Ermordung des Glücks

von Friedrich Ani 
4,3 Sterne bei62 Bewertungen
Ermordung des Glücks
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Serienmörder, Blutgelage, Verfolgungsjagden? Fehlanzeige. Die Spannung in “Die Ermordung des Glücks” kommt leise und unaufgeregt daher.

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M

Deprimierender Scheinkrimi

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Inhaltsangabe zu "Ermordung des Glücks"

Das Glück wird ermordet, als der 11-jährige Lennard Grabbe im kalten Novembermünchen nicht nach Hause kommt und 34 Tage später als Mordopfer aufgefunden wird. Exkommissar Jakob Franck, den man bereits aus Der namenlose Tag kennt, überbringt den Eltern die schrecklichste aller Nachrichten – das Glück verschwindet. Aber auch das Glück anderer, mit Lennard in Verbindung stehenden Personen endet abrupt oder wird ermordet.
Während die Sonderkommission auf der Stelle tritt und die Familie keinen Weg findet, mit dem Verlust umzugehen, vergräbt Franck sich bis zur Erschöpfung in Zeugenaussagen und Protokollen, verbringt Stunden am Tatort und bedient sich seiner speziellen Technik der Gedankenfühligkeit – immer in der Hoffnung, das „Fossil“, den einen ausschlaggebenden Faktor zur Aufklärung des Falls, ans Licht zu bringen. Angetrieben wird er dabei nicht nur von dem Bedürfnis, der Familie zu Klarheit zu verhelfen und so ihre Trauer zu lindern, sondern auch von den schmerzhaften Erinnerungen an die ungelösten Mordfälle seiner Karriere. Nach dem mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichneten Auftakt der Reihe um Jakob Franck, Der namenlose Tag, folgt nun der langerwartete zweite Teil, Ermordung des Glücks. Friedrich Ani vereint erneut grenzenlose Traurigkeit, menschliche Abgründe und atemlose Spannung in einem an Melancholie kaum zu übertreffenden Roman.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783518427552
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:317 Seiten
Verlag:Suhrkamp
Erscheinungsdatum:11.09.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 06.09.2017 bei OSTERWOLDaudio erschienen.

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    MikkaGs avatar
    MikkaGvor 9 Tagen
    Kurzmeinung: Serienmörder, Blutgelage, Verfolgungsjagden? Fehlanzeige. Die Spannung in “Die Ermordung des Glücks” kommt leise und unaufgeregt daher.
    Nächte allumfassender Sprachlosigkeit

    “Friedrich Ani vereint erneut grenzenlose Traurigkeit, menschliche Abgründe und atemlose Spannung in einem an Melancholie kaum zu übertreffenden Roman.”

    Behauptet die Klappbroschur.

    Atemlose Spannung? Das kommt wohl drauf an, wie man Spannung definiert, was man von einem spannenden Roman erwartet. Serienmörder, Blutgelage, Verfolgungsjagden? Fehlanzeige. Die Spannung in “Die Ermordung des Glücks” kommt leise und unaufgeregt daher.

    Die spezielle Methode des Ex-Kommissars Jakob Franck ist die ‘Gedankenfühligkeit’: eine Art meditative Selbsthypnose, eigentlich das genaue Gegenteil von ‘atemlos’. Da kann es schon mal vorkommen, dass er stundenlang bewegungslos und schweigend auf ein Beweisstück starrt, bis das Beweisstück zu ihm spricht – oder auch nicht.

    Aber grenzenlose Traurigkeit, menschliche Abgründe und Melancholie, das trifft es sehr gut. Ich visualisiere Szenen beim Lesen immer sehr stark, und hier habe ich graue Menschen auf grauen Straßen unter grauem Himmel vor mir gesehen, zu einem inneren Soundtrack melancholisch pfeifenden Winds. Man hat das Gefühl, es müsse unaufhörlich regnen in Friedrich Anis Version der Welt.

