Friedrich Ani Der namenlose Tag

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Inhaltsangabe zu „Der namenlose Tag“ von Friedrich Ani

Kriminalhauptkommissar Jakob Franck ist seit zwei Monaten im Ruhestand und glaubt nun, ein Leben jenseits der Toten beginnen zu können. Vor zwanzig Jahren hatte er sieben Stunden, ohne ein Wort zu sagen, der Mutter einer toten Siebzehnjährigen beigestanden. Jetzt wird der Kommissar von dieser Konstellation eingeholt: Ludwig Winther tritt mit ihm in Kontakt; er ist der Vater des jungen Mädchens, das sich umgebracht haben soll, und Ehemann jener Frau, der Franck so viel Aufmerksamkeit widmete. Zwanzig Jahre sind vergangen, und Ludwig Winther glaubt noch immer nicht an den Selbstmord seiner Tochter. Er ist überzeugt, dass sie ermordet wurde. Ex-Kommissar Jakob Franck macht sich also daran, die näheren Umstände ihres Todes aufzuklären, »einen toten Fall zum Leben zu erwecken «. Jakob Franck folgt dabei seiner ureigenen Methode, der »Gedankenfühligkeit «: Diese ist unnachahmlich und unübertroffen bei der Lösung der kompliziertesten und überraschendsten Fälle.
Friedrich Ani und seine Kunst der Konstruktion gewöhnlich-außergewöhnlicher Kriminalistikrätsel; Friedrich Ani und seine Sprache, die vom Tod auf das Leben melancholisch gelöste Perspektiven wirft – Friedrich Ani und seine Kunst erreichen in seinem neuen Roman unvorhersehbare Dimensionen.

Sprachlich wunderschön. Inhaltlich quälend, düster und sehr langsam...

— leolas

Nach über 20 Jahren wird ein Selbstmord (?) doch noch einmal aufgerollt.

— Elfeliya

Durchschnittlicher Krimiplot - die Charaktere konnten mich aber so gar nicht mitreißen.

— JuLe_81

Depressiv und langatmig.

— Ira

Völlig anders als erwartet. Nicht actionreich oder rasant, aber packend und ergreifend.

— Plush

Ein außergewöhnlicher Krimi, etwas melancholisch und eine intensive Sprache

— sommerlese

Mein erster Ani: Tiefgründig, sprachgewaltig. Ungewöhnlicher, aber eindrucksvoller (Kriminal-)roman.

— Gulan

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angyy

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  • Kommissar a.D. Ermittelt

    Der namenlose Tag

    Elfeliya

    01. September 2017 um 20:43

    Ein Kommissar in Rente wird immer wieder von seinen ungelösten Fällen heimgesucht. Der Vater eines Mädchens taucht auf und versucht den Kommissar dazu zu bringen den Tod seiner Tochter aufzuklären, da er auch nach über 20 Jahren überzeugt ist, dass sie keinen Selbstmord begangen hat. Das Buch erzählt spannend die Geschichte des Kommissars und seiner Recherchen. Man rätselt als Leser mit und auch das Ende ist einigermaßen überraschend. Warum gebe ich dem Buch also "nur" 3 Sterne? Ich bin vielleicht einfach der falsche Adressat gewesen, für mich war es viel Spurensuche bei Leuten, die den Vorfall schon so gut wie vergessen hatten. Ich hatte mir zwischendurch einfach mehr gewünscht als viele Gespräche mit Leuten, die zum Teil nur einmal in diesem Buch auftauchen. Für mich eben ein durchschnittlicher Kriminalroman, der unterhält und spannend ist.

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  • Das war nicht mein Fall...

    Der namenlose Tag

    JuLe_81

    19. July 2017 um 15:48

    Kommissar Franck ist im Ruhestand und nimmt die Ermittlungen zu einem alten Fall wieder auf. Zwanzig Jahre zuvor wurde ein 17jähriges Mädchen im Park gefunden - erhängt an einem Ast. Franck überbrachte der Mutter die schreckliche Nachricht und hielt sie 7 Stunden lang tröstend im Arm. Die damaligen Ermittler kamen zu dem Schluss, dass es ein Selbstmord war, der Vater des Mädchens glaubt bis heute nicht daran und bittet Franck deshalb, nochmals Nachforschungen anzustellen. Der spricht mit Familie, Freunden und Bekannten und findet so nach und nach heraus, was geschehen ist.Grundsätzlich ist die Geschichte nicht schlecht, mir hat der Stil aber nicht gefallen. Außerdem konnte ich zu keiner der Personen einen Draht finden, das Geheimnisvolle, Verschrobene hat mich genervt. Vielleicht soll das so sein, vielleicht ist das auch realistisch - aber gefallen hat es mir nicht. Ich konnte auch die Verschwiegenheit vieler Personen nicht nachvollziehen... Klar, man sagt sich nicht immer alles. Aber bei solch schweren Vorwürfen zu schweigen und nichts zu thematisieren kommt mir falsch und extrem merkwürdig vor.Das war leider nicht mein Buch - daher kann ich leider nur zwei Sterne vergeben.

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  • Ein scheinbar einfaches Ende!

    Der namenlose Tag

    kassandra1010

    14. July 2017 um 18:32

    Der frisch pensionierte Ermittler Jakob Franck wird von einem alten Fall heimgesucht. Der Vater der verstorbenen Esther sucht ihn auf und bittet den bereits vor Jahren zu den Akten gelegten scheinbaren Selbstmord endlich aufzuklären.Für Franck beginnt eine seltsame Reise durch die damalige Ermittlungsakte und durch die Geschichte der jungen Esther Winther.Die privaten Ermittlungen führen Franck von einem „Verhör“ zum Nächsten wobei er seine ganz eigene Methode dabei anwendet, um das gewünschte Stückchen Hinweis zu erhalten.Mit Francks Methode gelingt es dem Ermittler irgendwie auch sich selbst ein kleines Stückchen näher zu kommen.Ein Kriminalroman der ganz anderen Art, die mir als Leser mehr abverlangt hat, als man es von einem ganz normalen Krimi gewöhnt ist.

