemann Karig

    Autor: Friedemann Karig
    Titel: Wie wir lieben
    Gattung: Sachbuch, Erfahrungsbericht
    Erschienen: 2017
    Gelesene Ausgabe: Blumenbar, 2017
    ISBN: 978-3-351-05038-2
    Gelesen auf: Deutsch
    Gelesen im: Februar 2017

     

    Zum Buch:
    Friedemann Karig ist eigentlich Journalist. Für die Zeit, die Süddeutsche, den Focus - große Namen, kleinere Texte. Nun erschien sein erstes Buch. Er tobt sich hier im Sachbuchgenre aus, zumindest fast und schreibt über Polyamorie.
    Eingeteilt in Kapitel über Liebe, Treue, Ehe, Sexualität oder Eifersucht erzählt er im munteren Journlistenton von wissenschaftlichen Erkenntnissen, seiner eigenen Meinung oder zitiert Philosophen, Sozialforscher oder auch mal einen vergangenen amerikanischen Präsidenten. Zwischendurch erzählen immer wieder polyamore Paare von ihrem Alltag und die Geschichten ihrer Liebe. Zwar hegt der Autor gleich am Anfang den Wunsch nicht belehrend zu sein, allerdings gelingt ihm das leider nicht. Die wissenschaftlichen Teile, sind leider genau eines nicht: wissenschaftlich. Die Literaturangaben sind ungenau, die persönliche Meinung wird vermischt, Statistiken werden aus dem Hut gezaubert - all dies macht es leider schwierig, die teils seriösen Erkenntnisse ernst zu nehmen. Oft generalisiert Karig und erklärt die Ehe generell als obsolet und unglücklich machend, die Monogamie als unnatürlich und die Eifersucht als erlernt. Das mag alles seinen wahren Kern machen, aber leider wird nur ungenau aufgedröselt wo dieser liegen soll.
    Umso netter sind die Textabschnitte, in denen die Geschichten polygamer Paare erzählt werden. Hier  ist der Tonfall einfühlsam und berührend und vermittelt dem Leser einen guten und realistischen Einblick in diese Liebesform. Insgesamt ein Buch das Toleranz zwar fordert aber selber nicht liefert.

     

    Eine der Lieblingsstellen
    Zitat:
    "Allein sein ist inakzeptabel. Schließlich hat man ja heute alle Möglichkeiten. Wieso sie nicht nutzen? Es ist das Joghurtregal im Supermarkt: So viele Sorten! Nun liebe gefälligst eine!"[1]

    Stil und Sprache: Weder sachlich noch poetisch. Liest sich wie ein bento-Artikel.
    Zitat: "Für keine Sache hat der Mensch mehr Kühnheit und Raffinesse, mehr Schläue und Bosheit, mehr falsche Moral und Lüge investiert als für die Verdrängung des Eros. Für keine hat er schöne Kathedralen gebaut, tiefere Philosophien entworfen und grausamere Gesetze erlassen. Keine Sünde hat er brutaler, sadistischer, geiler und ausführlicher bestraft als die 'Sünden ' des Fleisches", schreibt Dieter Duhm."[2]

    Sachlichkeit und Neuigkeit der Informationen: Neuigkeit, ja, aktuelles Thema, aktuelle Erkenntnisse. Leider sachlich ungenau.

    Das hat mir gefallen: Der Versuch Toleranz zu schaffen und das Thema der breiten Masse zugänglich zu machen.
    Das hat mir nicht gefallen:  Die Unsachlichkeit.

    In One Sentence: Edler Gedanke, schlechte Umsetzung. Leider stellenweise belehrend und unsachlich.
    Sterne: 3


    [1] S.154
    [2]
    S.78

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    Eva-Maria_Obermanns avatar
    Eva-Maria_Obermannvor 2 Jahren
    Sehr interessant, leider Schwächen in Arbeitsweise und Argumentation

    Als Rahmen für sein Werk greift der Autor auf Paul und Jelena zurück, deren Geschichte in einer Reportage erzählt wurde. Ihr Versuch einer offenen Beziehung wird begründet, in Etappen betrachtet, mit den Geschichten um andere Paare und ihre Lebensentwürfe erweitert. Dazwischen zeigt Karig Fakten, Zahlen, Daten. Er geht das biologische Prinzip von Partnerschaften an, lässt Studien sprechen, zeigt Probleme auf. Ein guter Ansatz, der wackelt, weil er vor allem eines will: provozieren.