    Zitat:
    »Das ist unser Versagen«, rief er. »Wir sind blind und taub und verstaubt, unsere Routine hat uns stumpf gemacht…«

    Die Schwermut ist kaum zum Aushalten, man kann erahnen, wie verloren und zerstört sich die Hinterbliebenen in diesem Roman fühlen. Alles bricht auseinander, und dahinter kommen alte Wunden und alte Schuld zum Vorschein.

    “Ich fange ein Buch nicht mit der Absicht an, immer noch mehr Finsternis in den Text hineinzuschaufeln. Überhaupt nicht.”
    (Friedrich Ani in einem Interview mit der Berliner Zeitung)

    Dennoch ist die Finsternis da – und man will trotzdem weiterlesen. 

    Jakob Franck überbringt die Nachricht von der Ermordung des Glücks; auch nach seiner Pensionierung fungiert er weiterhin als Todesbote des Kriminalkommissariats. Wenn er nach Hause kommt, sitzen die Toten an seinem Küchentisch und trinken Tee. Wahnvorstellung, paranormale Erscheinung oder Visualisierung des Leids?

    Es wird nicht erklärt, und das muss es auch nicht.

    Überhaupt lässt der Roman vieles offen, obwohl der Tod des kleinen Lennard am Schluss aufgeklärt ist. Diese Aufklärung erscheint fast nebensächlich, es ist ohnehin niemandem damit geholfen – als wäre es von Anfang an gar nicht darum gegangen, sondern um die Trauer, den Selbstbetrug, das ganze Kaleidoskop menschlicher Emotionen.

    Es geht auch darum, was die Trauer mit den Menschen macht.

    Zitat:
    “Vor drei Monaten war sie die Mutter eines elfjährige Sohnes, und nun, da er tot ist, existiert sie nicht mehr. Jedenfalls stelle ich mir vor, dass sie ihr Dasein für einen Irrtum hält, eine optische Täuschung, eine Beleidigung der Natur.”

    Friedrich Ani hat ein feines Gespür für die Gefühle seiner Charaktere; in den Monologen und Dialogen erreichen die Emotionen eine schmerzliche Intensität. Die Charaktere sind in meinen Augen grandios geschrieben, besonders Ex-Kommissar Jakob Franck hat eine ungeheure Präsenz.

    Der Schreibstil ist außergewöhnlich, fernab der Klischees. Er besitzt eine Art düsterer Poesie und entwickelt sehr viel Atmosphäre. Nur manchmal erschien mir der Sprachklang nicht authentisch, wenn die eher ungebildete Mutter des kleinen Todesopfers spricht.

    FAZIT

    Ein kleiner Junge verschwindet und wird 34 Tage später tot aufgefunden. Der pensionierte Kommissar Jakob Franck überbringt den Eltern die schreckliche Nachricht und der Fall lässt ihn danach nicht mehr los, weswegen er sich mit seiner außergewöhnlichen Methode der ‘Gedankenfühligkeit’ in die Ermittlungen einmischt.

    Ein tiefgründiger Kriminalroman, der die Emotionen, Geheimnisse und Abgründe der Hinterbliebenen durchleuchtet.

    Diese Rezension erschien zunächst auf meinem Buchblog:
    https://wordpress.mikkaliest.de/2018/09/15/rezension-friedrich-ani-ermordung-des-gluecks/

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    Toxicass avatar
    Toxicasvor 6 Monaten
    Ein beeindruckendes Buch!

    Den pensionierten Kriminalbeamten Jakob Franck kenne ich bereits aus dem ersten Teil "Der namenlose Tag". Ich nahm ihn als einen authentischen und liebevollen Charakter wahr, ohne Berührungsängste, jedoch mit viel Mitgefühl seinen Mitmenschen gegenüber ausgestattet. Dieses Bild von ihm blieb mir im zweiten Teil erhalten.

    Um was geht es? Wie muss es sich für ein Ehepaar anfühlen, wenn der eigene Sohn nicht mehr nach Hause kommt?