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  • Gedankenfühligkeit

    Der namenlose Tag

    sommerlese

    12. April 2017 um 07:55

    "*Friedrich Ani*" begibt sich in seinem Kriminalroman "*Der namenslose Tag*" auf die Suche nach dem wahren Grund einer angeblichen Selbsttötung. Der Krimi erschien 2015 im "*Suhrkamp Verlag*". Kurz nach seiner Pensionierung erwacht in Ex-Kommissar Jakob Franck wieder sein ureigener Ermittlerinstinkt. Eigentlich will er jetzt nichts mehr mit Toten zu tun haben, denn seine berufliche Aufgabe, Familien Todesnachrichten zu überbringen verfolgt ihn gedanklich noch immer. Doch gerade jetzt holt ihn ein alter Fall von vor 20 Jahren ein. Der Vater eines erhängten Mädchens, Ludwig Winther, meldet sich bei ihm und bittet ihn um erneute Untersuchung des Todesfalles. Er glaubt nicht an Selbstmord. Wie geht es nun weiter? Kann sich Franck noch einmal mit dem Tod auseinandersetzen? Oder geniesst er lieber seine wohlverdiente Ruhe? Friedrich Ani hat in diesem anspruchsvollen Krimi mit seinem Ex-Kommissar Jakob Franck eine ungewöhnliche Figur beschrieben, die besondere Charakterzüge und Angewohnheiten besitzt. Franck, seit 2 Monaten pensioniert, ist jemand, der von Berufs wegen den Tod der Opfer übermittelte und den Angehörigen in ihrer Trauer beistand, indem er einfühlsam ihren Geschichten zuhörte. Er nennt es Gedankenfühligkeit, wenn er die Gedanken der Täter oder Opfer nachvollzieht. Ich würde es Bauchgefühl nennen und vielleicht eine psychologische Aufarbeitung der Geschehnisse. Auf jeden Fall verfolgen ihn diese Gedanken über die Todesfälle bis in sein Heim, seine Ehe ist seit längerer Zeit geschieden und richtige Hobbies hat Franck bis auf Internet-Poker auch nicht. So hat er viel Zeit und schnell erwacht sein Ermittlerinstinkt und sein Interesse an dem Fall und er nimmt die Nachforschungen im Fall der 17jährigen Esther Winther auf. Mit Einfühlsamkeit und Fingerspitzengefühl kommt Franck an Wahrheiten heran, die eigentlich verschwiegen wurden, baut Barrieren ab, wenn Angehörige die Mauern ihres Schweigens nicht brechen wollen. Er fühlt tief in ihr Innerstes, ohne auszufragen oder zu bedrohen. Manchmal ist er einfach nur da und die Personen öffnen sich ihm. Auch im vorliegenden Fall von Esther gibt es viel Schweigen und den Verdacht eines sexuellen Missbrauchs als Motiv für den Selbstmord. Feinfühlig werden auch nach 20 Jahren in den Beteiligten Erinnerungen geweckt und so kommt langsam Licht ins Dunkel. Der Erzählstil des Autors ist sprachlich brillant und zeigt deutlich seine literarischen Fähigkeiten. Er verwendet eine unaufgeregte Sprache und füllt die Geschichte mit einer melancholisch wirkenden Atmosphäre. Ruhig, mit tiefgründigem Blick auf und hinter die Fassade der Menschen und mit fast philosophischen Betrachtungen ergründet der Protagonist den vorliegenden Fall. Dazu gibt es lange verschachtelte Sätze, es werden Personen befragt, die in irgendeiner Form mit der Toten zu tun hatten. Diese Fülle ist manchmal etwas erschwerend zu lesen, denn nicht alle Befragten haben Kenntnis von weiterführenden Spuren. Aber so ist die Realität bei Ermittlungen nun mal. Jakob Franck wird mir mit seiner Art wie er auf fremde Menschen zugeht und für sie da ist, sympathisch. Man bewundert ihn für diese Fähigkeit. Dabei ist er kein fröhlicher oder positiv wirkender Mensch, sondern einfach ein ruhiger Zuhörer. Eigentlich wünscht man ihm privates Glück, doch das passt stilistisch nicht in die düstere Szenerie der Mordermittlungen des Friedrich Ani hinein. Hoffen wir auf weitere Fälle, die Licht in dunkle Geheimnisse bringen. Dieser außergewöhnliche Krimi besticht durch den speziellen Ermittler und seine beeindruckende individuelle Sprache. Ein Hauch von Melancholie schwebt über der Geschichte, auf die man sich lesetechnisch einlassen sollte.  

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  • Leserunde zu "Bücherwürmer und Leseratten" von Bettina Mähler

    Bücherwürmer und Leseratten

    ChattysBuecherblog

    Wie Ihr aus dem Titel entnehmen könnt, treffen sich hier die Bücherwürmer und Leseratten. Und zwar zum gemeinsamen SUB-Abbau. Oft stehen wir vor dem Regal und fragen uns, welches Buch wir als nächstes lesen sollen.  Hier kommt die Lösung. Wir lesen einfach nach einem Monatsmotto. Das Ganze funktioniert so: Ich gebe jeweils zum Monatsanfang ein neues Motto bekannt (siehe Unterthema) und dann heißt es: ran an die Bücher...ran an den SUB. Viel Spaß!