    Karig stützt die These, dass die Monogamie am Ende wäre mit Untersuchungen zu Fremdgehen und sexueller Erregbarkeit. Die Biologie spreche für sich. Heterosexuelle Frauen würden beispielsweise durch pornografische Bilder erregt und würden es einfach nicht zugeben. Mehr sogar als heterosexuelle Männer. Was Karig hier absolut ausklammert ist die gesellschaftliche Einbettung der Frauen. Er behauptet, dass wenn eine Erregung messbar ist, sie auch tatsächlich so empfunden wird. Damit reiht er sich ein in all jene, die behaupten, Opfer von Vergewaltigung würde Lust empfinden, nur weil ihr Körper reagiere. Die Körper-Geist-Problematik aber wird in Wie wir lieben nie angesprochen. Wirklich nie. Und dabei will der Autor doch ausgerechnet behaupten, dass unsere Biologie konträr unserer gesellschaftlichen Normierung funktioniert. Statt dazwischen aber eine Verbindung aufzubauen, werden beide Felder getrennt. Natur oder Kultur, Baby, du kannst nicht beides haben, nicht beides sein. In weiten Abschnitten seines Buches reduziert er den Menschen zum reinen Triebwesen. Dabei wäre gerade eine Betrachtung der Verbindung hoch interessant und könnte Abhilfe schaffen.

    Warum ist der Mensch monogam geworden? Weil er sesshaft wurde. Aus ökonomischer Sicht, wenn man so will. Kulturen, die sesshaft sind, aber nicht monogam, werden nur am Rande erwähnt. Die ominösen Eingeborenenstämme, die immer hervorgeholt werden, wenn wir „an unsere Wurzeln zurück wollen“, dürfen mal wieder herhalten. Dass die Tatsache, dass diese Stämme, die ein anderes Verständnis von Familie haben, als wir, der Ursprungsthese von Monogamie als Begleiterscheinung der Sesshaftigkeit als Notwendigkeit widersprechen, kommt überhaupt nicht zu Sprache. Biegt Karig am Ende seine Argumentation auf sein Thema zurecht? Traurig, denn eigentlich nutzt er immer wieder gute Belege und baut die Struktur seiner Thesen gelungen auf. Diese Kinderkrankheiten nerven da nur und erwecken den Anschein, der Autor würde seinem eigenen Buch nicht trauen.

    Besonders schockiert war ich davon, welches Bild Karig von Beziehungen allgemein zeichnet. Wie dieses Buch behauptet, Seitensprünge wären die Regel, jede Beziehung aufgrund der sinkenden Erregung im Alltag zum Scheitern verurteilt. Da ist er wieder, der Mensch als Triebwesen. So fokussiert ist der Autor dabei, Beispiele von offenen Beziehungen zu zeigen, dass er gleich mehrere Dinge außer Acht lässt. Zum einen, dass Monogamie nie ein allumfassende gelebtes Prinzip war, sondern lediglich immer wieder als ein solches forciert wurde. Zum anderen, dass es auch immer wieder sehr viele Paare gibt, die gemeinsam alt werden und dabei nicht unglücklich. Gerade diese, die Beispiele einer gelungenen Zweierbeziehung, lässt Karig unerwähnt. Statt Lebensentwürfe zu zeigen, die auch funktionieren und unseren Horizont zu erweitern, grenzt er damit aus. Das ist unheimlich schade.

    Denn das Buch ist einem so lockeren, herrlich komischen Stil geschrieben, dass es mir großen Spaß gemacht hat, es zu lesen. Es war unheimlich interessant die Fakten kennenzulernen, die Karig nutzt. Denn auch wenn seine wissenschaftliche Arbeitsweise hier weder repräsentativ noch zureichend ist, wirft er interessante Fragen dabei auf. Das Denken um unsere Beziehungsstrukturen, ihre Gründe und Auswirkungen ist es, was mir dieses Buch immer wieder schmackhaft gemacht hat. Allein das Nachdenken darüber, warum viele von uns monogam leben, was Treue eigentlich bedeutet und was Toleranz in diesem Bereich heißt, war unheimlich spannend und lohnenswert.

    Wie wir lieben – Vom Ende der Monogamie ist ein wirklich interessantes Buch zu einem Thema, das mit unserer Gesellschaftsstruktur erschreckend elementar verbunden ist. Es hat leider einige Schwächen in der Arbeitsweise und Argumentation. Lesenswert fand ich für mich es trotzdem, da es meine eigenen Überlegungen angeregt hat.

