Die Gedichte in Friederike Haerters Debüt "Im Zugwind flüchtender Tage" handeln von den Kindertagen in der Uckermark, dem Pausenspiel in der Schule, dem Verlassen des Elternhauses und der Landflucht der Jugend. Sie schreibt über die Natur, das Vergehen im Herbst, über Buche und Kastanie, über Wespen und den Wind, der aus dem Zug aussteigt und über Schwangerschaft. Besonders schön fand ich auch:
am Ende des Jahres
hungert die Erde
die Mägen sind leer
und es knurrt und es knarrt
in den Stämmen
die Seen verzehrn sich
das Eis hält sie dicht
sie ringen um Himmel
und spiegeln ihn nicht
(S.43)
Die Autorin berichtet im Nachwort, dass viele ihrer Gedichte einen offenen biographischen Bezug haben. Obwohl konkrete Dinge wie eine Glasscherbe Haerter oft Anlass zum Schreiben geben, interessiert sie nicht die realistische Abbildung, sondern vielmehr „... wie die Erinnerung Dinge und Szenen fortlaufend verwandelt. Beim Nachspüren von Erinnerungen entfesselt sich ein schöpferischer Prozess des Assoziierens, bei dem sich das ursprüngliche Motiv mit fiktiven und intertextuellen Elementen anreichert, verändert (S 69)."
Eine Leichtigkeit liegt in ihrer Sprache, die doch virtous und verdichtet ist, dabei wechseln sich nicht reimende und reimende Verse ab. Bin sehr beeindruckt.
Schon der dritte Gedichtband, den ich aus dem Aphaia Verlag gelesen habe und der in wunderschöner Aufmachung und mit großartigen Texten daherkommt!
Leseempfehlung besonders für Naturlyrik-Liebende und Traklfans!