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  • Der namenlose Tag

    Der namenlose Tag

    Wurm200

    21. October 2016 um 16:48

    Friedrich Ani Der namenlose Tag Suhrkamp Autor: Friedrich Ani, geboren 1959, lebt in München. Er schreibt Romane, Gedichte, Jugendbücher, Hörspiele, Theaterstücke und Drehbücher. Sein Werk wurde mehrfach übersetzt und vielfach prämiert, u. a. mit dem Deutschen Krimi Preis, dem Adolf-Grimme-Preis und dem Bayerischen Fernsehpreis. Seine Romane um den Vermisstenfahnder Tabor Süden machten ihn zu einem der bekanntesten deutschsprachigen Kriminalschriftsteller. Friedrich Ani ist Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und des Internationalen PEN-Clubs. Sein Roman Der namenlose Tag (2015), ausgezeichnet mit dem Deutschen Krimi Preis und dem Stuttgarter Krimipreis, markierte Anis Wechsel zu Suhrkamp. Sein zweiter Roman, Nackter Mann, der brennt, erschien im Sommer 2016. Seit 2015 ist Friedrich Ani auch mit seinen Theaterstücken im Suhrkamp Theater Verlag vertreten. (Quelle: Suhrkamp) Ein Mann klingelt an der Tür des ehemaligen Kommissars und bittet um ein Gespräch. Am Tisch sitzend redet dieser vom Selbstmord seiner Tochter, der schon 20 Jahre zurückliegt. In seinen Augen hat es sich dabei nicht um einen Selbstmord gehandelt und das, obwohl die Polizei diesen Fall so abgeschlossen hat. Der Mann bittet den ehemaligen Kommissar darum, die Ermittlungen nochmals aufzunehmen. Das Buch besteht aus insgesamt 21 Kapiteln. Die Kapitelangaben werden zum einen mit einer römischen Zahl gemacht und zum anderen finden wir unter dieser Zahl eine Kapitelüberschrift. Diese Kapitelüberschrift kann mehrfach benutzt werden, dies wird dann durch eine Zahl kenntlich gemacht. Schlägt der Leser das Buch auf, findet er als Erstes ein Zitat, das besser nicht sein könnte. Alles, was im Buch ist, auf 3 Zeilen gepackt. Wenn wir dann beginnen zu lesen, werden wir direkt in die Handlung geworfen, ohne dass wir erfahren, worum es genau geht. Dies bekommt der Leser dann aber im Laufe des Buches erzählt. Auch lernen wir die Charaktere, allen voran den ehemaligen Kommissar Jakob Franck im Laufe der Geschichte besser kennen. Aufgrund der Art und Weise, wie das Buch geschrieben hat, ist es nicht ganz leicht zu lesen bzw. zu verstehen. Dies tut dem Lesespaß aber keinen Abbruch, im Gegenteil es hilft beim Reinfinden in die Geschichte, da diese auch 20 Jahre zurückliegt. Am Ende bekommt dann der Leser ein Ende geliefert, dass dem Buch gerecht wird. Cover: Das Hardcover des Buches ist nur in der Farbe Schwarz gehalten. Der Schutzumschlag hingegen besteht hauptsächlich aus der Farbe Grau. Allein der Buchrücken und die Umrandung sind schwarz. Auf der Vorderseite sehen wir außerdem eine Art Rauch, der sich über das Cover zieht. Fazit: Wer bei diesem Buch einen üblichen Krimi erwartet, wird sehr enttäuscht sein. Keinerlei Action; Mörder oder ´Sonstiges, was einen Krimi auszeichnet. Dafür aber vieles Zwischenmenschliche, was sehr gut in die Handlung um einen Selbstmord gepackt wurde. Die knapp 20 Euro wirken vielleicht etwas abschreckend, man bekommt aber für das Geld ein wirklich gutes Buch. Von mir 5/5 Sterne. Klappentext: Kriminalhauptkommissar Jakob Franck ist seit zwei Monaten im Ruhestand und glaubt nun, ein Leben jenseits der Toten beginnen zu können. Vor zwanzig Jahren hatte er sieben Stunden, ohne ein Wort zu sagen, der Mutter einer toten Siebzehnjährigen beigestanden. Jetzt wird der Kommissar von dieser Konstellation eingeholt: Ludwig Winther tritt mit ihm in Kontakt; er ist der Vater des jungen Mädchens und Ehemann jener Frau, der Franck so viel Aufmerksamkeit widmete. Zwanzig Jahre sind vergangen, und der Vater glaubt noch immer nicht an den – laut polizeilichem Untersuchungsergebnis eindeutig feststehenden – Selbstmord der Tochter durch Erhängen: Seiner Meinung nach kann es sich nur um Mord handeln. Ex-Kommissar Jakob Franck macht sich also daran, die näheren Umstände ihres Todes aufzuklären, »einen toten Fall zum Leben zu erwecken«. Jakob Franck folgt dabei seiner ureigenen Methode, der »Gedankenfühligkeit«:.Diese ist unnachahmlich und unübertroffen bei der Lösung der kompliziertesten und überraschendsten Fälle. (Quelle: Suhrkamp) Autor: Friedrich Ani Titel: Der namenlose Tag Verlag: Suhrkamp Genre: Roman Seiten: 301 Preis: 19,95 ISBN: 978-3-518-42487-2http://wurm200.blogspot.de/

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  • so gar nicht mein Fall..