    Der 11-jährige Lennard verschwindet eines Tages nach dem Sport. Die Polizei hat keinerlei Anhaltspunkte. Aufgrund eines starken Unwetters, lassen sich weder Zeugen noch verwertbare Spuren finden. 34 quälende Tage lang warten die Eltern auf den einen tröstlichen Anruf. Die Wahrheit jedoch dringt kompromisslos und mit zerstörerischer Kraft in die Realität ein. Man findet die Leiche des Jungen in einem Waldgebiet. Jakob Franck ist es schließlich, der die schreckliche Nachricht den Eltern überbringt. Man spürt förmlich, wie die Hoffnung, an die sie sich bis zuletzt klammerten, mit einem Fingerschnipp entschwindet und erdrückende Trauer an ihre Stelle tritt. Während der Vater verzweifelt Halt bei seiner Frau sucht, zieht diese sich zunehmend zurück. Die neue Zweisamkeit scheint zu zerbrechen. Trotz aller Bemühungen der Beamten, stagnieren die Ermittlungen. Man will den Fall zu den Akten legen, doch Jakob Franck hat bereits für sich entschieden, so lange nach dem Täter zu suchen, bis dieser gefasst wird.

    Die Charaktere sind authentisch, ihr Auftreten gut durchdacht. Friedrich Ani lässt beinahe jede Figur selbst zu Wort kommen. Wer den ersten Teil gelesen hat, weiß, dass der Autor den Fokus primär auf die einzelnen Protagonisten legt und den Kriminalfall sowie dessen Lösung absichtlich sekundär thematisiert. Weg von all den pauschalisierenden Klischees, die mit den Charakteren des Genres "Krimi" indes einhergehen.

    Der Schreibstil ist auch im Nachfolgeband ziemlich anspruchsvoll. Dies ist keine Lektüre, die man vor dem Zubettgehen liest. Vielmehr sollte dem Buch besondere Aufmerksamkeit zuteil werden. Die Sprache glänzt mit einer atmosphärisch dichten, ergreifenden und unmissverständlichen Präzision.

    Das Cover ist in einem dezenten Blauton gehalten, der Name des Autors in Schwarz, der Buchtitel in Weiß. Zu sehen sind die Silhouetten zweier Erwachsener und die eines Kindes. Passend, wie ich finde, wenn man den Inhalt kennt.

    Fazit: Dieser Krimi hat mich emotional gepackt, hochgeworfen und wieder aufgefangen. Derart schwermütige Melancholie erlebe ich selten beim Lesen. Ein beeindruckendes Buch!

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    G
    Gisevor 10 Monaten
    Bleierne Schwere

    Als der elfjährige Lennard ermordet aufgefunden wird, verschwindet das Glück aus seiner Familie: keiner kann allein, aber auch nicht miteinander mit dem Schmerz über den Verlust fertig werden. Sie scheinen aus der Zeit gefallen zu sein. Jakob Franck, der pensionierte Kriminalhauptkommissar, möchte der trauernden Mutter den Mörder mitteilen, verbeisst sich in den Fall – und wie auch in „Der namenlose Tag“ wird ihm das Unmögliche gelingen, er wird nach einer langen Suche den Mörder finden.

    Dies ist bereits der zweite Teil um den ehemaligen Kriminalhauptkommissar mit seinen besonderen Fähigkeiten, der es schafft, auch den am besten versteckten Hinweis zu finden und damit den Fall zu lösen. Wie bereits im ersten Band habe ich mich mit dem Sprachstil sehr schwer getan, die Sätze kamen mir erneut sehr verschwurbelt und von Wiederholungen geprägt vor, dass ich sehr oft den roten Faden verloren habe. Ich habe mich durch Anis Erzählung durchgequält.

    Die düstere, von bleierner Schwere belastete Geschichte hat ihr übriges getan, dass ich festgestellt habe: Dieser Autor ist nichts für mich.

