Friederike Mayröcker

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Autor von Und ich schüttelte einen Liebling, Paloma und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Friederike Mayröcker

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Und ich schüttelte einen Liebling

Und ich schüttelte einen Liebling

 (9)
Erschienen am 27.11.2006
Paloma

Paloma

 (4)
Erschienen am 25.02.2008
Gesammelte Gedichte

Gesammelte Gedichte

 (3)
Erschienen am 04.10.2004
Das Herzzerreißende der Dinge

Das Herzzerreißende der Dinge

 (2)
Erschienen am 26.06.1990
Die Abschiede

Die Abschiede

 (2)
Erschienen am 07.05.1987
ich bin in der Anstalt

ich bin in der Anstalt

 (2)
Erschienen am 24.05.2010
brütt oder Die seufzenden Gärten

brütt oder Die seufzenden Gärten

 (2)
Erschienen am 08.12.2014
dieses Jäckchen (nämlich) des Vogel Greif

dieses Jäckchen (nämlich) des Vogel Greif

 (2)
Erschienen am 12.10.2009

Neue Rezensionen zu Friederike Mayröcker

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M

Rezension zu "Das Herzzerreißende der Dinge" von Friederike Mayröcker

Die Bilder-, die Sprachflut
Mogli99vor 9 Monaten

Die Prosa Friederike Mayröckers verwehrt sich der Anekdote. Die Konsistenz des Erzählens weicht immerzu einer brüchigen, poetischen, mit allen Künsten sowie der eigenen Umwelt korrespondierenden Wirklichkeit, die keine Wahrheit kennt.

Auch „Das Herzzerreißende der Dinge“ ist ein solches Buch, in dem die Sprache flutet, weil sie auf allen Ebenen – der semantischen, der phonologischen, der grammatischen Ebene – in Bewegung versetzt wird; in dem auch die Bilder fluten, ohne dass zu bestimmen oder nachzuvollziehen wäre, woher sie stammen: Werden sie hervorgeholt aus Gelesenem, aus Gesehenem? Ist es der Reiz einer bestimmten, nur in Sprache möglichen Semantik? Oder lockte der Klang bestimmter Wortstrukturen? „Die klaren Sätze dürfen nicht ausgedacht sein, sie müssen sich selber herausschütteln nicht wahr“? (S.29)

Alles ist in Mayröckers Werken bis aufs Äußerste gereizt und reizvoll, alles ist getrieben von einer „melodischen Sehnsucht“ (S. 32) und dem „Durcheinanderschwirren von Stimmen“. (S. 10)

Während aber in anderen Prosawerken, etwa in „Die Abschiede“ oder „Das Licht in der Landschaft“, dieses vielschichtige Ereignis schlichtweg geschieht, offenbart „Das Herzzerreißende der Dinge“ in etlichen Selbstbeobachtungen die poetologische Haltung, die darin verborgen liegt:

Nicht die vulgäre, von der Erzählerstimme gefürchtete Anekdote, nicht eine sich selbst sichere Geschichte wird als sinnhafte Möglichkeit des Schreibens empfunden, sondern vielmehr die Geschichte von „Zwischenräumen“ (S. 60), „okkulten Zitaten“ (S. 51), die das intertextuelle oder eigentlich intermediale Verfahren der Schriftstellerin anzeigen; die Geschichte also des Risses und der Lücke: Keine „Lebensgeschichte, da sind viele Auslassungszeichen, viele Löcher, das Licht der Sonne bricht durch diese Löcher hindurch“. (S. 120)

Das unnachgiebige Fortsetzen der Bilder und Wörter kann dabei immer nur ein fragmentiertes Aufleuchten, kann immer nur in Bewegung begriffen sein, niemals aber eine statische Ganzheit erschaffen.

Wer sich in dieses Buch hineinbegibt, sollte daher ernst nehmen, was zu Beginn ausgesprochen wird: Der Leser gerät außer sich. Er muss hineinfallen. Er muss bereit sein, überschwemmt zu werden. In diesen Fluten aber scheinen Intensitäten auf, die selten in der Literatur erlebbar werden. Grund zur Furcht bedarf es also nicht: „Eigentlich alles was wir lieben schützt uns.“ (S. 52)

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Rezension zu "Und ich schüttelte einen Liebling" von Friederike Mayröcker

Friederike Mayröcker | UND ICH SCHÜTTELTE EINEN LIEBLING
Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr

