Friederike Manner

 5 Sterne bei 2 Bewertungen
Autor*in von Die dunklen Jahre.

Lebenslauf

Friederike Manner (1904–1956 in Wien). Studium an der Universität Wien, verheiratet mit dem Arzt Hans Brauchbar, zwei Kinder. Erste Gedichtveröffentlichung im Februar 1938, kurz vor der Emigration nach Jugoslawien. Nach 1945 arbeitete sie als Literaturkritikerin und Lektorin. 1948 veröffentlichte sie unter dem Pseudonym Martha Florian ihren autobiografischen Roman »Die dunklen Jahre«, der nun erstmals wiederaufgelegt wird. Mit dem Schweigekonsens der Wiederaufbauzeit konnte sie sich nicht abfinden und setzte am 6. Februar 1956 ihrem Leben ein Ende.

Quelle: Verlag / vlb

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Cover des Buches Die dunklen Jahre (ISBN: 9783990650448)

Die dunklen Jahre

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Erschienen am 22.02.2021

Neue Rezensionen zu Friederike Manner

Cover des Buches Die dunklen Jahre (ISBN: 9783990650448)
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Rezension zu "Die dunklen Jahre" von Friederike Manner

Wolf-Macbeth
(Über)leben in Kriegszeiten.

Die dunklen Jahre" von Friederike Manner ist ein bewegendes und persönliches Werk. Es ist eine Familiengeschichte, geprägt von den Schrecken des Zweiten Weltkrieges.


Die Art und Weise, wie Manner die Ereignisse mit Tagebucheinträgen, philosophischen Exkursen und dokumentarischen Passagen gestaltet, fesselt beindruckte mich sehr. Die Sprache der Erzählung vermittelt die Vielschichtigkeit der Emotionen, die die Protagonistin und ihre Familie in jenen schwierigen Zeiten durchlebten.


Es ist fast so, als wäre ich selbst ein stiller Beobachter, der das Leben im Zweiten Weltkrieg als Bürger*in hautnah miterlebt. Die Erzählung ist so intensiv und mitreißend, dass ich mich oft dabei ertappte, wie ich die Seiten kaum erwarten konnte, um zu erfahren, wie es weitergeht.


"Die dunklen Jahre" sind nicht nur ein Vermächtnis, das uns eindringlich vor Augen führt, was Menschen während des Krieges durchmachen mussten, sondern es ist auch eine meisterhafte literarische Darstellung. Friederike Manner hat es geschafft, die historischen Ereignisse mit ihrer persönlichen Geschichte zu verschmelzen und ein Werk zu erschaffen, das mich zutiefst berührt hat.


Ich kann dieses Buch uneingeschränkt empfehlen. Es ist eine tiefgründige und fesselnde Lektüre, die uns nicht nur die Schrecken der Vergangenheit vor Augen führt, sondern auch zeigt, wie Literatur uns auf ganz besondere Weise in andere Welten eintauchen lässt. "Die dunklen Jahre" ist ein Meisterwerk.

Cover des Buches Die dunklen Jahre (ISBN: 9783990650448)

Rezension zu "Die dunklen Jahre" von Friederike Manner

Ein LovelyBooks-Nutzer
Eindrücklich und zeitlos aktuell

„Und wie oft dachte ich, ich sei erloschen, und dann kam ein neuer Brand und weckte mich zu unerhörter Wachheit. Das eine, glaub ich, hab‘ ich doch verstanden: was Goethe mit seinem „Stirb und Werde“ meinte.“ (Zitat Seite 403)

 

Inhalt

Der Arzt Ernst und seine Frau Klara, Verlagslektorin, haben gerade beschlossen, die längst gescheiterte Ehe durch Trennung zu beenden, noch überlegen sie, wie sie es den beiden Kindern Stella und Friedel sagen. Doch was 1934 begonnen hat, ist nun, im Frühjahr 1938 Realität geworden, Hitler und der Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich. Ernst ist Jude und für Klara ist es selbstverständlich, nun bei ihrem Ehemann zu bleiben, obwohl ihr wiederholt nahegelegt wird, die Ehe auflösen zu lassen. Vor allem jedoch geht es um die Rettung der beiden Kinder. Die erste Station ist ein strenges Kinderheim in der Schweiz, während Ernst endlich eine Ausreiseerlaubnis erhält und nach Belgrad ausreist. Doch Klara hält es in der Schweiz nicht aus und sie reist mit Stella und Friedel ebenfalls nach Belgrad, mitten in die von den Deutschen besetzte Stadt, in Hunger, Kälte, Gefahr, den täglichen Kampf um das Überleben, Alltag und die kleinen Freuden der frühlingshaft blühenden Natur, Freunde und gegenseitiges Helfen, wo sie, die Deutsche in Belgrad, es nicht erwartet hat. Belgrad wird vorübergehend so etwas wie Heimat für sie. „Voller Bitterkeit stellen wir fest, dass wir allen Grund haben, Hitler dankbar zu sein. Auf diese Weise sehen wir die Welt.“ (Zitat Seite 84)

 

Thema und Genre

Dieser autobiografische Roman beginnt im Februar 1934 und endet am letzten Tag des Jahres 1945. Themen sind Flucht, Exil, Krieg, Widerstand, Mut, aber auch Familie, Zusammenhalt, Freundschaft.

 

Charaktere

Klara ist eine starke Frau, die trotz aller Zweifel und Erschöpfung am Leben nicht aufgibt, sie kämpft für das Überleben ihrer beiden Kinder. „Ich mag mich nicht belügen. Lieber will ich verzweifeln – vielleicht ist Verzweiflung die einzige Form der Tapferkeit, die in so dunkler Zeit noch gilt.“ (Zitat Seite 232)

 

Handlung und Schreibstil

Klara schreibt als Ich-Erzählerin einen tagebuchartigen Bericht dieser Zeit, chronologisch gliedert sie die Handlung in die einzelnen Jahre, berichtet auch über die übergeordneten politischen Ereignisse. Doch vor allem geht es um ihre eigenen Gefühle zwischen Hass, Liebe und Verzweiflung, den Alltag im von den Deutschen besetzten Belgrad. In den Wintern Kälte, Hunger, Sorgen um den kranken Friedel, im Frühling und Sommer beinahe unbeschwerte Stunden in der blühenden Natur, ein gerettetes Katertier als Zeichen der Hoffnung, Momente der gemeinsamen Freude, um das Grauen irgendwie ertragen zu können. Klara schreibt offen, beobachtet genau, berichtet, sie schont niemanden, weder sich selbst, ihre noch ihre Mitmenschen. Immer wieder die Frage, wie es so weit kommen konnte, warum die Menschen in Deutschland und Österreich sich nicht rechtzeitig erhoben und gewehrt haben, denn anders als die Juden hatten sie die Wahl und konnten sich entscheiden. Erstmals ist dieser autobiografische Romanbericht von Friederike Manner 1948 unter dem Pseudonym Martha Florian im Wiener Verlag erschienen, am 22.02.2021 erfolgte diese Neuauflage durch den Wiener Verlag Edition Atelier.

 

Fazit

Ein zeitlos aktuelles Beispiel von Exil- und Erinnerungsliteratur, das sich eindrücklich und tief in unsere Gedanken prägt und die Vielschichtigkeit des Erlebten in dieser Zeit beleuchtet. Ein Buch, das mich sprachlos macht, man sollte es unbedingt lesen.

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