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    Mar_Gits avatar
    Mar_Gitvor 10 Monaten
    Eine Geschichte die aufzeigt, wie zerbrechlich das Glück doch sein kann

    Mit "Ermordung des Glücks" habe ich mein persönlich erstes Buch vom Autor Friedrich Ani gelesen. Dies verdanke ich dem Suhrkamp Verlag, denn im Rahmen eines Gewinnspiels durfte dieser mitreißende Kriminalroman bei mir einziehen. Aufmerksam geworden bin ich auf das Buch bereits über Vorablesen, das Cover und der Titel zogen mich magisch an. Die Leseprobe war faszinierend. Und so habe ich den Krimi in wenigen Tagen, gefesselt von der Geschichte, gelesen.

    Zum Inhalt:
    Ex-Kommissar Jakob Franck muss den Eltern Tanja und Stephan Grabbe die erschaudernde Todesnachricht von Ihrem geliebten Sohn Lennard zubringen. Seit 34 Tagen wurde der Junge vermisst und nun ermordet in einem Waldstück aufgefunden. Vor allen Dingen für Tanja bricht damit eine Welt zusammen. Doch mit der Überbringung dieser schrecklichen Worte ist für Franck der Fall noch längst nicht beendet. Denn Außer Dienst heißt für ihn nicht, das er kein Teil des Fahndungsteam sein möchte. So beginnt er mit seinen eigenen Ermittlungen. Steinhart festgebissen am Fall bringt er den Stein ins Rollen. Er wühlt tief in der Vergangenheit, führt viele Gespräche mit potentiellen Zeugen und der Familie und trägt so hilf- sowie erfolgreich zu der Auflösung des Falles bei.

    Meine Meinung:
    Auch wenn ich den erstes Teil der Serie um Kommissar Franck nicht gelesen habe, finde ich sehr schnell in die Geschehnisse hinein und kann den einzelnen Charakteren problemlos folgen.
    Was mich fasziniert die Kraft, mit der sich Franck in dem Fall festbeißt. Man merkt genau, dass er aus seiner beendeten Dienstzeit noch 4 ungelöste Mordfälle zurück lassen musste und er nun zumindest diesen Todesfall um den kleinen Lennard - das Glück der Familie Grabbe - klären muss um für sich selbst zur Ruhe zu finden.

    Sprachlich ist das Buch sehr faszinierend. Durch den Stil von Ani wirkt die ganze Geschichte sehr düster - man kann sie mit den Farben des Covers vergleichen. Es geht hier nicht um seine Gefühle sondern und wohl überlegte Denkweisen und die klare Sicht auf die Dinge.

    An sich ist die Geschichte ein eher ruhiger Krimi, mehr ein Roman der das Schicksal beleuchtet, dass der Familie des Toten Kindes widerfährt. Es geht um tiefe Abgründe und präzise Ermittlungen.

    Ich kann dieses Buch definitiv weiterempfehlen und vergebe sehr gerne 4 von 5 Sternen.


           

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    AKRDvor einem Jahr
    Toller zweiter Fall

    Im zweiten Teil der Reihe um Exkommissar Jakob Franck wird das Glück nicht nur sprichwörtlich ermordet, sondern absolut wahrhaftig, schrecklich und in Persona des kleinen Lennard...

    Er durfte nur elf Jahre alt werden und bevor man seine Leiche fand, bangten die Eltern ganze 34 Tage um ihn. 34 Tage voller Kopfkino, voll grausamer Szenarien, von denen dann das schlimmste leider Realität wurde...

    Man mag es sich gar nicht vorstellen - das Schlimmste, was Eltern passieren kann..!


    Friedrich Ani zeichnet sich ja durch einen sehr feinen, gut beobachtenden und prägnanten Schreibstil – er geht auch dieses Thema sehr behutsam an. Das hat mir ausnehmend gut gefallen, weil es auch dieses Thema verdient hat, sorgsam erzählt zu werden.