    Der namenlose Tag

    rike84

    19. June 2016 um 19:55

    Jakob Franck, pensionierter Kommissar, ist ziemlich einsam. Seine neue Freizeit als Rentner vertreibt er sich ohne Frau mit Online- Poker und dem einen oder anderen Bier. Als dann der Witwer einer Frau bei ihm klingelt, die sich vor fast 20 Jahren umgebracht hat, hat er wieder eine Aufgabe. Denn als Kommissar war er vor allem auch für das Überbringen der Todesnachrichten verantwortlich. Als er der Frau damals mitteilen musste, dass ihre Tochter sich im Park erhängt hat, hatte er die ganze Nacht bei ihr verbracht und eine ziemlich starke Verbindung geknüpft(nicht sexuell). Kurz danach brachte sich auch die Frau um, und nun kommt der Vater mit einem unglaublichen Verdacht zum ehemaligen Kommissar. Kommissar Franck trifft sich nun mit Freunden, Nachbarn und Verwandten, um diese alte Geschichte doch noch zu klären. Hat sich die Tochter wirklich selbst erhängt oder hat doch jemand nachgeholfen? Hat der Vater sie vorher missbraucht? Oder der Zahnarzt von nebenan? Stil, Machart, Meinung So, hier wird es schwierig, denn ich werde mich in meinem Urteil weit von dem einschlägigen Urteil der Fachwelt entfernen. Vorab sage ich daher: Dieses Buch ist hochgelobt und hat unter anderem den Deutschen Krimipreis gewonnen.  Das mir diese Geschichte nicht gefällt, liegt wohl an mir. Was ist diese Geschichte? Ein Roman, laut Klappentext. Die Bezeichnung Psychokrimi habe ich auch schon gelesen, und das Buch hat den Krimipreis gewonnen. Die Mischung fand ich interessant, und ich lese wirklich nicht nur Krimis und Thriller sondern gern auch mal einen Roman. Dieses Buch ist ein Roman, definitiv kein Krimi. Klar, es geht um einen Selbstmord der eventuell ein Mord war und die Aufklärung des Geschehens. Aber irgendwie rückt diese Tatsache vor den Details über so viele verlorene Leute total in den Hintergrund und ist auch nicht durch eine grandiose Konstruktion eines Verbrechens am Ende in Richtung Krimi zu rücken. Es ist schon komisch, das man selbst nach den vielen Gesprächen über das verstorbene Mädchen gar nicht so viel über das Mädchen selbst weiß. Über die Befragten Leute weiß man mehr – und vieles davon ist wenig interessant. Ich bin einfach erleichtert, dass ich endlich mit diesem Buch durch bin. So viele Seiten habe ich mich durch gequält und hatte überhaupt keine Lust, weiterzulesen.  Ich habe zwischen Start und Ende dieser Geschichte mehrere Bücher angefangen und beendet und war jedes Mal etwas bedrückt darüber, dass ich dieses Buch ja auch noch beenden muss.  Glücklicherweise hatte ich das Buch bei einer sehr langen Wartezeit im Wartezimmer bei mir, das hat etwas gebracht. Warum hatte ich keine Lust auf die Lektüre? –Weil es anstrengend und deprimierend war. Lange, gewollt (manchmal zu gewollt) kunstvolle Sätze voller Melancholie und Figuren, die allesamt sehr deprimiert und auch nicht spannend waren. Es gibt da so Ausdrücke, die finde ich einfach zu hochgegriffen. Diese Sätze scheinen mir nur für ein literarisch anspruchsvolles Publikum gewählt zu sein, welches anscheinend keinen Spaß beim Lesen eines Buches erwartet. Manche Sätze hingegen sind mittendrin einfach sehr schön und ich dachte: WOW! Aber die Anzahl dieser Sätze im Vergleich zu den schwülstigen, langen, unnützen Sätzen, das ist nix für mich. Es gab auch ein paar nette Details und Kleinigkeiten, die ganz nett waren. Aber dann gibt es auch so unnötige und langgezogene Beschreibungen, die für die Geschichte überhaupt nicht bedeutend .  Der Ermittler ist einsam, schräg, versucht durch Gedankenfühligkeit das Verbrechen zu lösen (und ich weiß auch nach dem Lesen noch nicht, was das überhaupt genau ist!) und wohl auch gern Alkohol.  Dann setzen sich Geister der vergangenen Dienstjahre in seine Küche und leisten ihm Gesellschaft. Wenn er Menschen befragt, dann macht er das manchmal schon sehr geschickt, manchmal denke ich mir aber auch: wieso reden die mit dem überhaupt? Der Plot und die Charaktere sind gar nicht schlecht, aber man hätte die Geschichte auch fluffig und interessant erzählen können, ohne vollkommen unnötige Details einzuflechten die bei mir die Augenlider in Richtung Süden lenkten.  Ich bin froh, dass mich dieses Buch in keine Depression gestürzt hat. Die letzten 30-40 Seiten waren ganz erfrischend, endlich gab es mal einen positiven Charakter inmitten der verlorenen, depressiven Seelen. Da mir vorher ganz hervorragende Lobeshymnen für diese Geschichte untergekommen waren, hatte ich auch an den Schluss hohe Erwartungen und habe nur wegen der Auflösung weitergelesen. Ich dachte mir, da muss es eine wahnsinnig grandiose Auflösung geben. Nun ja.. ging so. Gut finde ich den Ansatz, hier größtenteils ohne körperliche Gewalt auszukommen. Es ist ja auch kein Krimi, sondern ein Roman. Aber es geht um ein lange zurückliegendes Geschehnis mit dem Tod als Ausgang, und durch die Befragung verschiedener ehemaliger Freunde und Bekannte soll alles aufgeklärt werden. Kein Blut, kein Gemetzel sondern ein Fokus auf die Figuren. Leider nur überhaupt nicht nach meinem Geschmack.. Die Reihe Dieser Fall ist Teil 1 des neuen Friedrich Ani – Ermittlers Jakob Franck. Ich werde definitiv nie wieder ein Buch von diesem Autor oder auch Ermittler in die Hand nehmen, habe aber gehört und gelesen das die Reihe um Vermisstenfahnder Tabor Süden sehr gut sein soll. Hier habe ich etwas gekürzt, damit es nicht zu lang wird. Die Punkte „was lernen wir daraus?“ (für die schreibende Zunft) und „darf man ein Buch so bewerten?“ gibt es auf meinem Wordpress Blog unter dieser Adresse: http://wp.me/p6tREn-1oJtw Würde mich freuen, wenn du zu Besuch kommst! Fazit Dieses Buch ist sehr kunstvoll, literarisch hochanspruchsvoll und wird von der Fachwelt in den Himmel gelobt. Von mir leider nicht, denn ich hatte beim Lesen ungefähr so viel Spaß wie beim jährlichen Zahnarzt-Besuch. Lange, manchmal sehr schöne aber oft sehr unnötige Sätze. Eine unglaublich deprimierende Stimmung, detailliert dargestellte, nicht sehr aufregende Charaktere. Keine Spannung aber doch die Hoffnung auf einen Paukenschlag am Ende –der kam leider nicht. Wer wirklich gern graue, langatmige Romane liest und den Fokus auf meist unnötige Details und viele Szenen legt, die für die Auflösung nicht interessant sind, der ist hier genau richtig. Man kann sich sicherlich an der Andersartigkeit vieler Sätze erfreuen und die Kunst der dramatischen Sätze zelebrieren – ich kann es nicht und vergebe 2 Sterne.  Eigentlich hatte ich so wenig Spaß, dass es auch ein Stern hätte werden können. Aber manche Sätze waren dann doch sehr schön. Die letzten 40 Seiten waren übrigens viel besser als alle Seiten davor, es gab auch mal einen positiven Charakter und die Sätze machten mehr Spaß. Warum konnte der Autor das denn nicht das ganze Buch über? Oder war ich am Ende nur so geschafft, dass es mir nur so toll vorkam?