So, nun habe ich das Buch relativ schnell ausgelesen, weil ich gestern viel Zeit hatte, denn eigentlich wollte ich in eine Ausstellung historischer Karten Mecklenburgs in einem Museum unserer Stadt, aber die haben montags geschlossen, also bin ich ziemlich früh in ein Gasthaus, das ich gerne zum Lesen aufsuche, aber das hatte wegen Umbau ebenfalls geschlossen, also stromerte ich durch die Altstadt und fand ein paar Straszen weiter ein gemütliches Café, in das ich mich setzte, mir einen Milchkaffee und später ein Bier zu bestellen, was ich beim ersten Schluck schon bereute, weil es furchtbar schmeckte, weil es alkoholfrei war, weil ich dieses Jahr die Fastenzeit über ohne Alkohol auskommen möchte, was erstaunlich schwierig ist und ich jetzt erst merke, wie viel ich eigentlich so trinke, jedenfalls zog ich Mayröckers »Und ich schüttelte einen Liebling« aus der Tasche und masz die verbleibenden Seiten (einhundertzwanzig) und schaute auf die Uhr und errechnete, dasz ich das Buch schaffen könnte, wenn ich mich ranhielte, und nach kurzer Zeit war ich wie im Rausch und flog über die Seiten, denn Mayröckers Schreibe zog mich in ihren Bann, obwohl die erste Hälfte arge Schwierigkeiten mit dem Text hatte, aber wie das eben manchmal so ist : da stimmt der Ort die Zeit die Atmosphäre und dann platzt der Knoten und man taucht in eine Welt, die einem vorher verschlossen war, obwohl ich jetzt nach der Lektüre nicht wirklich weisz, worum es eigentlich ging, denn eine richtige Story wird hier nicht vermittelt, eher eine Ansammlung von Gedankenschnipseln die Mayröcker nach dem Tode ihres Gatten EJ (Ernst Jandl) zusammengesammelt und zu einem langen, mäandernden Text zusammengesetzt hat, mit ganz eigener Orthographie, zum Beispiel das ß immer als sz zu schreiben, so dasz Sätze entstehen wie : »[…] und ich sah wie jemand in der Straszenbahn von einem groszen Apfel abbisz.«, was nicht immer leicht zu lesen ist, aber im tranceartigen Lesetunnel kaum noch ins Gewicht fällt, oder alleinstehende Doppelpunkte oder das Wiederholen einzelner Sentenzen, weil das Bier furchtbar war, weil es alkoholfrei war, oder Zeitsprünge innerhalb weniger Zeilen von mehreren Jahrzehnten, was aber alles im Tunnel einen literarischen Sinn ergibt, denn ich denke, dasz man dieses Buch nur in einem solchen Zustand lesen kann, in einem Fluss einem Ritt einem Rausch liest man wie Mayröcker denkt, fast ein joycescher Bewusstseinsstrom, aber nur fast, denn zwischen allen Gedanken Fetzen Erinnerungen erkennt man immer noch eine Richtung ein Ziel einen Erzähler, der mir etwas, ja was eigentlich? vermitteln will, und am Ende weisz ich gar nicht, finde ich das alles nun gut oder schlecht, komme ich da mit oder fehlen mir ein paar Hirnwindungen, muss ich nun einen Stern vergeben, weil mich das Erzählte gar nicht juckt, oder fünf Sterne, weil mich der Schreibstil so übermannt hat, oder gebe ich drei Sterne als Mittelwert, was ich zu wenig finde, aber vier drückt es auch nicht aus, verbleibe ich dieses eine Mal ausnahmsweise bei einer Enthaltung, weil ich denke, dasz dieser Text, zumindest für mich, unbewertbar ist, also klappte ich das Buch wieder zu und zahlte die Rechnung und trat aus dem Café »und es florte um mich herum und ich schüttelte einen Liebling«…

(Keine Sterne darf ich hier nicht vergeben, bleibt's bei neutralen drei.)

*** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

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Aliras avatar

Rezension zu "études" von Friederike Mayröcker

Tagebuch einer alten Dame
Aliravor 4 Jahren

>>habe fast den ganzen Tag mit / BUBI im Garten verschwelgt und / finden Blume und Blindschleiche, / feierlich in Dickicht Distelhain /......<< 
(12.1.12)

Vielleicht bin ich ein Banause, aber obiges Gedicht(?) könnte von der Satzkonstruktion her genauso gut von Meister Yoda sein...

Gleichzeitig rezensiert DIE ZEIT mit ihrer pingeligen Kolumne “Fehlerlesen” (http://www.zeit.de/serie/fehlerlesen): »Friederike Mayröcker verzaubert, weil sie Sprache und Leben verbindet.«

Frage an den Suhrkamp Verlag: Sind Ihnen die “ß” knapp geworden, oder warum sonst wird stattdessen immer “sz” geschrieben?

Optisch ist das Buch – zumindest von außen - sehr schön. Drinnen, im Text, sind dann (neben krakeligen Zeichnungen) immer wieder einzelne Wörter unterstrichen, und das kann ich überhaupt nicht leiden ...

Dem geschenkten Gaul (Christkind) soll man ja nicht ins Maul schauen, aber zu diesem Buch drängt sich mir leider nur die Metapher “Des Kaisers neue Kleider” auf.

PS: Die Rezension zu "cahier" erspare ich mir und meinen Lesern.

PPS: Brief an das Christkind: Der letzte Teil dieser Trilogie muss aber nicht unbedingt sein. ;)


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