    Es hätte ein Krimi werden können und auch wenn ich diese gerne lese, so fand ich diese Art, die Geschichte eher als „Psychogramm“ aufzuziehen, viel besser. Das passt einfach besser zum Autor, zur Geschichte und liest sich einfach nicht so gewöhnlich. Viele Krimis tun sich schwer, es wiederholt sich viel, da ist dieser Ansatz erfrischend neu und fand bei mir daher auch großen Anklang.


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    W
    WinfriedStanzickvor einem Jahr
    Über die Essenz des Lebens und des Leidens



    Selbst versierte Krimileser könnten wahrscheinlich nicht auf Anhieb sagen, wieviel verschiedene Ermittlerfiguren der Schriftsteller Friedrich Ani im Laufe seiner langen  literarischen Tätigkeit schon erfunden hat. Am bekanntesten ist wohl der Kommissar Tabor Süden, den Ani zuletzt aus dem Ruhestand noch in einigen Büchern ermitteln ließ. Wahrscheinlich auch deshalb, weil diese Serie über ein Dutzend Bücher über einen Zeitraum von fast zwei Jahrzehnten umfasste. An so manchen Ermittler, der danach folgte, und den Ani meist schon nach zwei oder drei Büchern durch einen anderen ersetzte, erinnert sich kaum noch jemand, was schade ist, denn jeder dieser Männer hatte eine außergewöhnliche Lebensgeschichte, wie sie nur Ani erfinden kann und alle einte sie eine Ermittlungsmethode, die man so bei kaum einem anderen Polizisten in der Krimiszene findet.

    Anis Ermittler setzen sich selbst auf Spiel. Selbst jeweils auf unterschiedliche Arten aus der Welt gefallen und ihr eigenes Leben und seine Geschichte verloren glaubend, sind sie auf eigentümliche Weise in der Lage, das Schicksal der Täter und ihrer Opfer auf eine fast körperliche Art zu spüren und zu erleben, die sie während ihre Ermittlungen nicht selten selbst an deren Rand des Todes bringt.

    Ani lässt sie mit Regelmäßigkeit auf Menschen treffen, die auf irgendeine Weise sich selbst verloren gegangen sind. Unsichtbar geworden, leben sie mitten unter uns und Ani gibt ihnen durch seine Kommissare und ihre absolut ungewöhnliche Art, Kriminalfälle zu lösen, ihr Gesicht, ihre Geschichte und ihre Menschenwürde zurück.

    Sein neuer Ermittler Jakob Franck, den Ani nun schon in einem zweiten Fall präsentiert, ist so ein Sucher nach Verlorenem und Verschwundenem. Seit einiger Zeit im Ruhestand, hat er sich dort noch gar nicht recht eingerichtet, glaubt aber endlich ein Leben  jenseits der Toten  beginnen zu können, nachdem er über viele Jahre in seinem Dezernat sozusagen der Spezialist für die Überbringung von Todesnachrichten war, und das auch nach eigener Einschätzung immer ziemlich gut gemacht hat. So wie viele seiner Vorgänger lebt Jakob Franck allein, nachdem nicht nur sein  Job als Polizist seine Ehe scheitern ließ. Schon in seinem ersten Fall, „Der namensloseTag“, für den Ani völlig zu Recht den Deutschen Krimipreis erhielt, führten ihn seine Ermittlungen nicht nur in die Katakomben seiner eigenen  Vergangenheit, sondern auch auf eine ganz besondere Weise zurück in eine Verbindung zu seiner Ex-Frau Marion Siedler, die einzige Frau, die ihn wirklich kennt und versteht.

    Auch im neuen Fall wird Jakob Franck schmerzlich mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert. Als nach 34 Tagen, in dem der 11-jährige Lennard Grabbe vermisst wird, seine Leiche gefunden wird, überbringt Franck den verzweifelten Eltern die Nachricht und bleibt die ganze Nacht bei ihnen, schweigend und schon hier mit der schmerzlichen Erinnerung an seine eigene in der Jugend ermordete Schwester konfrontiert.