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  • anspruchsvoll

    Der namenlose Tag

    bblubber

    24. April 2016 um 14:47

    Friedrich Ani gehört bekanntlich zu den anspruchsvollen Krimi-Autoren. Dementsprechend sind seine Bücher mehr literarische Romane denn einfache Spannungslektüre. Nicht immer trifft er dabei das richtige Verhältnis zwischen den zwei Wünschen, die den Leser zu seinen Krimis greifen lassen. Diesmal lernen wir einen neuen Ermittler kennen in dem aktuellen Roman „Der namenlose Tag“. Es ist Jakob Franck, der bis vor kurzem noch Kriminalhauptkommissar in München war, aber jetzt bereits in den Ruhestand gegangen ist. Also ein etwas älterer Mann, der sich gerade auf das Leben ohne Mord und Totschlag einzustellen versucht. So recht will ihm das aber nicht gelingen. Die ehemaligen Fälle lassen ihn noch nicht los. Die Toten sitzen sogar bei ihm am Tisch und ringen um seine Aufmerksamkeit. Relativ gemächlich kommt die ganze Geschichte daher und die Spannung ist meist nur eine psychologische aber keine die auf Bedrohung oder aktueller Gewalt beruhen würde. Ein Vater bittet um die Aufklärung eines scheinbaren Selbstmordes seiner Tochter. Franck ist der Fall noch sehr präsent – auch weil die Mutter sich später umgebracht hat, fühlt er sich verpflichtet erneut nachzuforschen, was wirklich passiert ist. So ganz gelingt es Ani nicht, mich zu fesseln. Die seelischen Abgründe, die menschlichen Tragödien, die hier erzählt werden, sind durchaus interessant. Aber sein Erzählstil ist diesmal schon sehr behäbig und kreist so sehr um die Verzweiflung und das Trauma der Protagonisten, dass die Handlung dahinter zurückstehen muss und es mir an der richtigen Spannung gefehlt hat. Jakob Franck ist ein sympathischer und sehr sehr empathischer Mensch und man merkt ihm an, dass sein Berufleben ihn geformt und aufmerksam gemacht hat, für seine Mitmenschen. Der Mann hat sicherlich Potential aber mir hätte es gut gefallen, wenn ein bisschen mehr Action gewesen wäre.

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  • Der namenlose Tag

    Der namenlose Tag

    lesemaus

    09. April 2016 um 23:19

    Jakob Franck ist im Ruhezustand und wird trotzdem in einen alten Fall eingezogen als der Vater einer Verstorbenen vor seiner Tür steht. Vieles aus dem damaligen Fall kommt wieder hoch und beschäftigt den alten Mann wie Geister. Der Vater streitet erst nach 20 Jahre ab, dass seine Tochter Selbstmord begangen haben soll. So begibt sich Herr Franck auf die Suche nach der Wahrheit. Und bedient sich seiner „Gedankenfühligkeit“. Der Schreibstil ist einfach und locker. Mir hat diese Art zu lesen sehr gefallen. Der Wechsel zwischen den Personen und Zeiten ging meist nahtlos über, was den roten Faden der Hauptgeschichte nicht unterbrach. Die Vorlesung von Herr Ani war sehr gut und beeindruckend. So bin ich auf das Buch gekommen. Freue mich schon auf die Fortsetzung. 