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    JosBuecherblogvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Interessantes Sachbuch mit vielen Geschichten und wissenschaftlichen Studien
    Eine Abwechslung von Geschichten und Studien

    Zuerst war ich etwas skeptisch, als ich dieses Buch von Lovelybooks zugeschickt bekommen habe. Dieses Buch war nämlich mein erstes richtiges Sachbuch.
    Natürlich lässt sich ein Sachbuch nicht so gut hintereinander weglesen, wie ein Roman. Das habe ich auch ziemlich schnell gemerkt, da ich eher schleppend voran kam. Allerdings war es sehr interessant, aber durch die viele wissenschaftlichen Fakten, konnte ich nur wenige Seiten am Stück lesen. 
    Der Autor argumentiert sehr entschlossen und zerlegt auch öfter Aussagen aus anderen Sachbüchern. Dies hat mir eigentlich gut gefallen, doch manchmal wirkte es auch etwas zu aggressiv. Er folgt immer einem klaren Schema: Thema, These, Beispiel. Dadurch wurde seine Meinung deutlich und ich konnte es gut nachvollziehen, auch wenn er öfter nicht meiner Meinung war. Er spricht oft vom Ende der Monogamie und einer freien Liebe zu mehreren Partnern. Das ist nichts Ungewöhnliches in der heutigen Zeit und doch finde ich, dass es jedem selbst überlassen werden sollte. Wer sich allerdings noch nicht wirklich mit der Polygamie auseinander gesetzt hat, könnte mit diesem Buch ein paar Probleme bekommen, da es hier sehr häufig darum geht. 
    Das Buch wechselt immer zwischen wissenschaftlichen Studien und Geschichten über spezielle Menschen. Das hat mir sehr gefallen, da es so nie langweilig wird. Außerdem geht es auch auf die heutige Zeit und ihre Methoden ein, wie zum Beispiel auf Dating-Plattformen, wie Tinder. 
    Durch diese Geschichten wird das Buch locker und humorvoll, doch es bleibt trotzdem interessant und auch sehr wissenschaftlich. 

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Ein neues Zeitalter der Liebe?

    Was bedeutet Liebe heute? Sind etablierte Beziehungsmodelle noch zeitgemäß und nützlich? Oder brauchen wir neue Definitionen, die offener und freier sind, die sich dem Geist der Zeit anpassen? "Wie wir lieben" erzählt Geschichten von Menschen, die sich nicht an Konventionen binden und voran gehen auf einem Weg, zu einem neuen Verständnis von Liebe.

    Habt ihr Lust mit Friedemann Karigs Buch "Wie wir lieben" anders denkende Menschen kennzulernen und ein packendes Buch über die Liebe zu lesen? Dann macht gleich mit bei unserer Leserunde – dem Auftakt zu #jungwildblumenbar !

    Mehr zum Inhalt
    Ein neues Zeitalter der Liebe. Die Monogamie ist ein Desaster. Jede zweite Ehe in Deutschland wird geschieden, Tendenz steigend. Monogamer Alltag: lügen, betrügen, verletzen, verlassen. Wie wollen wir also heute lieben, in einer Zeit, in der alles erlaubt ist? In der Liebe kein politisches Projekt und kein Zufall mehr ist, sondern Labor individueller Glücksforschung zu sein scheint? Friedemann Karig hat ein offenes und zärtliches Buch geschrieben über Menschen, die die Erfüllung in einer Liebe suchen, die anders ist und frei. Mit allem Schmerz. Mit allem Glück. Mit oder ohne Kinder. Mit oder ohne Happy End. Die Liebe in Zeiten unbegrenzter Möglichkeiten scheint theoretisch wohl untersucht. Doch was machen die Menschen da draußen wirklich? 

    Mehr zum Autor
    Friedemann Karig wurde 1982 bei Freiburg geboren und wuchs im Schwarzwald auf. Er studierte unter anderem Medienwissenschaften, Soziologie, Politik und VWL in Passau und Köln. Karig veröffentlichte für die Süddeutsche Zeitung, das SZ-Magazin, die ZEIT, Focus, Deutschlandfunk und viele mehr. Außerdem hält er Vorträge, konzentriert sich jedoch aufs Lesen, Schreiben und Reden. Heute lebt er in Berlin und München.

    Gemeinsam mit dem Blumenbar Verlag verlosen wir 25 Exemplare von "Wie wir lieben" . Bewerbt euch für dieses einfühlsam-packende Buch bis zum 22.02.2017 über den blauen "Jetzt bewerben"-Button* und beantwortet folgende Frage:

    Friedemann Karig geht auf Menschen zu, die sich mit dem Begriff Liebe auseinander setzen. Was bedeutet Liebe für euch im 21. Jahrhundert?

    Ich drücke euch die Daumen!


    Noch mehr #jungwildblumenbar!

    Weitere Titel aus dem Blumenbar und dem Aufbau Verlag findet ihr auch auf unserer Aktionsseite zu #jungwildblumenbar. Schaut doch mal vorbei! 



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