    Obwohl Franck alle Protokolle der Mordkommission, die ihn wieder um Unterstützung gebeten hat, durchgeht, und alle Zeugen erneut befrag, fehlt vom Mörder jede Spur. Mit vielen Details, die Franck so herausfindet, baut Ani eine richtige Spannung auf. Auch die umfangreiche Beschreibung des seelischen Zustandes der Eltern des Jungen und eines, wie Jakob Franck bald richtig vermutet, Geheimnisses, das den Onkel von Lennard mit dessen Mutter Tanja verbindet, unterscheidet Anis Stil und literarische Technik von den meisten anderen Kriminalromanen.

    Während etwa ein Gerichtsmediziner völlig ohne Emotionen arbeitet, setzt sich Franck seinen eigenen Emotionen und denen der Menschen, denen er begegnete, bedingungslos aus. Ani beschreibt das so:
     „Was Franck meinte, war sein ureigenes, professionelles, wenn nötig rücksichtsloses Zerstückeln der Umstände, das Ausgraben halbverwester Wahrheiten,  das Offenlegen ebenso verständlicher wie oftmals schmutziger Überlebenstricks. Die Aufklärung eines Mordes oder eines zwielichtigen Todes bedeutete, dass ein Kommissar das Recht hatte, die Welt des Menschen, der gewaltsam gestorben war, von Grund auf zu erschüttern und deren Bewohnern so lange mit unnachgiebiger Genauigkeit ihre Gewohnheiten zu entreißen, bis sie nackt in der Kälte standen und sich ihrer Erbärmlichkeit bewusst wurden. Erst von diesem Moment an – davon war Franck überzeugt – gelangte das Opfer auf den Weg zum ewigen Frieden.“

    So wie viele seine Vorgänger ist Franck nicht religiös, hat aber immer einen Zugang zu den spirituellen Dimensionen des Lebens und den sündhaften Abgründen menschlicher Existenz. Er nähert sich ihnen mit einer von ihm selbst entwickelten  Methode, die er  „Gedankenfühligkeit“ nennt, und die ihm ungeahnte Einblicke in die Gedanken- und Gefühlswelt nicht nur der Menschen, denen er begegnet, vermittelt, sondern auch und gerade in seine eigene.

    Das macht ihn in manchen Situationen zum Therapeuten und Seelsorger, bringt ihn aber keinen Meter von seinem eingeschlagenen Weg ab. Ein Weg, der ihn Kraft kostet, aber ihn sehr nah kommen lässt, dem, was Ani seit vielen Jahren beschäftigt: der Essenz des Lebens und des Leidens.

    Im neuen Fall wird von Ani die spirituelle Dimension dieser Essenz ganz besonders betont. Das überraschende Ende des Buches ist meiner nach ernst gemeint und drückt eine leidenschaftliche und unzerstörbare Hoffnung aus auf gelingendes und versöhntes Leben, auch nach dem Tod.





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    LibriHollyvor einem Jahr
    Ein Krimi der besonderen Art

    Der Tod des eigenen Kindes ist sicherlich das Schlimmste, was Eltern wiederfahren kann.

    Wenn das Kind dazu noch ermordet wurde ist der Alptraum perfekt. Die Zeit scheint stillzustehen, unendlicher Schmerz, „absolute Abwesenheit“, das Glück auf immer verloren. Die Welt wird nie wieder dieselbe sein.

    Lennard Grabbe ist gerade einmal 11 Jahre alt, als er an einem regnerischen Abend nach der Schule spurlos verschwindet. 34 Tage später wird jede Hoffnung durch die Wirklichkeit zerschlagen, Lennard wird tot aufgefunden. Vom Täter fehlt jede Spur. Ein Alptraum für die Eltern, aber auch für die Ermittler. Wenn Kinder die Opfer sind, lässt das selbst die härtesten, erfahrensten Ermittler nicht unberührt, noch dazu, wenn vom Täter jede Spur fehlt und ein Motiv nicht ersichtlich ist.