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  • Der Todesbote

    Der namenlose Tag

    hundertwasser

    29. March 2016 um 14:50

    Faulheit kann man Friedrich Ani wirklich nicht vorwerfen: über 100 Bücher weist die Deutsche Nationalbibliothek in ihren Katalogen nach, die Ani geschrieben bzw. an denen er mitgewirkt hat. Nun startet der produktive Münchner Krimiautor im Suhrkamp-Verlag eine neue Reihe, die den Ermittler Jakob Franck einführt.Jakob Franck ist ein pensionierter Kriminalbeamter, der sich im Münchner Polizeipräsidium als Überbringer von schlechten Nachrichten einen Ruf geschaffen hat. Stets überbrachte er den Hinterbliebenen Todesmeldungen und andere Hiobsbotschaften und half ihnen, den Schmerz zu lindern. Geblieben ist ihm eine kaputte Ehe und die Geister der Toten, die ihn immer mal wieder besuchen kommen.Ein besonderer Fall ruft ihn nun im Ruhestand. Vor zwanzig Jahren erhängte sich in einem Park ein junges Mädchen. Kurz darauf brachte sich ihre Mutter um - und der Witwer Ludwig Winther kann mit dem Verlust auch nach 20 Jahren nicht abschließen. Er ist zutiefst davon überzeugt, dass seine Tochter umgebracht wurde. Seine letzte Hoffnung heißt Jakob Franck. Und dieser hat auch eine persönliche Bindung zu dem Fall - er überbrachte der Mutter des Opfers damals die schlechte Nachricht. Wenig später erhängte sich die Mutter ebenfalls. Franck beginnt den kalten Spuren noch einmal nachzugehen.Bereits das Cover macht Lust auf den geheimnisvollen Krimi. Was hat sich in der Familie von Ludwig Winther zugetragen? Kann es sein dass Winthers Tochter damals wirklich ermordet wurde und der Mörder mit seiner Tat bis heute davongekommen ist? Geschickt legt Ani seine Spuren, die zwanzig Jahre zurückführen.Dass Ani schreiben kann, davon zeugte nicht zuletzt die Auszeichnung mit dem Deutschen Krimipreis, den der Müncher mit seinem letzten Tabo-Süden-Krimi errang.Gerade die lebensnahen Dialoge sind eine große Stärke von Der namenlose Tag. Wie Franck in alten Wunden bohrt und in Gesprächen versucht Widersprüche aufzudecken, das liest man so in der deutschen Krimiliteratur selten. Die Realitätsnähe macht den Fall für Jakob Franck aus, sucht man doch gewiefte Serienkiller oder übermenschliche Ermittler vergeblich. Vielmehr kämpft der ehemalige Todesbote mit seinen inneren Dämonen und versucht etwas Frieden zu finden.Mit seinen knapp 300 Seiten hat der Krimi genau die richtige Länge, bevor ins Langweilige kippen könnte. So ist der Reihenauftakt eine spannende Spurensuche in längst Vergangenem geworden, die bis zu ihrer Auflösung den Leser in Neugierde zu versetzen weiß.

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  • Das Buch mit den vielen Semikolone

    Der namenlose Tag

    OmaInge

    03. March 2016 um 18:42

    Jakob Franck kann seine alten, ungelösten Fälle nicht ruhen lassen. Seine Ehe ist darüber zu Bruch gegangen und jetzt sitzt er täglich mit den Todesopfern am Tisch und versucht immer noch Licht ins Dunkle zu bringen. Ein Mann, mit dem ich auch keine Ehe führen möchte. So richtig sympathisch ist er mir nicht geworden – eher gruselt es mich vor ihm! Ein Mann, der sein Heim mit den Opfern ungelöster Mordfälle teilt und das scheinbar „normal“ findet. Ludwig Winther, der Vater von Esther, besucht Jakob Franck um ihn zu bitten den Selbstmord seiner Tochter von vor 20 Jahren nochmals zu untersuchen. Er glaubt nicht an einen Selbstmord. Ein Jahr nach dem Tod der Tochter bringt sich die Mutter um und Ludwig Winther findet keine Ruhe. Ludwig Winther ist ein Mann, der mit dem Leben gar nicht mehr zurecht kommt. Jakob Franck führt lange Ermittlungsgespräche mit ehemaligen Mitschülern von Esther, Familienangehörigen und allen, die in den Ermittlungsakten aufgeführt sind. Diese Gespräche, eigentlich Verhöre, sind von eigentümlicher Art und Franck verlässt sich auf seine Gedankenfühligkeit – andere würden es Bauchgefühl nennen. Ein durch und durch düsteres Buch. Aber der Selbstmord-/Mordfall hat mich gefesselt und ich habe deshalb das Buch zu Ende gelesen. Das Ende (die Lösung des Falles) war für mich überraschend. Eher ungewohnt (für mich) sind die vielen Semikolone im Text. Der Schreibstil gefällt mir, auch aufgrund der verkastelten Semikolon-Sätze, nicht so gut. Die seitenlangen Ermittlungsgespräche haben mich ermüdet – sie nahmen für mich zu viel „Platz“ im Buch ein.

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  • Staubiges Schweigen und Lügengerümpel