    Mit „Ermordung des Glücks“ schickt Erfolgsautor Friedrich Ani den pensionierten Kommissar Jakob Franck erneut ins Rennen. Wie auch bereits bei Anis andere Figuren, handelt es sich bei Franck um einen eher untypischen Ermittler, schweigsam, in sich gekehrt, gilt er bei seinen Ex-Kollegen als absoluter Spezialist für die Überbringung von Todesnachrichten an die Hinterbliebenen.

    „Todesworte, geschöpft aus jahrelanger Erfahrung als Verteiler von Sätzen in den Nächten allumfassender Sprachlosigkeit.“ S. 35

    Ja, hier und da kann Ani den Lyriker in sich nicht verleugnen. Merkt man dem Autor den Spaß am Spiel mit Sprache und Worten an. Doch gerade dieser besondere, ganz eigene Ton, ebenso wie die nicht gerade alltägliche Methode der sog. „Gedankenfühligkeit“ (eine Wortschöpfung Anis) als Ermittlungsansatz Jakob Francks machen Anis Bücher, nicht nur im Rahmen dieses Falls, zu einem sehr speziellen Krimierlebnis. Die Genregrenzen scheinen durchlässig, ja, werden von Ani gar aufgebrochen. Und so macht nicht nur Jakob Franck die Gefühle der Täter, sondern auch Ani mit ihm und durch ihn die Gedanken seiner Figuren fühlbar, greifbar für den Leser. Lässt uns tief hineinblicken in das Innenleben seiner Protagonisten und genau dieser psychologische Moment macht seine Bücher zu etwas ganz besonderem und seine Krimis zu einem unglaublich intensiven Leseerlebnis.

    Nicht jedem gelingt es in solch ruhigem Ton und geradezu langsamer Erzählweise, eine solch unglaubliche Spannung zu erzeugen.

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    Maddinliestvor einem Jahr
    Das Gefühl von Leere


    Exkommissar Jakob Franck hat die Aufgabe den Eltern des 11-jährigen Lennard Grabbe alle Hoffnung, nach dessen spurlosen Verschwinden vor 34 Tagen, zu nehmen. Der Leichnam des Kindes wurde in einem nahegelegen Wald aufgefunden. Alles spricht dafür, dass Lennard Opfer eines Gewaltverbrechens geworden ist, aber es fehlen jegliche Spuren. Mit einem unglaublichen Aufwand werden alle Bewohner der Umgebung, wo Lennard zuletzt gesehen wurde befragt, allerdings ohne brauchbares Ergebnis. Es schient als handele es sich um einen Fall, der ungeklärt zu den Akten gelegt wird, was Jakob Franck allerdings nicht akzeptieren will...


    "Ermordung des Glücks" ist der zweite Kriminalroman um den ehemaligen Kommissar Jakob Franck. Der erste Band "Der namen-lose Tag" hatte mir schon auf seine sehr eigenwillige Art gut gefallen, so dass ich mit hohen Erwartungen in das Buch gestartet bin. Ich wurde auch definitiv nicht enttäuscht. Friedrich Ani erzählt den Krimi-nalroman in seiner sehr eigenen und zum Teil schon poetischen Art, die das Buch zu etwas Besonderen machen. Es ist sicherlich nicht ganz einfach zu lesen und erfordert durchaus auch immer die volle Konzentration, aber dadurch unterscheidet es sich auch von vielen Büchern dieses Genres. Der Hauptprotagonist Jakob Franck besticht durch seine sehr ruhige und besonnene Art. Er besitzt die große Gabe seinem Gegenüber die volle Aufmerksamkeit zu schenken und ihm zuzuhören. So stehen in "Ermordung des Glücks" auch keine rasanten Verfolgungsjagden und blutrünstige Taten im Vordergrund, sondern in erster Linie die Gedanken und Gefühle der beteiligten Personen. Sehr ausführlich widmet sich hier der Autor dem Umgang mit dem Tod. So stehen die nahen Angehörigen und deren Umgang mit der dramatischen Situation im Vordergrund und treiben Jakob Franck zum unermüdlichen Recherchieren in einem scheinbar hoffnungslosen Fall. Die Aufklärung ist hier zwar immer ein primäres Ziel des Hauptprotagonisten, aber die Spannung erhält das Buch über die zwischenmenschlichen Beziehungen und Konflikte.