    Der namenlose Tag

    Greedyreader

    21. February 2016 um 09:22

    In “Der namenlose Tag”, seinem neuesten Roman, stellt Friedrich Ani einen neuen Ermittler vor. Jakob Franck hat als Mordermittler im Dezernat 11 der Münchner Kriminalpolizei gearbeitet. Seit zwei Monaten ist er im Ruhestand. Seine alten Fälle lassen ihn jedoch immer noch nicht los. Die Toten besuchen ihn als Gespenster in seiner Wohnung, wo er mit ihnen spricht und sie mit Keksen bewirtet. Eines Tages meldet sich Ludwig Winther bei ihm. Der Selbstmord seiner 17jährigen Tochter Esther liegt 21 Jahre zurück. Seine Frau Doris hat sich genau ein Jahr nach dem Tod der Tochter ebenfalls durch Erhängen das Leben genommen. Fast alle Indizien deuteten damals auf Selbstmord hin, aber Ludwig Winther glaubt nicht daran und bittet den Ex-Kommissar, die Ermittlungen wieder aufzunehmen. Er nennt sogar einen Verdächtigen: den Zahnarzt Dr. Jordan aus der Nachbarschaft, der bekanntermaßen Beziehungen zu sehr jungen Mädchen hatte. Jakob Franck übernimmt den alten Fall, weil er sich dazu verpflichtet fühlt. Er hatte damals der Mutter die Todesnachricht überbracht und sie eine Nacht lang tröstend im Arm gehalten. Er fühlt sich schuldig, weil sein siebenstündiger Trost es der Frau nicht ermöglicht hat weiterzuleben. Franck prüft erneut die Akte des offiziell abgeschlossenen Falls, spricht mit Verwandten, Freunden und Bekannten und stellt fest, dass keiner offen ist, jeder etwas zu verbergen hat. (“Auf der Suche nach einem mutmaßlichen Mörder von Esther Winther hatte Franck die Tapetentüren der Familie und einer Handvoll Bekannter geöffnet und Verliese vorgefunden, die aus nichts als staubigem Schweigen und Lügengerümpel bestanden.“ S. 295). Franck hat schon bald das Gefühl, dass die Ermittlungen nicht gründlich genug waren, vor allem nicht im familiären Umfeld, wo angeblich alles gestimmt hat. Durch seine große Erfahrung und Menschenkenntnis, aber auch durch Intuition kommt Franck der Wahrheit immer näher. Wer Friedrich Anis Romane kennt, weiß, dass er keine handlungsprallen Reißer erwarten darf. Seine Romane bestechen durch psychologische Raffinesse, durch eine außergewöhnliche sprachliche Qualität, vor allem aber durch seine Ermittlerfiguren. Anis Kommissare sind beschädigte Menschen, die schwer an der Last ihrer eigenen Probleme tragen. Sie sind sensibel und empathiefähig, sie hören gut zu und beobachten sehr genau. Auch Jakob Franck ist so ein Protagonist. Ihm geht es nicht um eine Ermittlung, die zu Anklage, Prozess und Urteil führt, sondern um Wahrheitsfindung und Erkenntnis. Anis Themen machen seinen Roman tiefgründig. Er zeigt, dass Familie eine problematische Einrichtung ist, ein Ort des Schweigens und der Verstellung. Von zentraler Bedeutung ist auch die Frage, was der Tod von Angehörigen mit den Hinterbliebenen macht. Auch ohne reißerische Spannung oder gerade deshalb ist Ani ein hervorragender Roman gelungen. Wenn das der Auftakt zu einer neuen Serie ist, lese ich gern weiter.

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  • Ermittlungsmethode "Gedankenfühligkeit"

    Der namenlose Tag

    Nisnis

    Inhaltsangabe: Vor 18 Jahren hielt Kriminalhauptkommissar Jakob Franck eine von Trauer überwältigte Mutter sieben Stunden lang stumm in seinen Armen, nachdem er ihr die Nachricht über den Tod ihrer Tochter überbrachte. Als Franck gerade mal zwei Monate pensioniert ist, kontaktiert ihn Ludwig Winther, der Vater des toten Mädchens. Dieser glaubt noch immer nicht, dass die polizeilichen Ermittlungen eindeutig auf eine Selbsttötung durch Erhängen hinweisen, sondern er ist überzeugt, dass seine Tochter ermordet worden sei. Jakob Franck ist von dem Gespräch tief berührt. Mit Hilfe seiner ureigenen Methode der „Gedankenfühligkeit“ nimmt er die längst abgeschlossenen Ermittlungen des Falles in Eigenregie wieder auf, um die genauen Umstände, die zum Tode des jungen Mädchens führten, aufzuklären. Das Cover und der Titel: Das schwarz weiße Cover erscheint anmutig und edel. Ich vermute dass das Bild des Covers Rauch darstellen soll, der durch eine Luftbewegung sanft verwirbelt wird. Da der Herr Ex-Kommissar mit dem Vater eines toten Mädchens in einem Gespräch raucht, kann ich hier so den Zusammenhang zur Handlung herstellen. Der Titel „Der namenlose Tag“ ist die Bezeichnung für einen Tag, an dem ein Mensch gestorben ist, denn dieser Tag soll aus allen Gedanken und Kalendern gestrichen sein. Der Autor: Friedrich Ani, geboren 1959, lebt in München. Er schreibt Romane, Gedichte, Jugendbücher, Hörspiele und Drehbücher. Sein Werk wurde mehrfach übersetzt und vielfach prämiert, u.a. mit dem Deutschen Krimipreis, dem Adolf-Grimme-Preis und dem Bayerischen Fernsehpreis. Seine Romane um den Vermisstenfahnder Tabor Süden machten ihn zu einem der bekanntesten deutschsprachigen Kriminalschriftsteller.  Reflektionen: Diesen außergewöhnlich leisen Schreibstil musste ich mit äußerster Genauigkeit erlesen, sonst hätte ich den Sinn der Geschichte niemals erfassen können.  Zitat Seite 141: „Mitten im allgemeinen Aufbruchstrubel eines Freitags hatte die Frau ihre Richtung verloren; nun wartete sie – wie ein vergessener Koffer auf einem stillstehenden, aus dem Räderwerk gesprungenen Rollband, weit nach Mitternacht – auf jemanden, der das Licht wieder einschaltete; sie wartete auf einen Mechaniker, der ihr Gefüge reparierte oder ihr zumindest erklärte, wie es so weit hatte kommen können.“ Friedrich Ani erzaubert mit seinen Worten tiefgründige Emotionen aller Figuren hervor, die die Ermittlungsmethode „Gedankenfühligkeit“ des Kommissar Franck erst möglich machen. Eine durchaus neue und interessante Thematik, doch diese sprachliche Reise, um den Figuren die Emotionen zu entlocken, um das Ungesagte und das Unterlassene der Figuren zu bewerten, erfolgte ausschließlich melancholisch, leider sehr langsam und ohne jedes Tempo.  Auch wenn der Plot eine anmutige Tiefe beherbergt, die ich gewöhnlich sehr mag, war ich leider nicht gefesselt, denn die Langatmigkeit fraß mein Lesevergnügen fast vollständig auf. Spannungshöhepunkte konnte ich bei dieser gedämpften Grundspannung nicht empfinden.  Die Handlung ist voller Dialoge und gedanklichen Monologen, die alle in einem ähnlichen Sprachton geschrieben sind. Es gibt kaum ein rechts oder links, ein hoch oder runter. Ich empfand nur einen farblosen und zu monotonen Stil. Die Figuren sind schon sehr fein ausgearbeitet und die Charaktereigenschaften sind liebevoll bis engstirnig interessant kreiert und trotzdem konnte keine Figur meine Sympathien gewinnen.  Dieser Kriminalroman ist ein unblutiges Schauspiel, das sich hauptsächlich auf Emotionen und Gedankenreichtum stützt. Meine Erwartungen an diesen Roman waren sehr hoch angesetzt. Ich erwartete ein literarisches Highlight und einen äußerst spannenden Roman. Literarisch bin ich durchaus hier und dort begeistert worden, doch die fesselnde Spannung blieb bedauerlicherweise aus, da mich die Stille des Romans nicht mitreißen konnte. Mein Fazit: Meine Empfehlung geht an diejenigen, die einer leisen Geschichte lauschen möchten und einen literarisch hochwertigen Schreibstil wertschätzen.