    "Ermordung des Glücks" ist ein gelungener und sehr außergewöhn-licher Kriminalroman, der aus meiner Sicht schon allein aufgrund des Schreibstils von Friedrich Ani lesenswert ist. Ich empfehle das Buch daher sehr gerne weiter und bewerte es mit guten vier von fünf Sternen.

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    Radermachervor einem Jahr
    Kurzmeinung: Wie erwartet gut geschrieben, aber nicht einfach zu lesen. Ziemlich düster, die Auflösung kam überraschend und ließ viele Fragen offen.
    Ermordung des Glücks: Mein erster Ani

    Ich habe dieses Buch gekauft, um als Schriftsteller von einem der besten Krimi-Autoren Deutschlands zu lernen. Das Ergebnis ist allerdings ziemlich ernüchternd.

    Friedrich Ani kann schreiben, das habe ich nicht anders erwartet und kann ich nur bestätigen. Einige Sätze waren schlicht genial, bei manchen Einfällen dachte ich, darauf musst du erst einmal kommen. (Ob man so etwas lernen kann, bezweifle ich jedoch.)

    Der Schreibstil in "Ermordung des Glücks" ist sehr gewöhnungsbedürftig. Weshalb der Starautor lieber Semikoli statt Punkte setzt, bleibt sein Geheimnis. Die Lesbarkeit fördert es jedoch nicht. Ebenso wenig die Spannung. Auch ich konnte maximal zwei Kapitel am Stück lesen.

    Das Buch wird gelobt für seine melancholische Grundstimmung. Das macht er hervorragend, genauso wie die Personen sehr genau beschrieben sind.

    Die Auflösung des Falles kam für mich sehr überraschend und war in meinen Augen kaum nachvolhziehbar. Darüber hinaus gibt es einige Passagen, bei denen man sich fragt, weshalb sie im Buch stehen. Vermutlich um zu zeigen, wie kaputt die einzelnen Figuren sind. Mit dem eigentlichen Fall hat dies allerdings nichts zu tun.


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    HK1951vor einem Jahr
    Das entwichene Glück

    Ich schätze, alle Eltern würden mir beipflichten, dass das Schlimmste, das sie sich vorstellen können, ist, ihr Kind zu verlieren; es lange vor seiner Zeit gehen lassen zu müssen, vor sich selbst...

    Und wenn das Kind dann noch ermordet wird (das soll natürlich andere Todesarten keinesfalls „abmildern“ bzw. schmälern, denn selbstverständlich sind alle sehr grausam und kaum bis gar nicht verkraftbar..!), gibt das dem Ganzen noch eine ganz andere Dimension. Man ist noch hilfloser, hatte keine Chance, das Kleine irgendwie noch zu retten...


    Eben dies passiert in Friedrich Ani´s neuestem Werk „Ermordung des Glücks“ den Eltern des 11-jährigen Lennard. 34 Tage lang müssen sie in grausamer Ungewissheit ausharren, bis die schreckliche Wahrheit ans Licht kommt...


    Ex-Kommissar Jakob Franck überbringt die Todesnachricht und verbeißt sich regelrecht in den Fall, bis zur puren Erschöpfung. Denn er spürt genau, dass die Familie nicht damit abschließen, keinen Frieden finden kann, ehe der brutale Mörder nicht gefasst ist...


    Nach „Der namenlose Tag“ ist dies nun der zweite Band um Kommissar Franck und wiederum beweist Ani auch hier sein schriftstellerisches Können. Er hat eine ganz feine Beobachtungsgabe, wählt seine Worte deutlich mit Bedacht und es gibt bei ihm keine langatmigen Stellen; es ist alles da, wo es hingehört, wenn ich das mal so flapsig ausdrücken darf.




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