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    • 3
  • Leider etwas langatmig

    Der namenlose Tag

    BubuBubu

    22. January 2016 um 18:52

    Der Kriminalhauptkomisar Jakob Franck ist seit zwei Monaten im Ruhestand. Er hofft darauf endlich ein Leben jenseits der Toten führen zu können.Allerdings verfolgt ihn ein Fall der mittlerweile zwanzig Jahre zurück liegt. Sein Job war es Todesnachrichten zu überbringen. So auch damals, als er der Familie Winther mitteilen muss dass ihre siebzehnjährige Tocher sich das Leben genommen hat. Nach dieser langen Zeit meldet sich der Vater des jungen Mädchens, Er glaubt nicht daran, dass es Suizid war. Er ist fest davon überzeugt, dass seine Tochter umgebracht worden ist auch wenn die Polizeiakten etwas anderes sagen - Selbstmord durch Erhängen . Jakob Franck nimmt den Fall an, seinen ersten Fall nach seiner Pesionierung. Ich bin leider mit dem Schreibstil überhaupt nicht warm geworden. Ich konnt dem ganzen irgendwie schwer folgen und es kam für mich leider keine Spannung auf. Trotzdem gab es einige Stellen die mir dennoch ganz gut gefallen haben. Ich mochte das Buch leider nicht so gerne, was vielleicht daran liegt dass ich sehr gerne Krimis lese, die sehr viel Handlung und Spannung enthalten. Die Charaktere fand ich teilweise sehr gut ausgearbeitet, z.B. den Ex- Kommissar Franck. Aber teilweise haben mir die Personen auch nicht gefallen. Ich hatte das Gefühl, dass viele der befragten Personen in einen ewigen Monolog verfallen und alle die gleiche Art zu sprechen haben. Das hat es für mich sehr eintönig gemacht. Die Thematik fand ich aber ganz spannend, leider nicht so gut umegsetzt. Dennoch habe ich beschloßen dem ganzen drei Sterne zu geben, da mir das Buch in Erinnerung geblieben ist und mir doch recht nah gegangen ist, besonders die Familienverhältnisse der Familie Winther. Das ist mein erstes Buch was ich von Friedrich Ani gelesen habe. Ich glaube wer seine Art zu schreiben mag,und wenig Action erwartet wird dieses Buch mögen. Mein Fall war es leider nicht.

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  • Uneingeschränkt lesens- und empfehlenswert!

    Der namenlose Tag

    imsprachgewand

    21. January 2016 um 22:01

    Der erste Fall um den Ex-Kommissar Jakob Franck, dessen Spezialität es zu Dienstzeiten gewesen ist, Todesnachrichten zu überbringen, liest sich im positivsten Sinne ebenso unaufgeregt wie Friedrich Anis Tabor-Süden-Reihe. Action und einander auf dem Fuße folgende Cliffhanger? Fehlanzeige. Ist für einen sauguten Krimi aber auch gar nicht zwingend erforderlich, wie Ani einmal mehr unter Beweis stellt. Vielmehr lebt sein Text von den gewohnt fein gezeichneten Charakteren und der Atmosphäre, die entsteht, wenn sich ein Autor auf behutsame Weise seinen Figuren nähert. Wie immer begegnet Friedrich Ani jeder einzelnen dieser Figuren mit großem Einfühlungsvermögen, eröffnet Blicke hinter die Fassaden, die sie so krampfhaft bemüht sind, aufrechtzuerhalten, und verleiht seiner Handlung dadurch eine Tiefe, die auf dem deutschsprachigen Krimi-Markt ihresgleichen sucht. Dass diese ganz besondere Art der Spannung, deren Nährboden nicht das Blutvergießen ist, sondern die Schuld des Schweigens und des Nichtbeachtens, keineswegs einem geschickt komponierten Plot entgegensteht und Ani dafür ein weiteres Mal mit dem Deutschen Krimipreis honoriert wurde, finde ich ebenso beachtlich wie erfreulich. Besonders schön: Wer schon mal in den Genuss kam, den Autor lesen zu hören, der wird nicht umhinkommen, diese warme Stimme mit dem sanften bayerischen Einschlag auch beim weiteren Lesen im Ohr zu behalten - eine Stimme, die zu Anis neuem Ermittler Jakob Franck, diesem leisen, leicht verschrobenen und dabei stets hellwachen Ex-Kommissar, so wunderbar passt wie zu keinem seiner Protagonisten zuvor. Pluspunkte in Sachen Ästhetik gibt es zudem für die wunderschöne Umschlaggestaltung der ZERO Werbeagentur in München.

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